Das deutsche Kolonialmuseum in Berlin

Ganz nahe am Hamburger und Lehrter Bahnhof, nicht weit vom Reichstagsgebäude, steht der hier abgebildete einfache Rundbau, der schon seit einer Reihe von Jahren den Berlinern und vielen Fremden Gelegenheit bietet, sich einigermassen ein Bild über die Natur und Wirtschaft unsrer Kolonien zu machen. Allerdings wird diese Gelegenheit — das müssen wir von vornherein mit Bedauern feststellen — verhältnismässig viel zu wenig benutzt. Eine gewisse Kenntnis kolonialer Dinge gehört heutzutage notwendig zur allgemeinen Bildung, es ist daher umsomehr zu verwundern, dass das Kolonialmuseum nicht ebenso stark besucht wird, wie viele andre Bildungsstätten. Ein paar Rundgänge durch die hier aufgestapelten oder vielmehr übersichtlich und anschaulich geordneten Sammlungen kolonialer Gegenstände aller Art vermitteln die elementaren Kenntnisse auf diesem Gebiet schneller und gründlicher als das Studium kolonialer Bücher, zu dem der Grossstadtbewohner ja doch in den seltensten Fällen kommt.

Die Art der Anordnung des Museums muss entschieden praktisch und instruktiv genannt werden. Man hat sich dort nicht darauf beschränkt, die Gegenstände lediglich nach malerischen oder systematischen Grundsätzen neben einander aufzuhängen oder aufzubauen, sondern man hat auch versucht, dem Beschauer bis zu einem gewissen Grade eine lebendige Anschauung zu ermöglichen. Dioramen, kulissenartige Wandgemälde, zeigen unscharakteristische -Landschaften aus den Kolonien, und im Vordergrund sind in natürlicher Grösse Szenen aus dem kolonialen Leben, namentlich dem der Eingeborenen aufgebaut. Wir sehen diese vor ihren Hütten oder Gehöften bei ihrer täglichen Beschäftigung, nur dass wir es eben nicht mit lebenden Menschen, sondern mit Wachsfiguren zu tun haben.

Zum Beispiel gewährt uns unser zweites Bild aus der Südsee-Abteilung einen Einblick in ein Dorf aus dem Bismarck-Archipel. Im Hintergrund sehen wir den sogenannten „Bienenkorb“, eine Vulkaninsel in der Blanchebucht an der Nordspitze von Neu-Pommern. Im Vordergrund erblicken wir verschiedene Boote und Fischereigerätschaften der Eingeborenen, rechts eine Hütte. Das letzte Bild zeigt uns dieselbe Gruppe näher, verschiedene Arten von Wohnstätten, links oben eine grosse Fischreuse, in der Mitte ein Ahnenhäuschen. Andre Szenen führen uns nach Ostafrika, Kamerun, Togo usw. Doch wir wollen einen kurzen Rundgang durch das Museum antreten, bei dem wir uns natürlich zunächst nur einen allgemeinen Ueberblick verschaffen können.

In der Abteilung Kamerun fesselt uns zunächst der Ausblick auf Victoria. Der dichte, bis unmittelbar an das Meer grenzende tropische Urwald lässt nur an einzelnen Stellen die weissen Gebäude malerisch hervortreten und bietet im Verein mit dem von der Abendsonne beleuchteten Kamerunberg einen herrlichen Anblick. Links anschliessend sehen wir Kamerun-Hütten. Plattform aus Lehm und Gestein, Wände und Bedachungen aus gespaltenen Palmblättern. Innere Einrichtung: Lagerstätten aus Bambus, geschnitzte Hocker, Tanzmasken, Rasseln, Sprachtrommeln.

In der Abteilung Togo finden wir ebenfalls verschiedene Hütten. Am Hütteneingang: Gebrauchsgegenstände, Kriegstrommeln, Waffen usw.

In der Abteilung Deutsch-Südwestafrika fällt uns wieder ein prächtiges Landschaftsbild ins Auge. Es ist ein Blick auf die Naukluft: Die Darstellung umfasst einen Teil des schwierigen Geländes, in welchem harte Kämpfe gegen Hendrik Witboi geführt wurden. Daneben ein Hererolager. Die bienenkorbförmige Hütte, Pontok, besteht aus kräftigen, in das Erdreich eingelassenen, oberhalb verbundenen Aesten, die eine Lage dünner schmiegsamer Zweige aufnimmt, welche einer starken, aus Lehm und Kuhmist hergestellten Auflage den nötigen Halt gibt.

Die Abteilung Deutsch-Ostafrika zeigt eine Szene am Victoria-Nyansa: Ein am Wasser kniendes Weib trägt ihren Säugling auf dem Rücken festgebunden. Links schleppt ein Eingeborener Elfenbeinzähne herbei und empfängt von dem als Käufer auftretenden Araber seine Anweisungen. Ein Knabe, dessen Kopfhaar bis auf einen geringen Streifen abgeschoren ist, vergnügt sich mit einem an der Leine geführten Löwenbaby. Ferner sehen wir ein Araberhaus mit reich geschnitzter Tür und einen Inderladen.

In der Abteilung Kiautschou bildet den Mittelpunkt eine Strasse in Tsingtau. Im Hintergründe sehen wir einen Schlächter in Berufstätigkeit; rechts, vor dem durch Ehrenscheiben gekennzeichneten Mandarinenhaus, einen Barbier mit seinen Geräten. Ferner einen der originellen Segelkarren.

Das Rad läuft in der Mitte; die Last kann ringsherum gleichmässig verteilt werden und ist wegen der günstigen Lage des Schwerpunktes nicht zu heben, sondern nur im Gleichgewichtzu halten und fortzubewegen unter Ausnutzung des Windes.

In der Abteilung Südsee erblicken wir eine Reihe der verschiedenartigsten Hütten. Z. B. ein heiliges Haus, gemeinsam von den Dorfbewohnern errichtet, das zu Beratungen, Urteilssprüchen, religiösen Handlungen dient. Die sinnreiche Konstruktion des Dachstuhles bietet grosse Widerstandsfähigkeit gegen die häufig auftretenden schweren Stürme.

Ferner ein Junggesellenhaus. Der hohe Giebel besteht aus zahlreichem, mit Bast verbundenem Fachwerk, welches die aus Ataps (getrocknete Palmblätter) bestehende Bedachung aufnimmt. Fest zusammengefügte Stützen und Balkenlagen geben dem an beiden Querseiten offenen Bau seine Einteilung. Der mit Matten bedeckte Fussboden liegt etwa 1 1/2 Meter über dem Erdreich (Pfahlbau). Neben einer Anzahl von Speeren schmücken einige Hunde-und Schweineschädel das Heim, dessen Zugang  durch schräg hinaufgeleitete Balken hergestellt ist.

Haben wir die verschiedenen Kolonien durchwandert und so einen gewissen Eindruck gewonnen, wie es draussen aussieht, so wenden wir uns der wirtschaftlichen Abteilung zu, um zu sehen, was der Europäer draussen schaffen kann. In dieser Abteilung wird uns die Gewinnung und Bearbeitung der verschiedenen Produkte: Kautschuk, Kakao, Baumwolle,Hanf, Holz, Mineralien usw. systematisch von Anfang an veranschaulicht. Gerade diese Sammlung ist ausserordentlich reichhaltig und lehrreich; unsre Bilder auf Seite 4 (unten) geben nur einen schwachen Begriff davon. Doch sehen wir auf ihnen immerhin links verschiedene Stämme von Kautschukbäumen und einen Kakaobaum mit Früchten, rechts eine Reihe prächtiger Holzproben aus Kamerun u. a. Ergänzt werden alle diese Sammlungen noch durch eine prächtige Dekoration schöner Gehörne, Felle, Schädel, Waffen und Gebrauchsgegenstände der Eingeborenen, geflochtener Matten und vieler andrer eigenartiger Dinge. Die wirtschaftliche Abteilung insbesondere noch durch Karten, Bilder, graphische Darstellungen usw.

Was wir hier geschildert haben, ist freilich nur eine kleine Auslese des Gebotenen und kann einen Besuch im Museum nicht ersetzen. Alles in allem genommen wird derjenige, der das Museum aufmerksam durchwandert hat, eine Fülle von Belehrung mit nach Hause nehmen und seinen Besuch nicht bereuen; auch derjenige, der nach der Beschäftigung mit kolonialen Dingen die austrocknende Wirkung der Tropensonne an sich zu verspüren meint, braucht nicht durstig von hinnen zu scheiden. Ihm Hütte öffnen sich gastlich die Türen des am Ausgang gelegenen Restaurants.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“
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Neues aus dem Innern von Neu-Guinea
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Herero-Mann Deutsch-Südwestafrika
Die Straussenzucht in Südwestafrika
Kolonie und Heimat erscheint von jetzt an wöchentlich.
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Südwestafrikanische Früchte in Deutschland
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Ein Besuch in der chinesischen Stadt Kiautschau
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Koloniale Plastik
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Das Museum für Meereskunde in Berlin
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Äquator Taufe
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Jugendbelustigungen in Niederländisch-Indien
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Toto, der erste aus Ostafrika nach Deutschland gebrachte Elefant
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Vom Deutschtum im Stillen Ozean : Deutsche Arbeit auf Hawaii
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Hamburg als Handelsstadt : Aus Hamburgs Vergangenheit
Vom Deutschtum im Ausland
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Eine Reise durch die deutschen Kolonien : Kamerun
Ein unfreiwilliger Weltrekord auf der Elefantenjagd
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Von Roosevelts Jagdfahrt in Afrika
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Robert Koch
Die erste Tagung des südwestafrikanischen Landesrats
Der Dauerkäse
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