Wir verstauen uns, Indianer und Weiße, mit Mundvorrat und Tauschwaren in Aguirres Kanu. Es ist ein kleines, wackeliges Ding. Als der letzte Indianerjunge hineingeklettert ist, ist es so belastet, daß der Rand nur ein paar Finger breit über dem Wasser liegt. Hastig gleitet das Kanu den Fluß hinab, das Urwaldufer entlang zwischen Haufen von Geäst und Bäumen, die ins Wasser gestürzt sind. Das eine Ufer ist hoch, steil und mit Urwald bedeckt, das andere niedrig und dicht mit Pfeilgrasbüschen bewachsen. Im Kanu wird gelacht und geschnattert; kein Laut aus dem Walde, kein plätschernder Fisch entgeht dem Naturmenschen. Man erblickt die Tiere tief drinnen im dichten Laubwerk, man ahmt den Schrei der Affen nach, man erfreut sich an allem in der Natur. Doch sind die Tiere hier scheu, da sie von ungewöhnlich geschickten Bogenschützen verfolgt werden, die viel geschickter sind als andere Indianer, die ich kennengelernt habe. Es ist etwas Bezauberndes an einer solchen Fahrt, wenn es im raschen Takt den reißenden Fluß hinabgeht und die Indianer mit dem Kanu geschickt zwischen Holzstöcken und durch Wasserwirbel hindurchmanövrieren. DieMännerin ihren Hemden aus geklopftem Bast und mit ihren rotgemalten Gesichtern, die Weiber mit ihren Bastkleidern und den Halsbändern aus Samen und Glasperlen hängen so eng zusammen mit diesem Leben auf dem Urwaldflusse.

Aber auch die Kanufahrten haben ihre Unannehmlichkeiten. Am Morgen und Abend, wenn es kühl ist, ist es behaglich, aber wenn die Mittagssonne herabbrennt, da vergißt man die schöne Natur und die interessante Reisegesellschaft. Die Tiere im Walde haben ihre Verstecke aufgesucht, und es ist still, schweigsam und drückend heiß. Gar nicht selten wird man auf solchen Fahrten von einem Gewitter überrascht — und was für einem Gewitter! Das ist kein artiges schwedisches Gewitter, sondern ein solches Gewitter kann nur in den Tropen Vorkommen, rasch, wahnsinnig, gewaltsam. Der Donnergott verwendet nicht wie zu Hause eine alte Vorderladekanone, sondern schießt mit Schnellfeuergeschützen. Der Regen stürzt unaufhaltsam herab. Wir halten an einem hohen Flußufer, wo eine halbverwachsene Bananenpflanzung zwischen dem Geäst der Bäume hervorschimmert, und nachdem wir das Kanu vertäut haben, gehen wir ans Land. Am Waldesrande liegt ein verlassenes Indianerfeld, das der Fluß zur Hälfte weggespült hat.

Ein gut ausgetretener Weg führt von hier in den Wald. Es ist ein herrlicher, düsterer, stiller Wald, reich an mächtigen, geraden Bäumen, welche die Yuracäreindianer zu Kanus aushöhlen, die sie teils selbst verwenden, teils an die Weißen und andere Indianer verkaufen. — Noch weit weg in den Kautschukgegenden an der Grenze Brasiliens haben keine Kanus so guten Ruf wie die dieser Indianer. Sie selbst bekommen freilich nicht viel dafür, aber wenn die Weißen damit untereinander schachern, so wird ein solches Boot mit drei- bis vierhundert Kronen bezahlt. Es gibt Kanus, die bis zu drei Tonnen nebst Steuermann und acht Ruderern laden können. Diese ganz großen machen sie aber nur auf Rechnung der Weißen; für eigenen Gebrauch behalten sie leichte, kleine Kanus. Wir sind noch nicht weit gegangen, da kommen wir zu großen verlassenen Pflanzungen, welche die leichte Garde des Urwaldes, die Schlinggewächse, bereits in Besitz zu nehmen begonnen haben. Wir sehen hier Bananen, Papaya, Kürbisse, Mandioca massenhaft, ferner Süßkartoffel, Baumwolle und andere Gewächse, die die Urwaldindianer bauen. Im Felde liegen die Überreste von abgebrannten Häusern. „Das ist mein Acker“, sagt der alte Aguirrc. „Als meine Frau starb, wurde sic hier in der Hütte begraben, worauf ich diese verbrannte und wegzog.“ Es ist eine eigentümliche Sitte, die diese Indianer haben. Wenn jemand von der Familie stirbt, wird der Hof verbrannt und die Überlebenden ziehen weit weg, wo sie ein neues Haus bauen und neue Felder roden; aber es scheint sie nichts daran zu hindern, auf diesen verlassenen Pflanzungen zu ernten. Die Furcht vor dem Geiste des Toten vertreibt diese Menschen von Hütte und Feld, um mit großer Mühe im Urwald einen anderen Platz auszuroden. Vor den Geistern der Toten, „sinokshe“, die im Walde umherwandern, hegen die Yuracáre große Angst. Sie verbittern das Dasein dieser Menschen.

Überall in diesen Wäldern, wo wir vorbeikommen, finden wir Überreste von mehr oder weniger verfallenen und verwachsenen Kulturen. — Als wir Weiße einmal allein waren, verproviantierten wir uns in einem solchen verlassenen Feld. Das hätten wir jedoch nicht tun sollen, denn als wir mit der Diebsbeute an den Fluß kamen, füllte sich das Kanu durch eine Unvorsichtigkeit mit Wasser, und alles, was wir gestohlen, und vieles andere noch dazu schwamm fort. Im Innern des Waldes kommen wir endlich zu großen, gutgepflegten Äckern, wo fleißige Hände ein großes Gebiet gerodet haben, und wo nun die gelben Früchte des Papayabaumes, große Bananenbündel, wohlschmeckende Ananas und vieles andere locken. In den Feldern liegen zwei gutgebaute Hütten, wo ein Yura-careindianer mit seinen nächsten Angehörigen wohnt. Diese Indianer haben es fein und gemütlich. Alles ist geputzt und rein. Alle, auch die Kinder, sind mit Hemden aus Rindenstoff bekleidet. Auf die Kleider der Kinder hat man bunte Vogelfedern, Vogelschnäbel und anderes zum Schmuck gehängt. Wir sind offenbar erwartet, niemand ist mit Arbeit beschäftigt. Man bietet uns leckere, kleine, gelbe Bananen und ungewöhnlich süße Ananas. Wir setzen uns auf Holzklötze und essen so viele Früchte, als wir nur können.

Neugierig blicken wir uns um. Bei diesen Indianern gibt es keine Hängematten; sie liegen auf Matten aus den Blattscheiden einer Palme, und darüber sind Moskitonetze aus Rindenstoff aufgehängt. Hier am Rio Chimore würde ich lieber zwei Tage hungern als eine Nacht ohne Moskitonetz im Walde liegen. Das wäre schrecklich. Es gibt mehrere Arten von Moskitos, aber alle Arten sind gleich gemein, zudringlich und unverschämt. Nicht nur in der Nacht plagen die Moskitos die Menschen. Im Walde verfolgen sie einen den ganzen Tag. Auf dem Flusse gibt es tagsüber keine Moskitos, dagegen Massen von Mücken verschiedener Größe und Gattung. Am Dache der Hütte hängen zahlreiche Körbe, von denen besonders die viereckigen den Sammler locken (Abb. 26). ln diesen verwahren die Männer alle ihre Kostbarkeiten, gleichwie die Frauen ihre in Säcken aus Rindenstoff. Auf einem breiten Gestell liegen Bogen, Pfeile und Ruder.

Auf dem Boden stehen nur wenige, äußerst einfache, unbemalte Tongefäße, aber große Mengen von Holznäpfen und Holzschüsseln. In den größten von diesen, die beinahe so groß sind wie kleine Kanus, gärt dasMandiocabier. Bei fast allen Indianern, die ich kenne, spielt das Trinkgelage eine große Rolle. Man macht weite Ausflüge, um sich nachbarlich zu besuchen, zu trinken und zu plaudern.

Wie in allen Yuracárehütten, die ich besuchte, haben auch die hiesigen Indianer eine kleine Menagerie mit Affen und Waldvögeln. Sie sind die Freunde und Gesellschafter der Kinder. Versteckt in einem Winkel der Hütte, hockt ein kleiner lichtscheuer Nachtaffe; ein rotblauer Ararapapagei, bunter als alle anderen Urwaldvögel, sitzt auf einem Sproß im Dach. Ein kleines Mädchen geht immer mit einer Beutelratte im Haare. In einer Ecke der Hütte sitzen zwei taubstumme Mädchen und unterhalten sich in der Zeichensprache mit einem älteren, ebenfalls taubstummen Weibe, das leise ein Kind in einer Wiege aus Rindenstoff wiegt. Alle anderen sind um den weißen Mann versammelt. Sie sind neugierig wie Kinder auf den Inhalt meiner großen Bündel. Man hat bereits von dem weißen Manne gehört, der so viele von ihren Sachen eintauscht. Alle sind ganz entzückt, als ich die Bündel öffne und die Tauschwaren ausbreite. Leider verderbe ich die ganze Gcsellschaft damit. Die Hemden aus Rindenstoff tauscht man gegen Hemden aus Kattun. Man nimmt die Schatzkörbe und Schmucktäschchen herab, voll mit Federn, geschnitzten Früchten, Tierfiguren, die man aus Alligatorzähnen geschnitten hat, und vielen anderen Dingen, die den Sammler locken. Ein und das andere aus ihrem Besitz ist ganz bemerkenswert.

So verstehen diese Indianer mit geschnittenen Holzstempeln eigentümliche Ornamente auf ihre Rindenstoffezu drucken (Abb.15), wie sie oft auch die Ornamente, mit denen sie ihr Gesicht schmücken, mit Stempeln auftragen (Abb. 35—38). Wie immer bei Indianern, die nicht viel Berührung mit den Weißen hatten, stehen die Eisenwaren am höchsten im Werte. Die Äxte aus schwedischem Eisen und die Waldmesser halte ich am längsten zurück. Mit ihnen versuche ich die Kostbarkeiten herauszulocken, die ich versteckt vermute, und die sie nicht gerne hergeben wollen. Schön langsam kommt doch ein Familienkleinod nach dem anderen hervor. Fein ornamentierte Flöten aus Bein (Abb. 29), alte Pfeifen aus Holz (Abb. 9 und 11), Kämme, die richtige kleine Kunstwerke sind, und verschiedene andere Sachen holt man aus den Verstecken.

Die Männer geben leicht weg, was sie haben; die Frauen tauschen ungern ihre liebsten Schmuckstücke. Nichts kann eine von ihnen bewegen, einen Hängeschmuck aus roten Tukanfedern und geschnitzten schwarzen Früchten, der ihr Stolz zu sein scheint, auszutauschen. Die Kinder geben ihr Spielzeug für Spiegel und andere lustige Sachen. Unmöglich sind jedoch diese Indianer zu bewegen, fremdes Eigentum fortzugeben. Nicht einmal ein Stück Ton, das sic vom oberen Rio Chimore zur Töpferei geholt haben, kann ich hcraus-locken, — da die Besitzerin nicht zu Hause ist. So verbringen wir einige Stunden in diesen Hütten und bereichern die Sammlungen mit verschiedenen interessanten Dingen. Als cs spät wird, beschließe ich, zu Aguirrcs Hütte, meinem Hauptquartier, zurückzukehren, und verspreche, an einem anderen Tag zurückzukommen. Wir verabschieden uns von unseren neuen Freunden und gehen denselben Weg zurück, den wir gekommen. Es ist bereits Abend, als wir zum Kanu gelangen. Sachte rudern wir den brausenden Fluß hinauf. Viele sonderbare Laute klingen aus dem Walde. Die Feuerfliegen leuchten auf und verschwinden, und die Grillen zirpen. Kühl und herrlich ist der Tropenabend. Vorne sitzt schweigend der alte Aguirre und blickt ins Dunkel. Er ist so freundlich, dieser Alte. Ruhig habe ich viele Nächte lang unter seinem Dache geschlafen, ruhiger als vielleicht gut war, denn ich weiß wohl, daß ich bei einem Manne schlief, der einen grauenhaften Mord begangen hat. Ein gebildeter Engländer, ein Sonderling, namens Mentith (?), lebte viele Jahre lang einsam bei diesem Mann und seinen Stammesfreunden, bis diese aus unbekanntem Anlaß den Fremden auf langsame und grausame Weise ermordeten. Diese guten Naturmenschen, die wie große Kinder wirken, können bisweilen eine Grausamkeit entwickeln, die völlig unerklärlich ist. Auch hier im Urwald besteht der Mensch aus Gegensätzen. Man hat behauptet, daß sie von den Weißen in Sta. Rosa am Rio Chapáre verleitet wurden, da diese fürchteten, der Engländer könnte zu viel Einfluß auf die Indianer gewinnen.

Noch spät am Abend sitzen wir in Aguirres Hütte am Feuer und plaudern. Wir sprechen darüber, wie die Chimäneindianer die Yuracáre verhexen und über die Mission am oberen Laufe des Flusses, über die Übergriffe der Weißen und vieles andere. Ich suche vergebens Aguirre zu überreden, mich zu seinen Stammesfreunden zu führen, die tief im Urwald verborgen wohnen, wohin die Weißen nie gehen, und wohin nur die Indianer durch die Sumpfgebiete kommen können. Aber Aguirre will nicht zum Verräter an seinem Stamme werden, trotzdem ich mit großen, großen Geschenken locke. Ich verspreche schließlich, nie den anderen Weißen das zu erzählen, was ich gesehen, aber der Alte ist nicht zu erweichen.

Er lehrt mich kleine Yuracáregedichte. Und der Yuracáreindianer und der Schwede singen zusammen in der Urwaldhütte die einfachen Gesänge:

Endlich legen wir uns schlafen nach einem angenehmen und lehrreichen Tage, nachdem wir die Sammlung um mindestens hundert Gegenstände vermehrt haben, die in einem anderen Weltteil Zeugnis ablegen sollen von dem Kampf ums Dasein und dem Kunstsinn dieser Menschen. Einmal werden sie zu den wenigen Erinnerungen gehören, die von diesem eigentümlichen Volk übrig sind, das am Rio Chimore seine Felder bestellte und in den Urwäldern jagte.

Das war der eine Ausflug von Aguirres Hütte. Der andere galt einer kleinen Missionsstation der Franziskaner am oberen Rio Chimore. Vergebens suchten die Missionare die verschiedenen Yuracárefamilien dort zu sammeln. Für einige Zeit kommen sie wohl zu den Mönchen. Aber die Messe interessiert sie nicht. Es gibt eine andere Seite der Religion, auf die sie Wert legen. In der Mission bekommen sie nämlich Werkzeuge u. dgl. Wenn sie bekommen haben, was sie brauchen, dann verschwinden sie wieder in die Freiheit des Urwaldes.

Der Missionsleitcr schien mir unverständig. So klagte er zum Beispiel darüber, daß die Eltern nicht erlaubten, daß er die Kinder züchtige, wenn diese seiner Meinung nach einen Fehler begangen hätten. — Welche Unverschämtheit, die freien Kinder des Urwaldes züchtigen zu wollen! Vielleicht wollten sie nicht in die Messe gehen. Die Yuracärc schlagen ihre Kinder nie. D’Orbigny sagt darüber:

„Nie habe ich einen Vater gesehen, der seine Kinder bestraft; sie begreifen nicht das Recht zu strafen, sie besitzen nicht einmal ein Wort in ihrer Sprache, um diese Idee auszudrücken.“

Eine wichtige Aufgabe aber haben die Missionare hier. Sie versuchen die Indianer gegen die Übergriffe der Weißen zu schützen. Durch die Begierde der Indianer nach Branntwein wollen die Weißen sie an sich binden, und dann legt man sie an die Ketten der Schuldsklaverei. Denn die Weißen brauchen sie als Ruderer. In der Mission gab es bei meinem Besuch fünfzehn Familien, weitere fünfundvierzig waren dort gewesen, aber wieder in die Wälder zurückgekehrt. Nach Pierini1 gab es in dieser Mission zwei Jahre vorher, 1906, hundertzweiundvierzig Indianer, verteilt auf vierunddreißig Familien. Davon waren dreißig Schulkinder. Wahrscheinlich wird diese Mission verschwinden, wie alle Missionen, die man bei den Yuracáre anzulegen versuchte. Brauchten die Indianer nicht den Schutz der Mission gegen die Weißen, so wären sie längst alle zur Freiheit zurückgekehrt. Bei den Mönchen der Mission geht es arm und dürftig zu. Es gibt keinen Überfluß an Speise wie bei den freien Yuracáre, die ich besuchte. Diese Tatsache gibt zu denken.

Text aus dem Buch: Indianer und Weisse in Nordostbolivien (1922), Author: Nordenskiöld, Erland.

Siehe auch:
Indianer und Weisse in Nordostbolivien (Einleitung und Vorwort)
Indianer und Weisse in Nordostbolivien – Der skulptierte Berg bei Samaipata
Indianer und Weisse in Nordostbolivien – Das Herz von Südamerika
Indianer und Weisse in Nordostbolivien – Die Grenze von Sta. Cruz
Indianer und Weisse in Nordostbolivien – Zu den Churápaindianern
Indianer und Weisse in Nordostbolivien – Im Motorboot zu den Yuracáreindianern

Indianerleben

Ich habe die Indianer, die ich im Chaco kennen gelernt habe, hier zu schildern gesucht. Wir sind zum Schluß bis an die Grenze des Unbekannten gekommen, dessen Geheimnisse noch niemand erforscht hat. Ein großes Gebiet im Chaco ist den Weißen vollständig unbekannt, ein noch größeres ist noch niemals von einem Forscher besucht worden.

Es ist ein gefährliches Gebiet, nicht so sehr der feindlichen Indianer wegen, die man dort wahrscheinlich antrifft, sondern infolge des Wassermangels. Mit Hilfe der Indianer könnte man dort vorwärts kommen, ohne sie kann man die Wasserstellen nicht finden. Im vorhergehenden habe ich gesagt, daß man im Chaco Reste sehr primitiver Stämme finden muß, denn es ist der natürliche Zufluchtsort für diejenigen, die in den Kämpfen um die Flüsse und um die Gegemden, wo die Forderungen des Magens leicht zu befriedigen sind, besiegt worden sind. Die hier geschilderten Stämme hätte ich gern viel besser kennen gelernt. Über die religiösen Vorstellungen der Chorotis und Ashluslays wissen wir beinahe nichts. Nur einige der hier mitgeteilten Sagen habe ich in der Originalsprache auf-gezeichnet. Auch die Individualpsychologie lockt mich. Es dürfte dem Leser deshalb nicht wunderbar erscheinen, wenn ich noch einmal am Indianerleben am Rio Pilcomayo teilnehmen möchte, wenn ich noch einmal die alten Sagen am Lagerfeuer möchte erzählen hören, wenn ich in die unbekannten Gegenden des nördlichen Chaco eindringen möchte.

Bevor dies geschehen kann, muß ich jedoch die Ergebnisse meiner letzten Fahrt, die einen viel größeren Teil von Bolivia als den Chaco berührt hat, vollständig veröffentlichen. Nicht zum mindesten wichtig ist, daß meine Funde bei meinen archäologischen Ausgrabungen beschrieben werden. Vielleicht wären auch meine Urwald Wanderungen und Flußfahrten im nordöstlichen Bolivia weit bis zu der Grenze Brasiliens es wert, einem größeren Publikum als dem, das ethnographische Fachzeitschriften liest, geschildert zu werden.

Im Dezember 1909 verließ ich, von meinem schon beschriebenen zweiten Besuch bei den Chorotis und Ashluslays kommend, Yacuiba.

Nach Hause ging die Fahrt!

Ende Januar 1910 war ich wieder in Schweden. Meine beiden Reisebegleiter waren in Südamerika geblieben. Sie sind jung und wollen versuchen, sich in dem neuen Lande durchzuschlagen. Ich hoffe, es wird ihnen gelingen. Gefällt es Moberg bei den Weißen nicht, so läßt er sich wohl bei den Indianern und Indianerinnen nieder, wo er sich so wohl gefühlt hat.

Als ich von Batirayu Abschied nahm, sagte er:

,,Es isttraurig, zu scheiden und sich niemals wieder zu treffen, wenn man so befreundet geworden ist.“

Wer weiß, vielleicht treffen wir uns noch einmal. Möge Yamandutunpa dich beschützen. Batirayu. Möge es lange dauern, bis du nach Aguararenta wanderst, um Maisbier bei deinen Vorvätern zu trinken.

,,Hayma opama!“ (Und mehr war es nicht.)

Text aus dem Buch: Indianerleben (1912), Author: Nordenskiöld, Erland.

Siehe auch:
Indianerleben – Einleitung
Indianerleben – Reise nach dem Arbeitsfeld
Indianerleben – Der Calilegua
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung)
Indianerleben – Das Indianerhaus
Indianerleben – Der Kampf ums Dasein
Indianerleben – Indianerkinder
Indianerleben – Männer und Frauen
Indianerleben – Trinkgelage
Indianerleben – Das Tabakrauchen
Indianerleben – Medizinmänner, religiöse Vorstellungen
Indianerleben – Vom Matacoindianer Na-yás erzählte Sagen
Indianerleben – Kunst und Industrie
Indianerleben – Krieg und Frieden
Indianerleben – Handel
Indianerleben – Besuch in fremden Dörfern
Indianerleben – Das Verhältnis zu den Weißen
Indianerleben – Das Land der Chané- und Chiriguanoindianer
Indianerleben – Vom Lande der Chané- und Chiriguanoindianer
Indianerleben – Der Indianer als Historiker
Indianerleben – Alltagsleben in den Chané- und Chiriguanohütten
Indianerleben – Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern
Indianerleben – Nahrungszweige
Indianerleben – Zubereitung der Speisen
Indianerleben – Spiele
Indianerleben – Das Leben der Indianerkinder
Indianerleben – Alltagskleidung
Indianerleben – Reinlichkeit
Indianerleben – Vom Mutterleib bis zum Grabe
Indianerleben – Häßliche Worte, Homosexualität, Selbstmord, Schamgefühl u. a.
Indianerleben – Häuptlinge und Gesetze
Indianerleben – Trinkgelage bei den Chanés und Chiriguanos
Indianerleben – Kunst und Industrie
Indianerleben – Sage und Religion
Sage und Religion – 1. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers
Sage und Religion – 2. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers
Sage und Religion – Geister- und Tiersagen
Indianerleben – Die katholischen Missionen unter den Chiriguanos
Indianerleben – Die Furcht vor den Gummigegenden.
Indianerleben – Frondienste für die Weißen
Indianerleben – Die Tapieteindianer
Indianerleben – Kultur und Sprache der Tapieteindianer
Indianerleben – Tapietesagen
Indianerleben – Die Tsirakuaindianer

Indianerleben