Der Dorndreher

KENNZEICHEN DER ART:

Männchen. Rücken und Dekfedern der Flügel rothbraun; Unterleib schwachrosenroth ; Scheitel und Nacken aschblau. Weibchen. Hals, Brust und Seiten gelblichweils, mit dunkelbraunen Wellenlinien; Oberleib schmuzig rostroth, schwach weiß und schwarzbraun gewässert.

BESCHREIBUNG. Schnabel schwarz, an der Spitze mit einem kleinen scharfen Zahn; Oberschnabel am Grunde mit einer Reihe schwarzer Borsten; Augenstern graubraun; Kopf und Nacken und obere Dekfedern des Schwanzes aschblau; über die Stirn und durch die Augen ein schwarzer Streifen, Rücken und Dekfedem der Flügel roth-braun gerandet; Unterleib schwach rosenroth; Steißfedern weiß; Schwanz etwas keilförmig, die zweimittlem Federn schwarz, die übrigen bis über die Hälfte zunehmend weiß, gegen das Ende Schwarz mit einer weißen Spitze, die ersten kürzern mit einer weißen Einfassung; Füße bläulich schwarz. Länge 6 Zoll; Breite 12 Zoll. Die Flügel bedecken ein Drittel des Schwanzes.

AUFENTHALT. Er lebt in dem Striche voll Italien bis Norwegen hinauf. In Deutschland ist er ein Zugvogel, der zu Anfang des Mai daselbst ankommt. Gewöhnlich findet man ihn in Hecken und Feldbüschcn.

EIGENSCHAFTEN. Er sizt gerne auf den obersten Zweigen der Büsche, wo er auf Insekten lauert, die er an Dornen steket und zu gewissen Tagesstunden mit einander verzehrt. Merkwürdig ist sein Gesang, der aus den Gesängen der Grasmücke, der Lerche, des Stieglitzes, Rothkehlchens, Weidenzeisigs, der Schwalbe und anderer in seiner Nähe wohnender, Vögel zusammen gesezt ist. Er ist im Stande, die Loktöne der vorüber fliegenden Vögel im Augenblicke auf das täuschendste Nachzuahmen, welches aus bloßem Muthwillen zu geschehen scheint. Doch hat man noch keinen Goldammer- und Finkengesang von ihm gehört. Sein ihm eigener Lokton ist ein übellautendes gäk, gäk, oder ätsch, ätsch. Er ist übrigens ein zänkischer Vogel, der sich sowohl im Freien, als auch im Zimmer mit andern Vögeln herum beißt. Seinen Schwanz bewegt er sehr oft auf und nieder; bei der Begattung breitet er ihn auseinander, dreht ihn links und rechts, und macht sonst noch allerhand sonderbare Verbeugungen.

NAHRUNG. Sie besteht vorzüglich aus Mai- Mist- und Laufkäfern, Feldgrillen und Heuschrecken. Zuweilen speißt er auch eine Maus oder Eidechse, oder doch wenigstens Stücke von derselben.

FORTPFLANZUNG. Das Weibchen brütet des Jahrs zweimal. Das etwas große, von vielem Kunstfleisse zeugende Nest, besteht aus Grasstengeln, Wurzelfasern, Moos und Wolle. Die fünf, selten sechs, stumpfen Eier sind weiß, mit vielen schmutzig gelben und aschgrauen Punkten besäet. Die Iungen, welche nach 14 Tagen aus den Eiem schlüpfen, sehen anfangs dem Weibchen ziemlich ähnlich,

NUTZEN. Sein Fleisch, vorzüglich aber das der Jungen, ist schmackhaft. Ausserdem nüzt er auch durch seine Nahrung. SCHADEN stiftet er nur, wenn er junge Vögel überfällt. FEINDE hat er zuweilen an dem kleinen Wiesel, das sein Nest beschleicht.

JAGD UND FANG. Er kann, da er nicht scheu ist, leicht geschossen werden. Lebendig fängt man ihn mit Leimruthen und dem Springgarn, an dessen Zunge man einen lebendigen Käfer stekt.

VERSCHIEDENHEITEN.

1. ) Lanius spin. albus.
2. ) Lanius spin. varius.
3. ) L. sp. forficatus. Mit einem kreuzförmigen Schnabel.

ANMERKUNG. Dieser Vogel macht den Uebergang von den Raubvögeln zu den Singvögeln.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Pirol

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