(tätig bis gegen 1530)

Holz, 226X176 cm

Matthias Grüncwald aus Aschaffenburg, einer unserer größten Künstler, war schon früh verschollen, über sein Leben weiß man noch jetzt so gut wie nichts, und erst etwa seit einem Menschenaltcr haben seine seltenen und weit zerstreuten Bilder wieder die verdiente Beachtung gefunden. Sic sind gleich merkwürdig durch ungewöhnlichc Gegenstände, höchst originelle Auffassung und überraschende Einzelheiten, wie atmosphärische Stimmungen und Beleuchtungseffekte. Es liegt etwas Geheimnisvolles über diesem Künstler, wie über Giorgione oder Lorenzo Lotto. Gegen ihn gehalten ist Lukas Cranach langweilig und schablonenhaft Grünewald steht Dürer viel näher, im Typus der Figuren und im Ausdruck der Affekte, auch in der naturwahren Wiedergabe des Haars, nur ist er ein noch stärkerer Naturalist, der das Häßliche förmlich aufsucht Er liebt kräftige, breite Hände und plumpe Füße, spitze Knie, und er läßt seine Menschen schielen, damit sich ihr Gesichtsausdruck verstärke. Er sucht endlich für seine Wirkungen, wo er nur kann, den Weg aus den Grenzen der Zeichnung hinaus in das Malerische zu gewinnen. Von allen deutschen Künstlern hat nur er den Wert der Farbe als eines Mittels selbständig Stimmung zu erwecken ganz erkannt Jetzt wo man diese beiden Eigenschaften, die rücksichtslose Naturwahrheit und die Keckheit des Kolorits, vor allen andern schätzt, gehört Grünewalds Impressionismus zu den gesuchtesten Genüssen. Auch das ist besonders an ihm, daß er sich von der italienischen Renaissance nicht umgarnen läßt Die hier mitgeteilte Tafel, sein letztes bekanntes Hauptwerk, bildete einst das Mittelstück eines Altars, welchen der Kardinal Albrecht von Brandenburg, Kurfürst von Mainz, für die von ihm 1518 erbaute Kollegiatskirche in Halle an der Saale hatte herstcllen lassen. Nach der Auflösung des Stifts kam das Bild nebst seinen Flügeln nach Aschaffenburg und von da 1836 nach München. Auf unserer Tafel stehen wenige überlebensgroße Figuren, mit glühenden Farben auf dunklem Grund gemalt, und zeigen ihre ernste hohe Würde, eine deutliche Scelensprachc und eine Kostümbehandlung, gegen deren einfache Größe sich kaum etwas ähnliches aus der älteren deutschen Kunst wird aufbringen lassen. Dargestcllt ist eine Unterhaltung der Heiligen Erasmus und Mauritius. Erasmus, im vollen und äußerst kostbaren Bischofsomat, trägt die Züge des Kardinals, dessen Wappen man über dem Saum der Alba sicht Hinter ihm steht ein bejahrter Kapitular mit einem wunderbar modellierten Kopf. Hinter dem Mohren gewahrt man zwei Kriegsknechte, bereits im Helldunkel versinkend, und von zwei anderen noch die Beine. Er selbst aber ist in einer köstlich gemalten Rüstung und in der ritterlichen Haltung dargestellt die zuerst Dürer und Cranach in die Kunst eingetührt hatten. Auf dem Kopfe trägt er einen Goldkranz, der, wie alle übrigen Einzelheiten in Tracht und Gerät mit einer Ezaktheit wiedergegeben ist au der noch ein heutiger Kunstgcwerbemann seine volle Freude haben kann.

Text und Bild aus: Album der Alten Pinakothek zu München, fünfzig Farbendrucke, mit begleitenden Texten und einer historischen Einleitung. Author,Alte Pinakothek (Munich, Germany); Reber, Franz von.

Album der Alten Pinakothek zu München Kunstdrucke Mathias Grünewald

Kunstdrucke Mathias Grünewald