Verzeichnis der 93 Abbildungen unten.

Die Zeiten, in denen griechisch-römische Kultur als höchstes Ideal und als einziges oder doch vornehmstes Bildungsmittel erschien, sind vorüber; die Gegenwart hat es gelernt, auf eignen füßen zu stehen. Wenn wir aber auch von antikem Wesen nicht mehr direkt abhängig sind, so werden wir uns doch hütten müssen, die Beschäftigung mit dem Altertume überhaupt als antiquiert und unnütz zu erklären.

Antike Kunst bietet bietet so viel herrliches und Großes, antike Technik so viel Herrliches und Großes, antike Technik so viel erstaunlich Durchdachtes, antikes Privatleben so viel liebenswürdiges Anheimelndes, daß wir der alten Kultur nie den Rücken wenden dürfen. Wir haben aufgehört, direkt praktisch von Griechen und Römern zu lernen – wenigstens bis zu einem gewissen Grade; wenn wir sie näher kennen lernen, sie zu lieben. Recht wenigen freilich, ist eine solch eingehende Beschäftigung mit dem Altertume möglich; allen denen aber, die der antiken Welt nicht durch eigne Studien nahe stehen, soll hier, soweit es auf engen Raume möglich war, ein Bild jener Kultur gegeben werden, der nicht nur unser deutsches Volk, sondern ganz Europa und die ganze europäische Welt ihre Bildung verdankt.



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Abbildungen Kunstartikel


Man dürfte kaum von Monumentalwerken irgendwelcher Art einen starkem, nachhaltigeren und beglückenderen Eindruck erhalten als von den Monumentalfenstern der alten französischen Dome. Alles was die wundervolle Zeit der Frühgotik an künstlerischen Werten besaß, findet sich auf ihnen vereinigt. Was es nur gab an wuchtiger Gliederung, an phantasievollster Ornamentik der Architektur, an Farbenzusammenstellung und Zeichnung der Fresken und Miniaturen, an Formrhythmus der Figurenplastik, alles fand sich zusammen in Glas, Blei und Zeichnung. Und doch waren jene Künstler weder Götter noch Giganten, sondern sehr menschliche Menschen. Weil aber das Leben für sie so bewegt und voller wechselndster Ereignisse war, schufen und fanden sie in ihrer Kunst eine Art Festland, das gleich wie die Religionsübung durch Regeln bestimmt war. Vorschriften sich zu widersetzen fiel wohl kaum einem dieser Individualisten ein, denn sie waren ihnen eigentliches Bedürfnis, wie auch alle frühmittelalterliche Formalistik, die, von Symbolik durchtränkt, immer die lebendige Ahnung Gottes war. Ein jeder Strich, ein jeder Hieb im Dienste der Kunst war dem Sinn nach religiös, d. h. entsprang dem Bewußtsein eines sym bolischen Wertes aller Kunst. Ein Realismus, wie wir ihn verstehen, wäre ihnen unverständlich gewesen, weil die Erscheinungen der Natur zu mannigfaltig und deshalb für profan galten.

Es war jenen Menschen aber eine Lust, in der Natur immer das Eine lebendig zu wissen, nämlich das Wort, das den Erscheinungen erst Bedeutung verlieh. So ist es denn auch weiter natürlich, daß in Plastik, Zeichnung und Malerei die Form, die Linie, die Farbe bei allen offenen Blicken für jedes Geschehen ein Eigenleben gewannen und absolute Kunst wurden, weil sie als Abstraktionen der Natur sich der Bedeutung des Gegenstandes zu gleich bewußt wurden. Durch diesen rein geistigen Antrieb gestaltete sich das Kunstwerk überaus einfach ; niemals spielte es mit bloß ästhetischen Effekten, sondern hielt sich an die Mittel, welche symbolischen Wert hatten.

Die an sich so primitive Technik der Glasfenster kam der Natur dieser Gestaltungsweise außerordentlich entgegen. Die im Glas schon gegebenen wenigen Farben — es waren deren nur fünf bis sechs — enthielten gleichsam eine Tonleiter; nun war nur noch zu musizieren, d. h. rhythmisch und harmonisch zu gestalten. Eine riesige Fläche erhielt nun intensivstes Leben durch einfache Zusammensetzung dieser kostbaren Gläser und durch Schaffung reichster, immer wieder neuer ornamentaler Formen und architektonischer Glieder. Niemand war seither imstande, ähnliche Wunderdinge nur annähernd zu erreichen; dem prüfenden Auge eröffnet sich hier eine unausschöpfbare Welt von mystischer Wirkung, die rein nur durch feinst empfundene Farbenverteilung erstanden ist.

Read More Die Meisterschaft Altfranzösischer Glasmalerkunst

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Hier hilft kein Recht: wir müssen weichen;
Hier hilft kein Kraut: der Mensch ist Gras;
Hier muss die Schönheit selbst erbleichen.
Hier hilft nicht Stärke: du bist Glas;
Hier hilft kein Adel: du bist Erden,
Nicht Ruhm: du musst zu Asche werden.

Hier hilft kein Purpur, kein Gepränge,
Die Herrlichkeit ist nur ein Traum;
Und wird uns gleich die Welt zu enge,
Wir finden doch im Grabe Raum.
Hier gilt nicht Gold, nicht greise Haare:
Der Tod wirft alles auf die Bahre.

Siehe auch:
Arbeit des Todes
Albert Anker-Besuch im Atelier
Das Photographische Porträt
Bagordas-Mantinadas
Tränen des Vaterlandes im Jahre 1630

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Wir sind ja nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret
Der frechen Völkerschar, die rasende Posaun,
Das von Blut fette Schwert, die donnernde Kataun
Hat allen Schweiss und Fleiss und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret,
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschändt, und wo wir hin nur schaun,
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt, rinnt allzeit frisches Blut,
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut,
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fortgedrungen;

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot;
Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

Siehe auch:
Albert Anker-Besuch im Atelier
Das Photographische Porträt
Bagordas-Mantinadas

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