Gebroren zu Paris 1690, Gestorben Ebenda 1743.
Französische Schule

Über die fétes champétres ist es kaum notwendig noch Belehrendes zu sagen. Wir kennen sie schon von unseren Ausstellungen, denn gerade einige der allermodernsten Maler, Manet und Monet, haben sie in der Kunst wieder eingeführt. Das Muster stammt aus der venezianischen Malerei. Manet hat sich auf seinem berühmten „Frühstück im Walde“ an GiorgionesKonzert im Freien“ angelehnt. Welch hohen Reiz cs für den Koloristen haben musste, den duftenden Rosaton schöner Frauenkörper zusammenzubringen mit dem sprühenden Lichtgrün der Wiesen und Baumkronen, ist begreiflich. Besonders berauschend ist es, wenn dann auch die Männer, nicht in düstere, moderne Gewänder, sondern in farbige Kostüme gehüllt, wohllautende, volle Töne singen zu diesen zarten Klängen im Sopran. Nicht gleich reich und glänzend, wie die Venezianer die Chöre gestimmt, sind die Franzosen des achtzehnten Jahrhunderts. An Stelle grosser, sinnlicher Leidenschaft tritt feine Pikanterie, an Stelle der Naivität kokettes Spielen. Auch die Männer sind aufgeputzt wie die Äffchen, auch sie sehen wie geschminkt aus. Überall merkt man die Absicht, während gerade bei Giorgione sich noch ein gut Teil Poesie, getaucht in sehnsuchtsvolle Träumerei, beimischt. Bei Lancret ist wie im Rokoko das sinnliche Motiv die Hauptsache. Alles ist Putz und Koketterie. Zierliche Mädchen aus feinster Gesellschaft spielen links im Bade, rechts sitzen sie bei der Toilette. Von dem Reiz eines schön entwickelten Frauenkörpers keine Spur. Den rundlichen, weichen Leibern hat der Maler, der damaligen Mode scheinbar entsprechend, an Stelle der modernen Trikots Hemden angezogen! Ein hoher Grad Pikanterie ist entwickelt in der Gegen-einanderstcllung lichter farbiger Töne. Links über den zarten, duftenden Wassern die weichen Formen der Frauenkörper, umfasst von den vollen Falten weisser Hemden. Rechts die farbige Gruppe der angekleideten Damen; schillernde, in feinen harten Falten gebrochene bunte Seidenkleider vor dunklem Gestrüpp. Dort weiche runde Formen über den spitzen Lichtern der Wellen, hier eng in steife Korsetts geschnürte Körper, scharfe, bunte, glitzernde Farben und ein weicher Grund. Die Bäume und Büsche sind zum Gegensatz wie absichtlich rund und flaumig gemalt. Lancret, noch der Beste aus der Nachfolge Watteaus, hat schon nicht mehr dessen einheitliches Licht, das ja immer die erste Vorbedingung ist für feine Lichtwirkungen im Halblicht. Er kennt nur mehr pikante Spielereien in hellen, durchsichtigen, körperlosen Farben, fern von bewusster Absicht auf künstlerisch geschlossene Farbeffekte.

Nicolas Lancret