Kategorie: Preussische Königsschlösser

Verzeichnis der Abbildungen unten.


















































Bildverzeichnis:

Belvedere im Park von Sanssouci
Berlin – Palais Kreutz-Klosterstraße
Berlin – Prinzessinnenpalais
Berliner Schloß – Haupttreppenhaus
Berliner Schloß – Schlütterhof II
Berliner Schloß – Schlütterhof
Berliner Schloß Teesalon
Charlottenburg Bibliothekspavillon
Gräflich Schwerinsches Palais
Kolonnade beim Neuen Palais
Lusthaus des Großen Kurfürsten in Bornim
Marmorpalais bei Potsdam – Ankleidezimmer
Marmorpalais bei Potsdam – Großer Saal
Marmorpalais bei Potsdam – Vorderseite
Marmorpalais bei Potsdam
Marstall beim Potsdamer Stadtschloß Risalit
Neues Palais bei Potsdam
Palais Schulenburg
Palais Schwedt in Berlin
Park von Sanssouci
Potsdam – Rechter Kommunsbau beim Neuen Palais
Potsdam – Villa Charlottenhof
Potsdam Neues Palais
Prinzessinnenpalais
Salon im Schloß Freienwalde a. d. Oder
Sanssouci – Park und Schloß
Schloß Charlottenburg – Goldene Galerie
Schloß Charlottenburg – Goldener Saal
Schloß Charlottenburg – Orangeriesaal
Schloß Charlottenburg
Schloß Monbijou im Originalzustand
Schloß Paretz – Gartensaal mit gemalten Tapeten
Schloß Paretz – Mittelteil der Rückfront
Schloß Paretz – Schlafzimmer Friedrich Wilhelm III.
Schloß Rheinsberg – Saal
Schloß Rheinsberg – Seeseite
Schloß Sanssouci Rückfront
Schloß Sanssouci Vorderfront
Schloß Schwedt a. d. Oder – Gartenfront
Stadtschloß Potsdam – Bronzesaal
Stadtschloß Potsdam – Hof und Hauptrisalit mit Treppenhaus
Stadtschloß Potsdam – Konzertzimmer Friedrich des Großen
Stadtschloß Potsdam – Speisezimmer
Stadtschloß Potsdam – Vorderfront
Stadtschloß Potsdam mit der Kolonnade vor der langen Brücke
Waisenhaus der Luise Henriette beim Schloß Oranienburg
Schloß Oranienburg
Schloß Berliner Schloß nach Schlüters Entwurf
Schauspielhaus im Park von Charlottenburg
Palais Prinz Heinrich

Siehe auch:
Preussische Königsschlösser – Vorwort
Bedeutung und Charakter der Preusischen Königsschlösser
Geschichtlicher Überblick über die Preussischen Königsschlösser
Der Grosse Kurfürst und die Frühzeit Kurfürst Friedrichs III.
Das Berliner Schloss Friedrichs I. und Andreas Schlüter um 1700
Weitere Schlossbauten Friedrichs I.
Die Zeit Friedrichs Wilhelms I.
Die Schlossbauten Friedrichs des Grossen nach dem Siebenjährigen Krieg
Die Schlossbauten Friedrichs des Grossen nach dem Siebenjährigen Krieg II
Preussische Königsschlösser – Schluss

Weitere Stadtansichten:

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Geschichte der deutschen Baukunst in Bild
Deutsche Baukunst des Mittelalters und der Renaissance in Bild
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Potsdam
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Dresden im 16. JAHRHUNDERT
Dresden im 17. JAHRHUNDERT
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Dresden VON 1830 BIS ZUR GEGENWART
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Sächsische Burgen und Schlösser
Charakter-Bauten des Auslandes : Frankreich

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Architektur im Dritten Reich – Das Problem der Hochbauten
Architektur im Dritten Reich – Erfahrungen mit städtischen Siedlungsbauten
Architektur im Dritten Reich – Die Altstadt als Schutzgebiet
Die Schlösser Friedrichs Wilhelms II. und der Frühzeit Friedrichs Wilhelms III.
Schlossbauten Friedrichs Wilhelms III. , Friedrichs Wilhelms IV. und Wilhelms I.

Abbildungen Preussische Königsschlösser

Die zweihundertjährige glanzvolle Geschichte der preußischen Königsschlösser von dem Großen Kurfürsten bis zu Friedrich Wilhelm IV. hat um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Abschluß erreicht. Schon die letzten Unternehmungen Friedrich Wilhelms IV. stehen unter der Einwirkung des Stilverfalls, der in den vierziger Jahren die schon in ihrer Lebenskraft geschwächte Baukunst allgemein betroffen hat. Die Könige haben diesem Stilverfall Vorschub geleistet — natürlich unbewußt —, indem sie glaubten, weiter nach dem Vorbilde der absoluten Fürsten der vorangehenden Jahrhunderte repräsentative Bauten schaffen zu müssen, während das Zeitalter bereits andere Gewalten heraufgeführt hatte. Einen tiefgehenden Einschnitt bezeichnet in der Stellung der Fürsten die Revolution des Jahres 1848, die das Volk in weitgehendem Maße an der Regierung des Landes beteiligte. Es kennzeichnet den romantischen Sinn Friedrich Wilhelms IV., daß er nach dieser Revolution die Ausführung seiner Schloß- und Parkideen in Potsdam fortgesetzt hat. Sein Nachfolger, der hochselige Kaiser Wilhelm L, der als Mensch so sehr von dem träumerischen Wesen seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. sich unterscheidet, hat kein tieferes Verhältnis zur Kunst besessen. Wo er seinen Kunstsinn betätigen möchte, in seinem Berliner Palais, in Neubabelsberg und in Potsdam: überall springt das in die Augen. Auch Friedrich III. und seine englische Gemahlin Viktoria, die in den sechziger Jahren zuerst im Kronprinzenpalais und im Charlottenburger Schloß im ersten Stock sich einrichteten, haben trotz ihres Interesses für die Kunst sich nicht durch einen feineren Geschmack ausgezeichnet.

Das mancherlei Mißlungene, was die späteren Hohcnzollern als Kinder ihrer Zeit geschaffen, wiegt federleicht gegenüber dem, was das Geschlecht an hervorragenden Leistungen in den zwei vorangehenden Jahrhunderten hervorgebracht hat, wofür diese Darstellung der preußischen Königsschlösser Zeugnis ablegt.

Das Gefühl der Dankbarkeit des Volkes gegenüber seinem ehemaligen Herrscherhause verbietet alle nicht unbedingt gebotenen Eingriffe in die künstlerische Erbschaft, die ihm durch die Staatsumwälzung zugefallen ist. Man kann diese Dinge nicht bloß als Kunstwerke mit den Augen des Ästheten betrachten, sondern Empfindungen anderer, vielleicht wichtigerer Art hegt das preußische Volk dieser Hinterlassenschaft gegenüber. Mit den Gestalten Friedrich Wilhelms IV., König Wilhelms I. und Friedrichs III. verknüpfen sich zu viele Erinnerungen an unsere vaterländische Geschichte, die uns in vielfachen Beziehungen teuer sind, so daß wir an ihre Schöpfungen nicht voreilig Hand anlegen wollen. Und es ist ein schönes Zeichen für das Pietätsgefühl selbst des kleinen Mannes gegenüber der früheren Dynastie, daß alle vorschnellen Eingriffe dieser Art von der öffentlichen Meinung einmütig abgelehnt worden sind. Man darf ja auch, wenn man Friedrich Wilhelm IV. seine oft nicht günstigen Zutaten im Parke von Sanssouci zum Vorwurfe macht, nicht vergessen, daß dieser wohlwollende Monarch im weiten Umkreise um Potsdam, an den Ufern der Havel und auf den Höhen die Pflanzungen und Parkanlagen geschaffen hat, die den Abschluß der von dem Großen Kurfürsten in die Wege geleiteten Kultivierung und Verschönerung der Gegend darstellen und die heute, voll herangewachsen, alljährlich Millionen der arbeitenden Großstadtbevölkerung Erholung und Erhebung gewähren. Mit vollem Rechte hat deshalb der öffentliche, gesunde Sinn die Vorschläge der letzten Tagung für Denkmalpflege in Potsdam, die Erinnerungen an Friedrich Wilhelm IV. zu beseitigen, zurückgewiesen.

Eine Forderung, die aber mit Recht erhoben worden ist und hiermit erneut erhoben wird, ist die der Fruchtbarmachung des in unseren ehemaligen preußischen Königsschlössern dem Staate zugefallenen künstlerischen Nationalgutes im Dienste der künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit des Landes.

Text aus dem Buch: Preussische Königsschlösser, Verfasser: HERMANN SCHMITZ.

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Preussische Königsschlösser – Vorwort
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Das Berliner Schloss Friedrichs I. und Andreas Schlüter um 1700
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Preussische Königsschlösser

PRINZLICHE PALAIS / CHARLOTTENHOF/GLIENICKE / NEUBABELSBERG UND POTSDAM- SCHINKEL /PERSIUS/ HESSE UND ANDERE

Auch nach den Freiheitskriegen und bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus hat die Tätigkeit des Hohenzollernhauses auf dem Gebiete des Sehloßbaues ungemindert fortgedauert. Aber die Schöpfungen dieser Epoche des langsam sinkenden Architekturempfindens können in einer kurzen kritischen Darstellung nur einen untergeordneten Platz einnehmen.

Gegenüber den Werken von Schlüter, Knobelsdorff und Langhans dürfen die nach 1815 von Schinkel und seiner Schule errichteten Schlösser nicht den Anspruch einer gleich eingehenden Behandlung erheben.

Schinkel selbst hat in dem Jahrzehnt nach den Freiheitskriegen für den König und seine Söhne Friedrich Wilhelm IV., Wilhelm I., Karl und Albrecht eine Reihe von Um- und Neubauten ausgeführt, beziehungsweise die Entwürfe dazu geliefert. Für den König den schönen, viereckigen Bibliothekspavillon im Charlottenburger Park hinter dem Ostflügel Friedrichs des Großen, im Inneren mit groteskenWandmalereien (Tafel64 oben). Für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. das Schlößchen Charlottenhof in dem von Lencc angelegten Parke südlich vom Parke von Sanssouci (Tafel 64 unten). Das aus einem Landhause des 18. Jahrhunderts umgebaute Schlößchen ist in griechischen Formen gehalten, mit einer dorischen Säulenhalle auf der Rückseite, die sich zu der von einer Pergola eingefaßten und hinten durch einen halbrunden, säulenumschlossenen Sitz begrenzten Gartenterrasse öffnet. Das Innere, das die feinen Raumverhältnisse des älteren Baues bewahrt hat, ist durch die farbigen Papiertapeten und die schlichte Möbelausstattung im Biedermeierstil ausgezeichnet. Die Villa war gedacht als Mittelpunkt einer großen Anlage in der Art der Villen des Plinius, doch ist nur Einiges, wie das „Hippodrom“ gegenüber und rückwärts am See das römische Haus mit einem säulenumstellten Atrium und Malereien im pompejanischen Geschmacke, zustande gekommen. Im Berliner Schloß richtete Schinkel 1825 für das Kronprinzenpaar eine Wohnung im ersten Stocke nach dem Schloßplatz ein, von der der viereckige Teesalon mit Wandgemälden und ein Saal mit korinthischer Säulenstellung einigermaßen erhalten sind (Tafel 63). Die Wohnräume des kunstbegeisterten, feinsinnigen Kronprinzenpaares im Schloß und in Charlottenhof sind in farbigen Aquarellen in der Hausbibliothek überliefert. Für den Prinzen Karl erbaute Schinkel in Glienicke in dem wundervollen Park an der Havel das Schloß und den Teesalon in ganz schlichten Formen, beide noch den schönen ockergelben Ton des alten Bewurfs tragend. An der Ecke des Parks, wo die schöne, von Schinkel erbaute Backsteinbrücke über die Havel durch eine besonders ungünstige Eisenbrücke unter dem letzten Kaiser ersetzt worden ist, entstand ein Rundbau nach dem Vorbilde des Lysikratesdenkmals in Athen. In Berlin baute Schinkel für den Prinzen Karl das früher genannte, von de Bodt entworfene Johanniterpalais am Wilhelmsplatz in griechischen Formen um. Neben Charlottenhof gehören diese Schöpfungen zu den glücklichsten des Meisters. Im Inneren des Berliner Palais verdient die lange Galerie mit Malereien nach Schinkels Entwürfen einen bevorzugten Platz unter seinen dekorativen Malereien. Für den Prinzen Albrecht gestaltete der Meister das Innere des gleichfalls erwähnten ehemaligen Palais Vernezobre in ähnlicher Weise um, mit Treppenhaus und Mittelsaal. Auch das Äußere, namentlich die Kolonnade an der Straße, verdankt Schinkel einige Umänderungen; in dem herrlichen Park errichtete er in Backstein die leider dieses Jahr dem Abbruch verfallenden Backsteinbauten des Marstalls und der Reitbahn. Für Prinz Albrecht entstand ferner nach Schinkels Entwürfen das große Schloß Kamenz in Schlesien in Formen eines gotischen Kastells.

Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., ließ sich Anfang der dreißiger Jahre durch den jüngeren Langhans, den Schöpfer des schönen Leipziger Theaters, an der Ecke des Opernhausplatzes Unter den Linden an Stelle des ehemalig markgräflich Schwedtschen Palais ein Palais errichten, das im Äußeren zu den vornehmsten Bauten der Epoche gehört. Das Innere, das eine sehr glückliche Grundrißanlage aufwies, ist später durch Strack und andere umgestaltet worden und bietet heute durch die Überladung mit geschmacklosem Haus- und Zierat keinen günstigen Eindruck dar. Auf der Höhe des Babertsberges gegenüber von Glienicke schuf sich der Prinz nach Skizzen Schinkels das Schloß Neubabclsberg im englisch-gotischcn Stile, das durch Persius und Gottgetreu erweitert worden ist. Als Architektur von geringer Bedeutung wirkt das Schloß doch im Rahmen der von Lenee und Graf Pückler Muskau geschaffenen Parklandschaft mit, die den Blick auf die Havel und Potsdam schweifen läßt. Im Inneren gleicht es dem Berliner Palais an Geschmacklosigkeit.

Im Augenblicke der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV., 1840, starb Schinkel, und so kamen die großartigen Pläne, die der mit so reicher Bauphantasie begabte Monarch mit dem Meister für die Anlage eines weitläufigen Schlosses am Südufer der Havel hinter Potsdam ausgearbeitet hatte, nicht zur Ausführung. In Schinkels Schüler Persius fand Friedrich Wilhelm IV. einen Meister, der seine Ideen ins Leben zu führen geeignet war. Persius ist bereits einen Schritt weiter als Schinkel auf dem Wege zur Romantik gegangen, indem er den Stil der italienischen Villen und der altchristlichen Kirchen in einer zeitgemäßen malerischen Auffassung an die Ufer der Havel übertragen hat. In dieser Richtung liegt der Reiz seiner Bauten, unter denen die Heilandskirche am Rande des Parks von Sakrow und die Erlöserkirche am Eingänge des Parks von Sanssouci als Kirchenbauten und die Pförtner-, Gärtner- und Försterhäuser im Parke von Sanssouci und im Wildpark erwähnt seien. Zahlreiche kleine Bauten, teils in klassischem, teils in italienischem Villenstil, auch einzelne gotisierende Bauten schuf Persius in dem Parke von Glienicke, im Neuen Garten und in Charlottenhof. Ein Grundzug der Persiusschen Kunst ist der Bruch mit der strengen Symmetrie, die teilweise Schinkel noch beibehalten hatte, zugunsten der malerischen Wirkung, ein folgenschwerer Schritt für die Zukunft Fre lich starb Persius bereits im Jahre 1845. Sein Nachfolger wurde Hesse, dessen schönste Schöpfung beiläufig die Berliner Tierarzneischule von 1840 ist. Er führte auf dem Pfingstberg die mächtige Schloßanlage mit den beiden Pavillons aus, die die Landschaft um Potsdam weithin beherrschen. Auf dem Hügelzuge zwischen Sanssouci und dem Belvedere Friedrichs des Großen schuf Hesse in den Formen der Villa Borghese die ausgedehnte Orangerie, die durch die unglückliche Treppenanlage des letzten Kaisers in ihrer Wirkung sehr gelitten hat. Doch ist der Bau an sich das Zeugnis einer bereits erstarrten architcktonischen Empfindung. Die Ausstattung des Inneren mit reichen Möbelgarnituren, Seidenbespannungen und vergoldeten Schnitzereien im Geschmacke des zweiten Rokokos veranschaulicht in selten klarer Weise den Abstand dieser künstlichen Neubelebung von dem Originalstile des Rokokos hundert Jahre früher, den man wenige Schritte entfernt im Schlößchen Sanssouci vor sich hat. Ein verhältnismäßig feines Werk ist das kleine Schlößchen Lindstaedt, das der König am Ende des Hügelzugcs bei Eiche durch Arnim erbauen ließ. Im Park und auf der Terrasse und um die Fontäne von Sanssouci hat der König eine Reihe von oft wenig glücklichen Marmordenkmälem errichten lassen. Er hat, die Arbeiten Friedrich Wilhelms III. fortsetzend, den Park durch Lcnec im englischen Stile umwandeln und stellenweise erweitern lassen.

Im Berliner Schlosse hat der König ebenfalls eine Reihe von Um- und Ausbauten vorgenommen. Stülcr errichtete die Kuppel mit achteckigem Tambour über dem Eosanderportal in guten Verhältnissen, im Inneren die Kapelle. Unglücklich sind die Bereicherungen der Paradekammern, z. B. die vergoldeten Zinkgußtüren. Den weißen Saal hat Stüler in den fünfziger Jahren umgebaut. Doch ist diese Ausstattung, von der uns farbige Aquarelle eine Anschauung bewahren, abermals durch den letzten Kaiser nach Entwürfen Ihnes umgeändert worden. Dieser reich mit Marmor verkleidete, prunkvolle, weiße Saal zeigt an den Wänden die Statuen der Hohenzollernfürsten vom Großen Kurfürsten bis zu Kaiser Friedrich III. Noch steht hier der Thronbaidachin, unter dem Wilhelm II. im August 1914 die Kriegsproklamation unter tiefster Bewegung der Versammelten verlaß. Und niemand ahnte, daß vier Jahre später der preußische Thron zusammenstürzen sollte.

Text aus dem Buch: Preussische Königsschlösser, Verfasser: HERMANN SCHMITZ.

Siehe auch:
Preussische Königsschlösser – Vorwort
Bedeutung und Charakter der Preusischen Königsschlösser
Geschichtlicher Überblick über die Preussischen Königsschlösser
Der Grosse Kurfürst und die Frühzeit Kurfürst Friedrichs III.
Das Berliner Schloss Friedrichs I. und Andreas Schlüter um 1700
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Preussische Königsschlösser

KÖNIGSKAMMERN / MARMORPALAIS / PFAUENINSEL / BAUTEN IN CHARLOTTENBURG / FREIENWALDE / PARETZ USW. – KARL GOTTHARD LANGHANS / DAVID GILLY / GENTZ UND CATEL

Erst unsere Generation hat die Bautätigkeit des Nachfolgers und Neffen des großen Königs, Friedrich Wilhelms 11. (1786—1797), in ihrer Bedeutung erkannt. Ja, die Schloßbauten dieses politisch und menschlich seinem Oheim so sehr nachstehenden Preußenkönigs erfreuen sich gegenwärtig einer größeren Schätzung bei der Künstlerschaft, als die Schöpfungen des großen Königs aus seiner späteren Zeit. In diesen scheint oft, einer eigensinnigen Vorliebe des alten Fritz zufolge, eine Überladung mit plastischem Schmuck, eine selbst theatralische Verwendung großer Säulenstellungen den tektonischen Gehalt der Bauten zu überwuchern — um nur die von Gontard erbauten Kuppelkirchen auf dem Gendarmenmarkt und die von Unger nach Fischer von Erlach kopierte alte Berliner Bibliothek zu nennen. Noch in den Anfang der Rcgierungszcit des neuen Königs ragen die Zeugnisse des friderizianischen Stils hinein, wofür die für die Königin 1789 nach Ungers Zeichnung von Scheffler ausgeführten Vordergebäude vonMonbijou einBeispiel sind. Gontards und Ungers Fassaden dieser letzten Epoche ist die reiche Verwendung von Louisseizemotiven, von Pilastern, von Tuchgehängen, plastischen Tafeln und Konsolen eigentümlich. Auch haben sie bis zuletzt eine Vorliebe für reichen Figurenschmuck auf der Attika. In Monbijou haben Bettkober, Bardou, der jüngere Meyer, Melzer und andere Vorläufer Schadows sich in den Figurenschmuck geteilt — ähnlich wie an den Königskolonnaden Gontards — jetzt im Kleistpark — und an so manchen der damals vom König erbauten Brücken über die Stadtgräben.

Der frühklassizistische Stil, der mit Friedrich Wilhelm II. in die preußische Schloßarchitektur einzieht, stellt doch einen Gegensatz zu dem dekorativen Louisseizestil dar, der in der Spätzeit Friedrichs des Großen fast gegen den Willen des alten Königs eingedrungen war.

Unzweifelhaft kommt in den Schöpfungen des neuen Königs ein neues Wollen zum Ausdrucke. Der frühklassizistische Stil in der deutschen Baukunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts hat in Berlin eine künstlerische Kraft entwickelt, die alle übrigen deutschen Kulturmittelpunkte übertroffen hat. Umstände geschichtlicher und geistiger Art haben Berlin damals zum Mittelpunkte der künstlerischen Energie im deutschen Bauwesen gemacht. Das von Friedrich Wilhelm II. errichtete Brandenburgertor steht unter den Denkmälern des Frühklassizisxpus überhaupt mit an der Spitze. Um dieses wundervolle Bauwerk gruppieren sich eine Reihe ausgezeichneter weiterer Schöpfungen Friedrich Wilhelms II. Ein besonderes Glück für uns ist der unvergleichliche Reichtum an wohlerhaltenen Zeugnissen der Innenausstattung in den Schlössern aus den Jahren von der Thronbesteigung Friedrich Wilheims II. bis zum Ausbruche des Krieges 1806. Der Bruch mit der Vergangenheit ist selten so rücksichtslos gewesen, wie in der Umwandlung des Schlaf# und Arbeitszimmers, des Sterbegemachs Friedrichs des Großen in Sanssouci, die der neue König bald nach dem Tode seines Oheims durch den aus Dessau berufenen Freiherrn von Erdmannsdorff vornehmen ließ. Erdmannsdorff, der Schöpfer des Schlosses Wörlitz, kam als der Bahnbrecher eines reinen Geschmacks, als der Überwinder des Rokokostils, und hier in Sanssouci scheint er durch radikale Umänderung der von Hoppenhaupt so glanzvoll ausgestatteten beiden Rokokogemacher im strengsten pompejanischen Geschmack mit besonderem Nachdrucke haben zeigen wollen: wie die edle Einfalt der Griechen dem tändelnden Rokokozeitalter ein Ende gemacht habe. Aber mit diesen kühlen Formen ist der lebenssprühende Geist des großen Königs aus seinem Arbeits- und Schlafzimmer entwichen.

Im Berliner Schloß schuf Erdmannsdorff zusammen mit Karl von Gontard für Friedrich Wilhelm II. in den Jahren 1786—1788 eine Reihe von Gesellschafts- und Wohngemächern, die Königskammern im ersten Stocke nach dem Lustgarten, die zum größeren Teile noch erhalten sind. Von Gontard stammen der Thronsaal mit dunkler Plüschbespannung in reichvergoldeter Schnitzerei mit fast noch barocker Decke und der entzückende Konzertsaal des musikliebenden Königs mit vergoldeter Schnitzerei auf zartgetönten Boiserien im Louisseizestil. Unter Erdmannsdorffs Räumen stehen voran der große Säulensaal mit gelben Säulen vor silbergrauem Grunde (im Risalit) und der davorgelegene Parolesaal, ebenfalls mit silbergrauen Wänden, beide mit Stuckmarmor verkleidet und mit weißen Stuckreliefs von der Hand des kurz vorher aus Rom zurückgekehrten Gottfried Schadow geschmückt. Eine charakteristische Schöpfung Erdmannsdorffs ist ferner der Speisesaal mit pompejanischen Ornamentmalereien und mythologischen Darstellungen von Rosenberg und Fischer, eine jener gemalten Dekorationen, die Erdmannsdorff nach dem Vorbilde römischer Barockräume zuerst in Wörlitz angewendet hat. Die figürliche Malerei in der Art des Raphael Mengs verbindet sich hier mit Grotesken Raphaels und der Mode gewordenen Ornamente von Herkulanum und Pompeji. In den meisterhaften Stuckverzierungen der Decken und in den Malereien der Decken und Supraporten wie auch in den Marmorkaminen meist römischer Herkunft berühren sich die übrigen ehemals zur Bildergalerie bestimmten seidenbespannten Räume ebenfalls mit Wörlitz. Einige vertäfelte und gemalte Räume der Königin im Schlosse Monbijou sind eng verwandt und teilen sich mit den Königskammern in den ehemaligen Bestand an Möbeln und Ausstattungsstücken, unter denen einige Prachtmöbel David Röntgens aus Neuwied, Mahagoni mit eingelegten Bildern und feuervergoldeten Bronzen, hervorragen.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Berliner Schlosses nach dem Schloßplatze zu richtete um 1790 Karl Gotthard Langhans eine Reihe von Räumen für die Königin Ulrike Friederike ein, von denen ein großer ovaler Saal mit eingestellten Säulen aus Stuckmarmor und ein kleinerer mit Reliefs von Schadow und flachen Pilastern noch erhalten sind; sie gehörten mit der Flucht der Räume des ersten Stocks bis zur Spree zur Wohnung des letzten Kaiserpaares. Langhans war im Jahre 1787 nach Berlin berufen worden und hat als Schloßbaudirektor die Mehrzahl der Bauten Friedrich Wilhelms II. geschaffen. Schon früher ist der Künstler aus seiner Heimat Schlesien wiederholt nach Berlin gekommen, um hier einige Säle im neuen Geschmack einzurichten. Vielleicht ist der von dem Prinzen Heinrich in seinem Berliner Palais, der heutigen Universität, um 1765 angeordnete große Saal, die heutige Aula, ein Frühwerk Langhans’. Untergegangen ist der ovale Saal im Palais des Ministers von Zedlitz um 1779, den Nicolai als eines der frühesten Denkmäler des neuen Stils ausführlich beschreibt. Dafür ist erhalten der ebenfalls der Frühzeit angehörige herrliche Saal im „niederländischen Palais“ Unter den Linden neben dem Palais Kaiser Wilhelms I. Langhans bevorzugte bei seinen Sälen langrechteckige Grundrisse, die an den Schmalseiten durch vorgestellte Säulen abgerundet wurden, so daß die Form des Saales ins Oval übergeführt erscheint und die Türen in zurückliegenden Ecknischen sitzen. Außer den genannten ist noch der große Saal in Bellevue mit weiblichen Hermen als Gesimsträgern zu nennen.

Die bedeutsamste Schöpfung Friedrich Wilhelms II. ist das Marmorpalais im neuen Garten am Heiligen See bei Potsdam, das im Anfänge der neunziger Jahre zugleich mit dem großen, reich mit Baulichkeiten durchsetzten Park entstand. Das Äußere des auf einer Terrasse in den See vorspringenden Schlosses ist noch von Gontard ausgeführt, das letzte Werk dieses hervorragendsten Baumeisters der Spätzeit Friedrichs des Großen, in der Anlage und Ausführung völlig abweichend von dem Stil, der unter Friedrich herrschend war (Tafel 53). Das würfelförmige, zweistöckige Gebäude in grünlichweißem schlesischen Marmor und rotem Backstein, nur durch ganz flache Vorsprünge, durch knappe Gesimse und flache Relieftafcln gegliedert, mit einem Belvedere auf dem flachen Dach und mit vorspringenden niedrigen Flügeln, ist ein Ableger der holländisch-englischen neupalladianischen Villenarchitektur des späteren 18. Jahrhunderts. Wundervoll ist die Steinmetzarbeit an den figürlichen Reliefs und an den Gehängen der Tafeln über den Fenstern, namentlich auf der Rückseite unter dem Säulenbalkon auf der Terrasse. Überhaupt verdient das musterhafte Verhältnis der ornamentalen und figürlichen Reliefarbciten unter Schadows Einfluß an allen Bauten dieser Schule höchstes Lob. Die Puttengruppe auf dem Belvedere hat der Kupferschmied Jury getrieben, derselbe, der Schadows Quadriga auf dem Brandenburgertor gefertigt hat. Das Innere des Marmorpalais ist von Langhans ausgeführt. Das hohe Treppenhaus mit Säulenstellung, der Grottensaal dahinter und der große Saal im ersten Stock nach dem See (Tafel 54) sind wieder mit weißen oder zartgetönten Stuckmarmorflächen verkleidet, während die übrigen Zimmer durch gemalte oder furnierte Holzvertäfelungen oder durch Seidenbespannungen im feingeschnitzten Rahmenwerk ausgezeichnet sind (Tafel 55, 56). Wie in Erdmannsdorffs Königskammern, so ist auch

in Langhans Raumausstattungen, besonders hier im Marmorpalais, die Einwirkung der englischen frühklassizistischen Dekoration in der Art des Robert Adam unverkennbar, wie denn auch Wedgwoodsteingut, englische Stiche und Stühle in der Art von Hepplewhite und Sheraton zur Einrichtung gehören. Vor allem ist der Park selbst mit seinen malerischen Ufern und Nadelholz? und Laubgruppen, mit gotisierenden und ägyptisierenden Gebäuden unter Einwirkung des englischen Ge? schmacks entstanden. Ein köstliches Denkmal der vollendeten Kunst in der Innenausstattung ist das nach einer Idee der Gräfin Lichtenau, der Geliebten des Königs, als Burgruine erbaute Schlößchen auf der be? nachbarten, in der Havel gelegenen Pfaueninsel. Als ein Zeugnis einer kaum zu überbietenden Vollendung in der Behandlung verschieden gemaserter Holzarten ist der große, ganz vertäfelte Saal mit Pilastern im ersten Stocke zu nennen. Die übrigen Zimmer sind wegen ihrer teilweise wohlerhaltenen geblümten Tapeten und Kattunbespannungen und der vortrefflichen Berliner Möbel beachtenswert. Auch der durch uralte Eichen ausgezeichnete Park der Pfaueninscl ist mit Baulichkeiten in romantischer Gotik belebt, einer Meierei, einem Kavalierhaus am Ostende, wo sich der Blick über weite Schilfflächen fort zur Havel und zum Wannsee eröffnet.

Der König plante ein großes gotisches Schloß auf dem Pfingstberge, bis zu dessen Fuß der Neue Garten sich erstreckt. Glücklicherweise ist cs nicht zur Ausführung gekommen. Uber den sentimentalen Spiele? rcien, mit denen Friedrich Wilhelm II., als ein Kind seiner Zeit, seine Parkschöpfungen zu durchsetzen liebte, ist nicht der reiche Segen zu vergessen, den die großgeplanten Parkschöpfungen dieses Königs für die nachkommenden Geschlechter bedeuten.

Auch den Schloßpark von Charlottenburg hat er im englischen Stile umgewandclt. Hier errichtete Langhans zwei seiner köstlichsten Bauten. Das Theater am Ende der Eosanderschen Orangerie (Tafel 57), dessen entzückender Zuschauerraum noch wenige Jahre vor dem Kriege ohne Ursache zerstört wurde, und am Ende des Parks an der Spree das Belvedere von ovalem Grundriß mit vier Anbauten. Beide Gebäude verraten das Studium genuesischer Paläste, leider aber sind sie seit Ersatz des schönen ockergelben Putzes durch einen grauen Putz vor etwa zehn Jahren stark beeinträchtigt. Im Ostflügel Friedrichs des Großen ließ sich Friedrich Wilhelm II. um 1795 eine Reihe von Zirm mern im ersten Stock einrichten, die zu dem schönsten gehören, was der deutsche Frühklassizismus an Wohnungsausstattungen hervorgebracht hat. Die schlichten Möbel in Mahagoni- und Zedernholz und die geblümten Seiden- und Papierbespannungen, die Tonöfen aus der Ungerschen Fabrik und mancherlei Geschirr sind noch wohlerhalten. Ein köstliches Zeugnis der Innenausstattung im frühklassizistischen Stil ist das 1797/98 von David Gilly für die Königinwitwe Ulrike Friederike erbaute Sommerschlößchen in Freienwalde, das inmitten eines großen Parks auf der Höhe über dem alten Badestädtchen an der Oder liegt. Während das schlichte Äußere wiederholt, neuerdings durch den letzten Besitzer, den ermordeten Minister Rathenau, einen leidenschaftlichen Verehrer und einen der Entdecker des Berliner Frühklassizismus, umgestaltet worden ist, birgt das Innere noch eine Reihe von Räumen, darunter den Gartensaal und den Speisesaal, die mit zartgemalten Blumentapeten und zierlichen Möbeln den alten Zustand bewahren (Tafel 58). Über diesen Gemächern der Gemahlin Friedrich Wilhelms II. liegt noch ein Hauch der feineren Kunst des Louisseize als ein Ausklang der eleganten fürstlichen Wohnungskunst des 18. Jahrhunderts.

Ein neuer, bürgerlicher Zug bestimmt dagegen das Landschloß, das sich das Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm III. und Luise gleichzeitig — 1796 bis 1797 — in dem Dorfe Paretz bei Potsdam im Havellande errichtete (Tafel 59). Das von dem Oberbaurat David Gilly erbaute langgestreckte Schloß ist ein Muster des nur durch gute Verhältnisse wirkenden Landhausbaues, wie er in erster Linie durch Gilly selbst in der Mark Brandenburg, in Pommern und den übrigen Provinzen der preußischen Monarchie diesseits der Elbe im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts entwickelt worden ist. Die ehemals in verschiedenfarbigem gelben Putz gehaltenen Fassaden sind nur durch Halbbogenfenster, durch schwach vortretende Vorsprünge, durch knappe Gesimse, vereinzelte Eintiefungen und Fugungen belebt, übereinstimmend mit den beiden zu Ställen dienenden isolierten Seitenflügeln, den angrenzenden Guts- und Wirtschaftsgebäuden und selbst zu den Bauernhäusern, die sich zu beiden Seiten der breiten Dorfaue und des englischen Parks vor und hinter dem Schlosse hinziehen. Das junge Königspaar folgte

einer Strömung dieser Zeit, indem es seinen Sommersitz als ein mitten zwischen Bauernhäusern offenliegendes Gutshaus errichtete. Die Art fürstlichen Wohnens, die sich in Sanssouci und noch im Marmorpalais kundgibt, war nicht mehr zeitgemäß. Es wäre lehrreich, überhaupt aus den verschiedenen Sommersitzen, die sich die Preußenkönige errichteten, die Persönlichkeiten unter dem Gesichtspunkte zu charakterisieren, inwiefern sie sich gerade darin, ungezwungen und im Verkehre mit der Natur, als Repräsentanten ihres Zeitalters darstellen. Das Innere von Paretz zeigt ebenfalls die Verbürgerlichung der fürstlichen Lebensweise (Tafel 60,61). Mit seinen schlichten Mahagoni- und Birnholzmöbeln, den mit Landschaften und Blumen gemalten oder einfarbigen, von Borten umzogenen Papiertapeten, mit den schlichten weißen Stuckkaminen bieten die Zimmer Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise ein Bild der deutschen Lebenskultur dieser uns gegenwärtig so fesselnden Zeit um 1800, wie es nur wenige von gleicher Lebendigkeit gibt. Die symmetrische Anlage des Gebäudes mit dem schmalachteckigen Vestibül und dem mit Landschaftstapeten ausgeschlagenen Gartensaal in der Mittelachse und den beiderseits in zwei durchgehenden Fluchten ansetzenden Zimmern beruht immer noch auf den Lehren der fürstlichen Baukunst des 18. Jahrhunderts.

Die Stadtwohnung, die sich das Kronprinzenpaar bald nach seiner Vermählung im Berliner Kronprinzenpalais einrichtete, ist nur in einzelnen Zeichnungen überliefert. Eine Anzahl köstlicher Möbel und Ausstattungsstücke sind ins Hohenzollernmuseum in Monbijou gelangt. Diese Berliner Möbelkunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts hat — unter Verarbeitung englischer Einwirkungen — die Grundlage geschaffen, auf der im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts die blühende Berliner Möbclkunst des Biedermeier erwachsen ist.

Im Jahre 1804 ließ das Königspaar eine Anzahl von Zimmern im Westflügel des Potsdamer Stadtschlosses einrichten. Unter diesen ist das von dem Architekten Ludwig Catel eingerichtete Etrurische Kabinett in Stuckmosaik aus der Catelschen Mosaikfabrik als Denkmal des deutschen „Directoire“, wenn dieser Name gestattet ist, bcachtenswert. Die übrigen Zimmer sind reich an musterhaften, schlichten Möbeln, meist Berliner Arbeit um 1800. Auch die Räume, die das Königspaar während der französischen Okkupation 1807 bis 1809 im

Schloß in Königsberg bewohnte, sind mit verwandten Möbeln ausgestattet. Nach der Rückkehr im Jahre 1809 ließ die Königin durch den jungen Schinkel einen Salon im Kronprinzenpalais einrichten, der aber nur noch in Entwürfen vorhanden ist. Das Grabmal, das der König im Jahre 1810 seiner frühabgeschiedenen Gemahlin im Charlottenburger Park errichtete, hat der Hofbauinspektor Heinrich Gentz im dorischen Stil erbaut, während Schinkel dazu einen höchst romantischen Entwurf in Gestalt einer gotischen Kapelle geliefert hatte. Gentz, der Schöpfer der unter Goethes Leitung 1802 bis 1804 vollzogenen wundervollen Ausstattung im rechten Flügel des Weimarer Schlosses, hat im Jahre 1811 den schmalen Kopfbau des Prinzessinnenpalais mit strenger Pilastergliederung und den Schwibbogen über die Oberwall-Straße nach dem Kronprinzenpalais erbaut (Tafel 62). Die ausdrucksvolle Behandlung der Formen, z. B. der Quaderung beim Sockel und der Fugenzeichnung am Schwibbogen, ist ein Beleg dafür, wie lange die lebensvolle Empfindung der Baukunst des 18. Jahrhunderts nachgewirkt hat.

Text aus dem Buch: Preussische Königsschlösser, Verfasser: HERMANN SCHMITZ.

Siehe auch:
Preussische Königsschlösser – Vorwort
Bedeutung und Charakter der Preusischen Königsschlösser
Geschichtlicher Überblick über die Preussischen Königsschlösser
Der Grosse Kurfürst und die Frühzeit Kurfürst Friedrichs III.
Das Berliner Schloss Friedrichs I. und Andreas Schlüter um 1700
Weitere Schlossbauten Friedrichs I.
Die Zeit Friedrichs Wilhelms I.
Die Schlossbauten Friedrichs des Grossen nach dem Siebenjährigen Krieg
Die Schlossbauten Friedrichs des Grossen nach dem Siebenjährigen Krieg II

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