POETEN, wie etwa zur gleichen Zeit in Frankreich, waren es nicht, die im Beginn des XIX. Jahrhunderts in Deutschland, zumal in Berlin, den Landschaftsmalern die Augen für die intimen Reize der Natur öffneten. Wir hatten keinen Bernardin de St. Pierre, der von der jungfräulichen Schönheit der Tropen zu berichten wusste, keinen Chateaubriand, der die Einbildungskraft in das phantastische Dunkel fernerUrwälder gelockt hätte. Unsere beste künstlerische Kraft auf dem Gebiet der landschaftlichen Schilderung war Schinkel, aber noch befangen in den Traditionen der Claude’schen Nachahmer. Ein Künstler nach Goethes schon geheim-rätlich abgekühlten Herzen, das den Rausch der Werther’schen Naturschwärmerei lang überwunden und vergessen hatte. Schinkel ist auch als Landschafter Archäologe, Altertumsfreund im Sinne Winckelmanns, nicht Psycholog, Entdecker und Künder selbst des Unbeseelten. Nie kam er über die Ideen der Sulzer’schen Aesthetik hinaus, zu denen er sich noch 1825 schriftlich bekennt, als seine berühmteste kulturhistorische Landschaft „die Blüte Griechenlands“ fertig auf der Staffelei stand. „Landschaftliche Aussichten, meint er, gewähren ein besonderes Interesse, wenn man Spuren menschlichen Daseins darinnen wahrnimmt. Der Reiz der Landschaft wird erhöht, indem man die Spuren des Menschlichen recht entschieden hervortreten lässt, weil der Mensch das am liebsten erfahren will, wie sich Seinesgleichen der Natur bemächtigt, darinnen gelebt und ihre Schönheit genossen haben.“ Aus solchen Prinzipien, die der absichtsvoll komponierten Landschaft das Wort redeten, konnte die moderne Stimmungslandschaft nicht die zu ihrer Entwicklung nötige Kraft ziehen.

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Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Karl Blechen