Geboren zu Amsterdam 1626, Gestorben angeblich 1698
Holländische Schule

die Alle am Kanal

Der Zug nach dem Süden, der uns Nordländern noch heute fast ebenso stark innewohnt wie unsem Vorfahren durch zwei Jahrtausende, wird jetzt mit Vorliebe und in tendenziöser Weise als das Verhängnis in der Entwicklung der Kunst des Nordens angesehen und gebrandmarkt. Dass einzelne der alten grossen germanischen Künstler schon ähnlich empfanden, wissen wir aus den kürzlich bekannt gewordenen Aufzeichnungen des Staatssekretärs Constantin Huygens über Rembrandt; der blutjunge, fleissige und geniale Leydener Maler — so charakterisiert ihn Huygens selbst — hatte nach seiner Ansicht nur den einen Fehler, dass er von einer Reise nach Italien nichts wissen wollte, da er sich einbildete seine Kunst dadurch zu verderben. Aber der Leydener Müllerssohn war doch eine Ausnahme; wer irgend konnte unter den holländischen Malern, pilgerte auch damals nach dem gelobten Lande der Kunst. Namentlich die Landschafter. Und diese Römlinge waren und blieben bei den Sammlern die angesehensten unter den Künstlern, und ihre Bilder wurden mit dem Dreifachen, ja Zehnfachen von dem bezahlt, was weit begabtere Landsleute, die die Bannmeile nicht überschritten hatten, für ihre Meisterwerke erhielten. Unter den Italienfahrem, die von ihrem holländischen Wesen und ihrer Eigenart dabei nur wenig eingebüsst haben, steht der Amsterdamer Jan Hackaert mit obenan. Auf seinen Reisen durch die Schweiz nach Italien, die er in den Jahren 1653—1658 ausführte, sammelte er die Studien zu den meisten Bildern, die er gemalt hat. Gelegentlich finden wir auch Gemälde mit einfachen heimischen Motiven, die zu seinen besten gehören. So auch die „Allee“ im Rijksmuseum, deren Heliogravüre wir bringen. Breiter Sonnenschein liegt über dem kleinen Ausschnitt der anspruchslosen holländischen Landschaft. Schlanke, unmalerische Ulmen heben ihre scheckigen Stämme, die fast bis zur Krone glatt geschnitten sind, von dem sonnigen Morgenhimmel ab, der in dem stillen Wasser des Kanals sich spiegelt. In die sonntägliche Ruhe der Landschaft bringt eine Jagdgesellschaft fröhliches Leben und lustige Farbenpracht in den goldig sonnigen Ton. Diese Staffage ist von der Hand von Hackaerts Freunde Adriaen van de Velde, der mit seinen kleinen Figürchen und Tieren, durch den Reichtum und die Harmonie seiner Farben, durch das Geschick ihrer Verteilung fast zahllose Bilder seiner Landsleute erst zu den Meisterwerken gemacht hat, die wir darin bewundern. Sein sonniges Gemüt, seinen heiteren, harmlosen Sinn, seine Farbenpracht weiss er auch den massigsten Landschaften eines F. Moucheron, G. de Heusch und wie sie alle heissen mitzuteilen; die köstlichen Ansichten eines Jan van der Heyde bekommen dadurch ihr pulsierendes Leben. So auch unsere „Allee“, in der die Schar der jungen Jäger, die Jagdlust der zahlreichen Meute, die eben losgelassen wird, ihre reichen kecken Farben und starken Licht- und Schattenwirkungen die Freude am herrlichen Tage laut und fröhlich verkünden.

Jan Hackaert