So wagt’s! was ihr geerbt, was ihr erworben,
Was euch der Väter Mund erzählt, gelehrt,
Gesetz´ und Bräuch, der alten Götter Namen,
Vergeht es kühn und hebt, wie Neugeborne,
Die Augen auf zur göttlichen Natur!
Wenn dann der Geist sich an des Rimmels Licht
Entzündet, süßer Lehensodem euch
Den Busen, wie zum ersten Male tränkt,
Wenn euch das Leben
Der Welt ergreift, ihr Friedensgeist, und euch’s
Wie heil’ger Wiegensang die Seelen stillet;
Dann aus der Wonne schöner Dämmerung
Der Erde Grün von neuem euch erglänzt,
Und Berg und Meer und Wolken und Gestirn,
Die edlen Kräfte, Heldenbrüdern gleich,
Vor euer Auge kommen, daß die Brust,
Wie Waffenträgern, euch nach Taten klopft,
Nach eigner, schöner Welt, dann reicht die Hände
Euch wieder, gebt das Wort und teilt das Gut,
O dann, ihr Lieben! teilet Tat und Runm
Wie treue Dioskuren; jeder sei,
Wie alle —, wie auf schlanken Säulen ruh’
Auf richt’gen Ordnungen das neue Leben
Und euern Bund befest´ge das Gesetz.

Friedrich Hölderlin: ,,Empedokles“

Hölderlin