Das Rotkehlchen


KENNZEICHEN DER ART. Oberleib schmutzig olivengrün; Kehle und Brust orangeroth.

BESCHREIBUNG. Schnabel rund, hornbraun, die untere Kinnlade an der Wurzel gelblich; am Schnabelwinkel schwarze etwas vorwärtsstehende Borsten; Augenstern graubraun; Stirn, Wangen, Augengegend, Kinn, Unterhals und der Vordeitheil der Brust schön orangeroth; Ohrgegend, Seiten des Halses und der Brust bläulichgrau; Scheitel, Oberhals, Rücken und die Flügeldekfedern schmutzig oliven-grün; mehrere große Dekfedern an den Spitzen mit dreieckigen orangegelben Flekchen; Schwung-und Schwanzfedern dunkelbraun, hellolivengrün gerandet; Bauch weiß; an den Seiten olivengrün ; Steißfedern schmutzig weiß; Füße schwarzbraun, oder fleischbraun; Nägel schwarz. Die Flügel bedecken die Hälfte des Schwanzes. Länge 5 3/4 Zoll; Breite 8 Zoll.

Die Weibchen sind auf der Brust blasser. An den einjährigen Männchen sieht man die orangerothen Flekchen an den Spitzen der großen Flügeldekfedern fast gar nicht; die Farbe am Unterhalse und der Brust ist dottergelb. Die Jungen, von welchen hier eins abgebildet ist, erhalten, wenn sie die gelbe Wolle abgelegt haben, im Herbste ein ziemlich schäckiges Kleid.

Die Grundfarbe auf dem Oberleibe ist olivenbraun mit vielen orangerothen Flecken und Federrändern; Unterhals schmutzig blaß orangefarbig; Bauch weißlich; die langen Flügeldekfedern schwärzlich, olivengrün gerandet, an der Spitze mit orangefarbigen Flecken; Flügel und Schwanz schwärzlich und olivengrün gerandet; die hintern Schwungfedern mit einer orangefarbigen Spitze; Füße und Schnabel fleischbraun.

AUFENTHALT. Es bewohnt Europa und Madera. In Deutschland ist es ein Zugvogel, der in der Mitte des März bei uns ankommt, sich um diese Zeit etwa drei Wochen laug in Hecken und Stachelbeerstauden aufhält, dann aber in die Wälder, besonders in die gebirgigen zieht. Im Oktober zieht er wieder in Gesellschaft seines Gleichen und wahrscheinlich bei Nacht weg. Manche bleiben bis in den November, einzelne sogar bis in den Winter hier. Leztere büßen aber öfters bei strenger Kälte ihr Leben ein.

EIGENSCHAFTEN.

Es ist ein munteres wachsames Vögelchen, das sich schon am frühen Morgen und noch spät am Abend, wenn es bereits dunkel geworden ist, hören läßt. Der Schwanz ist dabei immer in Bewegung. Auch macht es fast bei jedem Sprung eine Verbeugung. Im Zimmer wird es außerordentlich zahm und zutraulich ; frißt aus der Hand, ja es erdreistet sich auf den Tisch zu hüpfen und von dem Mittagsgerichte zu naschen. Es läßt sich im Winter leicht an das Ein – und Ausfliegen gewöhnen. Goeze sagte einmal eines aus seinem Hause, das im Herbste wieder kam und sogleich seinen gewohnten Standort im Zimmer besezte, im nächsten Frühjahr wieder ausgetrieben wurde und im darauf folgenden Herbste sich abermal einslellte. Es badet sich sehr gern und macht dabei allerhand belustigende Bewegungen. Seine Neugierde ist so groß , daß es alles durchsuchen muß, aber eben dadurch auch leicht gefangen wird. Seine Lokstimme ist ein helles sisi, sisi, siri; sein Gesang, angenehm, etwas melancholisch. Es läßt ihn im Freien gern des Morgens und Abends hören. Jung aufgezogen lernt es auch den Nachtigallengesang. Im Zimmer erstrebt sich sein Alter auf acht und mehrere lahre.

NAHRUNG. Sie besteht aus allerhand Insekten , besonders Fliegen, Haften, Würmern und Beeren z. B. Iohanuisbeeren, Vogel-Hollunder – und Sporgelbeeren (Rhamnus Frangula). Im Zimmer frißt es, wenn es einmal zahm ist, fast von allem, was es vorfindet.

FORTPFLANZUNG. Es brütet im lahre zweimal und hauet sein schlechtes aus Erdmoos, Grashalmen, Vogelfedern und Thierhaaren zusammen getragenes Nest in die Löcher der Steine, Baumstrunke, Maulwürfe und unter Baumwurzel. Das Weibchen legt 4. bis 7. ziemlich große, weiße, mit röthlichen Punkten versehene Eier, die es mit Beihilfe des Männchens in dreizehn Tagen ausbrütet. Die Jungen, werden mit weichen Insekten gefüttert und sind anfangs ganz in gelber Wolle eingewickelt.

NUTZEN bringt es durch seinen Gesang und durch Wegfangung schädlicher Insekten. Sein Fleisch ist schmakhaft. SCHADEN stiftet es fast gar nicht. FEINDE hat es an den Füchsen, Baummardern, Wieseln, Sperbern, Baum- und Thurmfalken, Eulen, Hähern, und Neuntödern.

JAGD UND FANG. Mit der Flinte und dem Blasrohre kann es leicht erlegt werden. Im Herbste wird es auf den Vogelherden, mit Sprenkeln, dem Federnez, mit Leimruthen, auch in der Schneuße gefangen. Im Frühjahr fängt man es im Nürnbergischen mit einem etwa 15. Fuß langen Garn , das man quer vor das Ende einer Hecke, mit Hülfe einiger Stangen senkrecht aufstellt. Zwei Personen, die eine innerhalb die andere außerhalb der Hecke , treiben sodann, vom entgegen gesezten Ende anfangend , durch Schlagen an die Zweige die Rothkehlchen anfangs langsam , in einer fünfzehnschuhigen Entfernung vom Garn aber, mit einem schnellem Lauf und geschwindem Anschlägen, in das vorgestekte Garn.

VERSCHIEDENHEITEN.

1. Motacilla rubecula alba.
2. Motacilla rubecula leucothorax.
3. Motacilla rubecula varia.

ANMERKUNG. Nach einer bessern Abtheilung der Linneschen Motacillen gehört nun das Rothkehlchen unter die Gattung: Sylvia.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Der Pirol
Das Rotschwänzchen
Die weisse Bachstelze
Die Lachtaube
Der Staar
Der Grünling
Die Mauerschwalbe
Der Kukuck
Die Bisamente
Der Hänfling

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  1. […] Siehe auch: Der Uhu Der Dorndreher Die Elster Der Kernbeisser Der Gimpel Die Kohlmeise Der Turmfalke Der Grünspecht Die Dohle Der Stockfalke Der Pirol Das Rotschwänzchen Die weisse Bachstelze Die Lachtaube Der Staar Der Grünling Die Mauerschwalbe Der Kukuck Die Bisamente Der Hänfling Das Rotkehlchen […]

    1. April 2017

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