Gebroren zu Rotterdam 1629, Gestorben bald nach 1677 in Amsterdam.
Holländische Schule

Ein einfacheres Motiv, als es hier Pieter de Hooch gewählt hat, lässt sich kaum für ein Genrebild denken. Wir sehen eine Dienstmagd mit einem kleinen Mädchen an der Hand aus einem Vorratsraum in den kleinen Hof treten, aus dem nach dem Haupthause ein Gang führt, worin eine Frau vom Rücken aus gesehen ist. Keine besondere Anziehung der Figuren, kein starker Lichteffekt, keine besonders malerische oder pikante Behandlung, keine Ferne oder Luft, die zur Erhöhung der Reize dieses Bildes beitrügen: es wirkt allein durch die schlichte, treue Wirklichkeit, durch die Schönheit der Farben und ihre feine Abstimmung. Das Gefühl von Behagen und Wohnlichkeit, von stiller Zufriedenheit bei der Arbeit in kleinbürgerlichen Verhältnissen, das allen Genremalem eigen ist, die direkt oder indirekt auf Rembrandts Schule zurückgehen, besticht jeden Beschauer. In welch sonnigen, glücklichen Verhältnissen musste der Künstler leben, als er ein solches Bild malte so glauben wir; aber wir urteilen nach modernen Verhältnissen, nach der Stellung, welche heute die Künstler einnehmen. Pieter de Hooch war, als er seine besten Bilder malte, Kammerdiener bei einem vornehmen Abenteurer und konnte nur in seinen Mussestunden malen; so wenig brachten ihm seine Bilder ein, für die jetzt Hunderttausende bezahlt werden.

Pieter de Hooch

(1630 bis nach 1677)
Holländische Wohnstube
Leinwand, 75×62 cm

Unser Bild, zu den Perlen der Pinakothek gehörend, ist in neuerer Zeit mehrfach dem P. de Hooch abgesprochen, und einem Nachahmer desselben, Pieter Janssens, zugeteilt worden, der bisher so viel wie unbekannt, durch die Untersuchungen von C. Hofstede de Groot (Zeitschr. f. bildende Kunst. N. F. h S. 134; Oud Holland IX. 1891 p. 266, 1892 p. 181 fg.) näher ans Licht getreten ist. Der Angriff auf unser Bild basierte hauptsächlich auf einem sehr ähnlichen Werk in Frankfurt a. M.. Nr. 217 des Städelschcn Museums, bei dem allerdings die nach 1835 gefälschte Inschrift P. D. Hoogh an die Stelle einer echten, von welcher noch die übrigens nur auf Janssens zu deutenden Buchstaben … ff… s E. erhalten sind, getreten war. Man hat jedoch von dem Frankfurter Bild wohl mit Unrecht auf unser immer unbezeichnetes Werk geschlossen. Denn wenn auch der Inr.enraum des ersteren von dem gleichen Eindruck und namentlich der gleichen Lichtwirkung und die Ähnlichkeit so frappant ist, wie sie nur in den glücklichsten Fällen einer Nachahmung gelingen kann, an anderen bezeichneten Gemälden von Janssens aber nicht entfernt erreicht ist, so ergibt doch eine genauere vergleichende Prüfung, daS der Farbenauftrag an dem Janssens in Frankfurt trockener und pastoser und nicht von der leichten Flüssigkeit unseres P. de Hooch ist. Die Luft- und Lichtwirkung des Innenraums, der von einer schmalen Strafte aus durch zwei im Fond des Zimmers angebrachte Fenster durchsonnt ist erscheint von einer zauberhaften Wahrheit nicht bloft durch die wonnige Gesamtstimmung, sondern auch durch alle Details, die Sonnenstreifen und -blitze an der Wand, auf dem Fußboden, auf den Kofferbeschlägen und Stühlen, die weichen Schatten der Bilderrahmen und anderen Mobilien, das Helldunkel und die Luftperspektive, die über die Schmalheit der Gasse keinen Zweifel läßt Untergeordnet ist die lesende weibliche Gestalt in schlichtem Gewand, deren Abgewandtheit verrät daß dem Künstler die figürliche Darstellung weniger lag, und daß es ihm mehr darum zu tun war, den durchsonnten Raum mit allem Gerät als das Wesen des Werkes zur Geltung zu bringen. Doch gelang cs ihm meisterlich, eine sommerliche Sonntagsstimmung in zurückgezogener Ruhe zu erreichen, die ihren beruhigenden Eindruck als vollendete Intcricurkunst nicht verfehlen kann. Das Werk wurde 1791 durch Kurfürst Karl Theodor von de Vigneuz käuflich erworben.

Text und Bild aus: Album der Alten Pinakothek zu München, fünfzig Farbendrucke, mit begleitenden Texten und einer historischen Einleitung. Author,Alte Pinakothek (Munich, Germany); Reber, Franz von.

Album der Alten Pinakothek zu München Kunstdrucke Pieter de Hooch