1. Pieter Quast / Tanzender Bauer

Wie in allen grossen Zeiten der Kunst, nahmen auch in Holland die öffentlichen Aufführungen und Aufzüge den Sinn des Volkes gefangen. Die mimische Kunst — der Tanz und im Umgang ein ausdrucksvolles Gebärdenspiel — wurde bewusst gepflegt. Gemäss dem bäuerlichen Charakter der Malerei in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts wurde das Treiben der Komödianten und der Tanz im Wirtshaus ein Liehlingsthema der Volksmaler. Auf der anderen Seite erwuchsen aus den Volksschauspielen und der Volksdichtung die mehr dem Zeitgeschmack als der Kunst dienenden schwülstigen Darstellungen allegorischer Aufzüge — auch von Quast existiert ein Hauptwerk dieser Art im Haager Museum — oder die Illustrationen moralisierender Dichtungen oder Sprichwörter, die dem didaktischen Interesse der Holländer entgegenkamen.

Die Zeichnung Quasts gibt einen Bauern in der Kneipe — oder einen Komödianten auf der Strasse? — beim Tanze wieder und erfasst treffend den Moment der Drehung beim Tanze. Reizvoll ist der Kontrast der Silhouette auf beiden Seiten der Figur (die in ihrer Geschlossenheit übrigens noch den Stil des sechzehnten Jahrhunderts hat, ein Anachronismus hei einem Künstler, der ein Zeitgenosse Rembrandts war). Auf der linken Seite zieht sie sich langsam in stumpfen Kurven hin, auf der rechten verläuft sie in kurzen leichten Schwüngen: der eleganten Linie der Federn am Hut entspricht die des geschweift gestellten Fusses; mit den lose hängenden Fingern stimmen die lang herabgebogene Nase und der streifig herahgezogene Schnurrbart zusammen.

Die Flüssigkeit der Linie, für welche die weiche schwarze Kreide als Material, das Pergament als Grundlage gewählt ist, äussert sich auch in dem Künstlermonogramm, den verschlungenen Anfangsbuchstaben des Namens P und Q, die wie ein Ornament an sichtbarer Stelle geschickt angebracht sind. Unter den Zeichnungen trägt noch eine, die Asselyns (No. 49) einige künstlerisch ausgeführte Schriftzeichen, welche von der hohen Bewertung der Kalligraphie im damaligen Holland berichten können. Das Schönschreiben wurde als Kunst geübt, auch von einigen Malern, die namentlich auf Stillleben häufig ausführliche, schnörkelreiche Signaturen anhringen. Man denkt an die künstlerische Ausbildung der Schrift in der japanischen Kunst, mit der die holländische auch die Fähigkeit teilt, mit den geringsten Mitteln des Stiftes oder des Pinsels einen überzeugenden seelischen Ausdruck auf die Fläche zu bringen.

Bild und Text aus dem Buch: Handzeichnungen altholla˜ndischer Genremaler (1907), Author: Bode, Wilhelm von, Valentiner, Wilhelm Reinhold.

Pieter Quast