(1802—1869.)

DIE grossen politischen Umwälzungen der Wende des 19. Jahrhunderts hatten auch eine künstlerische Umwälzung zur Folge. Der Kontakt mit der alten Kunst wurde, soweit er noch vorhanden gewesen war, gelöst, der Malkunst wurden ihre Lehrer genommen. Den neuen Weg ebnete Winckel-manns Begeisterung für die Antike; ihn beschritten die Maler, um als Eklektiker das Grösste, was das Cinquecento in seiner Anlehnung an die Antike geschaffen hatte, in ihrer Art wiederzugeben und auf deutschen Boden zu verpflanzen. Dass diese südliche Monumentalkunst auf deutschem Boden nicht heimisch werden konnte, lag auf der Hand, hat doch der deutsche Charakter niemals an Dekorationen italienischen Sinnes auf längere Zeit Geschmack finden können. Die undeutsche Monumentalkunst starb mit dem Mangel an Aufgaben grossen Stiles. Der Nutzen der Bewegung war das Wiedererwachen künstlerischen Strebens überhaupt. War so der Untergrund für neues Schaffen gelegt, so konnten nun auch die Meister vorwärtsschreiten, welche, unberührt vom Klassizismus neue Wege gehen wollten wie Heinrich Bürkel.

Sein Verdienst ist, umgeben von Schülern der Italiener, an die grosse deutsche Kunst wieder angeknüpft, auf die holländischen Meister des Genres zurückgegriffen zu haben. Demokratisch, wie die Kunst der Holländer, ist auch die des Pfälzers Bürkel; der Meister, im Landstädtchen Pirmasens aus kleinen Verhältnissen emporgewachsen, hat als Ziel seiner Kunst, wie die Ostade, Wynants, Wouverman die Schilderung des Volkslebens und der Landschaft, in der sich dieses entwickelt, ins Auge gefasst. Er ist nicht der erste Deutsche, der von den Holländern lernte: Maler wie Dietrich und Tischbein waren hierin vorausgegangen; haben es aber jene nur zu Nachahmern gebracht, so wurde Bürkel den Holländern ebenbürtig; nicht wie jene suchte er Stoffe bei den Alten, er lernte nur bei ihnen für seine neuen Stoffe: und diese fand er im farbenreichen, heiteren Leben der Berge.

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Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Heinrich Bürkel