Mein Kind

Ein Kind ist mir geboren.
Wir lagen in der Schlacht;
da hat mich solches Wissen
beglückt und stark gemacht.

Ein Kind mit zarten Gliedern,
mit Händen seidenweich.
Kein Bild in meinen Herzen
kommt solcher Zartheit gleich.

Die Schlacht, die wird geschlagen,
mein Kind, das lächelt bald.
In unsere tiefsten Träume
das schwere Feuer hallt.

Was kann mir noch geschehen?
Zu Hause spielt mein Kind
mit tausend bunten Blumen
und mit dem Abendwind.

In allen unseren Schlachten,
beim Marsch und nachts im Zelt,
da spürt mein Herz die Liebe,
die uns verbunden hält.

Die schweren Waffen schweigen,
der Abend lastet schwer,
und mit den braunen Nebeln
kommt weit die Sehnsucht her.

Ich weiß, wofür ich kämpfe;
zu Hause lacht mein Kind;
Und darum bin ich stärker
als Schmerz und Opfer sind.

Kurt Kuberzig

Abbildungen Gedichte Leitgedanken

Vor dir steht ein Pferd. Das Tier gefällt dir? — Das will ich gerne glauben. Es ist auch nicht irgendein beliebiges Pferd. Es ist ein besonders schönes, ein besonders edles und rassiges Tier. Es gehört zu der Rasse der Lipizzaner, die ihren Stammbaum bis in das klassische Altertum zurückführt.

Warum gefällt dir dieses Tier eigentlich so besonders gut? Warum bist du glücklich, daß es dir begegnete? Warum tut sein Anblick dir in der Seele wohl? — Seltsame Fragen, wirst du denken; da braucht man doch nicht nach dem Warum zu fragen, wenn einem so ein Pferd gefällt, so ein herrliches Geschöpf. Warum es mir gefällt? — Nun, einfach, weil es schön ist; weil es so ebenmäßig im Wuchs ist; weil alles bei ihm so gut zueinander stimmt, Rumpf, Kopf und Beine; weil sein Fell so glatt ist, seine Farbe so vornehm, seine Bewegung so geschmeidig, seine Haltung so stolz ist. Das ist alles ganz richtig, aber ich will noch etwas ganz anderes von dir hören, nicht die Gründe für dein Wohlgefallen, die beim Pferde liegen, sondern diejenigen Gründe, die bei dir selbst liegen. Was befähigt dich, die Schönheit eines Pferdes zu empfinden? Welche Eigenschaften in dir machen dir das möglich? Ich weiß, daß dir auch diese Antwort nicht schwerfallen kann. — Du sagst, es sei dein Schönheitssinn, dein Instinkt? Richtig, aber noch treffender? — Also, dein Gefühl für Rasse!

Leitgedanken

Im schönsten Wiesengrunde ist meiner Heimat Haus;
da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus.
Dich, mein stilles Tal, grüß ich tausendmal!
Da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus.

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