Amor


Raphael Mengs sah die Welt der Kunst mit den Augen dessen, den die Leistungen einer grösseren Vergangenheit zu keiner eigenen Formensprache haben kommen lassen. Als korrekter Zeichner und vorzüglicher Farbentechniker muss er noch heute hoch gestellt werden. Seine Pastellbilder, deren grösste Sammlung die Dresdener Galerie enthält, offenbaren uns eine feine Liebhaberkunst, deren beste Stücke, wie die beiden Selbstporträts des Sechzehnjährigen, nicht übertroffen werden können. — Auch dieser kleine Amor mit den bunten Flügeln, der seinen Pfeil schleift, ist trotz dem etwas leeren Gesichtsausdruck ein feines Bildchen und längst der Liebling der Galeriebesucher geworden. Er wird zuerst in dem Katalog von 1765 erwähnt und ist offenbar unter dem Einfluss der beiden Engelknaben der Sixtinischen Madonna entstanden. Aber als diese 1754 nach Dresden kam, lebte der Künstler schon seit zwei Jahren in Italien.

Aus dem Buch “Album der Dresdner Galerie” von 1904.

Dresdner Galerie RAPHAEL MENGS 1728-1779