WENIGE Monate vor dem 17. März des Jahres 1770, an welchem Giovanni Battista Tiepolo fern von der Heimat, in Madrid, ein Leben beschloss, das reich gewesen war an Arbeit und an Erfolgen, hatte der Mann die spanische Hauptstadt verlassen, der, ein Todfeind des Venezianer Meisters, am meisten dazu beigetragen hat, seinen Ruhm zu zerstören: Anton Raffael Mengs. Durch seine Schriften, in denen er die Nachahmung der grossen Meister der Renaissance als einziges und wahres Rezept anpries für die Gesundung der Kunst, wie durch seine Werke, die allerdings dem modernen Betrachter nur beweisen, dass Mengs sich nach seinen eigenen Theorien zu richten nicht befähigt war, stellte er sich zu dem Kunstschaffen Tiepolos in den denkbar schärfsten Gegensatz; und indem seine Kunstlehre für eine gewisse Zeit, besonders in Deutschland, den grössten Einfluss gewann, seine Werke aber infolge ihrer kalten, akademischen, unpersönlichen Glätte den Augen der Zeitgenossen, die sich an lockeren Umrissen und bunten Farben-spielen müde gesehen hatten, als vollendete Meisterwerke erschienen, ging das Verständnis für Tiepolos künstlerische Bedeutung verloren. Goethes Ausspruch, eine Absage an die Kunstrichtung, deren vorzüglichster Repräsentant der Venezianer gewesen ist, ist sicher unter dem Einfluss der Lehren von Mengs gethan worden:

„Schwache Gedanken, fehlerhafte Zeichnung, Mangel an Ausdruck, Charakter und edlen Gestalten, der Zweck, durch heftige Gegensätze Wirkung hervorzubringen, unzulängliches Wissen unter kecken Pinselstrichen zu verbergen, sind ihnen allen gemeine Eigenschaften.“

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Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Giovanni Batitista Tiepolo