DIE in Köln tätigen Maler waren gewiss nicht sämtlich Kinder dieser Stadt und haben nicht alle ihre Kunst hier erlernt. Dennoch gibt es Gemeinsames genug. Der Geist der Stadt scheint an den Malwerken mittätig gewesen zu sein. Man spricht gern von der kölnischen Malerei, man spricht sogar von der „Kölner Malerschule“, weil Colonia von der Tafelmalerei, die zwischen 1360 und 1560 geübt wurde, mehr als irgend eine andere deutsche Stadt bewahrt hat, und hier allein eine ununterbrochene Kette von Vorstellungen zu erlangen, etwas wie eine Entwickelung zu bemerken ist. Selbst Nürnberg besitzt diesen Reichtum nicht. Köln war im 14. Jahrhundert wohl die blühendste Stadt Deutschlands und blickte damals schon, wie kaum eine andere, auf alte Kultur zurück, die sich glänzend betätigt hatte in mittelalterlichen Kunstübungen, besonders, wie es scheint, in der Glasmalerei, im Email, in der Elfenbeinschnitzerei und in der Wandmalerei.

Wenn in Köln durch die Gunst der historischen Verhältnisse mehr als anderswo an Werken der Tafelmalerei erhalten ist, so ist die Gefahr nahe, dass die Bedeutung dieser Kunststätte überschätzt wird. Von Generation zu Generation, ja von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verfolgen wir die kölnische Malerei durch die beiden Jahrhunderte, in denen es eine deutsche Malkunst gab. In Köln ist das erste dieser Jahrhunderte die Blütezeit. Wer von der oberdeutschen Kunst spricht, denkt an Dürer und Holbein, an die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts; wer von der niederdeutschen Kunst spricht, denkt nicht an Bartel Bruyn, sondern an den „Meister Wilhelm“ und an Stephan Lochner.

Read More Die Kölnischen Maler

Das Museum: eine Anleitung zum Genuss der Werke bildender Kunst Stephan Lochner