Der Hänfling


KENNZEICHEN DER ART. Vordere Ruderfedern schwarz; Schwanzfedern sehwarz, an beiden Rändern weiß; die Brust am Männchen blutroth, am Weibchen röthlichweiß und graubraun geflekt.

BESCHREIBUNG. Schnabel am Grunde dik, vorn spitzig, im Sommer schmutzigblau, im Winter weißgrau; Stirn röthlich aschgrau, Scheitel karminroth; Nacken aschgrau mit kleinen schwärzlichen Längsflecken; Seiten des Halses aschgrau; um die Augen und Ohren grauweiß; Augenstern dunkelbraun; von dem Schnabelwinkel ein weißlicher Streifen am Halse herab; Kehle gräulich mit einigen dunkelgrauen Strichen; Brustseiten karminrolh mit weißen Federrändern; Brustmitte weißgrau; Seiten des Unterleibes hell rostfarbig ; Bauch und untere Schwanzdekfedern röthlichweiß; Oberrücken rostbraun mit röthlichweißen Federrändern; obere Dekfedern der ersten Ordnung schwarz mit röthlichweißer Einfassung; Vordere Schwungfedern schwarz, auf beiden Seiten weiß gerandet; Unterrücken weiß und grau gemischt; Schwanz gabelförmig, schwarz, die vier äußersten Federn auf beiden Seiten stark weiß eingefaßt , die beiden mittlern schmäler und röthlichweiß eingefaßt; Füße schwarzbraun, Nägel schwarz. Die Flügel bedecken drei Viertheile des Schwanzes. Länge 5. Zoll; Breite 9. Zoll.

Die jungen Männchen, von welchen unsere Kupfertafel eins vorstellt, haben folgende Farben: Schnabel röthlichweiß; Scheitel aschgrau, roströthlich gerandet, dunkelbraun gestrichelt, Augengegend hell rostfarbig; um die Ohren aschgrau; Oberleib rostfarbig mit dunkelbraunen Flecken; Schwung- und Schwanzfedern fast wie bei den Alten; Brust hell rostfarben, mit graubraunen Strichen und rundlichen Flecken, zwischen welchen die karminrothe Farbe durchschimmert; Bauch grau; untere Dekfedern des Schwanzes grauweiß; Füße hell rothbraun.

AUFENTHALT. Er lebt in Europa und in den nördlichen Theilen von Nordamerika. ln Deutschland ist er ein Strichvogel, der so lange er im Winter leere Stellen auf Aeckem findet, bei uns verweilet, bei einfallendem Schneeweiter augenbliklich verschwindet, eben so bald aber nach geschmolzenem Schmee wieder da ist. Im Sommer ist er gerne in Gärten und Vorhölzern, aus welchen leztern er im August in großer Gesellschaft in die Felder und Stoppeläcker zieht, und dann auf den Feldbäumen übernachtet. Im Winter schlafen sie des Nachts gerne in dicken mit dürrem Laube versehenen Eichen- und Buchenbüschen.

EIGENSCHAFTEN. Der Hänfling liebt die Gesellschaft seines Gleichen. Sezt sich einer, so folgen die andern nach. Eben dies geschieht auch beim Auffliegen. Sein Flug ist geschwind. Seinen Gesang, der laut und flötenartig ist, läßt er das ganze Jahr hindurch, die Mauserzeit ausgenommen , sitzend und nach Bechstcin , auch fliegend hören. Er ist gelehrig und lernt jung aufgezogen, den Gesang der Nachtigall, Lerche, Finken etc. ja sogar künstliche Melodien. Die Weibchen geben nur einige Loktöne z. B. gäcker, gäcker, gäcker, von sich. Er hat einen hüpfenden und etwas schwerfälligen Gang; badet sich gern im Wasser und Sande. Sein Alter erstrekt sich im Zimmer auf 8 bis 17 Jahre.

NAHRUNG. Er frißt die Samenkörner, die er im Kropfe zuerst weich macht, von Wegerich, Vogelwegtritt, Löwenzahn, verschiedenen Gräsern, Habichtskraut, Rüben, Kohl, Lein und Hanf, leztern aber nur, wenn er noch weich ist. Im Winter hülset er auch die Eichen – und Pappelknospen aus. Er ist ein großcr Liebhaber von Salz, und findet sich daher gern bei Schafkrippen ein. Im Zimmer gibt man ihm Sommerrübsamen.

FORTPFLANZUNG. In Frankreich sollen sie gern in Weinbergen brüten. In Thüringen findet; man nach Bechsteins Versicherung oft Plätze, mit dichtstehenden jungen Tannen und Fichten, auf welchen in einem Umkreise von 5. bis 4oo. Schritten hundert Nester beisammen. Außerdem legen sie ihr Nest auch in Hecken und Gebüschen, besonders aber in Weißdornbüsche und Stachelbeerstauden an. Das Nest besteht aus zarten Wurzeln, zarten Spargelzweigen, aus dürren Stengeln von Katzenpfötchen (Gnaphalium dioicum) Grashalmen, zarten Blättern, Moos, Federn, Haaren und Wolle. Das Weibchen brüttet des Jahrs zweimal und legt jedesmal vier bis sechs perlgraue Eier, die am stumpfen Ende mit fleischfarbigen Punkten und Strichen manchmal auch ungeflekt bezeichnet sind, und von beiden Geschlechtern wechselsweise in 14. Tagen ausgebrütet werden. Die jungen werden von den Alten mit allerhand Sämereyen, vorzüglich mit Löwenzahnsamen (Leontodon taraxacum Lin.) die festere vorher im Kropfe einweichen, gefüttert. Die ganz jungen Männchen kennt man an ihrem weißen Halsringe und der mehrern weißen Farbe in den Flügeln und dem Schwänze.

NUTZEN stiften sie theils durch ihren Gesang, theils durch ihr Fleisch, SCHADEN wenn sie in die Küchengärten auf die samentragenden Gemüse fallen, FEINDE haben sie an dem Sperber und dem großen Wiesel. Im Käfig sind sie der Verstopfung, Engbrüstigkeit, fallenden Sucht und der Darre unterworfen.

JAGD UND FANG. Da es scheue Vögel sind , so sind sie auf dem gewöhnlichen Vogelherde etwas schwer zu fangen. Vor der Begattung fängt man sie im Frühjahr auf Lokbüschen, die man mit Leimruthen bestekt, wobei man aber einen guten Lokvogel haben muß. Im Herbst wenn sie sich auf die Salatstauden etc. setzen, behängt man diese mit Sprenkel, und Leimruthen, und fängt sie also auch auf diese Weise.

ANMERKUNG. Wir sahen ein Weibchen, das einige gelernte Lieder so rein und schön sang , wie ein Männchen. Es legte zwei Jahre hinter einander, jedesmal ohne Begattung, ein auch zwei Eier.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Der Pirol
Das Rotschwänzchen
Die weisse Bachstelze
Die Lachtaube
Der Staar
Der Grünling
Die Mauerschwalbe
Der Kukuck
Die Bisamente