Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg


Das seit 21. Dezember 1857 in Betrieb gewesene alte Gaswerk zu Regensburg, welches bis 1. Juli 1897 von einer Aktiengesellschaft betrieben wurde und mit diesem Tage in den Besitz der Stadt überging, lag heutigen Verhältnissen nach nahezu im Innern der Stadt und zwar an der Landshuterstraße. Im Norden und Westen begrenzte es der die innere Stadt Regensburgs umgebende Anlagengürtel. Im Osten und Süden umgaben Neubauten das Grundstück.

Ein Bahnanschluß war nicht vorhanden, konnte auch nach Lage des Platzes nicht ausgeführt werden, weshalb schon aus diesem Grunde, ganz abgesehen davon, daß eine Vergrößerungsmöglichkeit ausgeschlossen war, die Verlegung des neuen Werkes nach einem anderen der Stadt gehörenden Grundstück beschlossen wurde und zwar nach einem am Pürkelgutweg gelegenen.

Mit Beginn des Jahres 1910 stand das alte Werk mit seiner ganzen Leistungsfähigkeit von 8400 cbm Tagesproduktion und einem Koksgaswerk von 180 cbm stündlicher Leistung noch voll im Betrieb, während der im Jahre 1909 begonnene Bau des neuen Werkes der Vollendung entgegenging.

Nachdem anfangs Mai 1910 das neue Werk bis auf das Koksgaswerk, welches von der alten Fabrik übernommen werden sollte, fertiggestellt war, stand einer Inbetriebsetzung der Öfen nichts mehr im Wege und wurden am 3. Mai nachts 11 Uhr die drei Kammern des Ofens Nr. III zum ersten Male mit Kohlen beschickt.

Das alte Werk konnte darauf am 10. Mai nachmittags 4 Uhr außer Betrieb gesetzt werden, nachdem die zur Inbetriebsetzung nötigen Arbeiten beendet und irgendwelche Störungen im neuen Betrieb nicht zu erwarten waren.

Es harrten nur noch der Ausführung bezw. Vollendung das schon erwähnte Koksgaswerk, das Aufenthaltsgebäude für die Leute im Betrieb und am Hofe, die Betriebswerkstätte, die Installationswerkstätte mit Magazin- und Lagerräumen für Installation, ferner die Gasmeister- und Bauaufseherwohnung mit Betriebsbureau und endlich das Verwaltungsgebäude.

Alle einzelnen Betriebszweige sollen zunächst in Nachstehendem geschildert werden:

Zunächst mußte unter dem Gesichtspunkt die Projektierung in das Auge gefaßt werden, daß die Fortschritte, welche seit einer Reihe von Jahren die Gasindustrie auf ihren Abgabegebieten zu verzeichnen hatte, sowohl auf dem der Beleuchtung, wie auf dem der Beheizung, obwohl dabei die elektrische Licht- und Kraftversorgung nicht zu kurz gekommen ist, allgemein ein bedeutendes Anwachsen des Gasverbrauches zur Folge hatten.

Es war gerade zu der Zeit, in welcher man in Regensburg sich mit dem Gedanken eines Gaswerksneubaues trug, schwer, das richtige und für die Verhältnisse am besten geeignete Ofensystem zu wählen, von dem nicht nur der weitere Betrieb und die Wirtschaftlichkeit desselben abhing, sondern auch die Gestaltung des gesamten neuen Werkes auf Jahre hinaus.

Bevor man aber bestimmt einem der in Betracht gezogenen Ofensysteme den Vorzug vor den übrigen gab, wurde auf Grund eines Magistratsbeschlusses vom 28. April 1908 eine Kommission ernannt, weiche die sämtlichen neueren Ofenarten in Betrieb besichtigen sollte, worauf dann unter Zugrundelegung der Erfahrungen, die in anderen Städten mit dem einen oder anderen System gemacht worden waren, die Wahl getroffen werden sollte.

Das Ergebnis dieser Reise war, daß dem Magistrat der Vorschlag unterbreitet wurde, das neue Werk zunächst für eine Abgabe von 5 000 000 cbm pro Jahr zu errichten, entsprechend einer Höchstabgabe von 25 000 cbm in 24 Stunden.

Das eingangs erwähnte Neubaugelände hatte die Stadt um 137 500 M. erworben. Auf ihm war bereits irn Jahre 1904 der 10 000 cbm Gas fassende teleskopierte Gasbehälter aufgestellt worden, welcher bei seiner vorgesehenen Größe für eine Tagesabgabe von 17 000 cbm für die ersten Jahre leicht ausreicht.

Mit der Kohlenzufuhr beginnend, sei bemerkt, daß das Anschlußgleis von der Westseite her in das Gaswerksgrundstück eintritt und hinter dem Einfahrtstor eine Weiche erhielt, um dem Kohlenschuppen die Kohlen auf zwei Gleisen zuführen zu können.

In den nördlichen Strang der beiden Gleise ist eine Drehscheibe eingebaut, mittels welcher die zum Füllen an den Koksbehältern oder an den Ammoniakwasser- und Teerbehältern bestimmten Wagen auf ein rechtwinklig zu diesem Gleis mündenden Strang geleitet werden können, während die gerade Fortsetzung des Hauptgleises die Wagen an die Kohlenrutsche im Kohlenschuppen führt, mittels der die Kohlen beim Abladen vom Waggon aus direkt in den Brecher befördert werden. Vom südlichen Strang aus aber können größere Mengen Kohlen leicht und rasch in den Schuppen entleert werden.

Der Kohlenschuppen hat drei Hauptabteilungen, zu denen von der Seitenwand der nördlichen Längswand aus eine Hängebahn führt; mittels dieser durch Hand bedienten Bahn können die Kohlen aus dem einen oder anderen Lagerabteil nach dem Brecher geschafft werden.

Die Schütthöhe der Kohlen bei Normalfüllung beträgt 5.5 m, bei Überfüllung und vollster Ausnutzung des Raumes 6.5 m. Die aufgespeicherte Kohlenmenge beläuft sich im ersten Falle auf 3,50, im letzteren auf 450 Waggons. In der nordwestlichen Ecke des Kohlenschuppens befindet sich der Brecher, dem die im Schuppen lagernden Kohlen entweder mittels der schon erwähnten Hängebahn oder direkt vom Waggon durch eine schräge Rutsche zugeführt werden.

Die Sohle des Kohlenschuppens liegt auf einer Höhe von 331 Meter, während die Quote für das Hochwasser bei 332,15 Meter angegeben wird. Es liegt somit der Kohlenschuppen noch 1,15 Meter tief im vorkommenden Hochwasser, worauf bei Anlage desselben Rücksicht genommen wurde.

Als Ofensystem wurden Kammeröfen gewählt, und zwar zwei Öfen mit je zwei Kammern und fünf Öfen mit je drei Kammern. Die Leistung eines Kammerofens mit drei Kammern beträgt 4000 cbm, die eines solchen mit zwei Kammern 2600 cbm mindestens. Auf eine Kammer kommen somit bei einer Ladung von 4000 kg Kohlen 1300 cbm Gaserzeugung in 24 Stunden. Die Generatoren, welche hinter den Öfen liegen, werden durch Koks aus der Aufbereitung beschickt. Zu dem Zwecke führt in der Höhe derselben von der Koksaufbereitung nach der Westseite des Ofenhauses eine Galerie mit Hängebahn, tritt dort hinter den Öfen ein und läuft den Generatorfüllöffnungen entlang. An der Rückseite der Öfen, zwischen Ofenhaus und Längswand des Gebäudes sind oberhalb der Öfen die Kohlenbunker angebracht, von denen über jeder Kammer je einer liegt, der die Menge an Kohlen zu fassen imstande ist, die jede Kammer für eine einmalige Ladung braucht. Hie Kohle wird vom Brecher mittels eines Vertikalelevators, welcher schon im Innern des Ofenhauses liegt und nach dem die Kohle vom Brecher durch eine schiefe Ebene fällt, nach oben befördert. Dort angelangt, stürzt sie vom Elevator auf den Verteiler, der die Kohle den einzelnen Bunkern zuführt.

Zur Ladezeit rutscht nun von den Bunkern die Kohle direkt in die Kammern, woselbst sie sich von selbst gleichmäßig lagert. Der Koks, welcher aus der geöffneten Kammer herausfährt, fällt in den Kokslöschturm, der fahrbar vor den Öfen angebracht ist.

Er nimmt den Inhalt einer Kammer auf. löscht diesen ab und gibt ihn mittels Kratzer nach einem Behälter ebenfalls am Löschturm ab. Dieser Behälter faßt den Koks von drei Kammern. Zum Schluß fördert der Löschturm seinen Inhalt nach einem Behälter (Einschüttgrube genannt), welcher vor der Koksaufbereitung liegt. Von hier aus wird er durch einen Schrägaufzug nach der Aufbereitung geschafft. Sie besteht aus drei Behältern, von denen je zwei zur Aufnahme von grobem und gebrochenem Mittelkoks bestimmt sind, der dritte dahingegen ist nochmals in zwei Felder geteilt, von denen das eine den Rieselkoks, das andere den Grus lagert.

Von der Aufbereitung aus in hufeisenförmigem Bogen geht die Koksfahrbahn um den Kokslagerplatz in einer Höhe von 6,85 Meter über Terrain. Diese Fahrbahn umkreist einen Platz von 15 Meter Breite und 20 Meter Länge, welcher dazu dient, die überschüssigen und noch des Verkaufes harrenden Mengen Koks zu bergen.

Dies wäre also das Gesamtbild der Oienanlage, die mit der Kohlenförderung, den Öfen der Koksförderung und Aufbereitung ein zusammenhängendes Ganzes bildet. Die erforderlichen Rohrleitungen für Teer und Wasser, welche zunächst getrennt von der Gasleitung gehen, führen kurz vor dem Austritt der Hauptbetriebsrohrleitung aus dem Ofenhaus dieser Teer und Ammoniakwasser wieder zu, um beides durch besagtes Hauptsammelrohr von 500 mm 1. W. über den Hof nach den Teerleitungen im Apparatenhaus zu befördern.

An der Ostseite des Ofenhauses befindet sich der 35 Meter hohe Kamin für die Kammeröfen. An derselben Seite nach Norden zu liegt auch das Aufenthaltsgebäude mit Waschräumen für die Ofenhausleute. Als Ergänzungsanlage unseres Kohlengaswerkes wäre die bereits vorhandene Wassergasanlage zu betrachten. Diese wurde erbaut im alten Werk mit einem Aufwand von 26 415 M. und ist das Einzige der alten Anlage. das wir mit zum neuen Werk beförderten. Sie ist für Benzolkarburation eingerichtet.

Der Gasbehälter, in welchem zunächst das erzeugte Wassergas aufbewahrt wird, erhielt 1000 cbm nutzbaren Inhalt. Da das Wassergas dem erzeugten Gas hinter den Vorlagen zugeführt werden soll, ferner wegen des zur Vergasung gelangenden Kokses, wurde das Wassergaswerk östlich von dem Apparatengebäude errichtet, wodurch das Hauptbetriebsrohr durch das Wassergasgebäude laufend imstande ist, das aus dem Behälter zurückkoinmende Qas aufzunehmen. Die Leistungsfähigkeit der Anlage beträgt 180 cbm in der Stunde.

Das Apparatengebäude. Dasselbe enthält die Kühler, Oassauger, Waschapparate und Pumpen und ist in vier Räume geteilt. An der Südostseite befindet sich der Kühlerraum, welcher die Großraumkühler, Wasserkühler und Reutterkühler aufnahm. Die Hauptsammelleitung gibt den mitführenden Teer und das Ammoniakwasser gleich nach Eintritt in das Gebäude an einen Teertopf ab, von dem aus die Teerleitung nach der Sammelgrube abgeht, unterwegs noch die Abläufe aus den anderen Apparaten aufnehmend. Die Reihenfolge, in welcher nun das Gas die Apparate durchwandert, ist derart, daß dasselbe zunächst in die Vorkühlung tritt, dann den Gassauger passiert und nach dem Naphtalinwäscher, der Nachkühlung und dem Ammoniakwäscher gedrückt wird.

Der Kühlerraum hat einen Keller, in welchem die Betriebsrohre, welche im ganzen Betrieb mit einer lichten Weite von 400 mm ausgeführt sind, liegen, sowie die Teerablaufkästen und die Teer- und Ammoniakleitungen. 4,7 m über dem Fußboden befindet sich die erste Galerie, von welcher man leicht an die Kühler und deren Ventile gelangt. Auf der zweiten Galerie ruhen in den vier Ecken des Raumes die Ammoniakwasserbehälter. In einer Höhe von 10,5 Meter über Fußboden stehen die Klarwasserbehälter von 48 cbm Inhalt. Diese ruhen auf der aus Eisenbeton hergestellten Dachkonstruktion des Kühlerraumes und sind ebenfalls aus Eisenbeton.

Die Gassaugeranlage. Gewählt sind Gassauger mit unmittelbarem Dampfmaschinenantrieb. Die Umdrehungszahl wird unter Zuhilfenahme eines Reglers der Rohrgaserzeugung selbsttätig angepaßt. Zunächst wurden zwei Gassauger aufgestellt für je 1220 cbm stündliche Saugleistung bei 80 Umdrehungen in der Minute. Diese stehen in dem westlichen Teil des Apparatengebäudes. In demselben sind außer den beiden Gassaugern noch der Umlaufregler mit 350 mm 1. W. des Ein- und Ausganges in derselben Reihe untergebracht und in einer zweiten der Teerscheider von 25 000 cbm Leistung und der Naphtalinwäscher von 30 000 cbm Tagesleistung.

Ammoniakwäscher. Das Gas, welches vom Naphtalinwäscher aus die Reutterkühler zum Zwecke der Nachkühlung passiert, tritt dann von diesem her in die Ammoniakwäscher ein. Zunächst wurde nur ein Standardwäscher mit einer Leistung von 15 000 cbm täglich aufgestellt. Er hat eigenen Dampfmaschinenantrieb. Der Raum für die Ammoniakwäscher liegt nördlich vom Kühlerraum, ist unterkellert und wie der Gassaugerraum ausgeführt.

Beide, der Gassaugerraum sowohl wie der Ammoniakwäscherraum haben Plattenfußböden und besitzen in der Mitte durch jeden der beiden Räume führend, eine 1 m breite Abdeckung.

An den Ammoniakwäscherraum schließt sich der Pumpenraum an. In diesem sind oberhalb des Kellers eine Teerpumpe von 3,9 cbm stündlicher Leistung und zwei Ammoniakwasserpumpen von ebenfalls je 3,9 cbm stündlicher Leistung untergebracht. Im Keller selbst zwei Klarwasserpumpen von je 5,5 cbm stündlicher Leistung. Sämtliche Pumpen sind als Dampfpumpen ausgeführt.

Die sämtlichen Rohrleitungen im Keller liegen mindestens 1 Meter von den Wänden entfernt und ermöglichen dadurch einen bequemen Durchgang nach sämtlichen Räumen.

Gruben. Dieselben bestehen aus einer Sammelzisterne, welche den von den Apparaten kommenden Teer und das sich ausscheidende Ammoniakwasser aufnimmt. Ferner aus einer Teergrube und einer Ammoniakwassergrube. Die Vorzisterne hat eine Fläche von 14 qm. Das einlaufende Gemisch von Teer und Ammoniakwasser trennt sich in dieser Grube. Die Teergrube faßt 73 cbm; die Ammoniakwassergrube 146 cbm.

Die Reinigeranlage. Die Größe der Reiniger ist 8X6 = 48 qm und wurden drei Stück aufgestellt. Die Betriebsrohrleitungen sind auch hier 400 mm im Lichten, die Schaltung wird durch Dreiwegventile bewirkt. Zum Heben der Reinigerdeckel ist ein Laufkran bestimmt, welcher die Breite des Raumes überspannt und durch die ganze Länge desselben zu laufen vermag. Über jedem Reiniger ist eine Abzugsöffnung im Dachfirst angebracht. Die Dachkonstruktion des Gebäudes ist Holz, und zwar wurden die sog. Stephansbinder gewählt. Die Masse wird von den Reinigern mittels Hängebahnwagen nach dem Regenerierraum befördert. Zu dem Zwecke sind in der Trennungswand zwischen Reinigerraum und Regenierraum vor jedem Reiniger zwei Öffnungen angebracht, durch welche die Hängebahnwagen von dem einen Raum nach dem anderen rollen.

Die Uhren- und Regleranlage. Sie nimmt auf den Stationsgasmesser mit einem Trommelinhalt von 12,5 cbm und einem Gasein- und -Austritt von 400 mm. Ferner ist untergebracht der Stadtdruckregler von 600 mm Gasein-und -Austritt, welcher für selbsttätige Regelung des Gasdruckes und für Wasserbelastung eingerichtet ist. Aufstellung fand außerdem ein Druckschreiber für siebentägige Laufzeit und ein Sicherheitsregler.

Dampfkesselanlage, elektrische Anlage und Ammoniakverarbeitungsanlage. Die Dampfkesselanlage hat den Dampf für die Wassergasanlage, die Pumpen, Betriebsdampfmaschinen, die Ammoniakfabrik, sowie für die Dampfheizung zu liefern. Es wurden zwei Kessel aufgestellt von je 100 qm Heizfläche.

Das Kesselhaus selbst ist vollständig aus Eisenbeton aufgeführt, über den Kesseln besteht auch das Dach aus einer Eisenbetondecke.

Untergebracht sind im Kesselhaus außer den erwähnten beiden Kesseln mit Unterwindfeuerung, System Kudliez, ein Gegenstromvorwärmer von 4 Meter Höhe und 1,80 Meter Durchmesser, ferner ein Wasserreinigungs- und Filterapparat, zwei regulierbare indirekt geheizte Dampfüberhitzer von je 28 qm Heizfläche für eine Überhitzung auf 300 Grad Celsius, zwei liegende direkt wirkende Dampfpumpen von je 100 Liter Leistung in der Minute und die Apparate für die Preßgasanlage. Die Hauptdampfrohrleitungen im Kesselhaus bestehen aus schmiedeeisernen Röhren von 180 mm 1. W. Der Betriebsdruck ist 10 Atmosphären, welcher für Dampfheizungszwecke jeweilig entsprechend reduziert wird. Vom Kesselhaus aus geht ein Kanal nach der Nordseite des Wassergasgebäudes und von dort nach dem Apparatengebäude. In diesem liegen sämtliche Rohre, welche Gas, Wasser und Dampf nach den einzelnen Betriebsgebäuden leiten.

Das Kesselhaus liegt nördlich von der Koksaufbereitung, so daß der Koksgrus mittels Rollbahn ohne weiteres der Aufbereitung entnommen und dem Verwendungsort zugeführt werden kann. Der Kesselschornstein hat eine Höhe von 35 Meter.

An das Kesselhaus im Westen ist angebaut das Gebäude für die elektrische Anlage, in dem sich die Trans-formatorenstation im Erdgeschoß befindet.

Der Strom wird von dem städtischen Elektrizitätswerk als Drehstrom mit einer Spannung von 6000 Volt geliefert und durch zwei Transformatoren auf 3 X 110 Volt Spannung umgeformt. Das Gaswerk benötigt den elektrischen Strom nur zu Kraftzwecken und zwar beträgt der Gesamtkraftbedarf 96 PS.

Nördlich von der elektrischen Station liegt das Gebäude für die Ammoniakwasserverdichtungsanlage. In ihr wurde eine Anlage für eine Verarbeitung von 10 cbm Gaswasser in 24 Stunden untergebracht.

Der Brunnen, welcher an der Nordostseite des Apparatengebäudes liegt, hat eine Tiefe von 14 Meter und einen lichten Durchmesser von 4 Meter. Er vermag in der Sekunde 15 Liter Wasser zu liefern, entsprechend einer Stundenleistung von 54 cbm. Als Reserve für etwaige eintretende Fälle ist der Anschluß an die städtische Wasserleitung vorgesehen.

Aufenthaltsräume. Es wurden ausgeführt außer dem Gebäude am Ofenhaus ein weiteres größeres Gebäude am mittleren Haupteingang des Werkes an der Westseite des Grundstückes für das gesamte Personal. Im Erdgeschoß befinden sich Wasch- und Baderäume mit Brausebädern.

Das Ganze wird im Nordosten durch eine in Monierkonstruktion ausgeführte Mauer, im Süden und Westen durch eine aus Ziegelsteinen gemauerte Einfriedigung abgeschlossen. Im nördlichen Teil des Grundstückes liegen, durch eine befahrbare Straße von den Betriebsräumen getrennt, die Installationswerkstätte, Lager und Magazine und das Verwaltungsgebäude.

Das neue Gaswerk gab im ersten Jahre seiner Inbetriebsetzung das Gas zum Preise von 22 Pf. pro Kubikmeter für Leuchtzwecke und 15 Pf. pro Kubikmeter für Koch-, Heiz- und Industriezwecke an die Städte Regensburg und Stadtamhof ab.

Inzwischen sind bereits einige Jahre seit der Inbetriebsetzung des neuen Werkes verflossen und die für das Jahr 1911 noch zu erledigenden Bauten wurden fertiggestellt und bezogen.

Für 1912 blieb nur noch die Ausführung des Verwaltungsgebäudes. Dies konnte im Juni bezogen werden, so daß die gesamte Verwaltung von dieser Zeit ab nach dem neuen Werk an der Niedermayerstraße verlegt wurde und die Gebäude am alten Werk vollständig dem Abbruch übergeben und niedergerissen werden konnten.

Das neue Werk entwickelte sich in den letzten Jahren normal. Die Gasabgabe stieg namentlich in den Jahren 1910 und 1912 in anerkennenswerter Weise, wozu die mit 1. Januar 1912 erfolgte weitere Verminderung des Leuchtgaspreises von 22 Pf. auf 20. Pf. und die ab 1. Juli genannten Jahres zur Einführung gelangten Vermietungen von Beleuchtungskörpern und ferner die Ausführung von Gasautomateneinrichtungen das Ihre beitrugen.

Erwähnenswert ist noch die im Jahre 1911 vorgenommene Verlegung eines neuen Hauptrohrstranges von 450 mm I. W. von der Ostengasse durch die innere Stadt im Anschluß an die zur Bauzeit des neuen Werkes von diesem aus bis in die Ostengasse ebenfalls neu verlegten 450er Hauptleitung.

Infolge der Herstellung des synthetischen Ammoniaks durch die badische Anilin- und Sodafabrik trat im Laufe des Jahres 1913 ein bedeutender Rückgang in den Preisen für Ammoniak ein. so daß es unmöglich war. das seither hergestellte starkverdichtete Ammoniakwasser einigermaßen günstig, den Vorjahren entsprechend, abzusetzen. Infolgedessen sahen sich die städtischen Kollegien genötigt, der Errichtung einer Anlage zur Verarbeitung des Ammoniaks auf schwefelsaures Ammonium im Gaswerk, die in der Ammoniakfabrik untergebracht werden konnte, die Zustimmung zu erteilen.

In den Jahren 1911 und 1913 blieben die Fortschritte im Anwachsen des Gasverbrauches etwas zurück. Der Grund lag in erster Linie darin, daß im Jahre 1911 ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse allgemein herrschten und im Jahre 1913 verschiedene größere Geschäfte und Unternehmungen zur elektrischen Beleuchtung übergingen, wodurch naturgemäß Ausfälle entstanden, die nicht ohne weiteres ausgeglichen werden konnten. Um aber auch allen an das Gaswerk herantretenden Ansprüchen gerecht zu werden, wurde ein Mittelgaspreis von 17 Pf. zur Einführung gebracht, bei welchem den Konsumenten Gelegenheit geboten ist. bei erleichterter Ausführung der Installationseinrichtungen durch Aufstellung von nur einem Gasmesser einen Doppelkocher und drei Leuchtflammen zu diesem Einheitspreis benützen zu können. Außerdem wurde den ursprünglichen Bedingungen für Gasautomateneinrichtungen noch die Vergünstigung angefügt, daß den Konsumenten außer freier Leitung und einem Kocher noch bis zu drei Beleuchtungskörper von seiten des Gaswerkes bei einem Gaspreis von 20 Pf. pro Kubikmeter gestellt werden. Ferner können in älteren Häusern der Stadt, vorausgesetzt, daß eine Rentabilität zu erreichen ist, die Steigleitungen durch die Stockwerke auf Kosten des Gaswerkes ausgeführt werden.

Durch rege Verbreitung von Druckschriften, Einführung eines ständigen Ausstellungslokales, in dem die neuesten Apparate vorgeführt werden, sowie durch Kochlehrvorträge wurde die Allgemeinheit auf die zweckmäßige Benützung des Gases des öfteren aufmerksam gemacht, so daß der weiteren günstigen Entwicklung des Gaswerkes mit frohem Mute entgegengesehen werden kann. Wie die Steigerungen seit Beginn des neuen Geschäftsjahres beweisen, steht eine solche auch fernerhin zu erwarten.

Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.
Bayerische Überlandcentrale A.G. Haidhof
Portland-Cementwerk Berching A.G. in Berching
Die Spulen-Fabrik Max Borger in Cham
Teerprodukten-, Dachpappen- und Isoliermaterialienfabrik
Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte in Rosenberg (Oberpfalz)