Kategorie: Johannes Verkolje

1. Johannes Verkolje / Kavaliere und Damen

Wenn schon die Gesichter ein fast stereotypes Lächeln haben, die Figuren wie Puppen aufgeputzt sind, wenn auch die Szene novellistisch zugespitzt ist und sich in dem blassen Blaugrau der Lavierung, dem hellen Braun der Umrisse, in den weichen, stumpfen Kurven ein mattes Wollen ausspricht, so lassen wir uns diese liebenswürdig kokette Kunst doch gerne gefallen, denn in ihr kündigt sich die heitere Lebensauffassung des Rokoko an, die alles Tragische fröhlich, alles Ernsthafte wie ein Spiel hinnimmt und denLeichtsinn durch eine Weltanschauung von hoher Lebensenergie begründet.

,,Leben und Leben lassen“ drücken die Gesichter aus und harmloses Entzücken über die eigene Heiterkeit. Wie freut sich das Mädchen am Tisch an ihrem Gesang, wie scheinbar ernsthaft vertieft sich der Violinist in sein Spiel, während die freundliche Alte mit dummpfiffigem Gesicht dem unsicher lächelnden Kavalier das Glas füllt! Wie lädt die hübsche Mandolinenspielerin, mit wippender Feder im Haar, zierlich den Fuss auf den Schemel gestellt, den Beschauer zu dem bedenklichen Treiben ein!

Von dieser preziösen Kunst, die in dem innersten Wesen der Holländer nicht lag, fanden sie den Weg zur Einfachheit und Grösse nicht mehr zurück.

Bild und Text aus dem Buch: Handzeichnungen altholla˜ndischer Genremaler (1907), Author: Bode, Wilhelm von, Valentiner, Wilhelm Reinhold.

Johannes Verkolje