König August III. als Kurprinz


Das lebensgroße Bild des Prinzen, der als König den bis heute dauernden Ruhm der Dresdener Galerie begründete, ist von dem angesehensten französischen Bildnismaler jener Zeit 1715, im Todesjahre Ludwigs XIV., in Paris gemalt worden. Es drückt das ganze Selbstbewußtsein eines hochgeborenen Herrn aus, der weder interessant noch menschlich freundlich erscheinen will, nur hoch erhaben über die anderen, pomphaft und herrschermäßig, in dem Typus, zu dem der Sonnenkönig höchsteigen seinem Hofmaler das Vorbild gegeben hatte. Van Dyck, an dessen Porträts sich Rigaud bildete, hatte einst die vornehme Welt seines Zeitalters zwar ebenfalls vornehm dargestcllt, aber mannigfach abgestuft nach den Unterschieden des persönlichen Wesens und Charakters. Sogar dem hoff artigen Karl I. von England in aller seiner Blasiertheit hat er noch einen Zug abzugewinnen gewußt, der unsere Teilnahme erweckt. Diese individuellen Nuancen sind in Rigauds Porträtkunst abgestoßen, überdeckt von einem allgemeinen Ausdruck des Imposanten. Dem hochaufgerichteten Kopf entspricht eine herausfordernde Körperhaltung, dazu kommt die überlegte Anordnung einer ausgesuchten Kleiderpracht, deren Einzelheiten mit höchster Sorgfalt auf unzählige kleine Effekte hin gemalt sind. Lauter Lichter und Glanzfalten, alles will sich bemerklich machen, die Stoffe sind bauschig, wie vom Winde geschwellt, die Gewandzipfel flattern. Bei unserem Prinzen ist sogar das Ordensband unruhig geworden. Diese absichtsvoll gesuchte Unruhe gehört Zu den Außerungsmitteln des Barockstils, der noch einige Jahrzehnte weiterlebt. — Der Prinz steht im funkelnden Harnisch in demonstrativer Pose, den auswärtsgespreizten rechten Arm auf den Feldherrnstab gestützt, seine Allongeperrücke fliegt im Winde. Unter dem Hermelinmantel trägt er das blaue Band des Weißen Adlerordens der polnischen Könige. Wenn Feldherren barhäuptig gemalt wurden, pflegte man ihnen schon seit Jahrhunderten einen Pagen als Helmträger beizugeben. Diese Rolle hat hier ein junger Neger, dessen unmotivierte Lebendigkeit im Stil dieser Kunstweise zu dem gewollten Pathos der Szene beiträgt.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

Dresdner Galerie HYACINTHE RIGAUD 1659-1743