Kunstdrucke Meisterwerke der Malerei Rembrandt Kunstdrucke

Irtümlich Johann Sobieski genannt

Geboren zu Leiden 1606, Gestorben in Amsterdam 1669
Holländische Schule

In guter alter Zeit war es Mode, jeden Kopf, jede Studie von Rembrandt auf irgend einen Namen zu taufen. Jeder alte Mann war sein Vater, jede alte Frau seine Mutter; die phantastisch ausstaffierten Orientalen oder Halborientalen galten als Sultane, polnische oder russische Fürsten und Herrscher, und in den Judenköpfen glaubte man bestimmte jüdische Mitbürger Rembrandts zu erkennen, mit denen er bekannt war. Als dann die Kritik anfing diese angeblichen Bildnisse untereinander und mit der Biographie des Künstlers zu vergleichen, sah man ein, dass alle diese unter sich oft ganz verschiedenen Köpfe, deren Entstehung zudem gelegentlich dreissig oder vierzig Jahre auseinander lag, unmöglich alle einen und denselben Mann oder dieselbe Frau darstellen konnten. Man fiel nun in den umgekehrten Fehler, indem man jeden eigentlichen Porträtcharaktcr dieser Bilder ableugnete und nur einfache Studienköpfe darin erkennen wollte. Seitdem wir aber durch die neuere Urkundenforschung mit dem Leben des grossen holländischen Meisters etwas näher vertraut geworden und auch über seine Verwandten und Bekannten einiger-massen unterrichtet sind, haben wir wieder daran gehen können, aus dem ausserordentlichen Vorrat solcher „Studien“ zahlreiche als eigentliche Porträts oder studienartig behandelte Bildnisse von Persönlichkeiten, die dem Künstler nahe standen, herauszusuchen. Es lassen sich jetzt Dutzende von Porträts der Mutter, des Vaters, der Gattin Saskia und der Freundin Hendrikje, von Bildnissen des Bruders, der Schwester, des Sohnes mit mehr oder weniger Sicherheit feststellen. Auch jene für unsere Anschauung phantastisch ausstaffierten Orientalen sind nicht alle bloss arrangierte Studien; es sind offenbar auch eigentliche Porträts darunter. Amsterdam, damals eine Weltstadt neben Paris und die Beherrscherin des Meeres, sah zahlreiche Fremde in seinen Mauern, selbst aus dem fernen Osten: aus Polen, Russland und den slavischen Teilen der Türkei. Als ein solches eigentliches Portrait haben wir das weltberühmte Bild der K. Galerie der Eremitage anzusehen, dessen Nachbildung wir hier geben.

Es geht seit langer Zeit unter dem Namen von Johann Sobieski; da dieser im Jahre 1637 als das Bild nach seiner Inschrift gemalt wurde, erst im dreizehnten Jahre stand, so wird Jene, Benennung schon dadurch hinfällig: das Bildnis eines vornehmen Slavcn, wahrscheinlich eines Polen, haben wir aber zweifellos darin zu erkennen. Der ganze Typus verrät den Südslaven; auch der starke Schnurrbart und seine Form, das kurze Haar und die Tracht sind dafür bezeichnend. Einzelheiten, die Rembrandt gewiss nicht frei erfunden hätte, verraten sogar eine bestimmte hohe Stellung des Dargestellten: so die Krone und die drei Rossschweife darunter, die an einer grossen goldenen Kette von der Schulter herabhängen, ein Zeichen der Beziehungen des Mannes zu der Türkei; er war „Pascha von drei Rossschweifen“. Durch das helle, schräg am Gesicht vorüberfallende Sonnenlicht, durch die kräftigen Schatten, durch die ausserordentlich breite und doch sehr studierte Behandlung erhielt das Bild dieser imposanten Persönlichkeit jene mächtige Wirkung, die es in neuerer Zeit zu einem der gefeiertsten Bilder des heute im Vordergründe des Interesses stehenden Meisters der Malerei gemacht hat.

Weitere Kunstwerkbeschreibungen von Rembrandt:
Rembrandt von Rijn – die Anatomie des Professor Tulp
Rembrandt von Rijn – die sogenannte Danaë
Rembrandt von Rijn – der Künstler und seine Gattin
Rembrandt von Rijn – Christus erscheint der Maria Magdalena
Rembrandt von Rijn – die Nachtwache
Rembrandt von Rijn – Saskia van Uylenborch als Braut des Künstlers
Rembrandt von Rijn – die Staalmeesters
Rembrandt von Rijn – die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

Rembrandt Kunstdrucke

Geboren zu Leiden 1606, Gestorben in Amsterdam 1669
Holländische Schule

Rembrandt gilt mit Recht als einer der besten Interpreten der Bibel. Kein anderer Maler hat so zahlreiche und so mannigfache Motive der Bibel entlehnt und diese in so verschiedenartiger Weise uns vorzuführen gewusst. Eine beträchtliche Zahl, vielleicht die Mehrzahl seiner biblischen Kompositionen, namentlich wie sie uns in seinen Handzeichnungen erhalten sind, ist von anderen Künstlern nur äusserst selten oder überhaupt nicht dargestellt worden. Dabei hat sich Rembrandt treuer als alle andern an den Text der Bibel gehalten; wir sehen, wie er einzelne Züge, die in der Bibel oft nur mit einem Wort angedcutet sind, und die kein anderer Künstler beachtet hat, aufgreift und dadurch treuer und treffender, vor allem innerlicher den Geist der heiligen Schrift und gelegentlich selbst den Lokalcharakter zum Ausdruck bringt. Ausnahmsweise finden wir bei ihm aber auch einmal eine entschiedene Abweichung vom Text der Bibel, wobei den Künstler bald malerische Rücksichten, bald psychologische Gründe geleitet haben. In dem kleinen Bilde, von dem uns hier eine Heliogravüre vorliegt, will man ein rein genreartiges Motiv entdecken: „Hirten bei Nacht“ wird es betitelt. Das ist aber sicher nicht das, was Rembrandt darstellen wollte: die Eltern mit dem kleinen Kinde, die unter einem Baume Rast gemacht haben und sich rüsten, bei einem Feuer die Nacht zuzubringen, waren dem Künstler nicht eine beliebige Hirtenfamilie, er wollte darin die heilige Familie darstellen, die auf der Flucht nach Ägypten ein sicheres Obdach während der Nacht gesucht hat. Aber was sollen dann die Hirten mit ihrem Vieh, die sich nahen und erstaunt, der vorderste knieend wie in Verehrung, auf die Gruppe blicken? Es scheint fast, als habe der Künstler mit der Ruhe auf der Flucht eine Anbetung der Hirten verbinden wollen. Aus malerischen Gründen mag er die Komposition noch dadurch haben bereichern, das Dunkel der Nacht durch die Lichter aufhellen wollen; aber auch ein innerlicher Grund wird ihn geleitet haben: indem er die Hirten in Andacht den Flüchtlingen nahen lässt, charakterisierte er diese als die heilige Familie, bereicherte und vertiefte er das Motiv und liess es als heiliges deutlicher erkennen. Das Bild mit seinen verschiedenartigen Lichtflecken im tiefsten Dunkel ist ein malerisches Wunderwerk, obgleich kaum mehr als eine Skizze, und ein Nachtbild von einer Wahrheit, wie sie selbst ein A. van der Neer nicht erreicht hat; aber trotzdem ist die Stimmung eine ganz einzige, dem Motiv entsprechende: „Stille Nacht, heilige Nacht“ tönt es aus dem Dunkel uns entgegen. Die tiefe Nacht, die hohen Ruinen, durch deren Fenster das Mondlicht fällt, die kleinen flackernden Lichter in der Feme: alles das würde bei einem andern Maler unruhig und unheimlich wirken; hier vereinigt es sich zu einer tiefpoetischen Stimmung stiller Andacht, beseligender Ruhe.

Weitere Kunstwerkbeschreibungen von Rembrandt:
Rembrandt von Rijn – die Anatomie des Professor Tulp
Rembrandt von Rijn – die sogenannte Danaë
Rembrandt von Rijn – der Künstler und seine Gattin
Rembrandt von Rijn – Christus erscheint der Maria Magdalena
Rembrandt von Rijn – die Nachtwache
Rembrandt von Rijn – Saskia van Uylenborch als Braut des Künstlers
Rembrandt von Rijn – die Staalmeesters
Rembrandt von Rijn – Bildnis eines vornehmen Polen

Rembrandt Kunstdrucke

Geboren zu Leiden 1606, Gestorben in Amsterdam 1669
Holländische Schule

Seitdem Rembrandt im Jahre 1656 bankerott erklärt war, und in den folgenden seine ganze Habe und sein Haus mit allen seinen herrlichen Künsten verkauft waren, kam der Künstler aus den bedrängten Verhältnissen nicht wieder heraus. Vereinsamt lebte er, von seinem jungen Sohne Titus und seiner Freundin Hendrickje Stoffels unterstützt, in der abgelegenen Rosengracht; doch hat es ihm an Aufträgen auch hier bis in seine letzten Jahre nicht ganz gefehlt, da seine Kunst, wenn sie auch nicht mehr die Mode war, noch eine Reihe Verehrer hatte. Vornehme und reiche Leute liessen sich noch bei ihm porträtieren; selbst grosse öffentliche Aufträge wurden ihm noch zuteil. Einem solchen verdanken wir das grösste Meisterwerk, das uns von seiner Hand erhalten ist: „Die Staalmeesters“, die Vorsteher der Tuchmacherzunft in Amsterdam. Ober die Bestellung, über den Ausfall des Auftrages wissen wir nichts; keine Urkunde ist darüber erhalten, und die älteren Schriftsteller erwähnen das Bild nicht mit einem Worte. Nur Rembrandts eigene Schrift bezeugt uns die Zeit de: Entstehung des Bildes: es ist zweimal von ihm bezeichnet (vorausgesetzt, dass beide Bezeichnungen echt sind), und neben den Namen finden wir das eine Mal die Jahreszahl 1661, das andere Mal 1662. Die „Nachtwache“, die er zwanzig Jahre vorher vollendete, hat zweifellos in ganz anderem Grade die Aufmerksamkeit auf sich gezogen; wenn auch, namentlich mit der Zeit, manches dagegen eingewendet wurde, so blieb sie doch das Bild, an das man dachte, wenn man von Rembrandts Meisterschaft sprach. Neben der „Nachtwache“ sind die „Staalmeesters“ auffallend einfach, ohne die Eigenartigkeit der Beleuchtung und Handlung, ohne die malerische Anordnung und Ausstaffierung, die jenes Bild einzig in seiner Art erscheinen lassen. Aber gerade in dieser Schlichtheit und Natürlichkeit, in der treffenden Charakteristik und Leibhaftigkeit jedes einzelnen dieser biederen Bürger, in der Einheitlichkeit des Motivs — der Künstler denkt sich die Vorsteher bei der Rechnungslegung vor der Versammlung, der alle den Blick zuwenden , in der klaren, sprechenden Zusammenordnung der Figuren und ihrer Unterordnung unter den leitenden Gedanken, in der malerischen Durchbildung ist das Bild von solcher Gewalt, von so packender Wirkung, von so vollendeter Feinheit, dass sich ihm kaum ein zweites Porträtstück irgend eines Meisters an die Seite stellen lasst. Die prächtige Erhaltung lässt diese Wirkung auch heute noch zur vollen Geltung kommen.

Weitere Kunstwerkbeschreibungen von Rembrandt:
Rembrandt von Rijn – die Anatomie des Professor Tulp
Rembrandt von Rijn – die sogenannte Danaë
Rembrandt von Rijn – der Künstler und seine Gattin
Rembrandt von Rijn – Christus erscheint der Maria Magdalena
Rembrandt von Rijn – die Nachtwache
Rembrandt von Rijn – Saskia van Uylenborch als Braut des Künstlers
Rembrandt von Rijn – die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten
Rembrandt von Rijn – Bildnis eines vornehmen Polen

Rembrandt Kunstdrucke