Das Kokosnussfest auf Ruo

Unser nebenstehendes Bild führt uns in den „Archipel der zufriedenen Menschen“, wie irgend ein neuzeitlicher Seefahrer das Inselgebiet vor und um Friedrich Wilhelmshafen (Neu-Guinea) getauft hat. Und wahrlich, diese Bezeichnung ist keine übertriebene. Ein ewig blauer Himmel lacht über den fruchtbaren Gefilden jener Gegend. Neben einer Flora, die kaum anderswo in Ncu-Guinea in solch verschwenderischer Fülle sich zeigt, zeichnet üppigste Fruchtbarkeit des Bodens und ein unermesslicher Reichtum des Meeres an Fischen, Schildkröten, Langusten usw. usw. diese glücklichen Inseln aus. Kein Wunder, dass ihre Bewohner „zufriedene Menschen“ sind, denn Nahrungs- und andere Sorgen sind ihnen unbekannte Begriffe: ihr Leben geht auf in süssem Nichtstun, Jagd, Spiel und Tanz. Das ganzejahr hindurch werden in mehr oder weniger kurzen Zwischenräumen Feste gefeiert, unter denen das Fest der Kokosnuss eins der wichtigsten und interessantesten ist. Denn die Kokospalme spielt, wie schon in unserem Artikel auf Seite 3—5 gesagt, im Leben des Südseeinsulaners eine gewaltige Rolle. Auf mancher Insel liefert sie ausschliesslich das Material für Nahrung, Wohnung, Kleidung der Menschen, und ohne sie wäre auf einer Reihe von Südsee-Inseln ein menschliches Leben geradezu undenkbar, so dass z. B. erst vor einigen Jahren die Bewohner einiger Inseln auf andre übergeführt werden mussten, weil Orkane den Palmenbestand vernichtet hatten. Es ist also ganz erklärlich, dass in Neu-Guinea von manchen Eingeborenenstämmen die Kokospalme durch ein besonderes Fest gefeiert wird. Die von den Palmen abgefallenen reifen Nüsse werden das ganze Jahr hindurch sorgfältig gesammelt und in einer von Sonne geschützten Hütte aufbewahrt. Kurz vor dem Herannahen des Festtages, der, wie alle übrigen, zurzeit des Vollmondes abgehalten wird, ergehen Einladungen an die benachbarten und befreundeten Stämme. Weiber und Kinder beginnen damit, die gesammelten Nüsse an langen Stangen aufzu-binden, mit denen dann der Tanzplatz abgesteckt wird; eine der Bedeutung des Tages entsprechende Dekoration. Am Festtage selbst beginnt schon früh ein grosses Hundeschlachten, auch ein bis zwei Papuaschweine müssen ihr Leben lassen. In mächtigen Tontöpfen werden die einzelnen Portionen gekocht; Taro, Yams und Bananen wandern gleichfalls in den Kochtopf. Sind die geladenen Gäste vollzählig erschienen, so beginnen die Dorfältesten mit der Verteilung der Essrationen, wobei es nie ohne scherzhafte Zwischenfälle abgeht. Dann beginnt ein grosses Kai —Kai (Festessen), dem Abends der übliche Tanz folgt. Bis zum Sonnenaufgang dauert die Feier, die ganze Nacht hindurch dröhnt der dumpfe Schall der Tanz-trommcln durch die schweigende Landschaft, sehr zum Leidwesen der Europäer der benachbarten Station, die das eintönige Geräusch nicht zur Ruhe kommen lässt.

Carl Leidecker.

One Comment

  1. […] Insel Neu-Pommern an der Blanche-Bucht. Seine Lage ist ausserordentlich reizvoll. Unter schlanken Kokospalmen, meist unmittelbar am Strande liegen die weissen Der aufgegebene Gouvernementssitz von Neu-Guinea. […]

    2. November 2016

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