UNTER dem Titel „Confessions de Ninon de Lenclos“ hat Eugene de Mirecourt einen Roman veröffentlicht, der unter die „Arnours historiques“ eingereiht ist. Nachdem Ninon schon manchen Strauss überstanden hat, lässt er sie zur Mitternacht auf gefahrvolle, romantische, aber schliesslich glücklich verlaufende Art durchs Fenster entführt werden.

Der neue Anbeter bringt die Schöne nach seiner Wohnung in Sicherheit. Chevaleresk verabschiedet er sich vorläufig bis zum nächsten Morgen mit einem anmutigen Gruss -und den Worten: „Maintenant, mademoiselle, il est bon que vous sachiez á qui vous avez affaire. Je me nomine Jacques Callot: je suis dessinateur et graveur.“

Diese rund fünfzig Seiten lange Episode ist zwar historisch unmöglich, im wesentlicheren jedoch verrät Mirecourt viel kulturgeschichtliches Verständnis und Feingefühl. Die nicht allzureichlichen Nachrichten, die wir über Callot besitzen, baut er zu einem kleinen Roman aus, und trifft mit ausserordentlichem Geschick den Grundton, auf den die Ninon ihre Schilderung gestimmt haben würde, wenn sie in der Tat diese „Confessions“ selbst niedergeschrieben hätte. Damen ihres Schlages übergiessen jedes wirkliche Schicksal gern mit einer sinnig-sentimentalen Sauce (als Gegenreiz zu den prickelnden Momenten), und wenn sie sich veranlasst fühlen, die Geschicke irgend welcher geschichtlichen Berühmtheit mit ihren eigenen zu verweben, so geschieht das nur, um das eigene Ich der Erzählerin noch mehr glänzen zu lassen.

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