Der Grünspecht

KENNZEICHEN DER ART. Zeisiggrün; Scheitel und Hinterkopf karmoisinroth; Gesicht schwarz und roth; alle Schwanzfedern gebändert.

BESCHREIBUNG. Schnabel stark, dreikantig, am Ende keilförmig, oben schwarzbläulich, an der Wurzel und am Unterkiefer weiß; Nasenlöcher mit schwärzlichen Borsten bedekt; Augenstern weiß; Scheitel und Hinterkopf schön karmoisinroth; Gesicht schwarz; Schläfe weiß-grün; Oberhals, Rücken und Dekfedern der Flügel zeisiggrün; Unterrücken glänzend grüngelb; erste Ordnung der Schwungfedern schwärzlich, auf der äußern Fahne mit weißgelben Flecken, zweite Ordnung olivengrün, die breite Fahne schwärzlich mit länglichrunden Weißen Querflecken; Schwanz steiß einwärts gebogen, spitzig, schwärzlichgrün, mit graubraunen Querflecken, die mittlern Federn mit schwarzen Spitzen und einer grüngelben Einfassung; Kehle Weißlich; Unterleib schmutziggelblich, am Halse ins Grüne übergehend, am Bauche mit undeutlichen schwärzlichen , und auf den großen Schenkelfedern mit grünlichen Querstrichen; Füße graugrün, Nägel schmutzig aschgrau. Die Flügelspitzen reichen bis auf die Mitte des Schwanzes. Länge 1 Fuß; Breite 1 ½ Fuß. Das Weibchen hat weniger Roth auf dem Scheitel, auch sind die übrigen Farben blässer.

AUFENTHALT. Er ist in Europa zu Hause. In Deutschland ist er ein bekannter Standvogel, und hält sich gern in großen Eichen- und Buchenwäldern, auch Vor-und Feldhölzern, die mit Eichen besezt sind, auf.

EIGENSCHAFTEN. In beständiger Tliätigkeit, klettert und klopft er immer an den Bäumen herum und läßt dazwischen sein weit schallendes gak, gak, gak, gak, gak, hören. Nähert man sich ihm, so ist er sogleich auf der entgegen gesezten Seite des Stammes und schielt nur mit dem Auge etwas vor, um zu sehen, ob Gefahr vorhanden ist, oder nicht. Er ist scheu und daher schwer zu schießen. Hat man ihn verfehlt, so fällt er gerade herunter, man hält ihn für verwundet, oder tod, läuft hinzu und — findet nichts, — weil er niedrig weg und an einen entferntem Baum flog. Mit einer grossen Geschäftigkeit meiselt er vermittelst seines starken Schnabels große, runde Löcher in angefaulte — nicht aber in gesünde — Bäume, und läuft dann nach acht bis zwölf Hieben um den Stamm herum, und sieht, ob keine durch sein Klopfen in Schrecken gesezte, Insekten oder ihre Larven aus den Löchern oder Ritzen der Rinde hervorgekrochen sind. Bei seinem zwar ungeschikten, aber doch schnellen Fluge steigt er anfangs schief in die Höhe und fällt dann bogenförmig wieder nieder. Sein Gang ist hüpfend. Seine NAHRUNG sind vorzüglich Larven und Puppen des Goldkäfers, der Hornissen, verschiedene andere Insekten, die sich unter der Borke aufhalten, Ameisen, Engerlinge und Regemvürmer. Auch gehet er an die Bienenstöcke und fanget die Bienen weg.

FORTPFLANZUNG. Auf dem Gipfel eines hohen Baums rufet das Männchen ein Weibchen herbei, fliegt ihm, wenn ihm eins antwortet, entgegen, und empfängt es zärtlich mit einem leisen gi, gi, gi, gä, gä, gä, indem sie um einen niedrigen Baumstamm herum laufen. Sie machen kein eigentliches Nest. Das Weibchen legt seine drei bis fünf weiße Eier auf das bloße faule Holzmehl hin, das sich in den Löchern der Bäume befindet. Sie machen des Jahrs nur eine Brut. Die Jungen sehen, wie hier die Abbildung zeiget, in der Mauser ziemlich buntscheckig aus. Gesicht, Kehle und die Seiten des Unterhalses schmutzig weiß, mit vielen schwarzen Längsflecken; Unterleib schmutzigweiß und grünlich mit schwärzlichen Querlinien; Oberrücken gelbgrün mit weißgrünlichen Flecken.

NUTZEN stiftet er durch seine Nahrung. Das Fleisch der Jungen hat, sauer gebraten, einen angenehmen Geschmak, SCHADEN richtet er nur dann an, wenn er in die Bienenkörbe ein Loch macht, um zu den Bienen zu kommen.

FEINDE. In seinen Gedärmen fanden wir Bandwürmer.

JAGD UND FANG. Er muß mit der Flinte erschlichen werden. Lebendig fängt man ihn, wenn man ihn in der Krallen- oder Häherhütte mit einer Pfeife, die seinen Ruf ängstlich nachahmt, auf einen mit Leimruthen bestekten Baum lokt.

ANMERKUNG. Mehrere Ornithologen glauben, daß der klebrige Schleim, womit die Spechte ihre Zunge beschmieren, um sie zum Insektenfang desto geschikter zu machen, sich hinten in der Zungenscheide befinde. Nach unsem, so wohl bei Jungen als Alten darüber angestellten Untersuchungen, ist dieser klebrige Schleim in zwei langen Drüsen zu beiden Seiten des Kopfes. Sie sind ungefähr 2 Zoll lang und hinten etwa 5 Linien breit, weißlich, laufen an der untern Kinnlade weg, werden immer schmäler und endigen sich da, wo die beiden Theile der Unterkinnlade zusammen gewachsen sind, mit einer Oefnung. Dies ist aber nicht die einzige, denn hinter dieser befinden sich noch sieben bis acht andere, aus welchen allen, wenn man die Drüsen mit einem Messerchen drükt, iener Schleim hervor und in die untere Kinnlade dringt, in welcher die Zunge liegt, und welche also bei ihrem Herausstrecken damit beschmieret wird. In diesen beiden Drüsen sieht man auch sehr deutlich mehrere Blutgefäße, die vielleicht einen Schleim absondern. Eine Abbildung der Drüsen und des Spechtkopfes nebst einer ausführlichem Beschreibung findet man in dem zweiten Band des Voigtschen Magazins für den neuesten Zustand der Naturkunde 1801. Bei der ersten Figur daselbst hat der Kupferstecher den Fehler begangen, daß er den Schnabel von der linken Seite und nicht von der rechten vorstellte.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Pirol

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    29. März 2017

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