Das Museum für Meereskunde in Berlin


Am 10. Dezember veranstaltet die Abteilung Berlin der Deutschen Kolonialgesellschaft für seine Mitglieder und andre Freunde der kolonialen Sache eine Zusammenkunft im Museum für Meereskunde. Die Teilnehmer werden zunächst einen einleitenden Lichtbildervortrag hören und dann durch die überaus reichhaltigen und lehrreichen Sammlungen des Museums geführt werden. Da das Museum wegen seiner anspruchslosen Lage noch in weiten Kreisen, wenn nicht unbekannt, so doch wenig beachtet geblieben ist, so darf man wohl annehmen, dass recht viele Kolonialfreunde die Gelegenheit benutzen werden, sich unter fachmännischer Führung einen Ueberblick über den Stand der Meereskunde zu verschaffen.

Das Museum ist im wesentlichen eine Schöpfung des verstorbenen Geographen Ferd. v. Richthofen.

Die unbestreitbare Tatsache, dass im Binnenlande das Verständnis für das Seewesen sehr gering oder vielmehr vielfach gleich Null ist, musste angesichts der wachsenden Seeinteressen des Deutschen Reiches den Gedanken nahe legen, eine Stätte zu schaffen, wo wenigstens ein Teil der Binnenländer Gelegenheit hat, einen Ueberblick über die mannigfachen Grundlagen unsres Seeverkehrs zu gewinnen. Daraus muss sich dann das Verständnis für die Bedeutung und Wichtigkeit des Seewesens und seiner Förderung und Sicherung durch das Reich von selbst ergeben.



Dies ist, wenigstens für den grossen Kreis der Laien, in erster Linie der Sinn des Museums für Meereskunde. Natürlich darf ein solches Museum nicht lediglich der Schaulust dienen, es muss vielmehr auf grösseren Gesichtspunkten aufgebaut sein. Aber diese grösseren Gesichtspunkte müssen auch einem erweiterten Kreis verständlich werden, wenn das Museum als Lehr-und Anschauungsmittel weiter wirken soll. Ein Museum darf nicht Selbstzweck sein, eine Domäne des Fachgelehrten, sondern ein lebendiger Quell, der Belehrung spendet jedem, der überhaupt lernen will. Das müsste u. E. mehr als bisher bei der Einrichtung unsrer Museen beachtet werden, die heute vielfach an Ueberfüllung leiden und nur dem Fachmann einen Ueberblick gestatten. Allzuviel ist auch hier ungesund.

Beim Museum tür Meereskunde ist dies wie anerkannt werden muss, glücklich vermieden worden.

Ferd. v. Richthofen hat seinerzeit in einer Denkschrift sein Programm für das Museum dargelegt, dem wir hier folgen wollen.

Es ist klar, dass bei dem Museum für Meereskunde das Motto „Deutschland zur See“ ein leitender Gesichtspunkt sein muss. Der Sinn für die nationale Bedeutung der Kriegs- und Handelsflotte soll durch die Vorführung der stolzen Bauten, welche die deutsche Flagge führen, angeregt und gefördert werden.

Hand in Hand mit dieser auf die Darstellung der Werkzeuge der Seemacht und des Weltverkehrs in der Gegenwart gerichteten Aufeabe der Schausammlungen geht eine allgemeinere, welche die Vorführung der Geschichte der Beherrschung des Meeres durch den Menschen mittels der allmählichen Vervollkommnung des Schiffbaues, und der wissenschaitlichcn Entdeckung der zweckmässigsten Schiffahrtsstrassen erstrebt. Nicht minder muss der wirtschaftlichen Ausnutzung der Meeresprodukte mittels des Fischereibetriebes in lehrreicher Weise Rechnung getragen und hierbei auch der geschichtlichen und völkerkundlichen Seite zu berücksichtigt werden. Von Bedeutung ist auch die Darstellung der naturgeschichtlichen Seite des Meeres. Es werden darum Anschauungsmittel geboten, um die Natur der Küsten als der wichtigsten Scheidelinien auf der Erde, die Formen der Ozeanbecken, den Charakter ihres Bodens, die Eigenschaften und wechselnden Zustände des Ozeanwassers und die Bewegungserscheinungen auf der Oberfläche wie in den Tiefen darzustellen.

Wir bitten unsre Leser nun, uns auf einem Rundgang durch das Museum zu folgen. Wir halten uns dabei am besten an die Anleitung, die uns Albr.Penck in einem Vortrag über das Museum gegeben hat. Wir sehen sofort, wie zunächst das Motto: „Deutschland zur See“ der leitende Gesichtspunkt ist. Das Erdgeschoss des Museums wird eingenommen von der Reichs-Marine-Sammlung. Ein historischer Saal zeigt uns vom Wikingerboot an alte und ältere Schiffstypen, wie sie an deutschen Küsten in Gebrauch waren; Bilder, Modelle und einzelne Ueberreste erinnern uns an die Kämpfe, in denen die hanseatische, kurbrandenburgische, preussische, norddeutsche und endlich die deutsche Flotte verwickelt gewesen. Dann gelangen wir in den grossen Lichthof. ln Modellen in streng beibehaltenem Massstabf von 1 :50 werden uns dort die deutschen Kriegsschiffe der neuesten Zeit vor Augen geführt, einzeln oder in Gruppen, und daneben haben Modelle der neuesten Schnelldampfer unsrer Handelsflotte Platz gefunden, darüber die Standarten, Flaggen und Konimandozeichen der Kaiserlichen Marine sowie die Reedereiflaggen der grossen Schiffahrtsgesellschaften hängen. Der daneben befindliche offene Hof des Museums zeigt uns dann Schiffsteile, Rahen und Stängen, Panzerplatten, Schiffsschrauben, Bugverzierungen usw. Der Keller auf der anderen Seite des Lichthofes birgt die naturgetreue Nachbildung der Innenräume der alten Schulfregatte „Niobe“, die Kommandantenkajüte und Schiffskammer eines Torpedobootes sowie die Kabine eines Passagierdampfers.

Einige Stufen führen uns aus dem Lichthofe in den Waffensaal mit Nebenräumen, welche durch Geschütze, Torpedos und Schiffsminen  u. dergl. ein charakteristisches Gepräge erhalten. In zwei Stockwerken des Hauses ist die historisch-volkswirtschaftliche Sammlung untergebracht. Eine Galerie zur Seite des Lichthofes zeigt uns den Bau des Schiffes und die Schiffsmaschine. Da sehen wir die Helling, auf der das Schiff gebaut wird, da blicken wir in das dichte Spantengefüge des alten hölzernen Schiffes und in den gewaltigen Aufbau des modernen Schnelldampfers; ein grosses Modell einer alten Fregatte führt uns die Takelung des Segelfahrzeuges vor Augen; daneben laufen elektrisch getriebene Modelle von Schiffsmaschinen verschiedener Konstruktion, stehen Modelle von Kesseln.

Im 1. Stocke des Hauses treffen wir dann die Typen deutscher Segelschiffe, den einmastigen Kutter, den zweimastigen Schoner und die Schoner brigg, das dreimastige Vollschiff und die Bark mit ihrer charakteristischen Takelung.

Nun treten wir ein in die Abteilung Hafen-und Küstenwesen. Ein grosses Modell versetzt uns hier in die Mitte des Hamburger Hafens: ringsum stehen Modelle von Kranen, von Spezialschiften; das Modell eines Leuchtturmes lässt ein elektrisches Licht erblinken; ein Modell zeigt uns die Anordnung und Art der Befeuerung der Swine-Mündung usw.

Eine Galerie birgt die nautischen Instrumente, welche zur Ortsbestimmung des Schiffes dienen, Sextanten aller Art, Schiffskompasse, Loggen und Handlote, Instrumente moderner Tiefseeforschung, Tiefseelote, Wasserschöpfer, Thermometer, Strömungsmesser und endlich die mannigfaltigsten Apparate zur Bestimmung der Zusammensetzung des Meerwassers. Ein besonderes Zimmer, in das wir nun treten, enthält den Kern der ozeanologischcn Sammlung, es gewährt uns Einblicke in die Grösse der Meeresräume, den Salzgehalt des Meeres, veranschaulicht uns dessen Wellenbewegung und bietet uns Proben von dessen Grund. Modelle und Modellkarten zeigen uns Küstenformen und leiten uns über zum Inhalte des Nachbarzimmers, das Hafenmodelle birgt und den Hafenbau illustriert.

Nunmehr gelangen wir zur biologischen und Fischereisammlung. Vor uns steht die grosse Gruppe, das Korallenriff von El Tor an der Sinaihalbinsel darstellend. Verschiedene Gruppen zeigen hier die Mannigfaltigkeit der Tierwelt des Meeres. Was das Meer an Nutz- und Schmucksachen sowie an Nahrungsmitteln bietet, ist in einem langen Gange vereinigt; Fischbein und Schildkrot, Muscheln und Perlen, selbst der Bernstein unserer Küsten; auch Delikatessen, wie Kaviar und der in Ostasien geschätzte Trepang, fehlen nicht. Vor allem aber tritt uns die grosse Bedeutung des Walfanges und Fischfanges entgegen. Im letzten Zimmer sehen wir die Fischerboote oben auf dem Meere und unten die Netze oder Angelleinen. Wir überblicken die Entwicklungsgeschichte des heimischen Fischerbootes, des Kutters sowie einzelner Teile, des Ankerspills und Steuers; wir sehenden Fischer selbst, blicken in die Kajüte eines Kutters und in das Innere von Fischerhäusern. Im grossen und ganzen ist das Programm Ferd. v. Richlhofens Punkt für Punkt verwirklicht, wenn auch die einzelnen Abteilungen heute, kaum viereinhalb Jahre nach Eröffnung des Museums, noch nicht in jeder Hinsicht vollständig sein können. Man scheut sich wohl mit Recht vor einer Ueberfüllung der Räume, welche die Uebersichtlichkcit des Ganzen beeinträchtigen müsste. Da aber die stetige Entwicklung unsres Seewesens täglich Veränderungen und neue Erscheinungen mitsich bringt, so wird man dafür sorgen müssen, dass das Museum aus provisorischen in eigene Räume übersiedeln kann, damit sich nicht seine aulklärende und werbende Wirkung mit der Zeit verringert.

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    6. Oktober 2016

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