Kategorie: Reiterdenkmäler

DAS Problem des Reiterdenkmals ist ein dreifaches. Der Künstler muss zwei organische Gebilde, die, verschieden in ihrer Struktur, sich nach verschiedenen Gesetzen bewegen, zu einem geschlossenen Ganzen verschmelzen; er muss die materiell überwiegende Masse der quantitativ geringeren geistig unterordnen; er muss endlich eine ungeheure Last auf verhältnismässigig schwachen Stützen ruhen lassen. Nur die gleichzeitige Lösung dieser drei Aufgaben verleiht dem Werke Lebenswahrheit und Vollkommenheit, und nur dem ausgezeichneten Künstler ist es vergönnt, beides zu erreichen. Daher hat das Reiterdenkmal stets zu den vornehmsten Aufgaben der Plastik gehört und den wenigen Auserwählten weithin schallenden Ruhm eingetragen.

Wie das Grabdenkmal verdankt auch das Reitermonument der Begierde nach Ruhm, diesem „höchsten von des Lebens Gütern allen“, sein Erscheinen in der christlichen Kunst. Mit dem Grabdenkmal ist es die Lieblingsschöpfung der Monumentalskulptur geblieben seit jenen Zeiten, wo die erste Renaissancebewegung wie ein Vorfrühling über die staunenden Menschen kam. Es ist früh hinaus getreten in die lebendige Tageshelle aus dem Dunst und Dämmer der Kirchen, an deren Wänden, in bleichem, kühlem Marmor prächtig aufgebahrt, ein welker Gelehrtenruhm zu immer tieferem Vergessen hinüberschlief. Wie eine Verkörperung unzerstörbar reckenhaften Heldengeistes stehen dagegen die Reiter mitten im bunt vorüberlärmenden Getriebe des Alltags, erzählen lebendig von ferner Zeiten Kraft und Kühnheit und trotzen allem Vergessen mit dem stolzen Trost der Toten: „denn das irdische Leben flieht, und die Toten dauern immer.“

Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Reiterdenkmäler