Ein Brief Mozarts an den Sprachwahrer und Dichter Geheimrat und Professor Anton von Klein in Mannheim, Mitglied der kurpfälzischen deutschen Gesellschaft:

Hoch Schätzbarster Herr geheimer Rath!
Nachrichten, die zukünftige teutsche Singbühne betreffend kann ich ihnen noch dermalen keine geben, da es dermalen noch – das Bauen in dem dazu bestimmten Kärtnerthortheather ausgenommen – sehr stille hergehet. Sie soll mit Anfangs October eröffnet werden. Ich meinestheils verspreche ihr nicht viel Glück.
Nach den bereits gemachten Anstalten sucht man in der That mehr die bereits vielleicht nur auf einige Zeit gefallene teutsche Oper, gänzlich zu stürzen – als ihr wieder empor zu helfen und sie zu erhalten. Die teutschen Sänger und Sängerinnen dermalen sind leicht zu zählen! Und sollte es auch wirklich so gute, ja auch noch bessere geben, daran ich doch sehr zweifle, so scheint mir die hiesige Theaterdirection zu öconomisch und zu wenig patriotisch zu denken, um mit schwerem Geld fremde kommen zu lassen, die sie hier im Orte besser – wenigstens gleich gut – und umsonst hat.
Wäre nur ein einziger Patriot mit am Brette – es sollte ein anders Gesicht bekommen! Doch da würde vielleicht das so schön aufkeimende Nationaltheater zur Blüthe gedeihen, und das wäre ja ein ewger Schandfleck für Teutschland, wenn wir Teutsche einmal mit Ernst anfingen teutsch zu denken, teutsch zu handeln, teutsch zu reden, und gar teutsch – zu singen!
Dero gehorsamster Diener

Wolfgang Amadé Mozart, 1785

Wolfgang Amadeus Mozart