Hund, Zwerg und Knabe


Während bei den Holländern sich die Maler schon früh in die verschiedenen Aufgaben teilen» hält in Antwerpen Rubens mit seinem umfassenden Talent noch alle Zweige in seiner Hand, und neben Ihm wachsen Spezialisten auf, wie er sie für das Einzelne braucht, den für die Landschaft und den für Tiere und andere wieder für die Ausführung von heiligen Figuren nach seinen Anweisungen. Er braucht sie aber nur, well er die Menge seiner Arbeit nicht allein bewältigen kann. Was sie malen, kann er ebenfalls, und zwar noch besser. Das gilt sowohl von seinen Landschaften wie von seinen Fieren, mit denen er z. B. seinen berühmten Freund Frans Snyders noch übertrifft. Und so oft er sich auch von diesem hat helfen lassen, sein Lieblingstier, das Pferd, vertraut er Ihm nicht an, das malt er Immer selbst. — Jan Fyt aus Antwerpen ist ein feiner Schüler von Snyders, mit einer eigenen Richtung. Es gibt von Ihm bewegte Jagddarstellungen von grösserem Umfange, wie wir sie auch von Snyders haben. Aber diese Sachen sind nicht gerade sehr bezeichnend für Fyt. Am anziehendsten sind seine Tiere ln ruhiger Haltung, Schafe, Ziegen, Geflügel, besonders aber Hunde, die er ln allen Rassen dargestellt hat. Sodann vereinigt er Geflügel und totes Wild zu massig grossen Stillleben, wobei gewöhnlich ein oder zwei Hunde wachthalten. Von Snyders unterscheidet er sich auf solchen Bildern durch eine sorgfältigere Stoffbezeichnung, einen mehr strichelnden oder tupflgen Auftrag und etwas tonlger abgestimmte Farben. Er ist also mehr Klein- oder Feinmaler als jener. In seinen Stillleben aus Hasen und Vögeln nähert er sich manchmal dem nur wenig jüngeren Holländer Jan Weenlx» aber dann malt er weicher und flächiger und meistens auch mit reineren Farben als der Holländer. Unser voll-bezelchnetes und 1652 datiertes Bild zeigt uns als Hauptstück einen prächtigen Hund, dem zuliebe es gemalt worden ist. Der vornehme Knabe und sein Gespiele, ein Zwerg (nach hässlicher höfischer Sitte, die aus Spanien ln die Niederlande kam), sind vielleicht nicht von Jan Fyt selbst gemalt. Der schwere rote Vorhang, der den Durchblick auf eine Rosenhecke begrenzt und zugleich dem Hunde als Hintergrund dient, zeigt uns, dass wir uns ln den spanischen Niederlanden und nicht ln Holland befinden.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

Dresdner Galerie JAN FYT 1611-1661