China und Rom

China Einheitsstaat

Durch Alexander wurde ganz Asien aufgeregt. Die nächste Folge war, daß gegenüber dem mazedonischen Großreiche sich ein indisches erhob. Tschandragupta, der bei den Mazedoniern gedient und die Kriegskunst des Westens erlernt hatte, ein Mann aus niederem Geschlechte, schwang sich zum Herrscher über ganz Hindostan empor. Es war der erste Einheitsstaat auf der Himalajahalbinsel. Eine Kunde von Alexander wird selbst bis China gedrungen sein. Die Besorgnis vor gefährlichen Gegnern ist häufig ein Beweggrund, um Bürgerkriege zu beenden, um aus der Zersplitterung zur Einigkeit zu führen. Man kann es zwar nicht beweisen, aber wahrscheinlich ist es, daß die Errichtung großer, ausdehnungslustiger Herrschaften im Westen und Süden Eurasiens auch auf den äußersten Osten hinübergewirkt hat. Wir hatten China verlassen, als gerade eine Verminderung der vielen Feudalherrschaften schon im Anzuge war. Die Tsin-Herrscher südlich vom Hoangho-Knie hatten bereits zu Anfang des dritten vorchristlichen Jahrhunderts eine überragende Stellung errungen. Sie setzten den Kampf gegen die Nebenbuhler-Teilstaaten fort. Endlich gelang es dem gewaltigen Schi-Hoang-ti 220 v. Chr., sämtliche Teilstaaten zu einem starken Einheitsreiche zusammenzuschweißen und so dem Partikularismus den Garaus zu machen, Schi-hoang-ti war zur Hälfte tatarischen Ursprungs. Er hegte einen Haß gegen die altchinesische Bildung und er ließ alle philosophischen und religiösen Bücher, darunter die Bücher des Konfuzius, verbrennen. Die chinesischen Gelehrten haben daher sein Andenken bis heute mit grimmigem Hasse verfolgt. Nachdem jedoch das Haus der Tsin erloschen war und die Dynastie der Han an ihre Stelle getreten war, da feierte die alte Literatur eine Wiederauferstehung. Aus dem Versteck zog man einzelne Stücke von den Werken des Konfuzius hervor, um sie neuerdings wieder zu vervielfältigen. Andere Schriften suchten einige alte Gelehrte nach dem Gedächtnis niederzuschreiben. Mit den Han zog zugleich auch das größte Zeitalter der Chinesen herauf. Überall wurden Straßen gebaut und mit Karawanenhäusern und Brücken versehen. Die Wissenschaft nahm einen bedeutenden Aufschwung, das Heer wurde neu organisiert. Die Zentralisation der Verwaltung, die schon unter Schi-Hoang-ti begonnen hatte, wurde weiter fortgesetzt.

Text aus dem Buch: Männer, Völker und Zeiten, eine Weltgeschichte in einem Bande, Verfasser: Wirth, Albrecht.

Siehe auch:
Männer, Völker und Zeiten – Anfänge
Der alte Orient und Griechenland
Arier und Chinesen
Juden und Phönizier
Feudalherrschaften in China, Indien, Vorderasien und Hellas
Homer
Assyrer und Perser
Religionsstifter und Philosophen
Perserkriege
Peloponnesischer Krieg
Anfänge Roms
Politischer Niedergang Athens
Alexander der Große