Der Gimpel

KENNZEICHEN DER ART.

Männchen. Oberleib hellaschgrau; obere Dekfeder des Schwanzes Weiß; Unterleib roth; Kopf, Flügel und Schwanz schwarz. Weibchen. Unterleib röthlichgrau, übrigens mit dem Männchen gleich gefärbt.

BESCHREIBUNG. Schnabel schwarz, kurz und dik, die obere Kinnlade etwas übergehend, die untere am Seitenrande eingebogen; Nasenlöcher mit Federchen bedekt; Augenstern kastanienbraun; Oberkopf, die Gegend um die Augen, Kinn und Kehle sammtschwarz; Oberhals, Rücken und Schultern hellaschgrau; Schwungfedern schwarz; die der zweiten Ordnung am äussern Rande stahlblau; die großen Dekfedem der Flügel schillerndschwarz mit weißen Enden, die übrigen aschgrau, Unterrücken weiß; Schwanz schwarz, stahlblauglänzend, etwas gespalten; Unterleib karmoisinroth, Bauch Weiß; Füße schwarz. Länge 6 ¼ Zoll; Breite 11 Zoll. Die Flügel bedecken die Hälfte des Schwanzes.

AUFENTHALT. Ganz Europa und das nördliche Asien. In Deutschland sind sie bekannt genug. Sie bewohnen die gebirgigen Waldungen. Beide Geschlechter leben hier fast beständig einsam beisammen. Erst im November bilden sich kleine Gesellschaften, die von einer Gegend in die andere streichen und bei großer Kälte auch in die Gärten kommen. Im März suchen sie, ohne daß sie aus Deutschland wandem, ihre alten Standorte wieder auf. Man kann sie daher mit vollem Rechte unter die deutschen Strichvögel rechnen.

EIGENSCHAFTEN. Sie sind freundschaftliche Vogel, die durch ihre sanften Loktöne, behagliche Wendungen ihres Körpers und Hin- und Herfliegen ihre Zuneigung zu einander auszudrücken suchen. An schönen Wintertagen bemerkt man dies besonders, wenn sie auf dem Gipfel der Bäume sitzen und ihren melancholischen Lokton tie, tic, tie, einander zurufen. Ihr Flug ist schnell und rukweise; ihr Gang hüpfend und schief; ihr Gesang kreischend, leise und unangenehm. Sie sind gelehrig und lernen jung aufgezogen, nach der Orgel verschiedene Melodien pfeifen.

NAHRUNG. Sie fressen im Freien Vogel- Schlingbaum- Kreuz- Hartriegel- Weißdorn- und Wachholderbeeren, Hagebutten, Baumknospen, Erlen – Fichten – und Tannen- Hirsen – Lein – Heidekorn- Heidekraut- Nessel- und Grassamen, und den Samen der schneeballblätterigten Spierstaude, welcher eine ganz vorzügliche Leckerspeise für sie ist; im Zimmer Hanf – und Rübsamen. Das Fleisch der Beeren werfen sie weg und fressen bloß die Samenkerne.

FORTPFLANZUNG. Sie brüten des Jahrs zweimal und legen ihr Nest bald hoch bald niedrig in die Gabelzweige solcher Bäume, welche tief in den Wäldern stehen. Es besteht aus zarten Reisern und Erdmoos. Das Weibchen legt drei bis sechs stumpfe, bläulichweiße, am Obern Ende mit violetten und braunen Flecken versehene Eier. Welche von beiden Geschlechtern wechselweise in fünfzehn Tagen ausgebrütet werden. Die Alten füttern die hingen aus dem Kropfe. Leztere sehen schmutzig dunkelaschgrau aus; Flügel und Schwanz dunkelbraun. Bei den Männchen schimmert die Brust ins röthliche.

NUTZEN stiften sie durch ihr wohlschmeckendes Fleisch und ihren künstlich gelernten flötenartigen Gesang, SCHADEN wenn sie die Knospen der Obstbäume fressen. Ihre FEINDE sind der Sperber und Baumfalke.

JAGD UND FANG. Sie werden leicht mit der Flinte erlegt und mit Garn, Leimruthe, Sprenkeln und Schlingen in der Schneuße gefangen.

VERSCHIEDENHEITEN.

1.) Loxia Pyrrhula candida.
2.) Loxia Pyrrhula nigra.
3.) Loxia Pyrrhula varia.

ANMERKUNG. Es gibt zwar kleine und große Gimpel, sie machen aber keine besondern Arten aus. Loxia Pyrrhula hybrida entsteht von einem jung aufgezogenen Gimpelweibchen , das mit einem Carnarienvogel-Männchen gepaart wird. Loxia Fyrrhula leucocephala und Loxia Pyrrhula flamengo können zu L. Pyrrh. varia gerechnet werden, und L. hamburgica ist wahrscheinlich nichts anders, Als ein Feldsperling. Fr. montana.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Pirol