Kategorie: Unbekannter Künstler

Alle drei Blätter tragen, wahrscheinlich mit Unrecht, in den Sammlungen, in denen sie aufbewahrt werden, den grossen Namen des liebenswürdigsten aller holländischen Künstler, Gabriel Metsu’s. Am meisten von seiner Kunst hat noch die alte sitzende Frau, deren mit dem plumhen Material der schwarzen Kreide spitz und fein gebildete Silhouette einen klugen, geistreichen Künstler verrät (die Bezeichnung ist nachträglich aufgesetzt, vielleicht rührt das Blatt von dem Nachfolger Metsu’s, Quiryn Brekelenkam her). Zu unsicher in der Zeichnung und zu unplastisch in der Modellierung für Metsu ist der Kavalier mit Pfeife, nur seine romantisch schwungvolle Kostümierung und seine schelmisch verliebten Augen haben etwas von seinem Geiste.

Das dritte Blatt ist sehr viel später: in dem weichlichen Gesicht mit den kleinen, herabfallenden Löckchen am Ohr, in den zierlich gebildeten Fingern und dem knabenhaften Kostüm hat es das Süsse der um 1700 blühenden Kunst und könnte von einem der besten Zeichner dieser Zeit, von Jan Joseph Horemans, herrühren.

Frau mit Buch in den Händen

Rauchender Kavalier

Junger Mann in ein Buch schreibend

Bild und Text aus dem Buch: Handzeichnungen altholla˜ndischer Genremaler (1907), Author: Bode, Wilhelm von, Valentiner, Wilhelm Reinhold.

Unbekannter Künstler

1. Unbekannter Künstler /Kavalier am Kneiptisch

Vergleicht man das vorliegende, 1647 datierte Blatt mit der nachher erwähnten (No. 34) ähnlichen Zeichnung, die etwa dreissig Jahre später entstand, so lässt sich an demselben Sujet beobachten, wie schnell sich die Auffassung änderte. Hier kraftvoller Strich, die Freude an starken Kontrasten von Hell und Dunkel, ein noch ungeschickter, aber persönlicher Stil; dort eine matte, helle Zeichenweise und eine konventionelle Schilderung. Der Bursche mit den breiten Schultern und starken Knieen, mit dem stolzen Federbusch am Hut gehört noch einer wehrhaften, arbeitslustigen Generation an; durch Tages Arbeit hat er sein Glas Bier verdient, müde und steifbeinig sitzt er am Tisch. Der Kavalier der anderen Zeichnung entstammt einem kultivierteren, bequemer lebenden Geschlecht. Er weiss sich geschickt amKneiptisch niederzulassen und ist gewohnt, mit dem Beschauer zu kokettieren. Seine Locken sind künstlich gekräuselt; ein elegant geschweifter Schlapphut bedeckt den Kopf. Der Soldat unseres Blattes hat seinen lustigen Federhut unordentlich aufgesetzt, die Haare fallen ihm struppig in grossen Wellen auf die Schultern.

Bild und Text aus dem Buch: Handzeichnungen altholla˜ndischer Genremaler (1907), Author: Bode, Wilhelm von, Valentiner, Wilhelm Reinhold.

Unbekannter Künstler