Vom Menschen und Werk des Arztes und Gottsuchers Paracelsus

Ein jegliches Reich, das in sich selbst geteilt ist, zergeht.
Also zergeht kein Reich ohne eigene Zerteilung.
Die höchste Aufbauung eines Hauses und Bündnis
eines Reiches ist, daß sie wandeln in einem.

Paracelsus.

Paracelsus war einer der leidenschaftlichsten und dämonischsten Führer des deutschen Volkes, und darum berührt er uns auch so tief menschlich. Durch Höhen und Tiefen, durch Freude und Leid, durch Schmach, Verleumdung und Elend, aber auch durch Macht und Ruhm führt ihn sein Weg. Doch er ist immer ein Einsamer gehliehen. Er konnte nirgends eine Heimat finden. Früh schon beginnt sein Wundern, das ihm zum Schicksal wird. Unstet durchzieht er die Welt, durchreist fast ganz Europa, sucht brennenden Herzens nach den letzten Geheimnissen der Natur. Er horcht auf das einfache Volk; den Waldbauern, Köhlern und allen Frauen lauscht er ihr Wissen ab. Er setzt sieh zu den Schäfern und Quacksalbern und lernt von ihnen. In Sturm und Wetterschlägen erarbeitet er seine Ideen. In Regen und Schnee zog er, ein ruheloser Wanderer, durch die deutschen Lande, nur begleitet von seiner Kunst, dem Arzttum. Das war ihm aber Schicksal und Auftrag zugleich. Erst im Tode fand dieser „Landfahrer und Vagabund“, wie er sich selbst einmal genannt hat, seine Ruhe. 1541 ereilt ihn in Salzburg — 48jährig und viel zu früh — der Tod. Das einfache Volk wollte es nicht wahrhaben, daß dieser große Arzt nicht mehr leide, lebte, daß es nicht mehr zu ihm kommen konnte, um hei ihm Hilfe in Not und Krankheit zu holen. Doch seine Gedanken und Ideen haben die Jahrhunderte überdauert und sind in unserer Gegenwart lebendiger denn je aufgebrochen. Vielfältig sind die Erkenntnisse, die Paracelsus, dieser schwäbische Arzt und Gottsucher, errungen hat. Entscheidend ist sein Grundsatz, daß nur die Natur lebendige Antwort geben kann auf die vielen Fragen, die das menschliche Herz erfüllt.

Er vernichtet die scholastischen Spießbürger und „Polsterdoktoren“, die ihre Weisheit aus Büchern holen, auf denen der Staub der Jahrhunderte liegt. „Die Geschöpfe sind die Buchstaben, und wer die Natur erforschen will, der muß mit den Füßen ihre Bücher treten. Die Schrift wird durch die Buchstaben, die Natur aber von Land zu Lande erforschI.“ Seine klaren und hellen Augen sind dabei seine stärkste Waffe. Paracelsus hat mit den allen Methoden der Wissenschaft gebrochen, Sein Weg der Naturerkenntnis war ganz neu und einmalig. War bisher Gott der Ausgangspunkt alles Schaffens gewesen, so wird es nun die Natur und mit ihr der Mensch. Er ist erfüllt von der Ehrfurcht vor der Natur, die die tragende Macht alles Lebens ist. In ihr sah er überall Maß, Ordnung und Gesetz, und er fand, daß sowohl im Stein am Bach wie in den Sternen am Himmel, in der Pflanze auf der Wiese wie im Menschen, überall die gleiche göttliche Kraft lebt und wirkt. Der Mensch aber ist nichts anderes als die Welt im kleinen, der Mikrokosmos. Damit ist er aber auch denselben göttlichen und ewigen Gesetzen unterworfen, wie sie in der Natur lebendig sind. Dieselben Gesetze, nach denen die Sterne ihre Bahnen ziehen, die Pflanzen wachsen und die Tiere um ihr Leben kämpfen, gelten auch für den Menschen. So ist jeder Mensch den unerbittlichen Zusammenhängen und Gesetzen des Lebens unterworfen. Menschengesetze und Naturgesetze sind identisch. Wer aber ans diesen ewigen Ordnungen des Lehens heraustritt, der geht zugrunde, wie der Baum zugrunde geht, den man entwurzelt. Oft hat Paracelsus voll Leid und Hoffen gerade in den Sternen Antwort auf seine Frage gesucht. In ihnen, die fern von allen Menschlichen in großer Einsamkeit ihre Bahnen ziehen, offenbart sich Gottes Größe und Ewigkeit am deutlichsten. Mit den Sternen fühlt er sich schicksalsmäßig verbunden. Für den Menschen als Mikrokosmos wird damit auch das Willenschicksal zum Menschenschicksal. Die Gesetze des Universums werden zu Gesetzen des Ich.

Read More »Alle Dinge sind in Ordnung gesetzt«

Leitgedanken Paracelsus