Geboren zu Delft 1632, Gestorben Daselbst 1675
Holländische Schule

Unter den Bildern, die aus der reichen Gemäldesammlung König Wilhelms I. von Holland für die Galerie des Mauritshuis im Haag gerettet wurden, befindet eine Landschaft, die auf die Entwicklung der Landschaftsmalerei in Holland wie in Belgien seit dreissig Jahren von einem Einfluss gewesen und noch heute ist, wie ihn wohl kein anderes altes Gemälde je ausgeübt hat. Es ist die malerische Ansicht von Delft, die ein berühmter Sohn dieser Stadt, Jan Vermeer, gemalt hat. Wunderbar farbig ist sie gegeben. Die tiefroten alten Backsteinbauten mit ihren dunkelblauen Dächern überwölbt ein feiner grauer Himmel mit goldig beleuchteten Wolken, die sich in der trägen, breiten Wasserfläche vom in voller Kraft spiegeln; ein paar kräftigere positive Farbenflecke, gelb und blau, in dem Kostüm der Figuren und im Anstrich der Kähne beleben den Vordergrund. Aus dieser Note heraus haben die Maris, Mesdag, Courtens, Achenbach, und wie sie alle heissen, viele Hunderte von Bildern gemalt, flotter, toniger, moderner: aber wer würde dem einfachen Stadtbild des alten Vermeer, das im Jahre 1696 in der Versteigerung seines Nachlasses den Preis von zweihundert Gulden erreichte, nicht den Vorzug geben ! In Kraft und Tiefe, in Harmonie und Schönheit der Farben, in der Feinheit und Leuchtkraft des Lichtes gibt es wohl keine zweite Landschaft, alte oder neue, die sich dieser an die Seite stellen liesse.

Siehe auch:
Jan Vermeer van Delft – Der Künstler im Atelier
Jan Vermeer van Delft – der Antrag
Jan Vermeer van Delft – Herr und Dame beim Wein

JAN VAN DER MEER VAN DELFT 1632-1675

Geboren zu Delft 1632, Gestorben Daselbst 1675
Holländische Schule

In einem Gemälde, welches die erste Serie unserer „Meisterwerke“ zur Anschauung brachte, in dem „Atelier“, sahen wir Vermeer, vom Rücken gesehen, wie er nach einem kostümierten Mannequin malt: das Bild der Berliner Galerie, dessen Nachbildung uns hier vorliegt, ist fast ebenso simpel im Motiv. Ein junger Kavalier, den mausgrauen Kaisermantel über der Schulter und den breiten Klapphut auf dem Kopf, hat einer jungen Dame, die neben ihm sitzt, aus einem Delfter Krug ein Glas Wein eingeschenkt, das diese eben auszutrinken im Begriff ist; dabei hat sie sich so in ihr Glas vertieft, dass dieses das Gesicht fast ganz versteckt. Aber der grosse Helllichtmaler weiss auch einem solchen Motiv den höchsten künstlerischen Reiz zu verleihen. Die farbigen Stoffe genügen ihm nicht; durch bunte Scheiben, Wappen, die in die beiden Fenster eingelassen sind, steigert er den Farbenreichtum und färbt auch das Licht, das durch die Scheiben ins Zimmer fällt. Die schwierigste, bunte Farbenwirkung ist ihm gerade erwünscht; durch das Sonnenlicht weiss er diese Farben zu brechen und zu mildern, zu harmonischer Wirkung zusammenzustimmen. In diesem zauberhaften Spiel des Lichtes, in der stupenden Raumwirklichkeit, in der kaleidoskopisch reichen Farbengebung beruht der Reiz dieser und ähnlicher Werke des Vermeer.

Siehe auch:
Jan Vermeer van Delft – Der Künstler im Atelier
Jan Vermeer van Delft – der Antrag
Jan Vermeer van Delft – Ansicht der Stadt Delft

JAN VAN DER MEER VAN DELFT 1632-1675

Geboren zu Delft 1632, Gestorben Daselbst 1675
Holländische Schule

Wie der bedeutendste Schüler Rembrandts unter den Genremalern, Nicolas Maes, so hat auch ein Enkelschüler Rembrandts, Jan Vermeer aus Delft, mit Bildern begonnen, die lebensgrosse Figuren enthalten. Die meisten Gemälde dieser Art sind erst in neuester Zeit bekannt geworden. Das Hauptwerk, voll bezeichnet und aus dem Jahre 1656 datiert, befindet sich bereits seit dem achtzehnten Jahrhundert in der Dresdener Galerie, für die es 1741 aus der Sammlung Wallenstein in Dux erworben wurde. Über das Motiv lässt uns der Künstler keinen Augenblick im Zweifel: der stattliche, junge Krieger sucht eine hübsche, rotbäckige Dime durch ein Goldstück für sich zu gewinnen. Die Alte hinter dem Paar, die gierig die Wirkung dieses Antrags auf das junge Mädchen beobachtet, und der Musikant, der schmunzelnd das Glas erhebt zum Zeichen, dass auch er seinen Nutzen dabei hat, verstärken die derbe, unzweideutige Wirkung des Motivs. Und doch ist die Auffassung eine so naive und frische, die Gestalten sind so gesunde und kräftige, die Wirkung der prächtigen Farben ist eine so packende, dass irgendeine lüsterne Empfindung, wie sie so manches harmlosere Motiv moderner Künstler entstellt, dabei gar nicht aufkommen kann. In der Zusammenstellung der Lokalfarben, denen an Kraft und Reichtum wenige Bilder der holländischen Schule gleichkommen, verrät sich deutlich der Einfluss Rembrandts, namentlich von seiner „Nachtwache“.

Siehe auch:
Jan Vermeer van Delft – Der Künstler im Atelier
Jan Vermeer van Delft – Ansicht der Stadt Delft
Jan Vermeer van Delft – Herr und Dame beim Wein

JAN VAN DER MEER VAN DELFT 1632-1675

Geboren zu Delft 1632, Gestorben Daselbst 1675
Holländische Schule

Ein breitschulteriger junger Maler von hinten, ein hässliches Modell in einer nüchternen Pose und eine weisse Wand mit der „neuesten“ Landkarte der siebzehn Provinzen von Holland darauf: und doch, was hat der Künstler aus diesem langweiligen Vorwurf zu machen verstanden! Wie geschickt hat er schon das eigentliche Motiv des Bildes zu verstecken gewusst; denn es soll in unserem Bilde „der Ruhm“ dargestellt sein, wie uns das Gegenstück, „die Religion“, im Besitz von Dr. A. Bredius im Haag (ausgestellt in der K. Galerie des Mauritshuis), beweist. So glauben wir nur den Maler an der Arbeit vor uns zu sehen, der unserem künstlerischen Empfinden so nahe steht wie wenig andere, den grossen Meister der Hellichtmalerei trotz einem Manet, der, seinen Landsleuten kaum bekannt, jung in seiner Vaterstadt starb. Dass in dem Bilde der Czeminschen Galerie in Wien, welche diesen Schatz birgt, Vermeer sein eigenes Atelier und sich selbst dargestellt hat, können wir mit Sicherheit behaupten, obgleich wir den Künstler an der Staffelei nur vom Rücken sehen; denn welcher andere Maler hätte wohl sein Modell dicht an das Fenster, in das volle Sonnenlicht gestellt! Der Delftsche Vermeer ist der rechte Maler des Lichts; nicht des goldigen, überirdischen Lichtes seines grossen Vorbildes Rembrandt, sondern des kühlen Tageslichts, des Sonnenlichts. Sein Licht hat auch starke Schatten — das zeigt gerade unser Bild , aber auch die tiefsten Schatten sind noch klar und farbig, und die Farben sind fast so reich und mannigfach wie im Sonnenlicht selbst. Ein kühles Blau und ein kaltes Gelb herrschen darin vor, daneben perlgrau, lila, violett, grün u. s. f.; meist Farben, die an sich keineswegs „schön“ sind, sich schwer vertragen, und doch hat der Künstler eine köstliche Farbensymphonie daraus komponiert. Delft, die Vaterstadt Vermeers, war die Heimat der berühmten Fayencefabrikation, der „Potbackers“; ist es Zufall, dass der sahnefarbene Ton und die Farben dieser Delfter Ware mit den Farben der Gemälde unseres Malers grosse Verwandtschaft haben?

Siehe auch:
Jan Vermeer van Delft – Ansicht der Stadt Delft
Jan Vermeer van Delft – Herr und Dame beim Wein
Jan Vermeer van Delft – der Antrag

JAN VAN DER MEER VAN DELFT 1632-1675