Die Schöpfungen der großen deutschen Kunst gehören nicht wenigen Auserwählten, sondern dem ganzen Volke. Der deutsche Soldat vor allem hat es in den einsamen Stunden im Osten gespürt, welche Kraft die deutsche Musik zu spenden vermag. Viele haben in den Bunkern zum ersten Male Mozart und Bach, Beethoven und Schubert mit Andacht in sich aufgenommen und sind durch die Allgewalt der Töne zur letzten, entscheidenden Leistung aufgerufen worden. In oft verzweifelten Lagen hat auch mancher bisherige Freund der „leichten“ Musik deren faden Limonadengeschmack auf der Zunge gespürt, und er hat hingefunden zu den unsterblichen Schöpfungen der großen Meister.

Graf Hidemaro Konoye, Japans berühmter Komponist und Dirigent, der sich auch in Deutschland als feinsinniger Darbieter deutschen Musikschaffens einen Namen gemacht hat, schreibt:

Mein lieber Freund ! Unsere Unterhaltungen über westöstliche Philosophie -und Religionen waren sehr interessant und aufschlußreich. Sie waren erstaunt zu hören, daß es auch bei uns in Japan nicht wenige Philosophen gibt, die ausschließlich in der Kantschen Welt leben. Wohl konnten Sie es noch verstehen, als ich Ihnen erzählte, daß ich im Arbeitszimmer eines japanischen Philosophen einen Stein fand, den er sich auf einer Pilgerfahrt nach Königsberg auf dem Hof der alten Universität heimlich dort in seine Tasche gesteckt hatte. Diese Verehrung mutete Sie nicht fremd an, und Sie konnten sich auch noch vorstellen, daß die Größe der Kantschen Gedanken auch im fernöstlichen Inselreich weiterlebt. leb kann aber nicht begreifen, warum Sie so verwundert waren, daß es in der Musik hierzu Parallelen gib — daß gerade die deutschen Klassiker, Bach, Beethoven, Mozart, Haydn sowie Schubert, Schumann und Brahms, diese Parallelen bilden. Sie können mit berechtigtem Stolz von der Musik dieser großen Meister als von „unserer deutschen Musik“ reden — wir Ausländer beneiden Sie alle darum. Gewiß, die Musik dieser deutschen Klassiker ist genau so bodenständig wie etwa die Musik Tschnikowskijs in Rußland oder Smetanas in Böhmen. Aber trotzdem dürfen Sie, lieber Freund, nicht vergessen, daß gerade diese deutschen Klassiker mit ihrer Größe und Tiefe Kulturschatz der ganzen Welt weit über die deutschen Grenzen hinaus geworden sind, in einem solchen Maße, wie es bei den anderen Nationalkomponisten nicht der Fall ist. Die ungarischen, spanischen oder nordischen Komponisten bleiben doch immer irgendwie eine „lokale Angelegenheit“. Schauen Sie sich doch einmal die Konzertprogramme der Großstädte an, ganz gleich, welcher Weltstadt, ob Paris, London, New York, Moskau oder Tokio — zu 50 bis 80 Prozent werden Sie deutsche Klassiker auf dom Programm finden. Lieber Freund, es wäre traurig, wenn Sie und mit Ihnen alle Ihre Landsleute nicht anerkennen wollten, daß die Größe Ihrer Genies die ganze Welt umfassen kann. Sie brauchen auch keine Befürchtungen zu haben, daß in Japan Ihre großen deutschen Meister „japanisch“ gespielt werden. Wenn auch vielleicht ein Italiener geneigt sein mag, Schubert aus der Perspektive Rossinis zu sehen, oder wenn ein Russe Brahms wie Tsehaikowskij spielt, so ist diese Gefahr für uns nicht gegeben, da die Musik meiner Heimat ja von der europäischen völlig wesensverschieden ist. Wir können also gar nicht anders, als deutsche Musik so deutsch wie möglich zu empfinden und wiederzugeben. Im Gegenteil scheint mir die kultische Beziehung des Begriffs Musik bei uns in Japan den Weg zum Ethos der großen deutschen Meisterwerke und besonders zu ihrem heroischen Inhalt zu erschließen. Japan war immer sehr musik- und tanzliebend. Unser Volk hatte schon stets ein tiefes Empfinden für Kunst. Im 8. bis 9. Jahrhundert war der Kulturstand der japanischen Musik ein besonders lieber. Aber diese Musik hat sich nicht fortentwickelt. Durch ihre Verbundenheit mit dem religiösen Zeremoniell ist sie auf dem Stande früherer Jahrhunderte verblieben. Es ist daher nur zu verständlich und durchaus natürlich, daß das japanische Volk, als plötzlich Beethoven, Mozart, Schubert und die vielen schönen deutschen Volkslieder in meine Heimat kamen, von einem wahrhaften Hunger nach absoluter Musik ergriffen wurde.

Als etwa um 1860 die westliche Kultur in Japan eindrang, war die Begeisterung der japanischen Musiker für Beethoven nicht geringer als die der Philosophen für Kant. Und daß Beethoven so schnell „Volksgut“ in Japan wurde, daran sind wohl auch zum großen Teil Rundfunk und Grammophon beteiligt. Als die japanische Rundfunkgesellschnft im Jahre 1925 die erste Sendung brachte, wurde die Fünfte Symphonie von Beethoven mit dem neugegründeten Symphonie-Orchester unter meiner Leitung gespielt.

Japan ist bekanntlich der größte Schallplatten Verbraucher der Welt (der Schallplattenverkauf war in Japan in einem Jahr kurz vor dem Weltkrieg so groß wie der Verbrauch ganz Europas — außer England — zusammengerechnet). Es ist tatsächlich so, lieber Freund, daß sich einige Schallplattengesellschaften in Japan nur durch die Herstellung von Beethoven-Schallplatten eine Existenz aufgebaut haben. Es gibt in Japan nicht nur sämtliche Sonaten und Kammermusikwerke Beethovens auf Schallplatten, sondern sogar auch die „Missa Solemnis“. Von der Fünften Symphonie kann man in Tokio zehn verschiedene Aufnahmen erwerben. Ein wahrer Plattensammler — deren es viele in Japan gibt — wird auch eine solche Symphonie zehnfach besitzen. Wer nun in Japan Plattensammler ist? Lieber Freund, dies ist nicht mir eine europäisch gebildete Oberschicht. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen, daß die Musik der deutschen Klassiker auch in die Herzen der einfachsten Leute gedrungen ist. Lassen Sie mich hierzu ein kleines Erlebnis berichten: Bei einer Wanderung irn japanischen Gebirge kam ich an einem einsamen Bauerngehöft vorbei, aus dessen offenem Fenster die Klänge einer Mozart-Symphonie drangen. Interessiert trat ich ein. Der Bauer, ein ganz schlichter Mann, war sehr glücklich, als er hörte, wer sein Besucher sei. Er erzählte, daß er die eben gespielte Mozart-Symphonie kürzlich unter meiner Leitung im Radio gehört hätte und er sie so schön fand, daß er stundenweit bis zur nächsten Stadt lief, um sie auf Sehallplatten zu erwerben. Er zeigte mir dann ganz stolz seinen Plattenschatz, eine ganze Serie Beethoven-Symphonien und Mozart-Divertimenti. Ist das nicht Beweis genug dafür, daß die Musik großer deutscher Meister nicht nur einem kleinen Kreise in Japan Vorbehalten ist?

Sie können mir glauben, daß in Japan heute jedes Schulkind den Namen Beethovens kennt und er auch dem unmusikalischsten Kinde genau solch ein Begriff ist wie zum Beispiel die Namen der anderen großen Deutschen: Friedrich der Große, Bismarck oder Kant. Schon in den Lesebüchern der Volksschulen steht die Entstehungsgeschichte der „Mondscheinsonate“‘, Sie wissen schon, diese kleine sentimentale Erzählung von dem blinden Mädchen, das Beethoven durch Zufall spielen hörte und dem er zum Dank „etwas vom Mond“ vorspielte.

Bitte, lieber Freund, ich will Ihnen noch weitere kleine Geschichten erzählen, aus denen Sic ersehen können, welche Verbreitung — oder sollen wir sagen „Eindringen in das Volk“? — Beethoven in Japan fand. Sehen Sie, wenn in Japan zur Schallplattensammlung für die Front aufgerufen wird und man dann über die Wünsche der Soldaten liest, so würde ein Europäer wahrscheinlich sehr erstaunt sein zu lesen, daß keine leichte Unterhaltungsmusik gewünscht wird, sondern ernste Musik und dabei immer wieder ganz besonders Beethoven-Schallplatten. Ich erinnere mich dabei noch eines kleinen Vorfalls aus dem chinesischen Konflikt: Einer der damals erfolgreichsten Jäger war ein gewisser Kapitän N., ein Flieger mit über 50 Abschüssen, was zu Beginn des chinesischen Konflikts schon eine ungeheure Leistung war. Ihn konnte man in den Stunden und Minuten, in denen er nicht im Einsatz stand, stets in die Töne seiner Lieblingsschallplatten versunken sehen. Eines Tages kam er nicht vom Feindflug zurück. Auf seinem Kofferapparat aufgelegt aber war das Adagio aus der Neunten Symphonie von Beethoven — bis zur Mitte gespielt.

Sogar der Weltkrieg konnte damals in Japan die Begeisterung für Beethoven bei einigen jungen Japanern nicht hemmen. Die Sehnsucht nach Städten wie Bonn und Wien, in denen man auf den Spuren Beethovens würde wandeln können, war ungeheuer. Man sehnte das Ende des Krieges herbei, um endlich diese Städte besuchen zu können. — Ein junger Musiker allerdings wollte nicht einmal das Ende des Krieges abwarten. Er hatte einen phantastisch genialen Plan: Er meldete sich freiwillig hei den französischen Fliegern, ließ sich dort ausbilden und hatte die Absicht, bei einem Aufklärungsflug über deutschem Westgebiet in Bonn „notlanden“ zu müssen. Ja, er war in seiner Begeisterung für Beethoven so naiv, daß er glaubte, man würde ihn als Kriegsgefangenen in das Beethoven-Haus führen. — Zum großen Leidwesen des jungen Musikers wurde der Plan frühzeitig von seiner Familie entdeckt, und die so schön erdachte Notlandung konnte nicht stattfinden. Ob es wohl ein Trost war für den jungen Musiker, daß er wenigstens bei dieser Gelegenheit fliegen gelernt hat? Aber nicht nur die Musik Beethovens ist in Japan bekannt — auch sein Leben interessiert die Japaner sehr. Beethoven-Biographien werden in Japan sehr viel gelesen und die wohl zehn besten sind — zum Teil sogar mehrfach — in die japanische Sprache übersetzt worden, wie z. B. Pohl, Nottebohm, Paul Bekkcr, Romain Rolland usw. Ich kann verstehen, lieber Freund, daß Sie wissen möchten, was es eigentlich ist, das die Japaner an Beethoven so besonders lieben. Ich will versuchen, es Ihnen mit Worten zu erklären: Wir fühlen uns seiner Musik irgendwie verwandt. Und wenn auch die Musik selbst für die „östlichen“ Ohren der Japaner irgendwie fremd sein sollte, so ist uns doch die Seele, die daraus spricht, das Gefühl nicht fremd. Diese wunderbare „saubere“ Klarheit, diese Strenge und Reinheit, diese überwältigende Harmonie baut eine Brücke aus Tönen zwischen West und Ost und spricht zu unserem Gefühl.

Sie wollten noch etwas über mich selbst und Beethoven hören, lieber Freund: Ich war musikbesessen von Kindheit an. Ich erinnere mich noch heute, daß ich als kleiner Junge immer und immer wieder vom alten Wien geträumt habe. Ich habe Schubert oft in meinen Träumen gesehen und war so glücklich, Beethoven im Traum die Schuhe putzen zu dürfen. Ja, ich habe sogar am hellen Tage Mozart vor mir gesehen — er spielte mir etwas vor. Und später habe ich es doch geschafft, mir ein eigenes Symphonie-Orchester aufzubauen, aus allerkleinsten Anfängen. Ich habe dieses „Neue Symphonie-Orchester Tokio“ zehn Jahre lang selbst geleitet. Am Schluß einer jeden Saison brachte ich mit diesem Orchester immer einen Beethoven-Zyklus (sechs Beethoven-Abende). Diese Konzerte waren immer, auch mit mehrfachen Wiederholungen, ausverkauft, und oftmals war es möglich, das ganze Defizit der Saison aus den Einnahmen dieses Beethoven-Zyklus zu decken. Es gibt sicher viele Dirigenten, die ihren Beethoven auswendig dirigieren. Wie viele mag es aber geben, die seine Symphonien auswendig Note für Note niederschreiben können? Nun, im Weltkrieg gab es in Japan nur ganz wenige Orchesterpartituren, und der Krieg machte es unmöglich, weitere aus Deutschland zu beziehen. Damals war ich gezwungen, in meiner Schulzeit Tag und Nacht die Partituren handschriftlich abzuschreibcn. Und noch aus dieser Zeit her kann ich viele Werke Beethovens auswendig niederschreiben.

Es ist schon so, durch die Jahre hindurch hat sich das japanische Volk immer und immer tiefer in deutsches Musikleben hineingefühlt, und die deutschen Klassiker haben eine zweite Heimat in Japan gefunden. Nun können Sie vielleicht verstehen, mein lieber Freund, wenn wir von Ludwig van Beethoven heute in Japan als von „unserem Beethoven“ sprechen. Wenn wir ein Symbol der deutsch-japanischen Freundschaft brauchen, so wollen wir die Musik Beethovens als ein solches Symbol des gegenseitigen Verständnisses nehmen, einen Wegweiser für den geistigen Aufbau, den die beiden jungen Völker Deutschland und Japan begonnen haben.

Siehe auch:
Die Deutsche Wehrmacht-Kasernenleben
Die Deutsche Wehrmacht-Kasernenleben II
Die Deutsche Wehrmacht-Ausbildung
Die Deutsche Wehrmacht-Ausbildung II
Die Deutsche Wehrmacht-Ausbildung III
Die Deutsche Wehrmacht-Infanterie
Die Deutsche Wehrmacht-Infanterie II
Die Deutsche Wehrmacht-Infanterie III
Die Deutsche Wehrmacht-Kavallerie
Die Deutsche Wehrmacht-Kavallerie II
Die Deutsche Wehrmacht-Artillerie
Die Deutsche Wehrmacht-Artillerie II
Die Deutsche Wehrmacht-Pionierdienst
Die Deutsche Wehrmacht-Pionierdienst II
Die Deutsche Wehrmacht-Nachrichtendienst
Die Deutsche Wehrmacht-Nachrichtendienst II
Die Deutsche Wehrmacht-Gebirgstruppen
Die Deutsche Wehrmacht-Kraftfahrtruppen-Motorisierung
Die Deutsche Wehrmacht-Kraftfahrtruppen-Motorisierung II

3. Reich Leitgedanken

Nichts ist ein Staat ohne ein Volk, ein seelenloses Kunstwerk; nichts ist ein Volk ohne Staat, ein leibloser luftiger Schemen, wie die weltflüchtigen Zigeuner und Juden. Staat und Volk in Eins ergeben erst ein Reich, und dessen Erhaltungsgewalt bleibt das Volksthum.

Deutschland, wenn es einig mit sich, als deutsches Gemeinwesen, seine ungeheuern nie gebrauchten Kräfte entwickelt, kann einst sein Begründer des ewigen Friedens in Europa, der Schutzengel der Menschlichkeit sein.

Friedrich Ludwig Jahn.

Als Kaiser Karl IV. mit Böhmen, dem Kernstück seines Landesfürstentums, die deutsche Kaiserkrone verknüpft hatte, schien seine Neuordnung des Reiches abgeschlossen. Er errichtete nicht mehr Pfalzen in allen Teilen des Reiches, sondern hatte — unter den Eindrücken seiner jugendlichen Lehrjahre in Frankreich — eine Hauptstadt. Prag, auszubauen begonnen. Aus seiner Zeit künden Bauwerke und Kunstdenkmäler bis in unsere Tage hinein von der Größe des Grundrisses seines Bauprogrannns. Deutsche Handwerker, Kaufleute, Gelehrte und Künstler, Herrengeschlechter und königliche Sladtgcmeinden waren die bestimmende Trägerschaft dieser geistigen und wirtschaftlichen Ordnung Böhmens. Kaiserkrone, Reichsschwert und die anderen Heiltümer des Reiches hatten in der Mitte des Landes auf der eigens dafür erbauten Burg Karlstein ihren Einzug gehalten. Sie sollten damit den ganzen Aufbau dieser Länder weihen und diese zum Schutze der Reichsinsignien verpflichten. Schon ein Blick über die gotischen Türme der Stadt und die Einkehr in der vor nun 495 Jahren errichteten ersten Universität des Deutschen Reiches in Prag geben einen hinreichend starken Eindruck dieses Bauplanes einer Hauptstadt im Herzland des Reiches.

Die hussitische Rebellion

Und doch sollte dieses Mittelstück der mittelalterlichen deutschen Ostfront den Bau des Reiches nicht weiterführen. Im Lande selbst sprengte die hussitische Rebellion einer Anzahl tschechischer Landschuften und einer Gruppe tschechischer Ritter, Handwerker und Kleriker diesen Plan ihres Landesfürsten. Ein knappes Menschenalter nach dem Tode des Kaisers war in einem düsteren Brande Böhmens Stellung bereits vernichtet Kaiser Karl IV. hatte einst nichts unterlassen, um auch die tschechischen Kräfte des Landes heranzuziehen und ihnen die Wege zum Vorwärtskommcn zu ebnen. Er war so weit gegangen, daß darüber offensichtlich der bis dahin starke Zustrom deutschen Blutes in diese Länder und ihre unerschlossenen Kultur-und Wirtschaftsfelder rasch abzuebben begann. Weil sich aber andererseits in dieser Sammellinse des Reiches all die Waldenser, Picarden und anderen „Ketzer“ gegen die herrschende Kirche und den einengenden Dogmenzwang aus allen Teilen des Reiches einfanden, hatten die anarchischen Kräfte im Tschechentum ein leichtes Spiel. Billig und rasch ließen sich Schlagworte aus den deutschen Streitgesprächen entlehnen und in Fahnen und Symbole umprägen, unter denen sich alle Elemente der Unordnung. Destruktion und wirtschaftlichen Zügellosigkeit sammelten. Die Ergebnisse dieser 15 hussitischcn Sturmjahre gegen das Reich erbrachten aber für die Stürmer selbst die völlige Entwertung Böhmens als Glied des Reiches auf nahezu ein Jahrhundert, die weitgehende Lockerung der reichstreu und wehrhaft gebliebenen deutschen Randlandschaften ans dem lehensrechtlichen Verbände Böhmens, die Vernichtung der wirtschaftlichen Kraft in Stadt und Bergwerk, die weitgehende Verödung des tschechischen Bauernlandes. Dies alles aber mußte geopfert werden, ohne daß eine tragende Idee, ein schöpferisches staatliches Konzept, ein über Jahrhunderte wirkendes Werk aus dieser Hussitenzeit erwachsen wäre. Es war eine fruchtlose Rebellion gegen das Reich, die die Rebellen selbst entscheidend geschwächt hat.

Der deutsche Aufbruch

Die Enkel der Kämpfergeneration in Deutschland, die einst gegen die hussitische Rebellion angetreten war, entfesselten aber dann um 1500 einen völlig andersartigen Sturm. Sie hatten des Reiches Schwäche von den unglücklichen Schlachten in Böhmen und Polen her noch im Gedächtnis. Die Ohnmacht von Kaiser und Reich beherrschte die Eindrücke ihrer Jugendjahre. Aus ihren Fehden, wehrhaften Städten, streitfesten Gelehrtenstuben und Künstlerwerkstätten wehte ein frischer Gedankengang. Wirken doch heute noch, ungebrochen durch all die Jahrhunderte, die großen deutschen Tafelgemälde eines Albrecht Altdorfer aus Augsburg und Albrecht Dürer aus Nürnberg. Die Meister Matthias Grünewald, der am Rhein, und Veit Stoß, der au der Weichsel schuf, und die anderen spätgotischen Maler, Bildhauer und Baumeister wirkten bewußt und betont für ihr deutsches Volk. Bewegt aber waren sie von dem Blick auf eine wenn auch romantische Reichsidee, die sich in dem jungen ritterlichen Kaiser Maximilian zu verkörpern schien. Ihre Holzschnitte und Kupferstiche, wie das vom „Ritter, Tod und Teufel“, wurden auf den Jahrmärkten von den breiten Schichten der Bürger- und Bauernschaft ebenso gekauft wie die Traktate und Büchlein in der neuen Buchdruckerkunst, in denen Gelehrte und Dichter voll revolutionären Schwunges gegen die völkische Überfremdung schrieben. Kämpfend erarbeitete sich Doktor Paracelsus sein neues Lehrgebäude von der deutschen Arzneikunst, in gleicher Weise erschloß der Geologe Agrieola dem deutschen Bergmann das Wesen der Erzadern im Gebirge. In diesen Jahren wurde aber auch die Rechtsordnung des deutschen Bauerndorfes oft mit Feuer und Schwert umkämpft und erstritten und dann weit in den Osten zur Grundlage für die Befreiung der Bauern im Rahmen der anderen Völker getragen. Ebensoweit drangen das neue deutsche Bergrecht als Grundgesetz dieser Knappengenossenschaften und auch andere Hütten-und Zunftordnungen. Die deutschen Landsknechtsfähnlein aber wehrten den Türken im Osten und den Franzosen im Westen ab und zeigten das Bild des wehrhaften „Haufens“, dem das Wappen des Reiches im Fahnentuch stand.

In diesen gewaltigen Aufbruch eines volkhaften Denkens und Schaffens gehört auch der junge Martin Luther. Er steht in einer Front mit all den Altersgenossen aus den Reihen der Künstler, die um Besinnung auf die Wurzeln des deutschen Wesens ringen. Aber auch die Reichsritterschaft und die Königlichen Kaufherren in Lübeck und Augsburg, die den politischen Neubau des ganzen Reiches forderten, sind zugleich Empörer gegen die Tyrannei der Papstkirche wie gegen die Zersetzung des Reiches durch den volksfremden Gedanken des Fürstenstaates. Diesem deutschen Aufbruch sind dauernde Erfolge auf vielen Gebieten europäischen Geistes und Wirkens gelungen. Seine Sendboten haben mit den Kaufleuten tief in den Osten und über Spanien hinaus bis in den neuen Kontinent Amerika Brücken geschlagen und neue Stützpunkte gebaut, in gleicher Weise die nordischen Lancier mit Italien verbunden. Kaiser Maximilian I. der diesen Künstlern und Denkern nahestand, hatte seine Herkunft und Ahnen im Kreise der grollen germanischen Heerkönige und Sagengestalten gesehen, wie die Erzfiguren der Totenwache seines Innsbrucker Grabmales eindrucksvoll erweisen. Aber der in den Niederlanden erzogene spanische Habsburger Karl V., sein Enkel, bat als Kaiser diesen deutschen Aufbruch nicht erkannt und daher als gestaltende Kraft nicht übernommen. Das ist zu einem der tragischen deutschen Schicksale geworden, und darunter mußte die politische Saat dieser ersten Jahrzehnte nach 1500 auf dem staatlichen Felde verdorren. Die Keimkraft dieses gesamtdeutschen Aufbruches aber war in ihrer Ganzheit so elementar, daß sie durch die Jahrhunderte in den Kunst- und Bauwerken lebendig blieb und im Gedankengut heute weiterwirkt.

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Leitgedanken

Bekenntnis eines Niederländers

Um die Reichskleinodien schwebt auch etwas von dem Geheiligten und Wunderbaren, das jeden Mythus umgibt. Damit meinen wir nicht an erster Stelle etwas „Übernatürliches“, Unser Reich ist keine übernatürliche Angelegenheit, sondern natürliche Wirklichkeit und vor allem Zukunft. Aber doch eine Zukunft, die auch eine alte Vergangenheit hinter sich hat. „geheiligte Überlieferung“, und untrennbar ist diese Überlieferung mit den Kleinodien verbunden.

Diese Kleinodien haben stark auf die Phantasie von Tausenden gewirkt und können das noch, auch auf unsere. So konnte es in einer Zeit, als das Christentum alles in Wundergeschichten umdeutete, geschehen, daß die Reichslanze zur Reliquie wurde.

Einst war diese Lanze das meist verehrte Zeichen des Reiches. Wir wissen heute, daß sie von Siegener Stahl geschmiedet ist im 8. Jahrhundert. Aber der Wunderglaube ließ diese Lanze nicht unberührt. Mittendrin wurde ein merkwürdig geformter Eisenstab befestigt, und dieser Stab wurde verehrt wie ein Nagel von dem Kreuz Christi. Diese Lanze vertrat die königliche Macht, und mit der Lanze wurde diese Macht nach uraltem germanischem Brauch übertragen. So erhielt der Burgunderkönig Rudolf II. im Jahre 922 die Lanze, die damals das Symbol der Langobarden war. Jedoch im Jahre 926 mußte Rudolf sie zu Worms Heinrich I. geben, also dem ersten Reich. Bevor diese Lanze also Reichslanze wurde, wurde sie schon durch die Germanen fürsten als Zeichen ihrer Würde benutzt. Als Otto der Große 955 die Ungarn auf dem Lechfeld (bei Augsburg) besiegte, tat er dies unter dem Siegbanner dieser Reichslanze. So war sie einst viel mehr als ein kostbares Museumsstück.

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Leitgedanken

Wo indogermanische Völker Staaten begründen, sind sie von der Idee des Reiches erfüllt. Sie gehört zum ewigen Glaubensinhalt arischen Menschentums auf dieser Erde. Der neben stehende Text ist aus dem Original wörtlich übersetzt. Er ist 2 Urkunden entnommen, die aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung stammen. Ein seiner arischen Abkunft stolz bewußter, großer iranischer Herrscher, Darius I. läßt den Reichsgedanken als hohen Auftrag des Schicksals in dieser Form vor uns erstellen, überall, wo Indogermanen auf dieser Erde erscheinen, gehen sie in die Geschichte ein durch Schöpfung von Staaten und Reichen, sei es im Reich des Darius, im Reich Alexanders des Großen oder im römischen Weltreich und im Reich Karls des Großen, der dem Abendland die germanische Form des Reiches geschenkt hat. Nicht irgendwelche fremdvölkische Lehre hat dem Germanentum die Idee der staatlichen Ordnung weiter Gebiete des Kontinents gegeben. Ebenso wie auf dem religiösen Gebiethat das Indogermanentum auf dem Gebiet der politischen Gestaltung von Staaten und Völkern eigenschöpferische Leistungen aufzuweisen, die als große Weltreiche in die Geschichte eingegangen sind. Dieses Bewußtsein macht uns stolz und verpflichtet uns zugleich gegenüber den Ahnen und den nachfolgenden Geschlechtern.

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Bildtext überreicht durch Prof. Dr. Wüst, München.

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