1. Isack van Ostade / Schneetreiben

Mit Gabriel Metsu, Paulus Potter und Adriaen van de Velde teilt Isack van Ostade das Geschick, jung nach einem Sonne verbreitenden Leben gestorben zu sein. Wie jene entfaltete er früh, von allen Seiten Anregungen aufnehmend, seine liebenswürdigen Gaben.

Bei einem flüchtigen Zusehen scheint seine Kunst ganz aus der seines älteren Bruders Adriaen geboren; die Typen seiner Figuren, oft auch die Motive und die Komposition erinnern an ihn; in den von Gold durchtränkten Farben wieder spürt man die Nähe Rembrandts. In Wahrheit ist er völlig selbständig. Seine Gestalten haben nicht den engen, kleinbürgerlichen Zug wie die Adriaen van Ostades, sie benehmen sich weniger schwerfällig, haben eilt kindlicheres Gemüt und ein lebhafteres Temperament. Seine Kompo-sitionen sind in einem Schwung von Anfang bis zu Ende geschaffen. Freilich erlahmt auch seine Kraft häufiger als die Adriaens; er vergreift sich im Motiv oder im Format, oder er verliert die Lust bei der Ausführung. Die besten Werke (wie die Aelbert Cuyps und Jan van de Capelles befinden sie sich in England) gehören zu den Wundern der holländischen Kunst. Sie verbinden Anmut des Motives mit strahlender Farbengebung und entzücken gleicher Weise durch die gefälligen Masse der Figuren in ihrem Verhältnis zu der Bildfläche, wie durch den Rhythmus, in dem sich die Gestalten bewegen.

Wie nahe lag bei der Winterlandschaft eine schwermütige Auffassung. Ruisdael etwa konnte sich den Winter gar nicht anders als starr und öde denken. Aber Isack van Ostades freundliches Naturell bildet die ernsten Motive um. Darin gleicht er jenen drei anfangs genannten Künstlern. Metsu vermochte bei Szenen traurigen Inhaltes nicht den Schmerz, nur die milde Rührung oder einen lächelnden Sieg zu schildern, und Potter misslang nichts so sehr, als die Darstellung von Jagdkämpfen, bei denen es auf Tod und Leben ging. Adriaen van de Velde aber kennt ebenso wie Isack van Ostade in seinen Winterlandschaften nur die heiteren Tage.

Selbst eine kindliche Natur, hat Isack van Ostade den Humor der Kinder, welche die Hälfte der Figuren auf unserem Eisbilde ausmachen, gut begriffen. Mit beweglichem Charakter begabt, schildert er, wie flink und geschickt die Eisläufer durcheinanderfahren. Soviel Menschen, soviel Richtungen, und nirgends trifft eine Bewegung gewaltsam auf die andere. Wie anmutig etwa schmiegt sich der eilends laufende, vom Rücken gesehene Bursche in die Höhlung, welche durch die gespreizte Stellung des Mannes mit Stab auf dem Rücken entsteht, wie reizend schliesst das Kinderpaar und der Schlitten im leichten Halbbogen die Komposition nach der Seite ab. Die ganze Stimmung ist durch die Gesten der Figuren charakterisiert. Wie alles lustig auseinanderstobt, wie sich die Köpfe vor dem kalten MVind wegwenden, wie sich die lebhaft bewegten Arme geschäftig zusammenschlingen, empfindet man die reinigende Wirkung eines heiteren Wintertages mit.

Bild und Text aus dem Buch: Handzeichnungen altholla˜ndischer Genremaler (1907), Author: Bode, Wilhelm von, Valentiner, Wilhelm Reinhold.

Isack van Ostade