Der Baumwollbau in unseren Kolonien


Eine ernste Mahnung, den Baumwollbau in unseren Kolonien mit allen Mitteln zu fördern und hier in keiner Weise zu sparen, enthalten die endgültigen Berichte über die amerikanische Baumwollernte, in dem am 31. August beendeten letzten Erntejahrc. Die Ernte 1909/10 betrug nur etwa 10 ½ Millionen Ballen, fast ¼ weniger als im Vorjahre und ist die kleinste seit sechs Jahren. Da die Vereinigten Staaten unseren Baumwollbedarf — 1909 über ½ Milliarde Mark — zu ¾ decken, da der Preis für das Pfund von kaum 30 Pf. in 1899 jetzt auf über 76 Pf. gestiegen ist, und da die Vereinigten Staaten ihre Baumwolle menr und mehr selbst verarbeiten, so ergibt sich, welcher Notlage diese Industrie in Europa entgegengeht, die in Deutschland fast den achten Teil aller industriellen Arbeiter beschäftigt. Die Bemühungen unseres Kolonialwirtschaftlichen Komitees, den Baumwollanbau in unseren Kolonien weiter auszudehnen, verdienen daher allgemeinste Unterstützung. In Togo stieg die Ernte von 857 Ballen (zu 250 kg) in 1905/06 auf 2327 Ballen in 1903 09, ist aber im laufenden Jahre wieder etwas zurückgegangen, in Ostafrika stieg sie von geringen Anfängen in 1902 auf 1061 Ballen in 1903 und 2077 Bällen in 1909. In Togo wird der Anbau der Baumwolle als Volkskulturbetrieben und durch die Ackerbauschule in Nuatjä gefördert, in Ostafrika sind zurzeit 12 grosse Baumwollplantagen in der Entwicklung begriffen, die zusammen 85000 Hektar Land belegt haben.



Es sind bereits 7 Dampfpflüge im Betrieb. Das Kolonialwirtschaltlichc Komitee wird in seinen Bestrebungen seitens des Reiches unterstützt und erhält von den Textilindustriellen eine Beihilfe von 10 v. H. der Berufsgenossenschaftsumlagen. Die Regierung widmet dieser Frage unausgesetzt die grösste Aufmerksamkeit. Im Etat von Deutsch-Ostafrika und Togo sind für das Baumwollwesen gesteigerte Mittel angefordert und es wird, wie Herr von Lindequist im Reichstage mitgeteilt hat, der Budgetkommission schon in kurzer Zeit eine umfangreiche Baumwolldenkschrift vorgelegt werden.