Kategorie: Raffael


ZEICHNUNGEN verlangen vielleicht unter allen Kunstwerken beim Betrachter das regste Empfinden. Dem grossen Publikum werden sie darum immer unbekannt bleiben. Selbst bei manchem aus der kleinen Gemeinde, die sie kennt und schätzt, geht ihre Wirkung nicht weiter, als durch das Auge in den Kopf, und jene feinen Schwingungen, für die allein die Saiten im Innern gespannt sein müssen, soll ungetrübter und „interesseloser“ Kunstgenuss entstehen, bleiben bei ihnen ungeweckt.

Nicht weil die Zeichnung die Vorstufe einer Komposition enthält, hat sie für uns Wert — da müssten wir, um sie zu gemessen, erst etwas über sie wissen —; eher schon, weil wir den Künstler darin bei der Arbeit sehen, an seinen Versuchen und Anstrengungen den Stoff zu gestalten teil nehmen, Zeugen seiner Inspiration und seiner Gewissenhaftigkeit sind — aber mit alledem bliebe die Beschäftigung mit Zeichnungen gebildeter oder gelehrter Sport.

Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Raffael