Der alte Konflikt zwischen Gouverneur und Ansiedlern

scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Schon in der letzten Nummer haben wir einige Andeutungen darüber gebracht. Inzwischen haben sieben nicht beamtete Mitglieder des Gouvernementrats dieser Kolonie, deren es acht gibt, folgendes Telegramm an das Reichskolonialamt gerichtet:

„Wir protestieren gegen Solf Auflassung, dass Abschiednahme am 20. September rechtsgültige Sitzung des Gouvernementsrats war. Wir missbilligen den uns jetzt erst bekannt gewordenen Etat 1911, besonders Ankauf alten Zollamts sowie Zollerhöhung.“ Im Etasentwurf sind 30000 Mk. als erste Rate für den Ankauf eines Grundstücks für die Zollanlagen gefördcrt. Dieses Grundstück gehört der Hamcls- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Inseln, deren Vertreter, das achte Mitglied des Gouvernementsrats, das Telegramm nicht mitunterzeichnet hat. Als die Absicht der Erwerbung dieses Grundstücks bekannt wurde, erhob sich in der Kolonie allgemeiner Widerstand dagegen; andere Plätze, hiess es, eigneten sich besser und seien billigcr zu haben. Die Misstimmung wurde noch dadurch vermehrt, dass zur Deckung jener 30000 Mk. und eines gleichen Betrages für Versetzung der Markthalle und deren Umbau als Zollschuppcn die Wertzölle der einkommenden Güter von 10 auf 12 ½  Prozent erhöht werden sollen, woraus eine Mehreinnahme von 85000 Mk. erwartet wird. Dio erwähnten Mitglieder des Gouvernementsrats behaupten, dass der Etat ihnen nicht vorgelegt worden sei. Am 20 September, vor Antritt der Urlaubsreise des Gouverneurs Dr. Solf fand eine Sitzung des Gouvernememsrats statt, die nach dem Telegramm lediglich einer Verabschiedung galt. Erst bei dieser Gelegenheit erfuhren die Mitglieder einiges über das

Kaufgeschäft, während der Etat, der ihnen nicht Vorgelegen hatte, schon nach Berlin gesandt war. Die „politische“ Lage — wenn man so sagen darf — ist auf Samoa in grossen Zügen folgende: Es stehen sich zwei Parteien gegenüber, die, Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südseeinseln und einige von ihr abhängige Elemente; diese Partei hat das Ohr des Gouverneurs; auf der andern Seite die Mehrzahl der Gesellschaften, Pflanzer und Händler. Nicht unzutreffend bemerkt über dies Verhältniss die „Köln. Ztg.“. Das ist ein durchaus bedauerlicher Zustand, den die Kolonialverwaltung durch einen geschickten Zug ändern könnte. Es muss doch nicht unter allen Umständen der Gouverneur im Gegensatz zu der Mehrzahl der erwerbstätigen Weissen stehen. Bei der Beratung des Etats könnte die Frage der Verwaltung Samoas im ganzen geprüft werden. Man darf sich fragen, ob das kleine Gebiet von 2588 qkm, also soviel wie das Grossherzogtum Luxemburg, immer noch einen hochmögenden Gouverneur haben muss, ob nicht vielmehr, wie in den andern Inselgruppen der Südsee, unter dem Gouverneur von Neu-Guinea ein Bezirksamtmann mit etwas erweiterten Befugnissen genügen würde. Es wäre dann allerdings notwendig, den Verkehr mit Gouvernementsdampfern und Funkspruchstationen zu erweitern.“ —