Da Deutschland sich etwa von Anfang des 18. Jahrhunderts ab von den tiefen Wunden, welche ihm der dreissigjährige Krieg geschlagen, wenigstens in so weit erholte, dass es wieder zu einem gewissen Wohlstand, der unerlässlichen Bedingung einer allgemeineren Ausübung der Kunst, gelangt war, bildete sich auch eine grosse Anzahl von Malern aus, welche die der deutschen Nation angeborene Kunstliebe befriedigten. Es lagen indess keine Elemente in der Zeit, um das Emporblühen einer Malerschule zu begünstigen, welche ein nationales Gepräge gehabt hätte. Die Mehrzahl der Maler schloss sich daher auch jetzt dev holländischen, verschiedene der italienischen, einige der französischen Schule an. Andere folgten den eklektischen Regeln der Kunstakademien, noch andere endlich, namentlich einige Genre- und Tiermaler, hielten sich, in entschiedenem Realismus, unmittelbar an die Natur. Die Werke dieser letzteren sind es, welche am meisten das Gefühl des deutschen Natureis tragen und daher bei weitem am erfreulichsten.

Im Ganzen lässt sich auch hier ein Sinken der Technik und des Gefühls für Klarheit und Harmonie der Färbung wahrnehmen. Die Städte, in welchen die Malerei vorzugsweise ausgeübt werde, sind: Wien, Frankfurt, Dresden, Berliu, Hamburg, Leipzig und Prag. Die Zahl der Künstler, welche ein allgemeineres Interesse darbieten, ist indess nur massig.

Ich komme zuerst auf die Historienmaler.

Johann Kupetzky, geboren zu Pössing in Oberungarn 1666, gestorben zu Nürnberg 1740, war der Schüler des Malers Klaus in der Schweiz, bildete sich indess während eines Aufenthalts in Italien nach den Vorbildern der dortigen, grossen Meister aus. Er fand mit seinen historischen Gemälden, ungleich mehr aber noch mit seinen Bildnissen, deren er eine sehr grosse Zahl ansführte, in Wien und anderen Orten einen ungemeinen Beifall. Und er wrar in der That ein tüchtiger Zeichner, in seiner Farbe kräftig, meist warm, wenngleich öfter etwas schwer, in seinem Vortrag breit und frei. Sein Impasto ist bisweilen von einer übertriebenen Stärke. In seinen historischen Bildern herrscht die realistische Richtung vor. Seine, übrigens lebendig aufgefassten, Bildnisse haben in den Motiven häufig etwas Gesuchtes und verrathen darin einen Einfluss der französischen Schule. Seine historischen Bilder kommen in den Gallerien selten vor. In der zu Berlin befindet sich von ihm unter Ko. 1034 ein heiliger Franciscus von portraitartigen Formen, aber ernstem, würdigem Ausdruck und warmer, kräftiger Malerei. Letzteres gilt auch von seinem eignen Bildniss, ebenda No. 1007. Das seiner Tochter, als Schäferin, ebenda No. 1022, ist indess geziert und auch kalt in der Farbe. Dagegen ist das Bildniss einer vornehmen Frau mit ihrem Söhnchen in der Gallerie zu Wien bequem aufgefasst und in einer klaren Farbe fleissig ausgeführt, sein eignes, vom Jahr 1709 datirtes, ebenda, aber in den Augen und Schatten von einer fast rembraudtschen Klarheit. Nur die Lichter sind von einem schweren, speckigen Ton.

Wenzel Lorenz Reiner, geboren zu Prag 1686, gestorben ebenda 1743, war ein Schüler von Schweiger in Prag. Sein sehr vielseitiges Talent für die Malerei äusserte sich schon sehr zeitig. In der früheren Zeit malte er vorzugsweise Vorgänge aus dem Soldatenleben, besonders Schlachten, aber auch architektonische Ansichten. In den ersteren folgte er der Manier des Peter van Bioemen, in den Bildern der zweiten Art, wovon die Dresdner Gallerie unter No. 17 90 und 1792 Ansichten des Campo vaccino, und des goldnen Hauses des Nero besitzt, dem J. H. Koos. Die Bilder aus dieser Zeit würden ihn indess nicht berechtigen, hier erwähnt zu werden. Später aber wendete er sich mit vielem Erfolg der Historienmalerei im Grossen zu und behandelte in Fresco, wie in Oel Gegenstände aus der heiligen, wie aus der Profangeschichte und aus der Mythologie, worin er in der Rüstigkeit und Leichtigkeit des Hervorbringens eine gewisse Verwandtschaft zum Luca Giordano zeigte. Mit einer sicheren Yertheilung und Beherrschung grosser Massen verband er viel Sinn für die augenblickliche Bewegung und ein tüchtiges Studium des Nackten. Seine Köpfe sind lebendig, öfter selbst edel, die Färbung, dem Gegenstände angemessen, bald kräftig und warm, bald zart und silbern, fast immer aber klar. Von der grossen Anzahl seiner Werke, deren Dlabacz nicht weniger als achtzehn, von mehr oder minder grossem Umfang, in eben so vielen Gebäuden in Fresco und, unter einer Reihe von Oelbildern, verschiedene Hochaltarblätter aufzählt, kann ich um so mehr nur einige erwähnen, als sich die Mehrzahl in kleinen Orten Böhmens befindet. Unter seinen Fresken in Prag nenne ich die Kuppel und sonstigen Theile der Kreuzherrn Kirche, und den, leider mit dem ganzen Gebäude seinem Verderben entgegengehenden, Gigantensturz an der Decke des Treppenhauses im Palast Czernin auf dem Hradsohin, ein Werk von ausserordentlichem Kraftaufwand und erstaunlicher Wirkung. Von den Oelbildern gedenke ich des Hochaltarblatts in der Pfarrkirche St. Peter in der- Neustadt zu Prag, und der vier Bilder in der dortigen Sammlung der Stände, welche darstellen, wie die Jesuiten, bei Ausbreitung des Christenthums den Tod in allen vier Elementen, auf der Erde, in der Luft, im Wasser und im Feuer erleiden.

Adam Friedrich Oeser, geboren zu Presburg in Ungarn 1717, gestorben in Dresden 1799, wirkte als Künstler vornehmlich zu Dresden und Leipzig. Er stand mit dem berühmten Winkelmann in enger Freundschaft und hatte auch ein näheres Verhält-niss zu Göthe. Et war ein Maler von vielseitiger Bildung, gutem Geschmack uiid sehr gefälligem, doch etwas schwächlichem Talent. Seine hübschen Erfindungen sind in der Ausführung zu zahm und leicht, ja öfter fast nebelhaft. Zu seinen namhaftesten Werken gehören seine Malereien in der St. Nicolaikirche zu Leipzig. Er hat auch eine Reihe von Blättern mit Geschick radirt.

Christian Bernhard Rode, geboren zu Berlin 1725, gestorben ebenda 1797, ein Schüler des A. Pesne, besuchte auch für einige Zeit die Schule des Charles Vanloo in Paris, und bildete sich zum namhaftesten, einheimischen Historienmaler am Hofe Friedrich des Grossen aus, für welchen er in Schlössern und Kirchen eine grosse Anzahl von Bildern ausführte. Aber auch anderweitig fand er viel Beschäftigung. Sein Hauptverdienst besteht in einer sein- leichten Erfindungsgabe. In der Charakteristik ist er oberflächlich und einförmig, in der Farbe bunt, in der Ausführung flüchtig. Zu seinen namhaftesten Arbeiten gehören die Plafonds in den grossen Sälen des neuen Palais in Sanssousi bei Potsdam. Er hat gegen 150 Blätter mit einer leichten, geistreich spielenden Nadel radirt, welche iudess, in den Motiven manierirt, in der Zeichnung formlos und ohne Schönheitssinn, wenig befriedigen.

Johann Heinrich Tischbein, geboren zu Kloster Hayda im Kurhessischen, gestorben zu Kassel 1789, bildete sich zwar vornehmlich in der Schule des Charles Yanloo aus, erfuhr aber auch einen starken Einfluss von anderen französischen Malern, namentlich von Boucher und Watteau. Er war einer der Lieblingsmaler des kunstliebenden Kurfürsten von Hessen-Kassel, und führte für diesen eine grosse Zahl von Bildern aus der heiligen, wie der Profangeschichte, aus der Mythologie, wie aus der Allegorie, auch Genrebilder und Portraite. ans. Er zeigt sich in diesen, welche sich noch in der Gallerie und den verschiedenen fürstlichen Schlössern zu Kassel befinden, als ein entschiedener, aber wenig glücklicher Nachahmer jener französischen Meister. Eine gewisse Leichtigkeit der Erfindung ist ihm allerdings nicht abzusprechen, entschädigt indess nicht für das Gezierte in den Motiven, wie im Ausdruck, für das Kalte und Bunte der Färbung, die lakirte Glätte des Vortrags. Eins seiner Hauptwerke, die Hermansschlacht im fürstlichen Schlosse zu Pirmont, habe ich nicht selbst gesehen.

Anton Raphael Mengs, geboren zu Auszig in Böhmen 1728, gestorben zu Rom 1774, war der Schüler seines Yaters Ismael Mengs, eines sehr ausgezeichneten Miniatur- und Emaillemalers, welcher ihn mit eiserner Strenge, aber sehr planmässig nnd gründlich zum Maler erzog, wie er denn schon von seinem zwölften Jahre an nach den schönsten. Antiken und den Meisterwerken des Michelangelo und Raphael in Rom zeichnete. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass kein anderer Maler seiner Zeit sich Alles, was sich in der Kunst lernen lässt, in der Vollkommenheit augeeignet hatte, und mit solchem Bewusstsein in Anwendung brachte, als Mengs. Er compouirte nach den Gesetzen, welche er aus den Werken des Raphael entnommen hatte, er suchte seinen Formen eine Schönheit zu geben, wie sie ihm in den berühmtesten Antiken entgegengetreten war, er zeichnete durchaus correct, er suchte sich in der Kenntnis? des Helldunkels nach Correggio, in der Wahrheit der Färbung nach Tizian zu bilden. Endlich hatte er die Technik der Malerei in Frcsco, in Oel, in Schmelz, in Miniatur und in Pastell in einem seltnen Grade inne, und brachte alle diese Eigenschaften mit grosser Gewissenhaftigkeit iu Anwendung. Wenn irgend einer, so lieferte er indess den Beweis, dass selbst der völlige und äusserst seltne Besitz aller jener Eigenschaften noch keineswegs einen grossen Künstler macht, sondern dass hierzu als erste und unerlässlichste Bedingungen eine erfinderische Phantasie und Wärme des Gefühls erforderlich sind. Diese aber hatte ihm die Natur versagt, oder, wenn ja Keime davon in ihm gelegen hatten, so waren sie durch die rücksichtslose Härte, womit er für so lange Zeit nur zur Aneignung von Fremdem angehalten worden, ohne Eignes, wenn auch nur in unvollkommner Form ausdrücken zu dürfen, schon früh erstickt worden. Seine Bilder erscheinen daher als ein Agregat an sich höchst auerken-nungswerther Eigenschaften, welche indess, ohne jenen schöpferischen und belebenden Götterfunken, kalt lassen. Am meisten befriedigen seine Bildnisse, weil Wahrheit der Auffassung, richtige Zeichnung, gute Färbung und meisterliche Behandlung hier noch am ersten ausreichen. Die Kälte des Gefühls macht sich indess selbst bei diesen bemerkbar. Wenn man indess die Werke des Mengs mit den, fast durchweg in der Auffassung gezierten, in der ganzen Ausbildung höchst oberflächlichen, und alles tüchtigen Wissens baaren, Malereien seiner Zeit vergleicht, ist jedoch die grosse;Bewunderung, welche dieselben fanden, einigermassen begreiflich. Schon mit 17 Jahren wurde er von dem König August von Polen mit einem Gehalt von 600 Thalern in Dresden als Hofmaler angestellt. Bei seinem langen Aufenthalt in Rom erhielt er ehrenvolle Aufträge von dem Kardinal Alexander Albani, und dem Pabst Clemens XIV. Endlich rief ihn der König von Spanien, Karl in., mit einem sehr hohen Gehalt an seinen Hof nach Madrid, dem er 1761 Folge leistete. Yon seinen zahlreichen Werken führe ich nur einige der besonders charakteristischen an. Das Hochaltarblatt der Himmelfahrt Mariä in der katholischen Kirche zu Dresden. Apollo mit den Musen, Deckengemälde in der Villa Albani. Die Figuren machen hier, unerachtet der Schönheit der Formen, zu sehr den Eindruck gemalter Statuen. Die in Fresco ausgeführten, allegorischen Vorstellungen an der Decke der Camera de’ Papiri im Vatican sind ohne Zweifel die reifste Fracht seiner eklektischen Bestrebungen. Eine vollendete Schönheit der Formen ist hier mit der feinsten Beobachtung des Helldunkels, einer trefflichen Haltung und meisterlichen Modellirung verbunden. Dagegen tritt «eine geistige Schwäche besonders deutlich in den beiden grossen Bildern der Eremitage zu St. Petersburg, dem Urtheil des Paris und Johannes dem Täufer hervor. Seine Arbeiten in Madrid kenne ich nicht aus eigner Anschauung. Yon seinen dortigen Fresken erwarb ihm besonders der Plafond in dem Speisesaal des königlichen Schlosses, die Apotheose des Trajan mit dem Tempel des Ruhms, grossen Beifall. Von seinen Oelgemälden befinden sich nicht weniger als zwölf im Museum zu Madrid, unter welchen eine Anbetung der Hirten. No. 1057, besonders charakteristisch für ihn sein soll. Von Portraiten nenne ich in der Gallerie zu München das eines Kapuziners, No. 155, wo es ihm offenbar darum zu tliun gewesen, in der Kraft und Wärme des Tons dem Rembrandt nachzueifern, er aber, bei übrigens fleissiger Ausführung, in der Farbe etwas schwer geblieben ist. Sein eignes Bildniss, No. 153. Die höchst verständigen, aber nüchternen und phantasielosen Züge seines Gesichts sind fein gezeichnet und in einer wahren, nur in den Schatten etwas schweren, Farbe mit grosser Meisterschaft modellirt. Aehn-liches gilt auch von seinem Bildniss in der Portraitsammlung der berühmten Maler in der Gallerie degli Uffizii zu Florenz. Nur ist es im Gefühl noch kälter. Durch die Energie der Auffassung, eine kräftig-warme Färbung und breite Malerei zeichnet sich besonders ein Bildniss seines Vaters Ismael Mengs, No. 491, im Museum zu Berlin aus. Als Beispiel, mit welcher Klarheit, Kraft und Haltbarkeit er es verstand in Pastell zu malen, führe ich nur seinen berühmten Amor in der Dresdener Gallerie an. Mengs hat bekanntlich auch Verschiedenes über bildende Kunst geschrieben. Obgleich er auch liier sein reflektirendes und eklektisches Naturel keineswegs verleugnet, enthalten sie doch viele feine Beobachtungen und manche sehr schätzbare Nachrichten über ausgezeichnete Bilder.

Maria Angelica Kauffmann, geboren zu Chur in Graubündten 1742, gestorben in Rom 1708, war die Schülerin ihres Vaters Joseph Kauffmann, eines mittelmässigen Portraitmalers, bildete sich aber durch das Studium der grossen Meister in Italien, wohin ihr Vater sie schon früh geführt hatte, und wo sie sich auch, obwohl sie sich eine Zeit lang in England aufhielt, später für immer niederliess. Obwohl sie von der Bildnissmalerei ausgegangen war, wendete sie sich doch später vorzugsweise der Historienmalerei zu und erwarb sich in beiden Fächern in solchem Maasse den Beifall ihrer Zeitgenossen, dass sie kaum den Bestellungen genügen konnte, welche ihr aus verschiedenen Ländern, vor allen jedoch aus England, zuflossen. Ein leichtes, wenn gleich nicht bedeutendes Talent zu componiren, ein Gefühl für hübsche, wenn gleich einförmige und leere, Formen und anmuthige Bewegungen, eine oft warme und blühende, wenn schon bunte Färbung, und eine, wiewohl oberflächliche, doch gefällige Ausführung, ganz besonders aber eine schwächliche, dem Geist jener Zeit besonders zusagende Sentimentalität, machen auch jenen Beifall sehr begreiflich. Zu ihren ansprechendsten Bildern gehören daher einige Vorgänge aus der empfindsamen Reise von Sterne in der Eremitage zu St. Petersburg, wo sich überhaupt viele Bilder von ihr befinden. Ein Bild in der Nationalgallcrie in London, die von den Tugenden umgebene Religion, No. 139, ist für ihre ganze Kunstweise sehr charakteristisch. Als Portraitmalerin erscheint sie in dem Bildniss der Herzogin von Braunschweig, Schwester von König Georg III., No. 594, der Gallerie im Schlosse zu Hamptoncourt. Zu ihren besten, historischen Bildern gehören zwei, von 1786 datirte, in der Gallerie zu Wien. Hermann nach seinem Siege über Varus von Thusnelda empfangen, und die Trauer um den jungen Pallas aus der Aeneide. In der Gallerie zu München befindet sich, No. 152, ihr eignes, von 1784 datirtes, Bildniss. Obgleich leer in den Formen, gehört es doch in der Wärme und Klarheit der Farbe, dem guten Impasto des Vortrags, zu ihren besten Arbeiten. Nirgend kann man aber diese Künstlerin vollständiger kennen lernen, als in Burlcigh-House, dem Sitz des Marquis von Exeter, wo sich nicht weniger als 15 Bilder von ihr befinden. Sie hat auch eine Reihe von einunddreissig Blättern, meist halbe Figuren, oder Köpfe, mit vielem Geschick und in einigen Fällen selbst mit feinem Gefühl, radirt.

Martin Knoller, geboren im Dorfe Steinach in Tirol, gestorben 1804, war der Schüler von Troger in Wien, genoss aber auch später in Rom den Unterricht des R. Mengs, und bildete sich unter dem Schutz des Grafen Firmian, österreichischem Statthalter der Lombardei, zu einem der bestell und, in der Fresco- wie in der Oelmalerei, rüstigsten Historienmaler seiner Zeit in Deutschland aus. Seinem Talent sagte besonders die Darstellung des Augenblicklichen und Gewaltsamen zu, wobei er im Geiste der Kunst seiner Zeit natürlich oft in das Manierirte ausartete. Bei ruhigen Vorstellungen verfällt er dagegen öfter in das Schwächlichsüssliche. In der Frescomalerei ist er dabei ein kräftiger Kolorist, in seinen Oelbildern aber sehr ungleich in dieser Beziehung. Er war zugleich ein recht tüchtiger Portraitmaler, wie er denn den Kaiser Leopold II. in ganzer Figur in Lebensgrösse gemalt hat. Von der sehr grossen Zahl seiner in Italien, wie in Deutschland, besonders in Tirol, ausgeführten Malereien führe ich nur die von 1769 —1790 im Kloster Ettal in Tirol, die vom Jahr 1772 im Kloster Gries ebenda, den Plafond in dem Bürgersaale zu München, die Heiligen Benedict und Scliölastica, von der Maria der heiligen Dreieinigkeit empfohlen, No. 128, in der Gallerie ebenda, an. Letzteres leidet an jener Süsslichkeit des Gefühls und an Schwäche der Farbe, ist übrigens aber fleissig und mit grossem Geschick gemalt. Als Beispiel seiner Portraitmalerei gebe .ich das, 1794 datirte, Bildniss des Joseph Rosa, Directors der Wiener Gallone, ebendort. Die Auffassung ist lebendig, wenn schon etwas gesucht, die Ausführung, in einer kräftigen Farbe, fleissig.

Johann Victor Platzer, geboren in Tirol 1704, gestorben ebenda zu Epau 1767, ein Schüler seines Stiefvaters Kessler, arbeitete zu Wien von 1730—1755. Er behandelte in einem kleinen Maassstabe die verschiedensten Gegenstände der Historienmalerei, malte indess gelegentlich auch Genrebilder. Er ist unter den bekannteren Malern dieser Epoche einer der widerwärtigsten, jedoch sehr charakteristischen, Erscheinungen. Höchst manierjrt in den Motiven, wie in den Köpfen, sehr hart in den Umrissen, kalt und bunt in der Färbung, ohne Haltung im Ganzen, besteht sein einziges Verdienst in einer sehr fleissigen und verschmolzenen Ausführung. Seine Figuren haben das Ansehen von Porzellan. Dass seine Bilder so vielen Beifall gefunden, ist eins der schlagendsten Zeugnisse der Verkehrtheit des damaligen Geschmacks. Es möge genügen, hier die acht Bilder der Dresdener Gallerie, No. 1817 bis 1824, aus dem Kreise der Mythologie und der Allegorie, und zwei Genrebilder in der Gallerie zu Wien, Gesellschaften, welche sich mit Musik und Kartenspiel unterhalten, anzuführen. Die einzigen Bilder, welche ich in England von ihm gesehen, befinden sich in der Sammlung des Herrn Walther zu Bearwood.

Christian Wilhelm Ernst Dietrich, geboren zu Weimar 1712, gestorben 1774, war der Schüler seines Vaters und des Alexander Thiele. In Dresden, wo der letztere Maler lebte, wurde er in seiner Kunst ungemein durch die Gunst des bekannten Ministers, Grafen Brühl, gefördert. Im Jahr 174$ besuchte er Italien. Nach seiner Bückkehr von dort ernannte ihn der König August von Polen zum Hofmaler. Ohne eine bedeutende, künstlerische Eigenthümlichkeit, besass er ein ungemeines Talent Künstler verschiedener Nationen und Epochen, Historien-, Genre- und Landschaftsmaler, nachzuahmen, so dass er am schicklichsten den Ueber-gang zu den Genremalern macht. Am meisten gelang es ihm hierin mit verschiedenen Meistern der holländischen Schule, als Rembrandt, Ostade, Everdingen, Poelenburg, von Italienern mit Salvator Rosa, von Deutschen endlich mit J. II. Roos. Ganz abgesehen davon, dass das, allen diesen Künstlern .eigenthümliche, Gefühl solchen Bildern abgehen musste, konnte er weder die Kraft, Wärme und Klarheit der Färbung, noch den geistreichen Vortrag derselben auch nur annähernd erreichen. Fast alle seine Bilder sind schwer, viele auch bunt in der Färbung, und sein Vortrag ist häufig zahm und geleckt. Der Beifall, welchen sie fanden, war indess ausserordentlich gross, und die Anzahl derselben, meist nur von kleinem Maassstabe, ist sehr beträchtlich. Alle Gallerien in Deutschland haben Gemälde von ihm aufzuweisen, nirgend aber kann man ihn so vollständig kennen lernen, als in der zu Dresden, wo sich nicht weniger als 51 Bilder von ihm befinden. Das beste, mir in England von ihm bekannte, Bild ist das, mit den wandernden Musikanten, No. 205, in der Nationalgallerie. Es ist mit einer für ihn ungewöhnlichen Kraft, Klarheit und Gediegenheit im Geschmack des Adriaen van Ostade gemalt, und durch einen trefflichen Stich von Wille allgemein bekannt. Ungleich mehr zu seinemVortheil erscheint Dietrich in seinen zahlreichen Radirungen, hei denen die Farbe ‚wegfällt. Hier muss man in der That das Geistreiche und die grosse Mannigfaltigkeit seiner Radel bewundern. In einigen Blättern, z. B. in seinem Bänkelsänger von 1740, in einem Fiedler vor einem Bauernhause, kommt er allerdings dem A. van Ostade sehr, in einigen Köpfen dem Rembrandt ziemlich nahe. Am glücklichsten aber ist er in seinen Landschaften im Geschmack des Everdingen, welche oft ein sehr reines Naturgefühl athmen. Mit vielem Erfolg aber ahmt er hier auch die Landschaften des Salvator Rosa, und des Johann Heinrich Roos nach.

Von den eigentlichen Genremalern in Deutschland nahmen sich einige, wie in den Niederlanden, den Jan Breughel zum Vorbilde. Der ausgezeichnetste unter diesen ist Franz de Paula Ferg, welcher 1689 zu Wien geboren, 1740 zu London gestorben ist. Er war vornehmlich der Schüler seines Vaters Pancraz. Er malte in der Regel Jahrmärkte, Marktschreier u. dgl. in Landschaften, worin öfter Gebäude, bisweilen von einem südlichen Charakter, vorwalten. Er hatte viel Geschick in der malerischen Anordnung, ist für seine Zeit von sehr kräftiger und klarer Färbung und in der fleissigen Ausführung von ungemeiner Freiheit. Die Gallerie zu Dresden besitzt, No. 1798 —1803, sechs Bilder dieser Art, von denen zwei, No. 1801 und 1802, insbesondere eine Nachahmung des Herman Saftleven verrathen. Zwei ungemein ausgezeichnete Bilder von ihm, Jahrmärkte, befinden sich in der Gallerie zu Wien.

Bei weitem der eigenthümlichste Maler dieser Epoche in Deutschland war der 1726 in Danzig geborene, 1801 in Berlin gestorbene Daniel Nicolaus Chodowiecki. Obgleich er bis zu seinem 29. Jahr dem Lebensberuf seines Vaters als Kaufmann folgte, hatte er sich doch schon als Dilettant unter jenem, welcher zu seinem Vergnügen in Miniatur malte, hierin geübt, unter einer Schwester seiner Mutter in Berlin sich noch mehr vervollkommnet, und auch die Technik der Emaillemalerei gelernt. Als er endlich im Jahr 1754 sich der Kunst ganz, als seinem Lebensberuf, hingab, bildete er sich, bei seinem ungemeinen Talent, ohne einen eigentlichen Lehrer durch fleissige Studien bald so sehr aus, dass er zu einem durchaus eigenthümlichen, künstlerischen Ausdruck seiner Gedanken gelangte. Diese umfassten einen so weiten Kreis, dass er recht eigentlich der Künstler ist, in dessen Werken sich die ganze Epoche Friedrich des Grossen in ihren verschiedensten Aeusserungen auf den Gebieten der Literatur, wie des täglichen Lebens, künstlerisch abgespiegelt hat. Mit einer seltnen Vielseitigkeit der Erfindung, worin ein stets wahres, bald gemüthliches, bald gutmüthig-humo-ristisches Gefühl hervorleuchtet, verband er eine feine und scharfe Beobachtungsgabe und daher eine ungemein grosse Mannigfaltigkeit der Charakteristik. Nur die ganze Welt der Gegenstände, welche aus dem Kreise des gewöhnliehen Lebens hinausgehen, war ihm verschlossen. Seine Darstellungen ans dem Kreise der Mythologie, aus dem Shakespeare, z. B. dem Hamlet, machen daher den Eindruck von Parodien. Obwohl er seinen Figuren meist zu lange Proportionen giebt, war er übrigens ein sehr guter Zeichner. Weniger war er mit Farbensinn ansgestattet. Seine Oelbilder, deren er überhaupt nur eine massige Zahl gemalt hat, sind daher etwas kalt und bunt, wiewohl bisweilen von feiner Beobachtung der Luftperspektive. Das Hauptmittel für den Ausdruek seiner Kunst fand er in der Radirnadel, welche er mit einer seltnen Feinheit des Gefühls und grösster Zartheit und Meisterschaft zu führen wusste. Von Bildern kenne ieh in Gallericn nur zwei in der zu Berlin, No. 482 und 485, Herrn und Damen, welehe sieh im Freien mit gesellschaftlichen Spielen unterhalten. Man erkennt darin offenbar den Einfluss der Bilder des Watteau, Lancret und Pater, welche der Künstler in den Königl. Schlössern in Berlin und Potsdam gesehen hatte. Seine, sieh auf mehr als 1300 belaufenden Radirungen schmücken eine grosse Anzahl von Büchern jener Zeit, Romane, Almanache, Kinderschriften. Ich hebe hier nur die besonders gelungenen zu Werther’s Leiden von Göthe hervor. In anderen verfolgte er, gleich Hogarth, eine moralische Tendenz. Er führt uns die Folgen eines ordentlichen und liederlichen‘ Lebens, glückliche und sich zankende Ehepaare vor. Gelegentlieh sehen wir auch den Ausdruek seines patriotischen Gefühls in dem alten Fritz auf der Parade, oder des reinmenschliehen in der Darstellung des unglücklichen Calas, welcher von seiner Familie Abschied nimmt. Vor allen verdient eine Mutter, die im Zimmer mit ihren Töchtern sich mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, den Preis.

Unter den Malern, welche vornehmlich Vorgänge aus dem Soldatenleben behandelten, sind folgende zwei zu einem allgemeineren Ruf gelangt.

Georg Philipp Rugendas, geboren in Augsburg 1666, gestorben 1742, war ein Schüler des Isaac Fisches, bildete sich aber in seinem Fach besonders dadurch aus, dass er alle die verschiedenen Vorgänge, Schlachten, Belagerungen, Lager, Märsche mit vielem Fleiss nach dem Leben studirte. Durch die grosse Wahrheit zeichnen sich daher auch vorzugsweise seine Compositio-nen aus. Auch war er ein sehr geschickter Zeichner und verstand sich vortrefflich auf die Wirkung, so wie auf augenblickliche und ergreifende Motive. In den Formen seiner Pferde, noch mehr aber der Menschen herrscht indess eine gewisse Einförmigkeit, seine Färbung ist häufig zu schwarz in den Schatten, zu farblos und fahl in den Lichtern. Auch artet seine leichte und sehr gewandte Behandlung öfter in das Dekorative aus. Von seinen sehr zahlreichen Bildern sind in den Gallerien wenige sichtbar. Am vollständigsten kann man ihn in sieben Bildern der Gallerie zu Braunschweig, No. 90, 205, 442, 444, 479, 601, 602 kennen lernen. Doch besitzen auch die Gallerien zu Berlin, No. 997 und 1000, und zu Wien, je zwei gute Bilder von ihm. Allgemeiner bekannt ist er durch mehr als dreissig, mit einer breiten und sicheren Nadel radirten, und über hundert in schwarzer Kunst nach seinen eignen Erfindungen ausgeführten, Blättern.

August Querfurt, geboren zu Wolfenbüttel 1696, gestorben 1761 zu Wien, war ein Schüler seines Vaters Tobias und des Georg Philipp Rugendas. Er bildete sich indess vorzugsweise nach dem Muster des Wouverman aus. Wenn er dem Rugendas an Feuer der Erfindung weit nachstand, und sich meist auf kleine Bilder im Geschmack seines Vorbildes beschränkte, so übertraf er doch jenen in der Klarheit der Färbung, in der Solidität des Im-pasto, in der Sorgfalt der Ausführung. Ich kann nicht angeben, wo sich grosse Schlachtbilder, welche er zu Wien, woselbst er sich niedergelassen hatte, für den Prinzen Alexander von Württemberg und den Grafen von Waldegg ausgeführt, jetzt befinden. Von jenen kleineren Bildern sind zwei besonders ausgezeichnete Jagdstücke in der Gallerie zu Wien vorhanden, drei etwas minder gute in der zu Dresden, No. 1807—1809, und eine für ihn recht gute Hirschjagd, No. 969, in der Gallerie zu Berlin.

Als Thiermaler habe ich hier noch des Johann Elias Rieding er zu gedenken. Dieser, 1695 zu Ulm geboren, 1767 zu Augsburg gestorben, lernte in seiner Jugend das Jagdhandwerk. In der Kunst von Christoph Resch unterwiesen, legte er sich sogleich darauf, manche zahme und die verschiedensten wilden Thiere in allen möglichen Zuständen ihres Lehens und der Art sie zu jagen zu zeichnen. Auch abgesehen von dem Mangel an Cor-reetheit der Zeichnung, welchen er nie überwand, war der Erfolg hierbei indess sehr verschieden. So war er in der Auffassung der Pferde immer sehr schwach, während ihm die Hirsche von allen Thieren am besten gelangen, so dass kein anderer Künstler diese» Thier so in seiner ganzen Natur wiedergegeben haben möchte. Nächstdem glückten ihm die wilden Schweine am meisten. Dagegen sind viele Thiere, namentlich die reissenden, als Löwen und Tiger, sehr manierirt und willkürlich ausgefallen. Die Anzahl der Bilder, worin er solche Gegenstände dargestellt hat, ist nur sehr massig, und in Gallerien ist mir nur in der zu Kassel No. 807, ein Beispiel, ein von Hunden verfolgter Hirsch, welcher in einem Netze gefangen wird, bekannt. Desto grösser ist die Menge der von ihm nach seinen Zeichnungen ausgeführten Kupferstiche. Die verschiedenen Folgen enthalten ausser den oben angegebenen Gegenständen auch das Paradies, Thierfabelu, die Reitschule u. s. w., und belaufen sich zusammen auf gegen 350 Blätter.

Unter den Portraitmalern gebührt die erste Stelle dem Balthasar Denner. Er wurde im Jahr 1685 zu Hamburg geboren und starb zu Rostock 1749. Ammana, ein ziemlich unbedeutender Maler von Altona, gab ihm zuerst Unterricht in der Aquarellmalerei. Yon einem ebenfalls gewöhnlichen Maler aus Danzig eignete er sich die Technik der Oelmalerei an. Bei einem so mangelhaften Unterricht darf es nicht Wunder nehmen, dass er für immer ein mässiger Zeichner blieb. Dagegen bildete er seinen Sinn für eine, bis in die kleinsten Einzelheiten gehende, übrigens aber prosaische und gleichgültige Darstellung der Natur, und eine klare und kräftige Farbe so sehr aus, dass er es in der letzten Beziehung allen holländischen Malern dieser Epoche zuvorthat. Sein Ruhm hat bis jetzt hauptsächlich auf eine kleine Zahl von Brustbildern alter Männer und Frauen beruht, an welchen nicht allein alle Hautfältchen mit ihren geringsten Zufälligkeiten, sondern jedes Härehen, jedes Schweissloch, mit einer Genauigkeit wiedergegeben ist, dass sie, selbst mit der Loupe betrachtet, noch als natürlich erscheinen. Diese Bilder sind in sofern in der Kunstgeschichte von einiger Bedeutung, als sie thatsächlich die Falschheit des, selbst heut noch so oft wiederholten, Satzes beweisen, dass der höchste Zweck der bildenden Kunst darin bestehe, die Natur auf das Täuschendste nachzuahmen. Wenn dieser Satz wahr wäre, so würde Denner ohne Zweifel der grösste aller Maler sein. Nun machen aber jene Köpfe auf alle Menschen von feinerem Kunstsinn einen sehr widerstrebenden, dem von Wachsfiguren verwandten Eindruck. East alle deutschen Gallerien haben Beispiele dieser Gattung von Portraiten. Das vorzüglichste unter diesen für den Grad der Ausführung möchte das einer alten Frau in der Wiener Gallerie sein, welches der Kaiser Karl der VI. von dem Künstler für einen sehr hohen Preis gekauft hat. Die Wahrheit der äussersten Detafls, z. B. der Lippen, hat hier etwas wahrhaft Entsetzliches und die Kälte der Farbe erhöht noch das Widrige des Eindrucks. Obgleich in der Ausführung nicht ganz so weit getrieben, ist doch ebenda das Bildniss eines alten Mannes durch die Wärme und die grosse Klarheit der Farbe ungleich ansprechender. Durch ähnliche Eigenschaften zeichnet sich auch das Bildniss eines alten Mannes, No. 1014, der Gallerie zu Berlin aus. Ausserdem aber hat Denner eine ansehnliche Zahl von Bildnissen zwar in fleissiger, doch viel breiterer Ausführung gemalt, welche den gebildeteren Kunstfreund ungleich mehr befriedigen, als jene geistlosen Produkte eines unsäglichen Fleisses. Sie vereinigen eine lebendige Auffassung mit einer bald kräftigen, bald zarten Färbung und eine meisterliche, nur bisweilen in das zu Weiche ausartende, Malerei. Eins seiner Hauptwerke war das Familienbild der fürstlichen Familie Holstein-Gottorp auf dem Schlosse Gottorp in Holstein mit 21 Figuren in Lebensgrösse. Ebenso, war er auch viel am Hofe des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin beschäftigt, und finden sich in Schwerin noch viele von seinen Bildnissen. Endlich gehören die Bildnisse, welche Denner, sowohl in Oel, als in Wasserfarben auch noch in seiner späteren Zeit in Miniatur ausgeführt hat, zu den besten Arbeiten dieser Kunstgattung in seiner Zeit. Ein Beispiel der ersten Art besitzt das Museum zu Berlin, No. 1014 a. Eine ganze Reihe der zweiten, befindet sich auf der Stadtbibliothek zu Hamburg.

Dominicus van der Smissen, der Schwager und Schüler des Denner, malte mit vielem Geschick Bildnisse in der breiteren Manier desselben, deren man noch im Besitz von Familien in Hamburg antrifft.

Christian Seibold, geboren zu Mainz 1697, gestorben zu Wien 1768, bildete sich durch eignes Naturstudium zu einem recht geschickten Bildnissmaler in der Weise des Denner, der auf ihn nicht ohne Einfluss gewesen sein möchte. Er fand in Wien so viel Beifall, dass er von der Kaiserin Maria Theresia zum Kabinets-maler ernannt wurde. Er war in der Auffassung gesuchter als Denner, in der Farbe minder klar und fein, im Vortrag härter, dagegen aber ein besserer Zeichner. Eins seiner gelungensten Bilder, sein eignes Portrait, befindet sich im Louvre, No. 185. Es ist wärmer in der Färbung und kräftiger modellirt, als gewöhnlich. In seiner flauen, affectirten und geleckten Manier sieht man ihn in den Bildnissen von zwei Mädchen in der Gallerie zu Wien, und in den eines Mädchens und eines Jünglings, No. 1810 und 1811, in der Gallerie zu Dresden. In seinen sehr ausgeführten Köpfen von alten Männern und Frauen, wie No. 1812 und 1813 ebenda, ist er durch Lahmheit, Trockenheit und Kälte noch unangenehmer als Denner.

Anton Graff, geboren zu Wintherthur in der Schweiz 1 736, gestorben zu Dresden 1813, war der Schüler des Ulrich Schellenberg, und bildete sich zu einem der besten Portraitmaler seiner Zeit aus, welcher früher in Augsburg, vom Jahr 1766 aber in Dresden, wohin er einen Ruf vom Hof erhalten hatte, in Leipzig und in Berlin arbeitete, und an allen drei Orten eine grosse Anzahl von Notabilitäten aller Art malte. Er verband in seinen besten Bildern eine wahre und lebendige Auffassung mit einer tüchtigen Zeichnung, einer geschmackvollen Anordnung, einer kräftigen und klaren Färbung und soliden Durchführung. Einige tüchtige Bildnisse, namentlich zwei des Königs Friedrich August von Sachsen, befinden sich von ihm, No. 1886 und 1890, in der Gallerie zu Dresden.

Von den Landschaftsmalern betrachte ich zuerst die, welche der realistischen Richtung folgten.

Johann Jacob Hartmann, welcher zu Kuttenberg in Böhmen geboren, um 1716 zu Prag blühte, ist als ein sehr später, aber sehr geschickter und fleissiger, Nachfolger des Jan Breughel anzusehen. Wie jener verschiedentlich, hat auch er in vier Landschaften in der Gallerie zu Wien die vier Elemente dargestellt. In der Behandlung der Bäume, in dem kühlen Gesammtton, erkennt man darin als nächstes Vorbild, den Anton Mirou, einen niederländischen Nachfolger des J. Breughel.

Christian Georg Schütz der ältere, geboren zu Flöres-heim am Main 1718, gestorben in Frankfurt 1791, lernte die Malerei‘ an dem letztem Orte bei Hugo Schlegel und malte anfangs in decorativer Weise in Fresco au den Aussenseiten der Häuser, legte sich dann aber vorzugsweise auf die Landschaftsmalerei, und stellte in der Kegel in kleinerem Maassstabe Ansichten der malerischen Ufer des Rheins und des Mains dar. In der ganzen Art der Auffassung erkennt man darin den Einfluss der Bilder des Her-man Saftleven und ganz besonders der beiden Griffiers. Obwohl sie minder kräftig in der Färbung und weniger bestimmt in der Ausführung des Einzelnen sind, so zeichnen sie sich doch durch glückliche Wahl der Standpunkte, ein reines Naturgefühl, gute Zeichnung, eine zarte Ausführung des Einzelnen vortheilhaft aus. Da er mit einer grossen Leichtigkeit arbeitete, ist die Anzahl seiner Gemälde sehr beträchtlich. Die Bilder von etwa 1760—17 75 werden jedoch am meisten geschätzt. Besonders vollständig kann man ihn in den Gallerien zu Frankfurt, wo sich sieben, No. 291 bis 298, und zu Kassel kennen lernen, wo sich zehn Bilder, No. 842—851, von ihm befinden. Er hat auch gelegentlich das Innere von Kirchen dargestellt.

Johann Alexander Thiele, geboren zu Erfurt 1685, gestorben zu Dresden 1752. In der Jugend gemeiner Soldat, legte er sich mit so vielem Erfolg auf das Malen von Ansichten nach der Natur, wozu er besonders die malerischen Gegenden der Elbe und Saale wählte, dass er eine grosse Anzahl von dergleichen für den König August von Polen ausführte und im Jahr 1747 zu dessen Hofmaler ernannt wurde. Seine Bilder zeichnen sich durch eine glückliche Wahl des Standtpunkts, eine gute Zeichnung, eine grosse Treue, und fleissige Ausführung aus, leiden aber meist, besonders die aus seiner früheren Zeit, an einer schweren und dunklen Färbung. Die sechsundvierzig in der Dresdener Gallerie, No. 1829 bis 1878, befindlichen Bilder bieten die vollständigste Gelegenheit dar, ihn iu seinen Vorzügen, wie in seinen Mängeln kennen zu lernen. Eins seiner, durch Klarheit der Farbe, durch Feinheit der Durchführung, besten Bilder, eine Ansicht des Plauen’schen Grundes in der Nähe von Dresden, befindet sich, No. 1023, in der Gallerie zu Berlin.

Jacob Philipp flackert, geboren zu Prenzlow‘ in der Mark 1737, gestorben zu Florenz 1807, war ein Schüler des N. B. le Sueur in Berlin. Er lebte viele Jahre in glänzenden Verhältnissen am Hofe zu Neapel, und malte eine sehr grosse Zahl durchaus correcter und fleissiger, aber sehr prosaischer und geistlos gemachter Ansichten der schönsten Gegenden Italiens, mit meist guten Lüften und Fernen, aber harten und bunten Vorgründen. In den Schlössern zu Kassel befinden sich mehrere seiner Landschaften. Dadurch, dass die Kaiserin Catharina II. von Russland den grossen Sieg, welchen ihre Flotte bei Tschesme über die türkische Flotte erfocht, und das darauf erfolgte Verbrennen der letzteren, durch die Kunst verherrlicht zu sehen wünschte, wurde Philipp Hackert veranlasst, sich auch als Maler von Seeküsten, und ganz insbesondere von Seeschlachten, zu versuchen. Da der Künstler nie Gelegenheit gehabt hatte das Auffliegen eines Schiffes zu beobachten, ist es ganz begreiflich, dass der Admiral der russischen Flotte, Graf Alexis Orlow, von seiner Darstellung dieses Vorgangs nicht befriedigt sein konnte. Einzig in der Kunstgeschichte steht jedoch der Fall da, dass, um Hackert diese Anschauung zu verschaffen, eine alte russische Fregatte auf der Rhede von Livorno in die Luft gesprengt wurde. Göthe nennt dieses Schiff mit Recht das theuerste und kostbarste Modell, was je einem Künstler gedient hat, indem der Werth der noch nutzbaren Materialien desselben auf 2000 Ducaten geschätzt wurde. Die sechs grossen Bilder, welche die verschiedenen Momente dieses Ereignisses veranschaulichen, hängen, nebst sechs anderen, welche ebenfalls glückliche Erfolge der russischen Flotte darstellen, in dem kaiserlichen Landschlosse Peterhof unweit St. Petersburg. Sie sind mit vielem Geschick componirt und von fleissiger Ausführung, halten indess natürlich weder in der Wahrheit, noch in der Klarheit der Farbe, oder der Behandlung einen Vergleich mit der Darstellung solcher Vorgänge von den grossen holländischen Malern, einem Willem van de Velde, oder einem Backhuysen, aus. Sehr gross ist die Anzahl seiner in Sepia und Bister ausgeführten Landschaften. Sein Vieh ist von einer grossen Einförmigkeit.

Salomon Gessner, der bekannte Dichter, wurde 1734 zu Zürich geboren und starb 1788 ebenda. Er übte bis zu seinem dreissigsten Jahre die Kunst nur als Dilettant aus, dann aber bildete er sich durch das Studium der Natur, der Radirungen der holländischen Maler, namentlich des Waterloo und Everdingen, so wie der Blätter nach Ruysdael, Claude und Poussin, zum Landschaftsmaler aus. In Farben arbeitete er indess nur in Guasch. Seine Hauptthätigkeit als Künstler übte er durch die Radirnadel aus. Tlieils schmücken diese Radirungen seine verschiedenen Werke, theils gab er sie als besondere Folgen heraus. Da seine Landschaften, bald in der realistischen Richtung jener Holländer, bald in der idealistischen des Claude und Poussin gehalten sind, bildet er recht eigentlich den Uebergang zu den Landschaftern der letzten Gattung. Die der ersten Art sind von reinem Naturgefühl und vielem, malerischem Sinn, die der‘ zweiten von einem edlen, oft hochpoetischen Geschmack. Allen ist eine geistreiche und sein-gewandte Führung der Nadel gemein. Nur solche von der zweiten Art, worin menschliche Figuren eine bedeutende Rolle spielen, sind nicht geniessbar. Dieselben huldigen nämlich dem, damals in grosser Leerheit und Einförmigkeit aufgefassten, Schönheitsideal antiker Skulpturen, und sind überdem steif und ohne Verständniss.

Unter den Malern der idealistischen Richtung nimmt der 1663 in München geborene, 1748 ebenda als Hofmaler des Kurfürsten gestorbene, Frans Joachim Beich, die erste Stelle ein. Obwold ein Schüler seines Täters Wilhelm, bildete er sich doch vorzugsweise in Italien nach dem Yorbilde des Caspar Poussin aus. Er ist indess keineswegs als ein blosser Nachahmer von jenem anzusehen, sondern als ein begabter Künstler, welcher_sich auch unmittelbar an derselben Natur, wie jener, begeisterte. Seine Com-positionen sind edel, und doch reich an Einzelheiten, die Beleuchtung oft entschieden und dabei gut durchgeführt, die Ausführung fleissig. Wenn endlich manche seiner Bilder an dem allgemeinen Fehler der Zeit, an Schwere und Dunkelheit der Farbe kranken, so zeichnen sich doch andere selbst durch Wärme und Klarheit des Tons aus. Ton dieser letzten Art sind die drei Landschaften, No. 138, 162 und 171, in der Gallerie zu München, von der ersteren, bei übrigens grossen Verdiensten, zwei Landschaften von ansehnlichem Umfange, in der Gallerie zu Wien. Beich hat auch mit vielem Erfolg eine Reihe von Blättern in dem Geschmack seiner Bilder geätzt.

Christoph Ludwig Agricola, geboren zu Regensburg 1667, gestorben ebenda 1719, bildete sich vornehmlich durch Studien nach der Natur auf seinen Reisen in südlichen Ländern, namentlich in Italien, zum Landschaftsmaler aus. In dem Gefühl für Linienführung und Beleuchtung erkennt man indess einen Einfluss des Nicolas Poussin. Auch spielen, -wie bei jenem, mehr oder minder verfallene Baudenkmale eine bedeutende Rolle in seinen Bildern. Als Staffage liebte er es besonders Orientalen anzubringen. Er war ein guter Zeichner, liebte die entschiedenen, öfter warmen Beleuchtungen und sein Vortrag ist breit und meisterlich. Seine Bilder sind in der Regel von mässigein Umfange. Eins der vorzüglichsten mit den Trümmern eines Grabmals, und den Säulen eines antiken Tempels zwischen Bäumen, befindet sich in der Gal-lerie zu Wien. Aber auch die Gallerie zu Dresden besitzt, No. 1784 und 1785, zwei Bilder, von denen das erste von ungewöhnlicher Grösse.

Endlich hat die Architckturmalerei wenigstens einen ganz achtbaren Künstler aufzuweisen. Dieser ist Johann Ludwig Ernst Morgenstern, geboren zu Rudolstadt in Thüringen 1 737 , gestorben in Frankfurt 1819. Er malte vornehmlich das Innere von Kirchen mit einer sehr genauen Beobachtung der Linien- und Luftperspektive, einer klaren Färbung und sehr fleissigen Ausführung, doch ist die Wirkung häufig kalt und bunt, und hat die Behandlung etwas zu Glattes und Porzellanenes. Zwei Bilder dieser Art, eine in der gothischen, die andere in der italienischen Bauweise, befinden sich, No. 311 und 310, in dem Städel’schen Institute zu Frankfurt.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die schwäbische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei am Niederrhein und in Westphalen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Verzerrung des germanischen Kunstnaturells in der Historienmalerei durch Nachahmung der Italiener
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei in Deutschland
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweite Blüte des germanischen Kunstnaturells in der Form der modernen Geistesart
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Belgien
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Zeitgenossen und die Schüler von Rubens
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die holländische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Rembrandt van Ryn
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Schüler und Nachfolger von Rembrandt
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Genremaler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Maler der Blumen, Früchte, Pflanzen oder sogenannte Stillleben
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Maler dieser Epoche
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Epoche des Verfalls von 1700-1810
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Flämische Malschule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die holländische Malschule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutsche Schule

Weiterführendes zu Rembrandt:
Rembrandt 1606-1669
Rembrandt als Naturbeobachter
Rembrandt im Kunstmuseum Hamburg
Rembrandt und seine Zeitgenossen
Rembrandts Darstellungen der Tobiasheilung
Rembrandts Handzeichnungen
Rembrandts Radierungen
Rembrandts Verworfene Blätter
Rembrandts wiedergefundene Gemälde
Rembrandts Zweifelhafte Blätter

Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen

Die Historienmalerei trieb in dieser Epoche in Holland fast nur noch einige schwache Zweige in der kalten und conventioneilen Weise des Adriaen van der Werff. Die Mehrzahl dieser Maler behandelte überdem noch häufiger als er Gegenstände der Genremalerei und führte gelegentlich auch Bildnisse aus.

Pieter van der Werff, geboren 1665 zu Rotterdam, gestorben 1718 ebenda, war der Schüler und Gehülfe seines Bruders Adriaen und eignete sich dessen ganze Kunstweise so sehr an, dass seine Bilder von minder Kundigen für Werke des Adriaen genommen werden, um so mehr, als er häufig Bilder desselben copirte. Sie unterscheiden sich indess von jenen, zu ihrem Nachtheil, durch eine gewisse Lahmheit im Gefühl, durch eine schwächere Zeichnung, eine gleichmässig kältere und schwerere Färbung und durch einen geistloseren und gclecktcrcn Vortrag. Drei Bilder von ihm im Museum von Amsterdam genügen, ihn kennen zu lernen. Das eine, No. 359, vom Jahr 1710, stellt einen heiligen Hieronymus, die anderen, No. 360 und 361, zwei Mädchen, welche die Statue des Amor bekränzen, vom Jahr 1713, und ein junges Mädchen, welches nach einer Statue der Venus zeichnet, vom Jahr 1715, dar. In Deutschland führe ich aus dem Museum zu Berlin eine Beweinung des Leichnams Christi, No. 511, vom Jahr 1709, aus der Gallerie zu Dresden zwei Männer an einem Tische, No. 1553, an.

Hendrik van Limborch, geboren im Haag 1680, gestorben 1758, war ebenfalls ein Schüler des A. van der Werff. Ausser den Gegenständen der Historienmalerei, worin er als ein treuer, doch geringerer Nachahmer seines Lehrers erscheint, malte er auch gelegentlich Bildnisse und Landschaften. Im Louvre befinden sich zwei mit seinem Namen bezeichnete Bilder, eine Ruhe auf der Flucht nach Aegypten, No. 268, und das goldne Zeitalter, No. 269.

Jan Philipp van Schlichten, gestorben 1745, gleichfalls ein Schüler des A. van der Werff, ist zwar ebenfalls im Ganzen schwächer und mauierirter, als jener, hat aber wenigstens öfter

«ine wärmere Färbung. In der Münchener Gallerie befindet sich von ihm, No. 432, Cabinette, ein heiliger Andreas, und No. 439, Cab., ein Bauer, welcher die Geige spielt.

Nicolaas Verkolie, geboren zu Delft im Jahr 1673, gestorben ebenda 1746, war ein Schüler seines Yaters Jan, folgte indess in seinen historischen Bildern dem A. van der Werff, nur ist er in den Motiven gezierter, in den Köpfen leerer, bisweilen aber von einem warmen Ton, und sorgfältig in der Ausführung. Ein Bild der Art von ihm ist, No. 548, im Louvre, Proserpina, welche mit ihren Gespielinnen Blumen pflückt. In seinen Genrebildern findet sich bisweilen eine gute Erfindung, aber auch eine sehr grosse Kälte in der Färbung. Ein mit dem Namen des Künstlers bezeichnetes Bild der Art, ein Mädchen, welches die Annahme eines, ihr von einem Jäger angeboteneu, Rebhuhns verweigert, befindet sich, No. 1012, im Museum zu Berlin. Dieser Künstler hat auch mit vielem Geschick eine Reihe von Blättern in schwarzer Kunst gearbeitet.

Philip van Dyck, geboren zu Amsterdam, im Jahre 1680, gestorben im Haag 1752, war zwar ein Schüler des Arnold van Boonen, gehört aber iu seinen historischen Bildern zu den widrigsten Nachahmern des A. van der Werff. Er ist geschmacklos in der Composition, unangenehm in den Köpfen, geleckt im Vortrage. .Zwei Bilder der Art, Hagar, dem Abraham von der Sarah zugeführt, und von ihm mit Ismäel verstossen, befinden sich im Louvre, unter No. 156 und 157, ein drittes, Judith mit dem Haupt des Holofernes, No. 38, im Museum des Haags. Ungleich erfreulicher ist Philip van Dyck in seinen Genrebildern, welche sich öfter durch eine glückliche Erfindung, hübsche Köpfe und eine höchst delikate Ausführung auszeichnen. Nur in der Färbung sind sie meist kalt und bunt. Zwei gute Bilder der Art, eine Dame, welche auf der Guitarre spielt, No. 86, und eine Dame bei der Toilette, No. 3 7, befinden sich ebenfalls im Haag. Zwei bedeutendere Bilder, junge Leute an einer Fensterbrüstung, No. 1026, und ein Mädchen, welches einem Knaben Unterricht im Zeichnen ertheilt, No. 1028, mit dem Namen und 1728 bezeichnet, befinden sich im Museum zu Berlin.

Jacob de Wit, geboren zu Amsterdam im Jahre 1695, gestorben 1754, brachte es zu einer erstaunlichen Meisterschaft Sculpturen von verschiedenem Material, von Erz, Holz, Gyps, besonders aber von weissem Marmor, so vollkommen naclizuahmen, dass selbst sehr geübte Augen dadurch getäuscht werden. Hierbei besass er eine glückliche Erfindungsgabe und war ein guter Zeichner. Die bedeutendste Arbeit von ihm ist die Ausmalung eines Saals im Rathhause zu Amsterdam, welcher an der Decke, über den vier Thüren, am Kamine und den Fensterpfeilern eine grosse Zahl von gemalten Sculpturen, Statuen und Reliefe, enthält. Sonst gefiel sich dieser Meister besonders in der Darstellung hübscher Kinder im Geschmack des Fiamingo. Sechs Bilder dieser Art, von denen vier, deren eins den Kamen des Meisters und die Jahrszahl 1751 trägt, die Jahreszeiten vorstellen, befinden sich in der Gallerie zu Kassel, Ko. 796 — 801, eins mit den Attributen der Jagd, Ko. 1022, in der Gallerie zu Dresden. Gelegentlich führte er indess dergleichen Kinder auch in Farben von recht feinem Ton aus. Dergleichen sind in St. Petersburg in der Eremitage vorhanden. In der ganzen Kunstform schliesst er sich am meisten dem Lairesse an.

Karel van Moor, geboren 1656 zu Leyden, gestorben 1738 genoss den Unterricht des Gerard Dow, des Abraham van den Tempel und des Frans van Mieris und folgte der realistischen Richtung dieser Meister. Er behandelte Gegenstände der heiligen und profanen Geschichte im grossen, wie im kleinen Maassstabe. Am ausgezeichnetsten war er indess in seinen Portraiten in Lebensgrösse, welche sich in der Lebendigkeit der Auffassung, der Meisterschaft der Ausführung würdig denen des A. v. den Tempel anschliessen, nur in dem bräunlichen Fleischton etwas schwer sind. Ein Beispiel hiervon giebt ein Regentenstück von vier Personen im Leprosenhuys zu Amsterdam. Er inalte indess auch Genrebilder in der Nachahmung des G. Dow, und radirte dessen Portrait uud die einiger anderer Künstler.

Den passendsten Uebergang zu den eigentlichen Genremalern, welche ebenfalls nur die Meister der vorigen Epoche nachahmten, bildet die Familie van der Myn, welche gelegentlich historische Bilder, viele Portraite, Conversationsstücke, öfter auch Früchte und Blumen gemalt hat. Das Haupt dieser Familie, Herman van der Myn, war 1684 in Amsterdam geboren, malte anfangs, wie sein Lehrer, Ernst Steven, Blumen und Früchte, legte sich aber später auf die Ausführung von Bildern in den anderen, vorher genannten Gattungen, besonders auf die Portraitmalerci, welche er sehr häufig, bei einem mehrjährigen Aufenthalt in London, ausübte. Er war ein guter Zeichner, aber kalt und schwer in der Färbung. In der Ausführung befliss er sich einer öfter fast übertriebenen Sorgfalt. In England müssen sich in Privatbesitz noch manche seiner Bilder befinden. In Gallerien kommt er selten vor. Blumen in einem Pokale in der Gallerie zu München, No. 532, Cabinette, von vielem Ycrdienst, zeigen in dem kühlen violettlichen Gesammtton, wie in der Ausführung des Einzelnen, einen entschiedenen Einfluss der Rachel Ruysch. Ein Kind in Lebensgrösse mit einem Papagei und Blumen in den Händen nebst reichem Beiwerk, in der königl. Gallerie zu Augsburg, macht durch den kalten und schweren Gesammtton eine unangenehme Wirkung, ist indess im Einzelnen mit einer ungemeinen Delikatesse ausgeführt.

Von fünf Söhnen und einer Tochter dieses Künstlers, welche sämmtlich die Malerei von ihm lernten, und in London ihre Kunst ausübten,2 zeichneten sich am meisten der 1706 geborne Ger-hart, und1 der 1719 geborene Frans van der Myn ans. Von dem ersteren befindet sich eine Dame als Schäferin gekleidet, unter No. 1037, im Museum zu Berlin. Dieses, mit dem Namen des Künstlers und 1763 bezeichnete, Bild zeigt in der sehr gesuchten Art, wie die Schäferin mit der rechten Hand eine Rose pflückt, mit der linken eine Schürze mit Blumen hält, einen starken Einfluss der damaligen französischen Schule. Es ist übrigens in einer etwas kühlen Färbung mit vielem Geschick gemalt. Von Frans van der Myu, dessen Meisterschaft in der Malerei verschiedener Kleiderstoffe gerühmt wird, ist mir in Gallerien kein Bild bekannt.

Ich gehe jetzt zu den eigentlichen Genremalern über, welche gelegentlich, aber mit sehr unglücklichem Erfolg, auch Gegenstände aus der heiligen und Profangeschichte, wie aus der Mythologie, behandelten, häufig und mit vielem Geschick Bildnisse malten.

A. de Pape. Dieser fast unbekannte Meister ist unbedingt einer der besten Genremaler dieser Epoche. Er ist wahr und sprechend in den Motiven, lebendig in den Köpfen, harmonisch in der, bisweilen selbst kräftigen, Färbung, und im Vortrag, von einer fleissigen und weichen Ausführung. Als Beispiele von ihm führe ich eine Frau, welche einen Hahn rupft, und einen Knaben, ein bezeichnetes Bild in der Gallerie des Haags, Ko. 108, und einen alten Maler, der zwei Knaben im Zeichnen unterrichtet, Ko. 1010, des Museums zu Berlin, ein ebenfalls bezeichnetes Bild, an.

Willem van Mieris, geboren zu Leyden 1662, gestorben ebenda 1747, war ein Schüler seines Yaters Frans van Mieris. Ausser den von diesem behandelten Gegenständen befasste er sich auch mit Darstellungen aus dem Kreise der Mythologie, meist in Landschaften, welche, bei einem sehr prosaischen und nüchternen Gefühl, und einem gänzlichen Mangel an Grazie, einen sehr widrigen Eindruck machen. In seinen früheren Genrestücken kommt er bisweilen seinem Yater, dessen Bilder er sogar häufig copirte,. nahe, wenn er ihm schon in der Zeichnung und im Impasto immer nachsteht. Später aber wird er geistlos und einförmig in seinen Köpfen, kalt und bunt in der Färbung, mager und geleckt im Vortrage. Er malte in dieser Zeit vorzugsweise Gemüse- und Wildhändler in Fensterbrüstungen und Küchen, wo er denn Gelegenheit fand, seinen ausserordentlichen, aber geistlosen Fleiss in der unsäglichsten Ausführung von allem diesem Beiwerk zu zeigen. Die Anzahl der in seinem langen Leben gemalten Bilder ist ungemein gross. Besonders charakteristisch für ihn sind: Drei Kinder in verschiedener Weise beschäftigt, Ko. 326, im Louvre. Das Kind, welches Seifenblasen macht, hat er nach seinem Yater copirt. Dies Bild ist aus seiner früheren Zeit, und in Wahrheit, Wärme, Harmonie, Beleuchtung und Ausführung eins seiner besten. Das Gegeustüek, Ko. 327, ein Wildhändler, welcher seine Waare auslegt, ist zwar minder gefällig, doch von ähnlichem Kunstwerth. Auch der Laden eines Würzkrämers, Ko. 93, im Museum des Haags, ein Beispiel seiner unsäglichen Ausführung, gehört mindestens seiner mittleren, in der Färbung noch ziemlich warmen Zeit au. Eine sehr gute, nur in den Schatten schwerere Copie nach einem Bilde seines Yaters ist ein Krieger in der, Gallerie zu Wien, mit seinem Kamen und 1683 bezeichnet. Wie weit er in dess schon damals hinter jenem zurückblieb, wenn er sich auf seine Hand versuchte, beweist das 1684 bezeichnete Gegenstück desselben, eine Dame in einem Atlaskleide, ebenda, durch die grössere Härte und die kältere Färbung. In keiner Gallerie kann man indess diesen Meister so vollständig von seinen guten und seinen schlechten Seiten kennen lernen, als in der zu Dresden. Ich begnüge mich hier von den dort befindlichen zwölf Bildern von ihm, No, 1567 , eine Frau, welche einem Herrn ein Glas Wein einschenkt, als ein durch Lebendigkeit und Ausführung besonders gutes, No. 1556, Bacchus und Ariadne mit ihrem Gefolge, als ein durch einförmige und widrige Köpfe, kalte Färbung, harte Formen, besonders schwaches Bild von ihm anzuführen. Unter den zahlreichen, in England von Willem van Mieris befindlichen Bildern sind besonders ausgezeichnet. Eine Frau, welche einem Violinspieler etwas zu trinken giebt, in der Bridgewatergallerie. Dieses Bild aus der früheren Zeit des Meisters, nähert sich in jedem Betracht noch seinem Vater. Von ähnlicher Güte ist ein Bild, eine Frau und ein Mädchen in der Sammlung von Thomas Baring. Eins seiner Hauptwerke in jedem Betracht ist aber ein. für die Familie Holderness ausgeführtes Bild, ein zerlumpter Jüngling, welcher einem Kinde einen Guckkasten zeigt, in der Sammlung des Herrn Heusch zu London.

Frans van Mieris der jüngere, geboren 1689, gestorben 1763, der Sohn und Schüler des vorigen, zeigt die Schule vollends in ihrem Absterben. Er ist ungleich schwächer in der Zeichnung, der Färbung und der immer noch sehr fleissigen Ausführung. Zwei Bilder, welche noch zu seinen besseren gehören, ein Bäcker und eine Frau, und eine Trödlerin mit einem Knaben, befinden sich No. 787 und 788 in der Gallerie zu Kassel.

A, D. Snaphaau, welcher sich längere Zeit in Dessau und Leipzig aufgehalten, scheint sich nach seinen Bildern ebenfalls nach dem ältern Frans van Mieris gebildet zu haben. Er behandelte vorzugsweise Couversationsstücke, in welchen er den besseren Bildern des Willem van Mieris so nahe kommt, dass sie öfter für Arbeiten desselben gehalten werdeu. Ein mit seinem Namen bezeichntes Bild, eine Dame an der Toilette, welche einen Brief empfängt, befindet sich No. 1030, im Museum zu Berlin.

Constautiu Netscher, geboren 1670 im Haag, gestorben ebenda 1722, legte sich mit einigem Erfolg auf die Nachahmung der Kunstweise seines Vaters Caspar Netscher. Er ist indess schwächer und leerer in den Köpfen, schwerer in der Färbung. Ein Beispiel seiner Kunst gewährt ein Schäfer mit einem Mädchen an einem Brunnen, in derGallerie zu München, No. 190, Cabinette. Sehr nüchtern und langweilig ist er in Bildern aus dem Kreisö der Mythologie, wie in seiner Yenus, welche den in eine Blume verwandelten Adonis beweint, No. 360, im Louvre. Am besten gelangen ihm noch Portraite im kleinen Maassstabe, deren er eine grosse Zahl ausgeführt hat. Eins derselben, das Bildniss eines Generals, befindet sich, No. 1018, im Museum zu Berlin.

Arnold van Boonen, geboren zu Dortrecht 1669, gestorben 1729, war der Schüler des G. Schalken, ahmte dessen Manier getreulich nach, und erreichte ihn auch bisweilen bis auf die Färbung, welche bei ihm schwerer und schwächer ist. Wie sein Meister wählte er meist eine Kerzenbeleuchtung. Er malte ausserdem mit grossem Beifall, besonders an einigen deutschen Höfen, Portraite in Lebensgrössc. Als Genremaler kann man ihn am besten in der Dresdener Gallerie kennen lernen, welche unter No. 1576 bis 1582, sieben, meist junge Mädchen, junge Männer und Einsiedler bei Kerzenlicht darstellende, Bilder von ihm besitzt. Unter diesen zeichnet sich, No. 1579, zwei junge Leute, deren einer mit einer Thonpfeife, durch die Wahrheit des Naturgefühls aus.

Lodowyck de Mony, geboren 1698 zu Breda, gestorben 1771 zu Leyden, war ein Schüler des Philip van Dyck und malte Genrebilder in dessen Manier, welche indess schwächer in der Modellirung, wie in der Farbe, ein immer tieferes Sinken der Schule bekunden. Das Museum in Amsterdam hat von ihm, No. 209, eine alte Frau, welche einen Blumentopf begiesst, das im Haag, No. 95, eine Alte und einen Knaben in einer Nische.

Unter den, gleichfalls nur ihre Vorgänger nachahmenden, Landschaftsmalern zeichneten sich noch am meisten folgende drei aus.

Isaac Moucheron, geboren zu Amsterdam, 1670, gestorben ebenda 1744, ein Schüler seines Yaters Frederick Moucheron, ahmte dessen ganze Kunstweise mit ziemlichem Geschick nach. Er ist indess fahler und schwerer in der Farbe, leerer in der Ausbildung des Einzelnen, lahmer im Yortrag. Bilder von ihm kommen in den Gallerien selten vor. Yollständig kann man ihn indess in der zu Dresden kennen lernen, welche unter No. 1588—1594, sieben Bilder von ihm besitzt. Eins der besten hievon ist eine gebirgigte Landschaft mit Gebüsch, in derem Yorgrunde ein Waldbach durch Felsen strömt, No. 1592. Es spricht in der Composition an und ist von einer gewissen Breite und Freiheit der Behandlung; Eins der leersten und in der Färbung schwächsten ist dagegen, No. 1591, eine Landschaft mit einem Flusse und einem Herrn und einer Dame, welche auf die Falkenjagd reiten.

Jan van Niekele, ein Schüler seines Vaters, Isaac van Nickele, des Architekturmalers, legte sich zwar auf die Landschaftsmalerei, indess spielen bei ihm Gebäude meist eine grosse Rolle. Er hielt sich eine Zeitlang in Düsseldorf am Hofe des Kurfürsten von der Pfalz, später aber am Hofe zu Kassel auf, wo er auch starb. Seine Bilder sind mit vielem Geschick, aber öfter in einer etwas dekorativen Weise, gemalt. Eine reiche Folge von Ansichten der kurfürstlichen Gebäude und Anlagen in der Nähe von Kassel, befinden sich in dem dortigen Schlosse Wilhelmshöhe. Zwei kleinere Landschaften besitzt, unter No. 1609 und 1610, die Gallerie zu Dresden.

Robert Griffier, geboren in England 1688, ein Schüler seines Yaters Jan Griffier, malte, ganz in der Art wie jener, Rheinansichten, welche er durch verschiedene Schiffe und Menschen belebte. Mir ist in keiner Gallerie ein Bild von ihm bekannt. Ohne Zweifel werden sich noch manche derselben in England befinden, woselbst er sich ganz niedergelassen hatte.

Das einzige Fach der Malerei, welches in dieser Epoche noch eine Blüthe erlebte, und wenigstens einen Meister ersten Rangs hervorbrachte, war die Malerei von Früchten und ganz besondere von Blumen. Ein Grund hiefür ist ohne Zweifel in der leidenschaftlichen Liebe der Holländer für Blumen, welche gerade in dieser Zeit ihren höchsten Grad erreichte, zu suchen. Folgende Meister verdienen hier eine nähere Betrachtung.

Rachel Ruysch, Tochter des berühmten Professors zu Leyden, wurde 1664 zu Amsterdam geboren, wo sie auch 1750 starb. Sie war eine Schülerin von Wilhelm van Aelst, und legte sich mit ungemeinem Erfolg auf die Blumenmalerei, wiewohl sie gelegentlich auch Früchte in grosser Yollendung malte. Sie ist weniger glücklich in der Anordnung, als in der Darstellung der einzelnen Blumen, welche mit einer trefflichen Zeichnung eine bewunderungswürdige Ausführung verbinden. Dasselbe gilt auch von den darauf angebrachten Schmetterlingen, und sonstigen Insekten. Die schon etwas kühle Färbung ihres Meistere herrscht auch bei ihr vor, nur dass die Farbe meist schwerer und dunkler wird. Obgleich sie bis zu hohem Alter in ungesehwäehter Kraft malte, ist die Anzahl ihrer Bilder doeh massig. Zwei besonders ausgezeichnete Bluniensträusse befinden sieh im Museum des Haags. Das grössere Bild, No. 128, ist von einer bei ihr seltnen Wärme und Harmonie. Die sehr weiehe Behandlung ist dabei etwas breiter als gewöhnlieh. Das kleinere, No. 129, ist von einer ausserordeutlichen Klarheit, Zartheit und Weiehe. Würdig sehliessen sich diesen zwei Blumensträusse, No. 270 und 424, Cabinette, der Gallerie zu Münehen an, weiehe aueh, unter No. 409, das in Wahrheit, Impasto und Meisterschaft der Ausführung sehönste, mir von ihr bekannte, Fruehtstüek besitzt. Auch unter den sieben Bildern von ihr in dem Schlosse Wilhelmshöhe zu Kassel befinden sieh einige ihrer ausgezeichnetsten Arbeiten.

Jan van Huysum, geboren zu Amsterdam 1682, gestorben ebenda 1749, war der Sehüler seines Yaters Justus van Huysum, eines geschickten Deeorationsmalers, weleher in dieser Weise Gegenstände verschiedenster Art Tiere, Landschaften, See- und Architektur-stüeke, Früchte und Blumen, auch blose Ornamente zum Sehmuck der Zimmer nach der damals in Holland herrschenden Sitte aus-führte. Bei diesen Arbeiten bediente er sieh der Hülfe von Jan und drei andern Söhnen. Hier zeigte nun Jan eine solche Vorliebe und eine so grosse Anlage für Frucht- und Blumenstücke, dass er die Ausführung von solehen zur Hauptaufgabe seines Lebens maehte. Während es aber in der Kunstgeschichte eine sehr gewöhnliehe Erscheinung ist, dass die Maler in ihrer frühsten Zeit sehr im Einzelnen ausführen, allmälig aber zu einer breiteren, öfter selbst in das Decorative ausartenden, Behandlung fortschreiten, bietet er ein seltnes Beispiel des umgekehrten Ganges dar, indem er von der deeorativen Weise seiner Jugend zu der grössten und bewunderungswürdigsten Ausführung aller Einzelheiten überging, und dieser aueh bis in sein höchstes Alter treu blieb. Dass er dessungeachtet aueh noeli in seinen reiferen Jahren gelegentlieh in einer breiteren Weise ausführte, beweist ein grosser Blumen-strauss in einer bronzenen, auf einem Marmortisch stehenden, Vase No. 972, im Museum zu Berlin, welches die Bezeichnung Jan van Huysum feeit 1722 trägt. Die Mehrzahl seiner Bilder sind von ähnlicher Composition. Die, aueh häufig die Terracotta nachahmenden, Vasen sind in der Regel im antikisirenden Gesehmaek mit Nymphen, Liebesgöttern u. s. w., von höchst eleganter Ausführung verziert. Wenn wir ihn mit Jan David de Heem, dem grössten Frucht- und Blumenmaler der vorigen Epoche, vergleichen, so steht er jenem in der stylgemässen Anordnung, wie in der tiefen imd satten Harmonie der Zusammenstellung der Farben um Vieles nach. Ja es giebt Bilder von ihm, welche in der Anordnung zerstreut, in der Farbenwirkung bunt sind. Dagegen macht er jenem gegenüber seine Eigenthümlihkeit durch die wunderbare Helle seiner sonnigen Beleuchtung geltend, worin, mit Festhaltung der Lokalfarben der verschiedenen Blumen und Flüchte, Alles mit der grössten Sorgfalt modellirt ist und sich, anstatt des bisher gebräuchlichen dunklen Grundes, den er indess auch, besonders in seiner früheren Zeit, noch öfter anwendete, von einem hellen Grunde abhebt. Wenn man den J. D. de Heem in seiner warmen, goldigen Harmonie den Tizian der Blumen- und Fruchtmaler nennen könnte, so verdient J. van Huysum in seiner lichten, sonnigen und heiteren Wirkung füglich den Hamen des Correggio dieser Gattung. In der meisterlichen Zeichnung und der Wahrheit der einzelnen Gegenstände stehen beide Meister auf einer Höhe, nur dass de Heem vorzugsweise Früchte, van Huysum vornehmlich Blumen gemalt, und die Wahrheit, z. B. im Glanze der Tulpen, dem Staub der Aurikeln, den Thautropfen, noch mehr im Einzelnen verfolgt hat. Diesen letzten, auf die grosse Masse der Liebhaber am stärksten wirkenden Eigenschaften verdankt J. van Huysum es vornehmlich, dass seine Bilder schon zu seiner Zeit von den ersten Fürsten und den reichsten Liebhabern eifrig begehrt und hoch bezahlt worden sind, und auch noch heut von allen Malern dieser Gattung bei weitem die höchsten Preise erreichen. Ausserdem hat er sich gefallen gelegentlich auch Landschaften zu malen. Sie sind indess in dem conventionellen italienischen Geschmack gehalten, und in der Farbe waltet häufig ein zu eintöniges Grün vor. Endlich artet die sehr ins Einzelne gehende Ausführung öfter in das Kleinliche aus. Er muss ein ausserordentlich fleissiger Künstler gewesen sein, denn, obwohl er ein Alter von 67 Jahren erreichte, ist doch, bei der ausserordentlichen Ausführung seiner meisten Bilder, schon die Anzahl von 116, welche .Smith anführt, sehr beträchtlich. Hierzu kommen endlich noch eine grosse Menge von Handzeichnungen, deren sehr viele, in Farben in Aquarell gemalt, einige aber so im Einzelnen durchgeführt sind, dass sie ebenfalls viel Zeit gekostet haben müssen. Hach den vorher gemachten Unterschieden sind natürlich seine Bilder auch von sehr verschiedenem Werth, und werden auch demgemäss bezahlt. Als ein Beispiel seiner früheren, noch an seinen Anfang, als Dekorationsmaler, gemahnenden Weise führe ich ein Bild im Louvre, No. 240, an, welches, von ansehnlicher Grösse, in breiter Ausführung mancherlei Blumen in einem mit Eeliefs geschmückten Gefäss von Terracotta, und daneben ein Vogelnest enthält. Ein Frühstück auf hellem Grande, ebenda No. 238, bestehend aus Trauben, Pfirsichen, Pflaumen, einer Melone, mit Blumen untermischt, und einer Vase mit spieleuden Kindern im Hintergründe, zeigt dagegen den Meister auf seiner vollen Höhe und von seiner günstigsten Seite, denn zu der Vereinigung der delicatesten Ausführung in einem trefflichen Impasto, mit der leuchtenden Kraft der lichten Farben, kommt hier ein ungleich feineres Gefühl für eine harmonische Haltung, als gewöhnlich. Auch das ebenfalls auf hellem Grande gemalte Gegenstück von diesem, No. 239, verschiedene Blumen, namentlich Mohn, Tuberosen und Anemonen iu einer ähnlichen Vase, hat fast dieselben trefflichen Eigenschaften. Zwei andere Blumenstücke ebenda, No. 235 und 236, führe ich als Beispiele solcher Bilder von ihm an, in welchen die höchste Delicatesse der Ausführung, und die leuchtenden Farben doch nicht hinlänglich für die Zer-: streutheit der Anordnung, die Buntheit der Wirkung entschädigen. Hier befinden sich auch, No. 231—234, vier jener wenig erfreulichen Landschaften von ihm. Das Museum zu Amsterdam hat von ihm, No. 155, ein auf hellem Grand gemaltes Frühstück aufzuweisen, welches sich ganz auf der Höhe des zu Paris befindet. Bei einem, übrigens höchst vollendeten,- vom Jahr 1723 datirten Blumenstück, No. 156, ebenda, artet, wie bisweilen, die Helligkeit etwas in allgemeine Flauheit des Tons aus. Als das klarste und sonnigste von seinen Bildern auf dunklem Grunde, was ich kenne, führe ich ein, übrigens in der Composition zerstreutes, in *der Ausführung nicht zu den feinsten gehöriges, Blumenstück in der Sammlung van der Hoop in Amsterdam an. Zwei Bilder im Museum des Haags, No. 67 und 68, ein Frachtstück und ein Blumenstück erwähne ich, unerachtet ihrer Kleinheit, als durch die sonnige Helle und die hohe Vollendung besonders charakteristisch für ihn. Unter den Bildern von ihm in deutschen Gallerien zeichnen sich besonders aus: ein Blumenstrauss in einem Thongeschirr auf hellem Grunde von sonniger Wirkung, No. 1605, zu Dresden, ein Korb mit Blumen von ähnlicher Wirkung, doch auf dunklem Grunde, Ko. 464 Cabinette, zu München, und ein Blumenstrauss in einer Yase zu Wien. Von den in England von ihm vorhandenen Bildern nenne ich vor allen, als in einer öffentlichen Gallerie, ein Frucht- und ein Blumenstück, No. 29 und 39, in der Dulwich-gallery, auf einem hellen Grunde, als — besonders das erste — von vortrefflicher Art. Zunächst aber hebe ich einen kleinen Blumenstrauss, in der Bridgewater-Gallery, ebenfalls auf einem hellen Grunde, datirt 1723 und 1724, als höchst leuchtend und delikat hervor. Zwei durch Umfang, etwa 3 F. hoch, 2 F. 3 Z. breit, wie durch Reichthum der Gegenstände und die höchste Vollendung ausgezeichnete Hauptwerke des Meisters, 1731/1732 und 1732/1733 datirt, vormals in der Gallerie zu Kassel, befinden sich jetzt in der Sammlung des Lord Ashburton. Schliesslich muss ich noch einige Zeichnungen von seltner Schönheit in der Sammlung des Herrn Bale, 1 und eine Sammlung von 160, mit grosser Meisterschaft ausgeführte, Zeichnungen in der Sammlung des Herrn William Russell,2 beide in London, wenigstens erwähnen.

Conrad Roepel, geboren im Haag 1679, gestorben ebenda 1748, ein Schüler des Constantin Netscher, malte zwar anfangs Bildnisse, legte sich aber bald ganz auf die Malerei von Früchten und Blumen, worin er vorzugsweise dem Geschmack des J. van Huysum folgte, und ihm in seinen besten Bildern, wie in einem Blumen- und einem Fruchtstück der Gallerie zu Kassel, No. 753 und 754, auch ziemlich nahe kam. In der Regel ist seine Behandlung, wrie die des van Huysum in seiner früheren Zeit, mehr dekorativ. Fünf Bilder der Art, Blumen- und Frachtgehänge, von Papageien, Eichhörnchen und Affen begleitet, befinden sich ebenfalls, No. 755 — 759, in der Gallerie zu Kassel. Auch die Gallerie zu Dresden besitzt unter No. 1601 einen, zu seinen guten Arbeiteh gehörigen, Blumenstrauss.

Jan van Os, geboren zu Middelharnis 1744, gestorben 1808, zeichnete sich vorzüglich durch seine Malereien von Blumen und Früchten aus, worin er sich ganz den Jan van Huysum zum Vorbild nahm. Seine besten Bilder sind nicht allein mit Geschmack angeordnet, sondern kommen an sonniger Klarheit, an Kraft der Farbe und an fleissiger Durchführung dem van Huysum öfter sehr nahe. Das einzige, mir in einer Gallerie von ihm bekannte, Bild ist ein ausgezeichnetes Fruchtstück, No, 368, im Louvre.

Hier dürfte die geeignetste Stelle sein, die ausgezeichnetsten Mitglieder der zahlreichen Malerfamilie vonHamilton in Betracht zu ziehen, denn, obwohl Sohne und Schüler des Schotten, James von Hamilton, welcher sich zur Zeit von Cromwells Regiment in Brüssel niedergelassen hatte, wo er vorzugsweise Stillleben malte, und später in Deutschland ansässig, lehren doch ihre Gemälde, dass sie sich vornehmlich nach Malern der holländischen Schule gebildet haben.

Philipp Ferdinand von Hamilton, geboren zu Brüssel 1664, gestorben zu Wien, wo er in Diensten Kaiser Karl VI. arbeitete, 1750, malte vorzugsweise Jagdstücke, besonders wilde Thiere, welche sich ihre Beute streitig machen, wildes und zahmes Geflügel und todte Thiere, bald mehr im Geschmack des Jan Weenix, bald in dem des Willem van Aelst. Er ist der vorzüglichste Maler der ganzen Familie. Seine Thiere sind naturwahr aufgefasst, gut gezeichnet und sehr fleissig ausgeführt. Wenn er in der Farbe meist etwas schwach ist, so ist er doch klar und haben seine Bilder eine gute Haltung. Am vollständigsten kann man ihn in der Wiener Gallerie kennen lernen. Ich hebe daher einige von diesen hervor. Ein Hauptbild von ihm ist dort ein Wolf, welcher einen erjagten Hirsch ausweidet, während ihm ein anderer die Zähne fletscht , vom Jahr 1720. — In Wahrheit der Thiere, Wärme und Klarheit der Farbe, Gediegenheit der Ausführung, ist aber ein Leopard, welcher seine Beute, ein Huhn, gegen einen Geyer vertheidigt, vom Jahr 1722, das vorzüglichste, mir von ihm bekannte, Bild. —Auch vier Geyer, von 1723, und Wasservögel, von 1724, so wie drei Gemsen und Truthühner von einer Hyäne belauscht, sind gute und fleissige Bilder von ihm. — Eine Speisekammer mit einem todten Hasen und wildem Geflügel in der Gallerie zu München, Ko. 146, macht den Eindruck eines, in der Farbe abgeblassten, in der Ausführung etwas lahmen Jan Weenix.

Johann Georg von Hamilton, geboren zu Brüssel 1666, gestorben, in Diensten Kaiser Karl VI., zu Wien 1740, malte vorzugsweise Pferde, welche indess der Wahrheit entbehren. Glücklicher war er in der Darstellung von Hirschen und Rehen. Gelegentlich malte er auch todte Thiere und Jagdgeräth. Er ist ein viel geringerer Maler, als der vorige, in der Auffassung oft manie-rirt, in der Färbung kalt, bunt und schwer, in der Ausführung geistlos. Das beste, mir von ihm bekannte, Bild ist ein Hirsch und zwei Rehe in einer Landschaft, in der Gallerie zu Wien. Zwei Pferdestücke ebenda, leiden dagegen an jenen gerügten Mängeln. Ein Eberkopf, an derselben Stelle, ist wenigstens sehr fleissig in der Ausführung. — Ein todter Hase, No. 1C5, der Gallerie zu München, ist geschmacklos in der Anordnung und minder fleissig, als das Bild des Bruders Karl Wilhelm von Hamilton, geboren 1668, oder 1670 zu Brüssel, gestorben 1754, ein Bruder der vorigen, malte allerlei Pflanzen, an derem Fusse Schlangen, Eidechsen u. s.w., ganz nach dem Vorbilde des van Schrieck. Er ist indess in der Farbe schwerer und dunkler, in der sehr fleissigen Ausführung geleckt. In Gallerien ist mir kein Bild von ihm bekannt.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die schwäbische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei am Niederrhein und in Westphalen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Verzerrung des germanischen Kunstnaturells in der Historienmalerei durch Nachahmung der Italiener
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei in Deutschland
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweite Blüte des germanischen Kunstnaturells in der Form der modernen Geistesart
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Belgien
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Zeitgenossen und die Schüler von Rubens
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die holländische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Rembrandt van Ryn
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Schüler und Nachfolger von Rembrandt
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Genremaler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Maler der Blumen, Früchte, Pflanzen oder sogenannte Stillleben
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Maler dieser Epoche
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Epoche des Verfalls von 1700-1810
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Flämische Malschule

Weiterführendes zu Rembrandt:
Rembrandt 1606-1669
Rembrandt als Naturbeobachter
Rembrandt im Kunstmuseum Hamburg
Rembrandt und seine Zeitgenossen
Rembrandts Darstellungen der Tobiasheilung
Rembrandts Handzeichnungen
Rembrandts Radierungen
Rembrandts Verworfene Blätter
Rembrandts wiedergefundene Gemälde
Rembrandts Zweifelhafte Blätter

Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen

Am schwächsten ist es hier, wie ich schon angedeutet, mit der Historienmalerei bestellt. Folgende zwei Meister sind besonders geeignet eine Vorstellung von derselben zu geben.

Balthasar Beschey, geboren zu Antwerpen 170S, gestorben 1776. Obwohl er in der Jugend Landschaften im Geschmack des Jan Breughel malte, welcher noch in dieser späten Zeit viele Nachahmer fand, wendete er sich doch nachmals der Historien- und Bildnissmalerei zu. Nach zwei Bildern aus der Geschichte Josephs, No. 496 und 497, des Museums zu Antwerpen, scheint er sich unter den früheren Meistern Caspar de Craeyer zum Vorbild genommen zu haben. Es fehlt ihm nicht an Talent und an Sinn für Harmonie. Aber Gefühl, Formen, Färbung sind abgeschwächt. Im Fach der Bildnissmalerei erscheint er ebenda, No. 498, in seinem eignen, als bequem in der Auffassung und fleissig in der Ausführung, aber matt und bunt in der Färbung. Mehrere jüngere Brüder von B. Beschey übten nach seinem Unterricht ebenfalls die Malerei aus. Sie malten meist recht fleissige, doch in der Farbe schwache Kopien im Kleinen nach Bildern des Rubens und van Dyck.

Andrics Cornelis Lens, geboren zu Antwerpen 1739, gestorben ebenda 1822, war ein Schüler von Carel Eyckens, und Balthäsar Beschey. Dieser Maler bezeichnet die letzte Ausartung und das ohnmächtige Hinsterben dieser einst so grossen Schule. Er nimmt in derselben eine ähnliche Stelle ein, wie Fugger in Wien für die deutsche, nur dass er diesem an Talent weit nachsteht. Seine Compositionen sind lahm in den Motiven, seine Köpfe von einer einförmigen und schwächlichen Süsslichkeit, sein Fleisch von einem durchaus unwahren, bald rosafarbigen, bald honigartigen Ton, sein Vortrag unbestimmt und Verblasen. Merkwürdig ist es, dass dieser letzte und unwürdigste Sprössling der Schule es unter seiner Würde hielt, der Malergilde des heiligen Lucas in Antwerpen, welche doch Meister wie Quentin Massys und Rubens zu ihren Mitgliedern zählt, anzugehören, und dass diese wirklich auf seinen Betrieb aufgehoben wurde. Als Beläge für meine Würdigung dieses Künstlers führe ich von historischen Bildern eine Verkündigung Mariä, No. 503, und eine allegorische Darstellung vom Jahr 1763, No. 505, des Museums von Antwerpen, so wie eine Delila, welche dem Simson das Haar abschneidet, No. 128, im Museum zu Brüssel an. In Deutschland besitzt, meines Wissens, nur die Gallerie zu Wien vier Bilder von ihm aus dem Kreise der griechischen Mythologie, von denen Pallas, welche den Mars mit einem Steinwurf niederstreckt, und Hectors Abschied von Andromeda zu seinen besseren Arbeiten gehören. Selbst seine Bildnisse, wobei er doch unmittelbar auf die Natur angewiesen war, sind, wie die des-Kupferstechers Martenasie, No. 504, des Museums zu Antwerpen, und des Kaiser Leopold, No. 129, des Museums zu Brüssel, beweisen, leer in den Formen und conventionell in der Farbe.

Obgleich an sich von sehr untergeordnetem Werth, sind doch die Bilder verschiedener Genremaler, welche damit meist die Landschaft in der Art des Jan Breughel verbanden, um etwas erfreulicher.

Balthasar van den Bossche, geboren 1681 zu Antwerpen, gestorben 1715, zeichnet sich unter diesen besonders vortheilhaft aus. Er malte in der Regel Maskeraden, Apotheker in ihren Laboratorien, Marktschreier u. s. w., aber auch gelegentlich Portraite. Seine Bilder sind mit Einsicht angeordnet, die Köpfe lebendig, und gut individualisirt, die Färbung kräftig und warm, wenn gleich im Fleisch von einem zu einförmigen Ziegelroth, die Führung des Pinsels von einer gewissen Weiche. Als Beispiel seiner Kunst nenne ich die Aufnahme eines Bürgermeisters von Antwerpen in die jüngere Gilde der Armbrustschützen im dortigen Museum, No. 448.

Jnn Joseph Horemans, geboren zu Antwerpen 1682, gestorben ebenda 1759, malte in der Regel Conversationsstücke, Bauerngesellschaften, Quacksalber u. s. w. Er hatte viel Geschick in der Composition, und führte recht sorgfältig aus, doch die schwere, in allen Theilen unwahre Färbung, machen seine Bilder wenig geniessbar. Yon mir bekannten Gallerien besitzen nur die zu Kassel, unter Ko. 774—778, fünf, die zu Dresden, unter Ko. 1025 und 1026, zwei Bilder von ihm, welche Gegenstände der erwähnten Art vorstellen. Im Museum von Antwerpen befindet sich von ihm, Ko. 450, die Aufnahme des Abts von St. Michael in die Genossenschaft der Fechtkunst.

Theobald Mich au, geboren 1676 zu Tournay, gestorben 1755. Er malte Bilder im Geschmack des Bout, welche in ansprechender Weise componirt und fleissig und geschickt ausgeführt, aber schwach gefärbt sind. Besonders ist bei ihm ein ziegelrother Ton des Fleisches unangenehm. Die Gallerie zu Wien besitzt zwei, mit seinem Kamen bczeichnete Bilder, welche viele Figuren in einer Sommer- und einer Winterlandschaft enthalten.

Karel van Falens, geboren zu Antwerpen 1684, gestorben zu Paris 1733, ahmte mit einigem Erfolg den Wouverman nach. Kur ist er im Tortrag zu geleckt. In der Dresdener Gallerie befindet sich von ihm, Ko. 1024, ein Aufbruch zur Falkenjagd, in der zu Berlin, Ko. 1005, Menschen und Thiere in einer Landschaft.

Jan Frans van Bredaei, geboren zu Antwerpen 1683, gestorben 1750 ebenda, ahmte gleichfalls mit vielem Geschick Wouverman nach. Er steht indess in jedem Betracht, besonders in den schweren, braunen Schatten, jenem wreit nach. Zwei Bilder von ihm befinden sich, unter Ko. 1607 und 1608, in der Dresdener Gallerie.

Karel Breydel, geboren zu Antwerpen 1677, (?) gestorben zu Gent 1744,(?) ein Schüler des Pieter Rysbraek, malte bald Rheinansichten im Geschmack des Jan Griffier, bald Vorgänge aus dem Soldatenleben, worin er van. der Meulen nachahmte. In Gallerien kenne ich von ihm nur ein Reitergefecht in der Sammlung des Herzogs von Aremberg zu Brüssel.

Pieter Snyers, geboren zu Antwerpen 1681, gestorben 1752, welcher Portraite, Blumen und Landschaften malte, zeigt sich in einer gebirgigten Landschaft, Ko. 449, des Museums von Antwerpen, als einer der ausgezeichneteren Künstler dieser Epoche.

Simon Denys, geboren 1755 zu Antwerpen, gestorben zu Neapel 1813, besuchte das Atelier des II. J. Antonissen, ging 1786-nach Italien und liess sich später in Neapel nieder, wo er zum ersten Maler des Königs ernannt wurde. Er malte Landschaften im italienischen Geschmack, welche mit Einsicht componirt, und mit vielem Geschick ausgeführt, aber in der Färbung von einem fahlen und schweren Ton sind. Das Museum von Antwerpen besitzt, unter No. 510, 511 und 512, drei Bilder dieser Art von ihm.

Zuletzt nenne ich den im Jahr 1755 zu Antwerpen geborenen und erst im Jahr 1826 ebenda gestorbenen, Balthasar P aul Ommeganki Er besuchte ebenfalls das Atelier von H. J. Antonissen, und bildete sich zu dem ersten Maler von Vieh, namentlich von Schafen, und zu einem der besten Landschaftsmaler seiner Zeit aus. Er folgte entschieden der realistischen Richtung und benutzte in seinen Bildern häufig Naturstudien der malerischen Gegenden der Maass im wallonischen Belgien. Seine Schafe sind von einer grossen Naturwahrheit und sehr fleissigen Ausführung, die Landschaften von sehr guter Gesammthaltung, in grossen Massen genommener Beleuchtung und feiner Luftperspektive. Seine Färbung ist indess schwer, häufig kalt im Ton, sein, übrigens sehr gewandter, Vortrag etwas mager im Impasto und öfter zu Verblasen. Seine sehr zahlreichen, mit wenigen Ausnahmen in Privatsammlungen befindlichen, Bilder, sind übrigens von sehr verschiedenem Werth. Von Gallerien besitzt der Louvre zwei Landschaften mit Vieh, unter dem die Schafe vorwalten, No. 364 und 365, von denen das erste von 1781 datirt ist, die Gallerie zu Brüssel unter No. 149, eine Landschaft aus den Ardennen, von brillanter und sehr zart abgetönter Beleuchtung, aber trüben Schatten, und zu wollig in den Thieren, die Gallerie und das Schloss Wilhelmshöhe zu Kassel drei Bilder, No. .1035, 1036 und 1037, welche zu seinen besten Arbeiten gehören. Unter den mir in England von ihm bekannten Bildern ist eins in der Sammlung von Thomas Baring das zugänglichste, gehört indess zu seinen, in der Farbe unscheinbaren, in der Behandlung zu glatten Arbeiten.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
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Weiterführendes zu Rembrandt:
Rembrandt 1606-1669
Rembrandt als Naturbeobachter
Rembrandt im Kunstmuseum Hamburg
Rembrandt und seine Zeitgenossen
Rembrandts Darstellungen der Tobiasheilung
Rembrandts Handzeichnungen
Rembrandts Radierungen
Rembrandts Verworfene Blätter
Rembrandts wiedergefundene Gemälde
Rembrandts Zweifelhafte Blätter

Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen

Hatte sich schon in der späteren Zeit der vorigen Epoche, sowohl in Belgien, als in Holland, eine entschiedene Abnahme in der Malerei offenbart, so stellte sich vollends in dieser eiu gänzlicher Verfall ein. Die Erfindungskraft, jene erste Bedingung einer selbstständigen Kunst, war gänzlich erlahmt. Die Ausübung der Historienmalerei nahm überhaupt ab. Wo sie aber noch in Anwendung kam, folgte sie, vornehmlich nach den Büchern und Bildern des G. Lairesse, gewissen akademischen Regeln, welche jede Eigentümlichkeit tödteten. In allen anderen Gattungen, den verschiedenen Verzweigungen der Genre-, der Landschafts-, der See-und der Architekturmalerei, stellte sich eine, in der Regel geistlose, Nachahmung der grossen Meister der vorigen Epoche ein. Nur in der Portraitmalerei, worin der Künstler unmittelbar auf die Natur gewiesen ist, wurde mitunter noch Achtbares, in der Malerei von Blumen und Früchten aber selbst Ausgezeichnetes geleistet. Besonders charakteristisch für diese Epoche ist, dass sich der Farbensinn mehr und mehr verliert. Die Bilder werden bunt, kalt, dunkel. Hiermit hängt auf das Engste das Sinken der Technik, deren Kernpunkt in dem glücklich abgewogenen Verhältniss der Deck- und Lasurfarben bestand, zusammen. In Folge der zu vorwaltenden Anwendung der ersten verlieren sie die Klarheit, sie werden schwer und trübe. Ueberdem tritt durch den Mangel an Berücksichtigung der Haltbarkeit der Farben häufig eine Veränderung derselben, bald ein Nachdunkeln, bald ein Verbleichen, ein. End

Endlich artet auch der Vortrag nach zwei Extremen aus. Er wird bald zu flüchtig und dekorativ, bald zu geleckt und mager. Da das Interesse, welches die Kunstwerke aus dieser Epoche gewähren, ein, verhältnissmässig zu dem der vorigen, nur sehr untergeordnetes ist, werde ich mich mit der Betrachtung, einmal der ausgezeichneteren, zunächst der für ihre Zeit besonders charakteristischen Maler derselben begnügen, und auch von diesen nur eine sehr massige Zahl von Werken anführen.

Text aus dem Buch: Handbuch der deutschen und niederländsichen Malerschulen (1862), Author: G.F. Waagen.

Siehe auch:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Vorrede
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Erstes Kapitel von 800-1150
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Zweites Kapitel von 1150-1250
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Der Germanische Stil
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Ausbildung der eigentlichen selbständigen Malerei
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – vollständige Ausbildung des germanischen Kunstnaturells im Geiste des Mittelalters
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der Brüder van Eyck his gegen Ende des 15. Jahrhunderts
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule der van Eyck bis zu ihrem Ausgange
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in ihrem Übergange von der Kunstweise der vorigen Epoche zum Realismus bis zum Jahr 1460
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung der van Eyck’schen Schule von 1460-1500
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Schule von Köln und dem Niederrhein
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Schulen in der vollständigen Entwicklung ihrer Eigenthümlichkeit Von 1500-1550
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die fränkischen Malerschulen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Sächsische Maler
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die schwäbische Schule
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Malerei am Niederrhein und in Westphalen
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Verzerrung des germanischen Kunstnaturells in der Historienmalerei durch Nachahmung der Italiener
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Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Rembrandt van Ryn
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Schüler und Nachfolger von Rembrandt
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die Genremaler
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Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen – Die deutschen Maler dieser Epoche

Weiterführendes zu Rembrandt:
Rembrandt 1606-1669
Rembrandt als Naturbeobachter
Rembrandt im Kunstmuseum Hamburg
Rembrandt und seine Zeitgenossen
Rembrandts Darstellungen der Tobiasheilung
Rembrandts Handzeichnungen
Rembrandts Radierungen
Rembrandts Verworfene Blätter
Rembrandts wiedergefundene Gemälde
Rembrandts Zweifelhafte Blätter

Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen