Kategorie: Hendrick Avercamp

1. Hendrick Avercamp / Krämer auf dem Eise

Avercamp ist der niederländische Ludwig Richter, als Holländer phantasieloser, doch auch die Wirklichkeit treuer und genauer abschreibend, bieder und beschränkt, vor allem erheiternd durch eine geschickte Zusammenstellung artiger Motive. Wie das Kind, das zuerst vor der Natur zeichnet, wählt er, was gegenständlich am meisten auffällt, ein Haus, eine Mühle, einen lauhlosen Baum, einen Wagen mit einem Pferd davor. Seine Kunst ist formal wie inhaltlich unerfahren und unerleht; wie die ganze Malerei aus der Frühzeit des siebzehnten Jahrhunderts nur bestrebt, verständlich und vielleicht ergötzlich zu sein. Sie erfreut durch die Naivität, mit welcher der Vorgang auf die einfachste Art ohne Rücksicht auf eine eingehende Individualisierung klargestellt wird.

Der Augenpunkt ist hoch gewählt, damit sich vieles übersichtlich erzählen lasse, und auch die Farben haben vor allem den Zweck, die Gegenstände zu verdeutlichen. Im übrigen sind sie bunt und lustig ohne bewusste Komposition nebeneinandergesetzt. Nur darin zeigen sich die Anfänge der Tonmalerei, dass der Hintergrund ins Bräunliche übergeht. Seihst Pferdegeschirr und Schlitten, die sonst den Künstler reizten, seine Farbenfreude zu betätigen, sind in einen geschlossenen Ton gehüllt.

Bild und Text aus dem Buch: Handzeichnungen altholla˜ndischer Genremaler (1907), Author: Bode, Wilhelm von, Valentiner, Wilhelm Reinhold.

Hendrick Avercamp