Die büssende Magdalena


Wenn eine Kunst uns nichts Ernstes mehr zu sagen hat, sondern mit dem Inhalte spielend diesen nur zum Ausgangspunkt ihrer technischen Fertigkeiten nimmt, dann wird es immer sehr von der Wahl des Gegenstandes abhängen, in welchem Masse uns dieses rein Künstlerische an einem Werke noch gefallen kann, Pompeo Batoni aus Lucca hielt sich meistens in Rom auf und malte einige langweilige grosse Andachtsbilder und heilige Historien, die heute keiner mehr ansieht. Das Lebenslicht dieser ganzen römischen Richtung war längst ausgeblasen. Er war ein Zeitgenosse Tiepolos, der einzige nennenswerte römische Künstler, während die venezianische Malerei noch in reicher Nachblüte stand. Am beliebtesten waren seine Genrebilder und Mythologien in kleineren Figuren und seine Bildnisse,wegen ihrer glatten und eleganten Ausführung. Auch die Dresdener Magdalena ist eine ihrem geistigen Gehalt nach völlig indifferente Genrefigur, aber sie ist wundervoll gemalt. Das blonde Haar, das porzellanglatte Fleisch und das blaue Gewand vor der dunklen Wand der Höhle mit dem Durchblick in die Landschaft sind nur Probleme, die sich der Künstler gestellt hat, um seine Herrschaft über die durch das Licht abgetönte Farbe zu zeigen, und das feine Helldunkel verrät uns den Nachahmer Correggios. Das berühmte Bild — dessen hohe künstlerische Qualität ein als Gegenstück gemalter, viel geringerer ruhender Johannes der Täufer so recht ins Licht stellt — wird schon in dem Inventar von 1754 aufgeführt. Winckelmann und Mengs haben es noch gesehen.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

Dresdner Galerie POMPEO BATONI 1708-1787