Geboren zu Lucca 1708, Gestorben zu Rom 1787.
Römische Schule

Zu den gefeiertsten Bildern der Dresdener Galerie gehörte von jeher die Magdalena Correggios, die 1740 zusammen mit den berühmten Altarwerken des Meisters in Modena erworben wurde. Die neuere Kritik hat diesem Bilde übel mitgespielt; bis zu einer Kopie des A. van der Werff nach einem wertlosen Original eines Carracci-Schülcrs hat man das Bild hcrabgedrückt, und erst in neuester Zeit will man wenigstens ein Original Correggios als Vorlage gelten lassen. Wie der grosse Parmenser Künstler auf die ganze Kunst des achtzehnten Jahrhunderts den tiefsten Eindruck gemacht hat, so hat auch gerade diese Magdalena zu manchen verwandten Darstellungen der Zeit des Rokoko den Anstoss gegeben; auch das Bild der Dresdener Galerie, das uns hier in Heliogravüre vorliegt: die Magdalena des Pompeo Batoni, ist ganz unter diesem Einfluss erdacht und gemalt worden. Erscheint schon Correggios Magdalena in der Haltung etwas zu absichtlich und trotz ihrer frommen Lektüre nicht ohne Koketterie, so ist Batonis Büsserin noch weit mehr darauf bedacht, ihre schönen Formen auch in der Hülle zu verraten; sie posiert nur als Büsserin, und wir fürchten, mit ihrer Busse wird es ihr nicht zu sehr ernst sein — aber freilich gerade das macht das Gemälde, fast noch in höherem Masse als die Magdalena Correggios, zu einem Lieblingsbild des Publikums in der Dresdener Galerie.

POMPEO BATONI 1708-1787

 

 

Die büssende Magdalena


Wenn eine Kunst uns nichts Ernstes mehr zu sagen hat, sondern mit dem Inhalte spielend diesen nur zum Ausgangspunkt ihrer technischen Fertigkeiten nimmt, dann wird es immer sehr von der Wahl des Gegenstandes abhängen, in welchem Masse uns dieses rein Künstlerische an einem Werke noch gefallen kann, Pompeo Batoni aus Lucca hielt sich meistens in Rom auf und malte einige langweilige grosse Andachtsbilder und heilige Historien, die heute keiner mehr ansieht. Das Lebenslicht dieser ganzen römischen Richtung war längst ausgeblasen. Er war ein Zeitgenosse Tiepolos, der einzige nennenswerte römische Künstler, während die venezianische Malerei noch in reicher Nachblüte stand. Am beliebtesten waren seine Genrebilder und Mythologien in kleineren Figuren und seine Bildnisse,wegen ihrer glatten und eleganten Ausführung. Auch die Dresdener Magdalena ist eine ihrem geistigen Gehalt nach völlig indifferente Genrefigur, aber sie ist wundervoll gemalt. Das blonde Haar, das porzellanglatte Fleisch und das blaue Gewand vor der dunklen Wand der Höhle mit dem Durchblick in die Landschaft sind nur Probleme, die sich der Künstler gestellt hat, um seine Herrschaft über die durch das Licht abgetönte Farbe zu zeigen, und das feine Helldunkel verrät uns den Nachahmer Correggios. Das berühmte Bild — dessen hohe künstlerische Qualität ein als Gegenstück gemalter, viel geringerer ruhender Johannes der Täufer so recht ins Licht stellt — wird schon in dem Inventar von 1754 aufgeführt. Winckelmann und Mengs haben es noch gesehen.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

Dresdner Galerie POMPEO BATONI 1708-1787