Wie am Himmel ruht das blaue Gebirg,
so steht am Rande der Jahre immer die
Heimat, zugewendet den Gesichtern der
Jugend, aus der Schale der Träume fließt sie.

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Es wachsen die Sterne über die Felder herauf,
im Dickicht der Wälder atmet noch immer die Sage,
aus der Quellen Mund reden die Geister:
in uralter Verzauberung endet der Pfad.

***

Dumpf engen die Städte sich ein, aber über
die Berge donnern die Wogen der Stürme, an
zaudernden Flüssen ruhen die Ebenenreich.

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Der Mensch schlägt Wurzeln überall, aber am
fröhlichsten ist Heimat. Jahrhunderte leben
in allem und allem mit ihr, und aller Dinge
Ursprung ist sie.

Gedichte Leitgedanken

Als Säer wir kammen
in saatlose Wildnis,
es quollen die Schollen
von unseren Pflug.

Wir fällten viele Bäume,
wir hellten die Räume,
wir schufen dieses Land,
das die Heimat uns trug.

Wir drangen ins Herze
den Bergen und Erze,
wir gruben und huben
viel Reichtum hervor.
Die Esse erlohte,
es stiegen die Schlote
noch übern höchsten Turm
dein Dome empor.

Wir schafften und rafften,
vergessen des Geistes,
da traf uns, O Herr,
deine richtende Hand!
Nun sehn dein Gebot wir,
nun danken der Tod wir
und beten nur um eins:
Herr, Schirm unser Land.

Wilhelm Pleyer

Abbildungen Gedichte

Mein Kind

Ein Kind ist mir geboren.
Wir lagen in der Schlacht;
da hat mich solches Wissen
beglückt und stark gemacht.

Ein Kind mit zarten Gliedern,
mit Händen seidenweich.
Kein Bild in meinen Herzen
kommt solcher Zartheit gleich.

Die Schlacht, die wird geschlagen,
mein Kind, das lächelt bald.
In unsere tiefsten Träume
das schwere Feuer hallt.

Was kann mir noch geschehen?
Zu Hause spielt mein Kind
mit tausend bunten Blumen
und mit dem Abendwind.

In allen unseren Schlachten,
beim Marsch und nachts im Zelt,
da spürt mein Herz die Liebe,
die uns verbunden hält.

Die schweren Waffen schweigen,
der Abend lastet schwer,
und mit den braunen Nebeln
kommt weit die Sehnsucht her.

Ich weiß, wofür ich kämpfe;
zu Hause lacht mein Kind;
Und darum bin ich stärker
als Schmerz und Opfer sind.

Kurt Kuberzig

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