Der Handschuh des Fürsten Blücher von Wahlstatt











Jüngst sprach ein alter Grenadier:
„Herr Wirth, ich danke sehr,
Für Morgenbrot und Nachtquartier,
Und all das Gute mehr.
Ich eile jetzt zur Heimath hin
Mit freudetrunk’nem Muth,
Der Handschuh hier ist mein Gewinn,
Ein unschätzbares Gut.“

„Der Handschuh? fiel der Wirth ihm ein,
Wie ist denn das gemeint?
Der Handschuh soll ein Kleinod seyn,
Der so veraltet scheint?“
Entrüstet sprach der Grenadier
Mit Falten auf der Stirn:
„So hört denn Wunder jetzt von mir,
Zu hoch für manch Gehirn.“

„Bei Ligny trafen wir den Feind,
Zurück stand Dennewitz;
Drei Feinde gegen einen Freund
Und Mangel an Geschütz;
Doch Vater Blücher, Vorwärts! rief,
Wir stürzten in die Schlacht;
Was unsern Waffen nicht entlief,
Ward nieder gleich gemacht.“

„Zu weit trieb uns des Kampfes Muth,
Drum floh uns bald das Glück;
Ich selber sank und lag im Blut,
Das Heer zog sich zurück.
Bewußtlos ward ich hingestreckt,
Im heißen Kampf der Schlacht;
Doch von der Vorsicht Hand bedeckt,
Entfloh des Todes Nacht.“

„Da sah umringt ich von Gefahr,
Den Feldherrn nah vor mir,
Bedroht von wilder Feinde Schaar,
Voll Wuth und Mordbegier.
Vom Donner tausendfach umbrüllt
Lag Er, von Gott beschützt:
In starken Pulverdampf gehüllt,
Stets vom Geschütz umblitzt.“

„Ihm nahe war sein Adjutant,
Der Fürst lag unterm Pferd;
Zur Hülfe war ich bei der Hand,
Und Er blieb unversehrt.
Da fand ich diesen Handschuh dort,
Den Vater Blücher trug;
Ihn nahm ich hoch entzückt mit fort
Und folgte seinem Zug.“

„Ich trug ihn wie ein Heiligthum,
Seitdem auf meiner Brust,
In jedem Kampf mit mir herum,
Der Kraft mir unbewußt;
Doch da mir nah’te die Gefahr,
Entriß er mich dem Grab;
Denn jede Kugel, – wunderbar! –
Prallt‘ an dem Handschuh ab.“

„Bei Waterloo beschützt‘ er mich,
In jener großen Schlacht;
Da war ich gegen Hieb und Stich
Und Kugeln fest gemacht.
So tief ich auch ins Feuer ging,
Gekrümmt ward mir kein Haar;
Wo mancher seinen Tod empfing,
Da trotzt‘ ich der Gefahr.“

„Drei Rotten nebst dem Officier,
Befahl ich: Streckt’s Gewehr!
Und brachte sie zum Hauptquartier
Getrieben vor mich her.
Glaubt nicht, daß Ruhmsucht aus mir spricht,
Dann wäret ihr im Wahn;
Nein, Freund! mein Muth der that es nicht,
Der Handschuh hat’s gethan.“

nach einer Schlachtensage
Ferdinand Freiligrath, 1823

Siehe auch:
Adolf Ziegler
Ivo Saliger
Georg Sluyterman von Langeweyde
Kunstdruck, Der geheime Wahlkongress – Adolf Hitler
Nordische Mythologie
Deutsche Mythologie
Deutsche Exlibris
Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges
Saat & Ernte
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Der Handschuh des Fürsten Blücher von Wahlstatt
Das Mädchen mit dem Trinkhorn