Kategorie: Schönes Hessenland


Schön ist es, unser Hessenland — wenn auch der Wind rauh über seine Berge pfeift und die Menschen viel Arbeit um ihr täglich Brot haben. Hessen ist ein Bauernland, und so habt ihr Arbeitsmaiden es auch kennengelernt in dem halben Jahr, in dem euch unser Hessen ein Stück Heimat geworden ist.

Vielleicht hattet ihr alle schon von den Städten gehört: von Frankfurt, mit seinem prächtigen Rathaus, dem Römer, dem Goethe-Geburtshaus und seinen trauten alten Gäßchen und Winkeln; von der Nibelungenstadt Worms, von Kassel mit dem Herkules auf der Wilhelmshöhe, von Darmstadt und Mainz, von Marburg und Gießen, den alten Universitätsstädten; von all den berühmten Badestädten: Wiesbaden, Bad Ems, Bad Nauheim, Bad Homburg — aber das Land, das kannten viele von euch nicht, als ihr ins Lager fuhrt — noch ein wenig bange, was euch dort erwarten würde. Und dann fuhrt ihr hinein in das Hessische Bergland — standet am Fenster des Zuges, und manche von euch spürte wohl damals schon, wie schön dieses Fleckchen Erde ist. Da liegt der Odenwald mit seinen dichten Laubwäldern, den Bergen, die in die Rheinebene hinunterschauen, und den schmalen Waldwegen, wo man sich so recht die deutschen Märchengestalten hineindenken kann. Da ist das Hessische Ried, das Neuland in der Rheinebene zwischen Worms und Mainz; dort, wo heute fruchtbare Äcker und Weiden sich an den Ufern des Rheines hinziehen, wo Reihen von Pappeln dunkel gegen den Himmel stehen und neue schmucke Bauerndörfer zu euch hergrüßen, da halfen Arbeitsmänner und Arbeitsmaiden den Boden urbar machen und waren mit ihrer Arbeit dabei, als die Siedler kamen und die ersten Höfe entstanden. Weit geht der Blick hier über das flache Land — und eure Lager liegen mitten darin.

Dann fuhrt ihr weiter von Frankfurt hinauf ins Kurhessische Land, wo die Felder größer und die Höfe stattlicher sind. Da grüßte euch der „Hohe Meißner“, umhüllt von Nebelfetzen und noch bedeckt mit letztem Winterschnee — wo Frau Holle einst ihre Betten schüttelte nach der Sage, und von wo aus deutsche junge Menschen, die Wandervögel, auszogen, um nach der verlorenen Seele ihres Volkes, den Liedern und Märchen wieder zu suchen. Da fuhrt ihr ins Waldecker Land, das sich nach Westfalen hinzieht, wo die Eder sich durch liebliche Wiesengründe windet, vorbei an den Dörfern mit schmucken Fachwerkhäusern und fleißigen Bauern auf den Feldern, in ihrer bunten hessischen Tracht.

Schönes Hessenland