Houdons äusseres Leben verlief in derselben Weise, wie das der meisten begabten Pariser Künstler des vorigen Jahrhunderts. Sein Talent wird früh entdeckt. Er erhält seine erste Ausbildung in der Schule der Akademie, er erringt den grossen Preis und wird daher nach einigen Jahren der Vorbereitung auf Kosten des Königs nach Rom gesandt. Dann nach seiner Rückkehr wird er in die Akademie aufgenommen. Seine Werke erscheinen auf jeder Ausstellung im „Salon“ ….

Vergeblich würde man in dem Bildungsgang Houdons nach Einflüssen suchen, aus denen heraus das Wesen seiner Kunst erklärt werden könnte. Das liegt in seinem Innern, in seiner individuellen Stellung gegenüber der Natur, in seinem unablässigen Streben nach wahrer Wiedergabe der Natur, wie sich dieselbe im Antlitz des Menschen kundgiebt. Was hat er hierbei von seinen Lehrern, den letzten Vertretern des barocken Pathos, wirklich erlernen können? Was er von diesen als Erbteil übernommen hat, ist nur eine gewisse Neigung zum Malerischen und dann eine grosse technische Ausbildung, die ihm gestattete, in Thon, Marmor und Bronce gleichmässig geschickt zu arbeiten. Auch die Antike, deren späterhin dominierender Einfluss auf die Kunst in der Zeit seiner Jugend begann, hat auf ihn nur einen mehr äusserlichen Einfluss ausgeübt.

Read More Jean-Antoine Houdon (1741-1828)

Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Jean-Antoine Houdon