Das neue grosse Mannheimer Krankenhaus

Vor einigen Wochen wurde das in den Jahren 1913 bis 1922 nach den Planen und unter Leitung des Stadtbaudirektors Perrey von der Stadtgemeinde Mannheim erbaute neue Krankenhaus dem Betriebe feierlich übergeben. Mitarbeiter an dem Bau waren Stadtbaurat Schaab und Bauamtmann Beck.

Vor wenig Wochen wurde in Mannheim ein Krankenhaus eröffnet, das an räumlicher Ausdehnung und praktischer Einrichtung den besten Instituten dieser Art zur Seite gestellt werden darf. Frei und unbehindert durch dumpfe Häuserblocks liegt es am rechten Ufer des Neckars, gebadet in Sonne und Luft. Freundlich leuchtet schon von weitem das rote Dach und die helle Fassade, die durch die schmucken, grünen Fensterläden einen warmen Ton erhält; und von den Fenstersimsen lachen fröhliche bunte Blumenstöcke dem Besucher entgegen. Das kunstvolle eiserne Tor, das einst auf der Pariser Weltausstellung Kunde abgelegt hat vom Können Mannheimer Handwerker, nimmt die Eintretenden auf.

Die erste Anregung zum Bau eines neuen Krankenhauses erfolgte am 11. März 1889 durch den damaligen Chefarzt Medizinalrat Dr. Stehberger. Die Verhandlungen über die Platzfrage, über das Bauprogramm und über die Frage, ob ein Neubau überhaupt bald erforderlich sei, nahmen Jahrzehnte in Anspruch und erst am 28. Juni 1910, also nach 21 Jahren, erfolgte die erste Vorlage an den Bürgerausschuss mit festen Vorschlägen über die Wahl des Platzes und über den Umfang der geplanten Bauanlage. Die Vorlage wurde an eine Kommission zurückverwiesen und nach eingehender Beratung in dieser am 7. März 1911 endgültig verabschiedet. Nun konnte die Entwurfbearbeitung beginnen und am 13. Dezbr. 1912 stellte der Bürgerausschuss die erforderlichen Mittel im Betrage von 8,990,000 Mark zur Verfügung. Am 28. Januar 1913 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Der Rohbau konnte noch in der Hauptsache vor Beginn des Krieges fertiggestellt werden, alle übrigen Arbeiten wurden aber durch den Krieg und seine Folgen so stark behindert, dass die Vollendung des grossen Bauuntemehmens erst im Jum 1922 erfolgen konnte.

Der Bauplatz hat eine Grösse von 172,020 qm. Da von sind überbaut 16,647 qm, es verbleibt eine unbebaute Fläche von 155,373 qm. Davon sind Park mit altem Baumbestand 106,000 qm. Der Bauplatz liegt mit seiner Hauptfront gegen Süden am rechten Ufer des Neckars. Das 250 m breite Flussbett sichert dauernd Luft und Licht von der Südseite, der Park hindert das Herandrängen der privaten Verbauung an der Nordseite. Zu den vorherrschenden Windrichtungen liegt der Platz besonders günstig, denn an durchschnittlich 227 Tagen sind nord – südliche Winde vorhanden, die keine Rauch- oder Geruchbelästigungen aus Fabriken über das Gelände bringen. Oestliche Winde werden durch den Odenwald fast ganz abgehalten, westliche Winde herrschen durchschnittlich an 61 Tagen.

Im Bauprogramm wurden 1000 Krankenbetten vorgesehen, erweiterungsfähig auf 1400 Betten, und zwar insgesamt 10 Gebäude. Dazu kam im Jahre 1919 noch ein Säuglingskrankenhaus.

Die Hauptgesichtspunkte für die Anordnung der Gebäude auf dem Gelände waren

1. Dauernde Sicherung von Luft und Sonne für alle Räume,

2. Rücksichtnahme auf die Windrichtung,

3. Grundwasserfreie Lage aller Räume,

4. Genügender Abstand,

5. Erhaltung des Baumbestands,

6. Anordnung der für alle Kranken gemeinsam benötigten Räume so dass lange Wege vermieden werden.

Daraus ergab sich, dass alle Gebäude an den Rand des Parks zu stellen waren, da der Park selbst tief liegt, dass ferner die etwa 600 m lange Südfront längs des Neckars für die Hauptgebäude zu wählen war und die kleineren Gebäude an den Ost- und Nordrand des Parks zu stellen waren. Kesselhaus, Wäscherei und Desinfektion konnten auf einem günstig gelegenen Platz jenseits der Röntgenstrasse, aller in unmittelbarer Nähe untergebracht werden.

Ausser vorstehenden grundlegenden Gesichtspunkten waren für die Planung viele wichtige technische und hygienische Fragen zuvor zu lösen. Es wurde festgelegt, dass alle Krankenräume Doppelfenster erhalten, an der Südseite die Fenster der Krankenräume mit Schiebeläden versehen werden Weiter wurde festgelegt, dass alle horizontalen nnd senkrechten scharfen Ecken in den Räumen zu vermeiden sind; sie wurden mit einem Radius von 13 cm durchweg ausgerundet, ebenso die Treppenstufen. Holz wurde in den Krankenräumen nach Möglichkeit vermieden.

Als Heizung wurde für die Krankenräume Warmwasserheizung, für alle übrigen Räume Niederdruckdampfheizung gewählt. Die ganze Anlage wird durch ein Fernheizwerk beheizt. Die Leitungen liegen in einem die ganze Anlage umziehenden begehbaren Kanal; in diesem sind auch die Leitungen der zentralen Warmwasserversorgung, des Betriebsdampfes und die elektrischen Stark-und Schwachstromleitungen angeordnet. Sämtliche Leitungen wurden in die Wand gelegt, um Staub- und Schmutzecken in den Räumen vollständig zu vermeiden.

An Personal wurden unter Berücksichtigung der veränderten Verhältnisse 413 Personen als erforderlich angesehen, von denen 341 in der Anstalt und 72 ausserhalb wohnen sollen. Es konnte Raum geschaffen werden für 392 Personalbetten, so dass noch eine Reserve von 51 Betten zur Verfügung steht. Es entfällt damit auf 2,63 Krankenbetten eine Person des Pflegepersonals.

Insgesamt ist in 273 Krankenräumen Platz, für 1140 Kranke geschaffen. Hiervon werden zunächst 230 Räume mit 912 Betten eingerichtet bei einem derzeitigen Krankenstand von 573. Wenn die vorhandenen Reserven erschöpft sein werden, können noch durch Erweiterungsbauten weitere 249 Krankenbetten gewonnen werden und die Bettenzahl würde alsdann auf 1389 Krankenbette steigen. Damit wäre die Grenze der möglichen Erweiterung erreicht.

Der umbaute Raum der ganzen Anlage beträgt 206,-678 cbm. Das Mannheimer Schloss hat 347,500 cbm umbauten Raum, hingegen nur 1437 Fenster, während die neue Krankenhausanlage 4917 Fenster aufweist, ferner 2467 Türen, 160 Badewannen, 851 Waschtische, 289 Klosetts.

Bei dem Zustandekommen des Werkes wirkten viele Kräfte mit. Von Aerzten Herr Professor Dr. Volhard und sein Nachfolger Direktor Dr. Kissling mit ihren Mitarbeitern. An technischen Mitarbeitern standen dem Leiter des Baues, Stadtbaudirektor Perrey, zur Seite: Stadtbaurat Heinrich Schaab, Stadtbauamtmann Joseph Beck und die örtlichen Bauleiter: Oberbauinspektor Hiemenz und Stellvertreter Stadtbauinspektor Deck, Bauinspektor Heitzmann und Stellvertreter Bauinspektor Ruf, Bauinspektor Dörfler und Stellvertreter Oberbausekretär Münz, – Bauinspektor Würthwein und Stellvertreter Bauekretär Fass, Oberbausekretär Horbach, Bauinspektor Bez, Bauinspektor Kolb, Bauinspektor Becker. Daneben noch zahlreiches technisches und Verwaltungspersonal.

Alle technischen Aemter waren mehr oder minder an dem Bau beschäftigt: Das Tiefbauamt, Maschinenamt, die Wasser-, Gas-, und Elektrizitätswerke, das Strassenbahnamt, die Stadtgärtnerei, Berufsfeuerwehr, das Untersuchungsamt.

Siehe auch:
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