Das Reich der Deutschen beginnt

Deutsche Kaiser führen Europa.

Die Sachsen errichten das Reich der Deutschen.
König Heinrich der Große begründet den deutschen Volksstaat.
Heinrichs I. Wahl.

Unter den schwachen Nachfolgern Kaiser Karls war die Einheit der germanischen Stämme im Ostfrankenreich rasch zerbrochen. Mächtige Grafen in Franken, Sachsen, Schwaben, Bayern und Lothringen stiegen zu Herzogen auf und fragten nicht nach dem König. Wo kein Führer ist, da ist auch keine Einheit, keine Ordnung, keine Kraft. Über die Grenzen aber fluteten Normannen, Ungarn und Wenden.

Der letzte ostfränkische Karlinger starb, und Herzog Konrad von Franken wurde der erste deutsche König (911). Aber auch er konnte die Macht des Königtums nicht wiederherstellen. Am wenigsten konnte er gegen die Sachsen und ihren kraftvollen Herzog Heinrich ausrichten. Auf seinem Sterbebett entschloß sich Konrad zu einer edlen Tat. Er rief seinen Bruder zu sich und sprach zu ihm:

„Mein Leben geht zu Ende. Ich konnte das Reich nicht retten. Nur einen weiß ich, der noch helfen kann. Bringe des Reiches Krone unserem Gegner, dem Sachsenherzog!“

Dann schloß er seine Augen, Eberhard aber eilte zu Heinrich.

Auf den Höhen bei Fritzlar im Hessenlande versammelten sich im Jahre 919 Fürsten und Volk beider Stämme zur Königswahl. Eberhard und Heinrich schritten durch die Reihen. Mächtig schlugen die Schwerter an die Schilde und geboten Thingfrieden und Ruhe. Über die Menge hinweg scholl Eberhards Stimme: „Ich benenne Heinrich, den Herzog der Sachsen, als deutschen König und huldige ihm!“ Laut auf jubelten die Sachsen, und auch die Franken vergaßen den alten Groll.

Von der anderen Seite des Berges aber nahte ein feierlicher Zug, Erzbischof Heriger von Mainz mit Krone und Salböl. Auch Heinrich, sollte das Zeichen der Herrschaft aus der Hand der Kirche empfangen. Heinrich jedoch durchschaute das Spiel und wußte es zu vereiteln. Er wollte nicht Diener der Kirche, sondern König der Deutschen sein! Darum lehnte er Krönung und Salbung klug und würdig ab: „Mir ist es genug, daß ich zum. König gewählt bin. Salbung und Krönung sei einem Würdigeren Vorbehalten, ich bin solch großer Ehre nicht wert!“ Das Volk aber verstand ihn und jubelte: „König Heinrich — Heil!“

Heinrich einigt die Deutschen.

Zwei schwere Aufgaben sah der neue Herrscher vor sich. Er wollte alle deutschen Stämme zu einem Volk und Reich zusammenschließen, und er wollte das neue Reich vor allen äußeren Feinden schützen.

Die Bayern waren nicht zur Königswahl erschienen, und ihr Herzog wollte dem neuen Herrn auch nicht folgen. Heinirich zog mit Heeresmacht vor Regensburg. Doch bevor es zum Kampfe kam, lud er den Bayern zu einem Treffen ein und sprach zu ihm: „Gottes Wille ist es, daß mich das Volk zu seinem König gewählt hat. Hätte cs dich auf den Thron erhoben, so hätte dies keiner lieber gesehen als ich. Willst du nun durch deinen Ehrgeiz das Blut so vieler Deutschen opfern?“ Der Herzog war gewonnen und hielt von nun an treu zum Reiche. — Der Schwabenherzog beugte sich der Gewalt der Waffen. — Zuletzt wurde Heinrich von Lothringen anerkannt. Damit 925 war auch das Rheinland gesichert. Eine starke Königsgewalt umfaßte A on nun an alle deutschen Stämme.

Heinrich sichert das Reich.

Waffenstillstand mit den Ungarn.

Nun galt es, das Reich zu schützen. Die furchtbarsten Feinde waren die Ungarn. Oft brausten sie auf ihren schnellen Pferden über Süddeutschland, Thüringen und Sachsen dahin. Kein deutsches Aufgebot vermochte ihnen standzuhalten. Kaum entging ihnen der König selbst, der krank in der festen Burg Werla lag. Heinrich mußte Zeit gewinnen, um ein Heer zu schaffen, das den Ungamschwärmen gewachsen war. Darum gab er einen gefangenen Ungarnfürsten ohne Lösegeld frei, ja, er sagte sogar eine jährliche Abgabe zu. Dafür versprachen die Feinde, neun Jahre Frieden zu halten.

Mit Mut und Eifer ging Heinrich nun daran, Land, Volk und Heer für den Entscheidungskampf vorzubereiten. Die Wehrburgen, die bis jetzt in Friedenszeiten leergestanden hatten, wurden nun an den Grenzen Thüringens und Sachsens dauernd besetzt und verstärkt. Jeder neunte Dienstmann mußte in die Burgen ziehen, während die anderen acht für ihn den Acker bestellten und die Festung mit Vorräten ausrüsteten. Merseburg, Quedlinburg, Goslar, Nordhausen und viele andere feste Plätze bildeten bald einen starken Schutzwall nach Osten und Süden. — Die zweite Sorge des Königs war, ein Reiterheer zu schaffen, das in der Schnelligkeit des Angriffs und der Verfolgung den Ungarn gewachsen war. Da lernte der Bauer wieder reiten und Schild und Lanze gebrauchen. Und mit der Waffentüchtigkeit wuchsen Mut und Selbstvertrauen des Volkes.

Siegreich gegen die Wenden.

Bald sollte die große Probe kommen. Alles Land östlich der Elbe und Saale hatten nach dem Abzug der ostgennanischen Stämme die Wenden eingenommen. Von ihrer Burg Brennabor aus stießen sie immer wieder ins Sachsenland vor. König Heinrich drang im tiefen Winter Über das Eis der Havel bis an die Wälle der Festung vor, und bald war Brennabor in seiner Hand. Auch weiter südlich war er siegreich, gründete die Mark Meißen und zwang den Böhmenherzog zur Unterwerfung: Seitdem gehören Böhmen und Mähren zum Reich.

Hart war auch der Kampf im Nordosten. Dort lagen die Wenden in der Feste Lenzen. Als ihr Heer durch die ständigen Regengüsse völlig erschöpft war, stürmten die Sachsen die Burg. Große Freude erhob sich über den neuen Sieg. Von nun an hatte Heinrich Ruhe vor den Wenden. Weit nach Osten hatte er die deutsche Grenze vorgeschoben und damit alten germanischen Boden, der jahrhundertelang unter fremder Herrschaft stand, dem Reiche wiedergewonnen.

Sieg überdie Ungarn.

Auch der Bayern- und der Schwabenherzog waren nicht müßig gewesen. Dem Beispiel Heinrichs folgend, hatten sie feste Plätze angelegt und Reiterheere aufgestellt. So konnte der Tag der großen Schlacht gegen die Ungarn kommen. Als die neun Jahre um waren, verweigerte Heinrich den Boten die jährliche Zahlung. Mit flammenden Worten rief er sein Volk zum Freiheitskampfe auf, und freudig folgte es dem Rufe. Als im Jahre 933 die Feinde wieder in Thüringen und Sachsen einbrachen, trat ihnen in der Unstrutebene bei R i ade das Heer der Sachsen und Thüringer entgegen. Ihre Vorhut wandte sich scheinbar zur Flucht und zog damit die Ungarn näher an die eigene Hauptmacht heran. Dann legten die Deutschen plötzlich die Lanzen ein und stürmten gegen den Feind. Das wilde Kampfgeschrei der Ungarn verstummte, und der Schlachtruf der Deutschen brauste siegreich über das Feld. Bald lösten sich die Haufen der Feinde in wilde Flucht auf. In den eroberten Lagern aber dankten Tausende von befreiten Gefangenen den tapferen Kämpfern und dem kühnen Sieger.

Nun war Heinrich der anerkannte Herrscher aller Deutschen, denn wer für alle kämpft, findet bei allen Gefolgschaft. Aber immer noch sollte er keine Ruhe finden. Neuer Waffenlärm rief ihn an die Nordgrenze, wo die Dänen eingebrochen waren. Sie wurden in schnellem Siegeszuge überrannt und geworfen; des Reiches Grenze lag jetzt an der Schlei.

Heinrichs Größe.

So stand das Reich fest gegründet, im Innern einig, nach außen gesichert, zum ersten Male ein Deutsches Volksreich. Noch einmal hielt Heinrich eine stolze Heerschau; auf dem Reichstage in Erfurt überschaute er sein Werk, ganz Deutschland war seinem Rufe gefolgt. Dann starb er 936 auf seiner Burg Memleben. Im Quedlinburger Dome, der von seinem Hügel weithin die Landschaft überragt, liegt er begraben. Heilig ist uns die Stätte, wo er ruht. In jedem Jahre ehrt die SS, und mit ihr das deutsche Volk, am Grabe den Gründer des Deutschen. Reiches.

Kaiser Otto der Große erringt die Führung Europas.
Neue Aufgaben und Ziele.

Wie Heinrich es gewünscht hatte, wählten die deutschen Fürsten seinen Sohn Otto ziun König. Otto I. war noch reicher an Gaben als sein Vater, er hatte auch seine Ziele weitergesteckt. Karl der Große war sein vielbewundertes Vorbild. Er wollte Deutschland die Führung in Europa erringen und es zur Weltmacht emporfuhren. Sein Ziel glaubte er am besten zu erreichen, wenn er sich dabei auch der geistigen Weltmacht seiner Zeit, der Papstkirche, bediente.

Ottos Wahl durch die Fürsten fand 936 in der Kaiserpfalz zu Aachen statt. 936 Dann erwartete ihn im Münster der Erzbischof von Mainz zur Krönung.

Er nahm das Schwert vom Altar und gab es Otto mit den Worten: „Nimm hin dies Schwert und triff damit alle Feinde des Herrn, Heiden und schlechte Christen, daß die ganze Christenheit sicheren Frieden gewinne.“ Mit ähnlichen Ermahnungen reichte er ihm den Königsmantel, Zepter und Krone.

Kein Wort wußte der Priester davon zu sagen, daß es die erste Pflicht eines deutschen Königs ist, für Recht und Macht der Deutschen zu streiten.

Kampf um die Reichseinheit.

Unter Heinrich I. war Deutschland ein Bund der Stammesherzogtümer. Der König war „der Erste unter Gleichen“. Der neue König ging andere Wege. Die Einheit des Reiches sollte fester gefugt werden. Er wollte Gebieter sein, von den Herzogen forderte er unbedingten Gehorsam, denn wo viele herrschen, gedeiht keine große Tat. Aber die Großen des Reiches bereiteten sich zum Widerstande vor. Als Otto den Herzog Eberhard von Franken mit entehrender Strafe belegte, brach der Aufstand los und breitete sich über das ganze Reich aus. An der Spitze der Empörung stand Ottos eigener Bruder, der ehrgeizig gehofft hatte, selbst König zu werden. Wieder herrschten Krieg und Gewalttat im Reiche. Das war ein wildes Reiten des Königs nach Franken und Bayern, nach Lothringen und Schwaben, dann wieder an die Elbe, nach Dänemark und nach Frankreich hinein! Denn auch der westfränkische König glaubte, bei der Uneinigkeit im Reich nach dem deutschen Rhein greifen zu dürfen.

Doch das Glück war dem König hold. Der Frankenherzog fiel im Kampf, der Herzog der Lothringer ertrank im Rhein. Ottos Bruder warf sich endlich dem König zu Füßen und erhielt Verzeihung. Nun stand Otto in großer Machtfülle da.

Kampf gegen die Reichsfeinde.

Auch die Reichsfeinde an der Ostgrenze waren nicht untätig gewesen. König Heinrich hatte die Wenden in blutigen Kämpfen unterworfen, jetzt glaubten sie, sie könnten die deutschen Herren wieder verjagen. Aber die Markgrafen Gero und Hermann Billung standen auf der Wacht. Sie hielten mit eiserner Faust die Feinde nieder, ja sie konnten des Reiches Grenze bis an die Oder vorrücken. Magdeburg wurde der Mittelpunkt der Ostmarken. Otto gründete dort ein Erzbistum und stellte ihm die Aufgabe, die wendischen Nachbarn zum Christentum zu bekehren. Auch nach Südosten und Süden drang die deutsche Macht vor. Gegen die. Ungarn wurde die bayrische Ostmark gegründet, die später zur Mark Österreich wurde. Ottos Bruder Heinrich erwarb zu seinem Herzogtum Bayern die Steiermark und die Marken Kärnten, Krain und Verona, Vorposten des Deutschtums gegen die Winden.

Die Ungarn hatten die schwere Niederlage unter König Heinrich gleichfalls vergessen. Aufs neue fielen sie in Deutschland ein und verheerten Bayern und Schwaben. Bei Augsburg am Lech trat ihnen Otto mit einem Reichsheer entgegen. Alle deutschen Stämme waren im Heere vertreten. Was half cs den Ungarn, daß sie Otto umgingen und im Rücken angriffen. Herzog Konrad mit seinen Franken schmetterte sie nieder und schaffle so dem König Luft. Was half den Ungarn ihre große Zahl! Mit wildem Ungestüm warf sich Otto selbst todesmutig ihren Haufen entgegen und mit ihm die Herzoge und Ritter. Das deutsche Schwert wütete im dichtesten Schwarm und mähte nieder, was sich ihm in den Weg stellte. Nicht viele Feinde entgingen dem Tode, nur wenige erreichten die ferne Heimat. Von diesem Tage an wagten die Ungarn keinen Angriff mehr auf das deutsche Gebiet. König Otto hat nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa von großer Gefahr befreit. Das sei ihm gedankt.

Otto I. begründet das deutsche Kaisertum.

Die großen Stammesherzogtümer blieben eine dauernde Gefahr für die Reichseinheit. Die Herzoge strebten immer wieder nach Selbständigkeit, selbst auf die nächsten Verwandten des Königs war oft kein Verlaß. Nun erhob Otto die Bischöfe zu Reichsfursten und gab ihnen Lehen und große Macht. Sie sollten jetzt als Fürsten dem König gehorchen, der sie ein- und absetzte; als Kirchendienern aber befahl ihnen der Papst. Auf diese neuen Stützen konnte sich der König nur dann verlassen, wenn er auch den Papst in seiner Gewalt hatte. Schon aus diesem Grunde richteten sich Ottos Augen immer mehr auf Italien und auf Rom.

Italien war staatlich verwirrt und zerrüttet. Als ihn Adelheid, die Witwe des letzten italienischen Königs, gegen einen Bedränger zu Hilfe rief, eilte Otto mit seinem Heer nach Italien. Er gewann die Lombardei und ließ sich zum „König der Langebarden“ krönen. Um den neuen Besitz zu sichern, heiratete er die Erbin Adelheid. 962 zog er in Rom ein und bekam damit den Papst in seine Hand. Von ihm ließ er sich in der Peterskirche die Kaiserkrone aufs Haupt setzen. Von nun an war der deutsche König zugleich Römischer Kaiser. Mit der Einnahme Roms wurde Otto zum Herrn, des Papstes und der Kirche. Damit sicherte er zugleich die deutsche Königsmacht. Die Kaiserkrone aber verstärkte in den Augen der übrigen Völker das Recht der Deutschen auf die Führung Europas.

Für seine großen Ziele brachte Otto I. jedes Opfer. Hatte er selbst eine lombardische Fürstin geheiratet, um Italien auch durch Erbrecht an sein Haus zu binden, so gab er seinem Sohn sogar eine volksffemde Prinzessin aus Byzanz zur Gemahlin. Seine Nachkommen sollten dadurch ein Erbrecht auf die Kaiserwürde und zugleich einen Anspruch auf Unteritalien erhalten, das dem oströmischen Kaiser in Byzanz gehörte.

Der Verstoß des Kaisers gegen die Reinhaltung des Blutes rächte sich nur zu bald. Schon nach einem halben Jahrhundert geriet unter dem Enkel, Otto III., das ganze stolze Werk Ottos des Großen ins Wanken.

Die Salier behaupten das Reich gegen den Papst.
Das Papsttum rüstet zum Großkampf (Klöster und Orden).

Im asiatischen Morgenlande leben andere Rassen als im Abendlande Europa. Wir freuen uns der Welt und sagen „Ja“ zum Kampf, der in ihr herrscht. So war es immer im Germanenlande. Anders im Morgenlande.

Für viele Menschen dort war die Welt ein „Jammertal“. Wer in ihr lebte und arbeitete, wer sich ihrer freute, der war der Sünde Knecht, auf den warteten alle Strafen der Hölle. Wer aber der Welt den Rücken kehrte, dem Kampf aus dem Wege ging und in die Einsamkeit floh, der war ein „Heiliger“!

Geistliche Orden und ihre Mönchs- und Nonnenklöster waren auch in Deutschland Pflegestätten dieses fremden Geistes. Mönche und Nonnen lebten nach Gesetzen, die mit Natur und Welt im Widerspruch standen. Armut, blinder Gehorsam und Ehelosigkeit waren ihre Pflichten, über die der Vorsteher des Klosters, der Abt, mit Härte wachte.

Hunderttausende deutscher Männer und Frauen verschwanden hinter den Klostermauern. Sie, die Millionen deutscher Kinder hätten dem Volke schenken können, gründeten keine Familie, gingen kinderlos ins Grab, und mit ihnen riß ihr Geschlecht ab. Ihr Hab und Gut aber wußten die Klöster an sich zu bringen.

In ihren Schulen unterdrückten sic die deutsche Sprache und deutsches Wesen. Nur lateinisch durften die Schüler sprechen, nur päpstlich denken. — In ihren Zellen saßen die Mönche und schrieben, getrieben von nordisch-deutschem Forscher drang, Bücher der deutschen Kaiser und der deutschen Geschichte. Aber sie sahen die Geschichte mit mönchischen Augen, vergaßen, was Deutschland und dem Germanentum günstig war. und lobten alles, was Kirche und Päpste taten. Wo deutsche Mönche Künstler waren, brach das Germanentum oft siegreich durch und schuf herrliche Bauten und Kunstwerke. Doch dienten ihre Bauten allein kirchlichen Zwecken, und ihre Bildwerke stellten fast nur biblische Geschichten dar. Nur wo das Volk selbst schöpferisch tätig war, in kunstvoller Weberei und Töpferei, in Holz- und Schmiedearbeiten, blieb, wie in den Sagen und Märchen, ein reiches Erbe germanischer Kultur erhalten. In den Hausmarken der Bauern und Bürger, in den Handwerkszeichen der Steinmetzen und Zimmerleute, in den Wappenbildem der Ritter und in den Balkensetzungen der Fachwerkhäuser lebten die altheiligen Runenzeichen weiter. Neben den Lichtgestalten von Sonne, Mond und Sternen waren der Lebensbaum, der Drache und der Drachenkämpfer beliebte Darstellungen, deren tiefen Sinn man noch ahnte.

Die Klöster stellten bald die beste Kampftruppe für die Weltherrschaft des Papstes. Von Anfang an begnügten sich Kirche und Klöster nicht mit ihrer religiösen Aufgabe, sondern suchten auch Macht und Herrschaft zu erlangen. Noch hatten die Kaiser die Macht fest in der Hand. Sie hatten Einfluß auf die Papstwahl, die vom Rat der Stadt Rom vollzogen wurde. Sie setzten die Bischöfe ein, und geboten auch über Klöster und Äbte. Da trat das Kloster Cluny in Frankreich auf den Plan. Es forderte für die Kirche völlige Unabhängigkeit vom Kaiser. Nur der Papst solle Bischöfe und Äbte einsetzen, nur ihm sollten sie Abgaben leisten. Wer als Priester Weib und Kind habe, müsse seine Familie verstoßen, um sich ganz von der Welt, von Volk und Kaiser Zu lösen. Das nannten sie „Reinigung der Kirche“ und verbargen damit geschickt ihren Machtwillen. So fanden sie viele Anhänger. Bald stand den Päpsten in den Mönchsorden und Klöstern eine gewaltige Macht zur Verfügung. Das Papsttum trat zum Großkampf gegen das Kaisertum und damit gegen Deutschland an.

Der Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum entbrennt.
Konrad II. macht das Königtum stark.

Das Geschlecht der Sachsenkaiser war dahingegangen. Am Rhein versammelten sich die Fürsten und wählten den Franken Konrad zum König. Das war eine glückliche Wahl, denn Konrad war ein Mann, wie ihn Deutschland brauchte. Hochgewachsen, langbärtig, das Bild eines germanischen Volksführers. Klug und gerecht gegen jedermann, leitete er die Geschicke Deutschlands. Er wußte, daß auf die Fürsten und Bischöfe kein Verlaß war. Deshalb schuf er eine neue und bessere Stütze für das Königtum. Die niederen Lehnsträger, den ritterlichen Adel, verpflichtete er sich zu Dank, indem er ihre Lehen erblich machte.

Konrad kannte den schärfsten Gegner des Deutschtums, die Papstkirche. Darum hütete er sich, ihre Kraft zu stärken. Die Päpste kamen ihm dabei ungewollt zu Hilfe. Gerade jetzt waren sie besonders verlottert und verwildert. Sie kümmerten sich nicht um die Kirche, sondern um ihr Wohlleben und setzten sich gegenseitig ein und ab. Konrad aber sagte sich: „Warum soll ich meine Feinde stärken, damit sie über mich herfallen können? Ein solches Papsttum schadet mir nicht, Je finsterer es dort wird, desto heller bei mir.“ Darum ließ er sie ruhig weiter in Schande versinken.

Die starke Stellung des Königs im Innern gab ihm auch Kraft nach außen.

Er vermehrte den Besitz des Reiches durch den Erwerb des Königreichs Burgund. Damit kamen die bequemen Westpässe der Alpen nach Italien und 1033 die Straße an das Mittelmeer in seine Hand.

Als Konrad starb, hinterließ er ein Deutschland so voll Kraft und Ansehen wie vor und nach ihm kein deutscher Kaiser. Im herrlichen Dom zu Speyer, den er gebaut hatte, liegt er begraben.

Sein Geschichtsschreibersagt: „Solche Gnade hat Gott dem Kaiser Konrad verliehen, daß wir niemals solches Trauern an der Leiche eines Kaisers gesehen oder gehört haben.“

Heinrich III. stärkt den Feind.

Konrads Sohn Heinrich ging andere Wege.

Strenge Frömmigkeit und düsterer Ernst bestimmten sein Leben und Wirken. Er regierte kraftvoll und erfolgreich. Unter ihm stand das Kaisertum nach imien und außen auf einem Höhepunkt seiner Macht. Ungarn und Apulien wurden Lehen des Reiches. Aber der fromme Kaiser stand ganz im Banne der Bestrebungen des Klosters Cluny und merkte nicht, wie gefährlich sie dem Kaisertum werden mußten. Seine Gemahlin Agnes, eine Französin, bestärkte ihn noch in seinem Irrtum. Sein Ziel war die Reinigung und Stärkung des verwilderten Papsttums. Drei Päpste, die sich gleichzeitig „Stellvertreter Gottes“ nannten und sich alle drei „im Namen Gottes“ grimmig befehdeten, setzte er ab und ernannte einen deutschen Bischof zum Papst, dem er noch zwei weitere deutsche Päpste folgen ließ. Mit echt deutscher Gründlichkeit und Tatkraft säuberten sie die Kirche und gaben dem Papsttum neues Ansehen. So stärkte Heinrich die Kraft des Gegners. Das sollte sich schon an seinem Sohne furchtbar rächen!

Kaiser und Papst ringen um die Herrschaft.

Heinrichs IV. Kampf mit den Sachsen.

Sechs Jahre war der junge König Heinrich alt, als sein Vater starb. Papst und Bischöfe sahen ihre Zeit gekommen. Erzbischof Anno von Köln raubte den Kaisersohn. Was kümmerte es ihn, daß der Knabe dabei fast im Rhein ertrank, wenn er nur über ihn und das Reich herrschen konnte. Als Heinrich 15 Jahre alt war, wurde er für wehrfähig erklärt und übernahm selbst die Leitung des Reiches. Die Sachsen waren dem fränkischen Königshause nicht freundlich gesonnen. Der junge Herrscher aber nahm seinen Wohnsitz im Sachsenlande und hielt Hof in der Kaiserpfalz in Goslar, die sein Vater gebaut hatte, und auf der jetzt Adolf Hitler jedes Jahr die deutschen Bauern empfängt. Er zwang die sächsischen Bauern, im Frondienst die Harzburg zu bauen und legte eine fränkische Besatzung hinein. Als er den widerspenstigen Sachsenherzog Magnus gefangensetzte, brach der Aufstand der Sachsen los. Auf verborgenen Wegen mußte der König von der Harz-burg fliehen. Sie wurde von den Sachsen gebrochen, ihre Mauern wurden geschleift. Als die Zerstörung um sich griff, fand Heinrich Hilfe bei den Fürsten. Nach hartem Kampfe wurde der Aufstand der Sachsen niedergeworfen.

Der Papst greift an.

Nun aber, erschien der grimmigste Feind des deutschen Kaisertums, Papst Gregor VII., auf dem Plan. Er war klein und häßlich von Gestalt, aber von herrschsüchtigem, gewalttätigem und finsterem Wesen. „Heiliger Satan“ wurde er von seinen Zeitgenossen genannt. Er befahl die rein kirchliche Macht der Päpste durch Kardinäle und forderte für sich allein das Recht, Bischöfe einzusetzen. Sein Ziel war die Aufrichtung des päpstlichen Weltreiches an Stelle des deutschen Reiches. Der deutsche Kaiser sollte ein Untergebener des Papstes sein; „wie der Mond sein Licht von der Sonne erhält“, so sollte der Kaiser die Befehle vom Papste erhalten. Ja, Gregor VII. forderte für sich das Recht, deutsche Kaiser ein- und abzusetzen. Das Reich war in höchster Gefahr. Da setzte Heinrich IV. kurzerhand den Papst ab. Gregor aber ließ sich nicht schrecken, erklärte den deutschen König für abgesetzt, entband alle Deutschen von ihrem. Treueide, und tat Heinrich in den Bann. Man hätte nun meinen sollen, daß alle Deutschen, besonders die deutschen Fürsten, sich wie ein Mann schützend vor den König gestellt hätten. Aber weit gefehlt! Statt dessen nützten die Fürsten die schwere Lage des Königs für ihre selbstsüchtigen Zwecke aus. Sie erklärten den König für abgesetzt, wenn er sich nicht innerhalb eines Jahres vom Banne gelöst habe. Den Papst baten sie, er möchte nach Deutschland kommen und auf einem Fürstentage in Augsburg über den König Gericht halten!

Aber König Heinrich verzagte nicht! Er wollte vor allem von seinem Vaterlande die Schmach von Augsburg femhalten und Papst und Fürsten die Waffe des Kirchenbannes aus der Hand schlagen. Dazu faßte er den schweren Entschluß, den Papst als Büßer um Lösung vom Kirchenbann zu bitten. Mitten im Winter fuhr er über die Alpen nach Italien. Gregor VII., der schon auf dem Wege nach Deutschland war, glaubte, Heinrich käme mit Heeresmacht. Darum flüchtete er in die Festung Kanossa. Daß der König als Büßer kam, war dem Papst sehr peinlich; denn damit ging ihm der höchste Triumph, in Deutschland auf einem Fürstentage Richter über den deutschen König zu sein, verloren. Drei Tage besann er sich, dann mußte er als Priester den hartnäckig „büßenden Sünder“ vom Banne lösen.

Heinrich setzt sich durch.

Damit war die Forderung der deutschen Fürsten erfüllt. Aber sie wurden wortbrüchig. Trotz ihrer Versprechungen wählten sie einen Gegenkönig, Rudolf von Schwaben. Doch nun war Heinrich im Recht. Bald hatte er so viele Getreue um sich versammelt, daß er den Kampf gegen Rudolf wagen konnte. In der Entscheidungsschlacht verlor Rudolf die Schwurhand und das Leben. „Ein Gottesgericht an dem Verräter“, sagte das deutsche Volk. In Scharen strömte es dem rechtmäßigen Könige zu. In langen Kämpfen zwang er die Fürsten wieder zur Unterordnung. Zwar tat der Papst ihn noch einmal in den Bann, aber das hatte keine Wirkung mehr. Deutschland begann zu begreifen, um was es ging. Bald kam Heinrich wieder nach Italien, aber diesmal mit einem starken Heer. Er setzte einen anderen Papst ein, der ihn zum Kaiser krönte. Gregor VII. aber starb einsam in der Verbannung. Kanossa liegt in Trümmern, doch vergessen ist es nicht! Und es soll niemals wiederkehren!

Waffenstillstand zwischen Kaiser und Papst.

Der König mußte kurz vor seinem Tode noch Schwereres erleben. Sein eigener Sohn Heinrich V. stellte sich in schmachvollem Verrat an die Spitze eines neuen Aufstandes der Fürsten. Er nahm den Vater gefangen und zwang ihn zur Abdankung. Zwar konnte der König entfliehen, aber zwei Jahre später starb er, tief gebeugt.

1122 schloß Heinrich V. zu Worms eine Übereinkunft mit der Kirche. Wie der Papst jetzt von den Kardinalen gewählt wurde, so der Bischof von den Domherren. Den Neugewählten belehnte der Kaiser mit der weltlichen Fürstenmacht, der Papst übertrug ihm die kirchliche Gewalt. Es war ein Waffenstillstand, kein Friede, der dem Kampf ein für allemal ein Ende bereitet hätte.

Machtfiille und Untergang der Staufer.

Friedrich Rotbart und Heinrich VI.
führen die Kaisermacht zur Höhe.
Friedrichs Kampf in Italien.

Im Jahre 1152 wurde Friedrich von Hohenstaufen von den deutschen Fürsten zum König gewählt. Er war eine echte Rittergestalt mit leuchtenden, blauen Augen und wallendem, rotblondem Bart. Bald war er der Liebling des Volkes. Die Italiener nannten ihn Barbarossa, das heißt Rotbart. Schwaben und Franken folgten seinem Gebot. Neben ihm stand sein Vetter Herzog Heinrich von Sachsen und Bayern, den die Nachwelt „den Löwen“ nennt. Lange hatten die Geschlechter der Staufer und Weifen um die Führung gerungen. Nun reichten sich beide die Hand, wurden gute Kameraden und hielten in Freud und Leid zusammen.

Kaum war der Friede im Reiche gesichert, da zog es Friedrich nach dem Süden, um Italien wieder fest in die Hände zu bekommen und sich in Rom die Kaiserkrone zu holen. Sein Vetter Heinrich warnte ihn, er hatte andere Pläne:

„Rom und Italien sind das Grab deutscher Kraft; jenseits der Elbe liegt Deutschlands Zukunft! Komm, laß uns nach Osten reiten!“ „Nein, Heinrich“, entschied der Kaiser, „ich habe den Weg nach Süden gewählt. Er führt durch Italien zur Weltmacht. Wir marschieren nach Rom!“ Gefolgstreu, aber widerwillig ritt Heinrich mit. Den Kauf der Kaiserkrone, den ihm der Rat der Stadt Rom anbot. lehnte Friedrich entschieden ab. „Ein deutcher König erkauft sich die Kaiserkrone nicht. Er nimmt sie sich.“ Nach der feierlichen Krönung zogen die Deutschen wieder ab. Auf den Höhen vor den Toren Roms schlugen sie ihre Zelte auf und feierten den Freudentag nach Gebühr. Die Römer nutzten die Gelegenheit zu einem Überfall. Sie wurden geschlagen, und die Treue und Tapferkeit des Löwen rettete dem Kaiser das Leben.

Als die Ruhe in Rom wiederhergestellt war, führte Friedrich sein Heer nach Deutschland zurück. Bei Verona, an einer engen Stelle des Alpentales, gerieten die Deutschen noch einmal in große Gefahr. Aber der Anschlag mißlang. Der kühne Pfalzgraf Otto von Witteisbach erstieg mit seinen Bayern den steilen Berg, auf dem die Südländer sich in den Hinterhalt gelegt hatten, und stürzte die Feinde in den Abgrand.

Wieder und wieder zog Friedrich über die Alpen; kaum hatte er den Rücken gekehrt, so flammte die Empörung wieder auf. Immer imwilliger folgte Heinrich. Zwar konnte Friedrich die Mailänder züchtigen und den feindseligen Papst verjagen. Aber die Pest brach in seinem Heere aus und raubte ihm Tausende seiner besten Ritter. Eiligst mußte er nach Deutschland Zurückkehren.

Friedrichs Kampf mit dem Löwen.

Dort waren wieder Unruhen und Streitigkeiten zwischen den Fürsten ausgebrochen. Sie richteten sich vor allem gegen die wachsende Macht des Löwen. Aber mit starker Hand schaffte Friedrich Ordnung. Wiederum rief ihn das Kaiseramt nach dem Süden. Heinrich fehlte. Erneute Hilfe, um die ihn der Kaiser bat, lehnte er ab. Als erbitterte Feinde trennten sie sich.

Der verderbliche Hader zwischen Weifen und Staufern war aufs neue erwacht. In blutiger Schlacht wurde Friedrich bei Legnano (1176) geschlagen. Nun blieb nur ein schmachvoller Friede mit den italienischen Städten und dem Papst übrig.

Friedrichs Groll wandte sich gegen den einstigen Freund, der ihm um der großen Ostaufgabe willen in schwerer Stunde die Gefolgschaft versagt hatte. Auf einem Fürstengericht wurde die Rcichsacht über den Löwen ausgesprochen. Seine Besitzungen wurden ihm genommen und zerschlagen. Bayern erhielt der Witteisbacher, doch wurde die Bayrische Ostmark ein selbständiges Herzogtum der Babenberger. Ein kleiner Rest Sachsens um Wittenberg und die Herzogswürde fielen an Albrecht den Bären, den bedeutenden Nebenbuhler des Löwen in der Ostpolitik. Westfalen kam an den Erzbischof von Köln. Zahlreiche kleinere Landesteile wurden selbständig.

1180. Heinrich wehrte sich verzweifelt, mußte aber zuletzt der Übermacht weichen; er wurde gezwungen, Deutschland zu verlassen und nach England zu gehen. Nur seine Erbländer Braunschweig und Lüneburg verblieben ihm. In der Burg Dankwarderode zu Braunschweig ist er als gebrochener Mann gestorben.

Kaiser Friedlich auf der Höhe seiner Macht.

Deutschland war fest in der Hand des Kaisers. Der Friede mit Oberitalien und dem Papste war unter schweren Opfern erkauft, der unbequeme Mahner und Gegenspieler war zu Boden geworfen. Nun gedachte Barbarossa, seine Politik zu vollenden. Er hatte erkannt, daß der Papst von Norden aus nicht zu bezwingen war, solange er bei den Normannen in Süditalien Hilfe fand.

Um auch dies Land an sein Haus zu bringen, vermählte er zu Mailand seinen Sohn mit Konstanze, der Erbin des normannischen Staates in Sizilien. Jetzt konnte er an einen neuen Entscheidungskampf mit dem Papsttum denken.

Das große Fest in Mainz zeigte Friedrich auf der Höhe seiner Macht als Herrn des Abendlandes. Das Volk sah die gewaltige Prachtentfaltung, bewunderte seinen strahlenden Kaiser und liebte ihn.

Der Tod des Kaisers.

Fern der Heimat fand Kaiser Rotbart den Tod. Nach Kleinasien hatte er in einem Kreuzzuge die deutsche Ritterschaft geführt. Dort ertrank er im Flusse Saleph (1190). Niemand w;eiß, wohin seine Leiche gekommen ist. Das deutsche Volk konnte an ein solches Ende seines Lieblingsgskaisers nicht glauben. Nach der Sage fand er im Kyffhäuser die letzte Ruhestätte:

Er hat hinabgenommen des Reiches Herrlichkeit
und wird einst wiederkommen mit ihr zu seiner Zeit.

Heinrich VI. will das Weltreich.

Friedrichs Sohn Heinrich VI. war eine noch gewaltigere Herrschernatur. Ihn hatte der Weltreichsgedanke völlig ergriffen. Von Norden und Süden zugleich nahm er Rom in die Zange und zwang den Papst zum Gehorsam. England-und Frankreich wurden kaiserliche Lehen, Spanien war von Heinrich abhängig, Zypern und Armenien zahlten ihm Tribut, und selbst der Kaiser von Byzanz entrichtete die „Deutschensteuer“. Sizilien sollte der Mittelpunkt eines Weltreiches werden, das Europa, Asien und Afrika verband. Schon stand ein mächtiges Heer in Sizilien bereit, dessen Kern die deutsche Ritterschaft bildete; die kaiserliche Flotte, die das Heer nach Kleinasien bringen sollte, lag in den Häfen. Aber plötzlich brach alles zusammen. Heinrich starb, 33jährig, an einem kalten Trunk. Die Zukunft des staufischen Weltreiches sank mit ihm ins Grab.

Zerfall des Reiches und Untergang des Kaiserhauses.

In Deutschland wurden zwei Männer auf den Schild gehoben: die Stauferfreunde wählten Philipp von Schwaben, die Gegner den Weifen Otto IV.

Bis zu Philipps Ermordung tobte zwischen beiden der Bürgerkrieg. Auf dem päpstlichen Stuhle aber saß der mächtige Innocenz III. Der schlaue Priester hielt es bald mit den Weifen, bald mit den Staufern und vermehrte dabei die päpstliche Macht. Statt des Kaisers schien nun der Papst der Herr Europas zu werden.

Die Kaiserin Konstanze bat ihn sogar um Schutz für ihren unmündigen Sohn Friedrich, der in Sizilien aufwuchs. Ihn brachte Innocenz so bald wie möglich auf den Kaiserthron. Aber er hatte damit einem gefährlichen Gegner zur Macht verholfen. Friedrich II. war nicht nur in staatlichen Dingen gegen den Papst. Er war auch der erste deutsche Kaiser, der sich in seinem Glauben und Denken von Papst und Kirche frei und unabhängig fühlte. In seinem Staate Sizilien, den er zu einem Musterstaat ausbaute, herrschte volle Glaubensfreiheit. Leider fühlte sich Friedrich II. mehr als Normanne und kümmerte-sich wenig um Deutschland. Selbst den Ansturm der Mongolen, der wieder hcranbrauste, wehrte er nicht ab. Als die Fürsten den Kaiser um Hilfe gegen die Asiaten baten, antwortete er: „Gern würde ich euch helfen.

Aber meine Todfeinde, der Papst und die lombardischen Städte, zwingen mich, in Italien zu bleiben. Helft euch selbst, so gut ihr könnt.“ Allein mußten die deutschen Fürsten unter Herzog Heinrich von Niederschlesien den Horden entgegentreten. Bei Liegnitz kam es zur Schlacht. Der Herzog mit seinen Getreuen starb den Heldentod. Aber der Ansturm war gebrochen, die Asiaten kehrten um.

Den Forderungen der deutschen Fürsten auf Stärkung ihrer Macht kam Friedrich II. weit entgegen. Wichtige Rechte des Kaisertums gab er an sie preis und legte damit den Grund für die spätere Zersplitterung Deutschlands in selbständige Länder.

In dem Enkel Friedrichs II. erlebte das herrliche Geschlecht der Staufer sein furchtbares Ende.

Auf dem Marktplatz in Neapel ist ein Blutgerüst aufgerichtet (1268). Ein lärmender Haufen umgibt es. Denn heute w ird ja ein deutscher Fürst, Kon-radin, von seinem haßerfüllten Gegner, dem Bruder des französischen Königs, hingerichtet. Das Ende der Staufer war auch das Ende der glanzvollsten deutschen Kaiserzeit. Deutsche Herrscher, die die Quelle ihrer Kraft außerhalb Deutschlands suchen, können nicht bestehen.

 

Die Kreuzzüge.
Der Papst wird Kriegsherr.

Den Päpsten genügte die geistliche Gewalt nicht, sie wollten die alleinige Weltmacht besitzen. Dazu aber mußten sie auch die Gewalt der Waffen den Kaisern entreißen und sie in ihre Hand bringen. Papst Urban II. beschloß, die päpstliche Macht im Morgenlande durchzusetzen. Von Ort zu Ort, von Land zu Land eilten seine Boten und luden die Christen zu einer großen Kirchenversammlung nach Clermont in Frankreich ein.

Tausende folgten der Einladung: Bischöfe und Mönche, Fürsten und Ritter, Bürger und Bauern, sogar Frauen und Kinder. Von hoher Tribüne herab hielt Urban II. eine feurige Ansprache an die Versammelten. In bewegten Worten schilderte er die große Not der Pilger, die nach Jerusalem wallfahrteten. Dann wetterte er heftig gegen die Türken, die die morgenländischen Christen bedrückten und die heiligen Stätten schändeten. Zum Schluß forderte er die Gläubigen auf, Palästina, das „Heilige Land“, zu befreien. — Die Rede des Papstes versetzte die Masse in eine ungeheuere religiöse Begeisterung. Ein Mönch schrie: „Gott will es!“ Diesen Ruf griff die Menge auf. Immer wieder und immer lauter riefen die erregten Menschen: „Gott will es! Gott will es!“ — Der Papstnahm seinen purpurnen Mantel, schnitt daraus kleine Kreuze und heftete sie den Männern, die andern Zuge gegen die Türken teilnehmen wollten, auf die rechte Schulter.

Kreuzritter erobern Jerusalem.

Zahlreiche französische, normannische und deutsche Ritter traten unter der Führung des tapferen Herzogs Gottfried von Lothringen den Kreuzzug an. Über Ungarn, durch die Lombardei und über See gelangte das gewaltige, stolze Ritterheer nach Konstantinopel und von dort nach Klein-asien. Nun begann für die Kreuzfahrer eine Zeit der bittersten Not. ;„Viel Steine gab’s und wenig Brot.“ Schlimmer noch als der quälende Hunger war der rasende Durst in den öden Steppen und wilden Gebirgen. Große Verluste erlitten die Ritter durch die häufigen Überfalle der flinken türkischen Reiterschwärme. Aber sie ließen den Mut nicht sinken. Trotzig und tapfer schlugen sie sich durch alle Not hindurch.

Jerusalem war ihr Ziel. Endlich, drei Jahre nach Beginn des Kreuzzuges, kamen sie vor der Heiligen Stadt der Christenheit an. Von den 200000 Rittern, die sich zur Befreiung des Heiligen Landes aufgemacht hatten, waren nur noch 20000 am Leben. 180000 tapfere Männer vom besten germanischen Blute waren gefallen, verhungert, verdurstet — nicht im Kampfe für ihr Volk und Vaterland, sondern im Dienste des päpstlichen Machtwillens. Trotz der Übermacht der Türken verzagte die kleine Schar der Kreuzfahrer nicht. Beim Anblick Jerusalems riß sich jeder zusammen und gab sein Letztes her, um die Stadt den Türken zu entreißen. Fünf Wochen tobte der Kampf. Dann gelang es den todesmutigen Angreifern, die hohen Mauern zu ersteigen und in die Festung einzudringen (1099). Herzog Gottfried war nun „Beschützer des Heiligen Grabes“. Seine Nachfolger nannten sich „Könige von Jerusalem“.

Als besondere Kampftruppe des Papstes entstanden in Palästina die geistlichen Ritterorden. Das waren Gemeinschaften von Rittern, die wie Mönche lebten. Jeder, der in einen Ritterorden eintrat, mußte außerdem geloben, gegen die Ungläubigen zu kämpfen. Deutsche Ritter gründeten den „Deutschritterorden“. Die Deutschherren trugen einen weißen Mantel mit schwarzem Kreuz. Später, als sie dem Morgenland den Rücken kehrten und Preußen eroberten, erwarben sie sich ein großes Verdienst um das Deutschtum.

Erfolge und Mißerfolge der Kreuzzüge.

Schnell erkannten die unternehmungsfreudigen Kaufleute von Venedig und Genua, daß die Eroberung des „Heiligen Landes“ für sie ein gutes Geschäft werden konnte. Mit den Schätzen Asiens und Afrikas reich beladen, kehrten ihre Schiffe nach den Heimathäfen zurück und machten sie schnell reich und mächtig. Auch süddeutsche Städte: Augsburg, Nürnberg, Mainz und Frankfurt nahmen an dem Aufschwünge teil.

Doch das Königreich Jerusalem bestand nur 90 Jahre. Dann eroberten die übermächtigen Türken die Stadt wieder zurück. Wohl zogen in den nächsten zwei Jahrhunderten noch oft deutsche, englische, französische, lombardische und normannische Kreuzfahrer unter der Führung von Königen und Kaisern nach Palästina. Sie erfochten auch noch manchen Sieg über die Gegner. Aber ein dauernder Erfolg blieb ihren Kämpfen versagt. Im Jahre 1291 waren die Türken wieder Herren im ganzen Lande.

Bei jedem Siege der Kreuzritter frohlockten die Päpste. Doch als dann schließlich alles mit einer Niederlage endete, hatte die Kirche den Schaden. Viele dachten jetzt: „Wenn der Segen des ,Heiligen Vaters* eine so schlechte Wirkung hat, dann kann der Papst unmöglich der Stellvertreter Gottes auf Erden sein.“ Der Mißbrauch, den die Kirche mit ihrer Macht und ihrem Reichtum trieb, kam hinzu. Gegen Ende der Kreuzzüge erwachte zum erstenmal in Europa der Zweifel an den päpstlichen Lehren. Schon der letzte Hohenstauferkaiser Friedrich II. war ein Freigeist, der sich in Glaubensdingen von Papst und Kirche unabhängig fühlte. Der Kampf um Geistesfreiheit nahm seinen Anfang.

Deutschland ist unser Heiliges Land.

Wir heutigen Deutschen haben erst recht kein Verständnis dafür, daß Kaiser und Könige, Herzoge und Ritter als Feldherren und Soldaten des Papstes für die kirchliche Weltherrschaft kämpften. Was hätte erreicht werden können, wenn so viel Kraft an die Wiedergewinnung des Ostens gesetzt worden wäre ? Heute gehört unser Dienen und Glauben, unsere ganze Leidenschaft und Kraft einzig und allein dem deutschen Führer, dem deutschen Volke und dem Großdeutschen Reiche. Und für uns gibt es nur einen Kampf: den Kampf für Deutschland, für unser Heiliges Land.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.

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