Der Kernbeisser


KENNZEICHEN DER ART. Graulich kastanienbraun; über die Flügel ein weißer Streifen; die mittlern Ruderfedern an der Spitze stumpfeckig und stahlblau; am Kinne mit einem schwarzen Flek.

BESCHREIBUNG. Schnabel sehr dik, rund, beide Kinnladen gleich lang, der obere über den untern an den Seiten herab gehend; im Sommer dunkelblau, im Winter fleischfarbig, an der Spitze schwärzlich; Nasenlöcher klein und bedekt; Augenstern roth; Stirn mit einem schwarzen Saum; von den Augen läuft ein schwarzer Streif herab, welcher sich unter dem Kinne vereinigt und ein Dreiek bildet; Scheitel, Wangen und obere Dekfedern des Schwanzes hell kastanienbraun; Oberhals und die Seiten desselben schön aschgrau; Rücken und Schulterfedem tiefbraun; die großem Dekfedern der Flügel bilden einen weißen Flek, der hinten hell rothbraun wird; Schwungfedern schwarz, am Ende stahlblau, die der zweiten Ordnung an den Spitzen slumpfeckig abgeschnitten; Unterleib schmutzig fleischroth; Schwanz schwarz, an der Spitze mit einem weißen Bande; Füße blaß fleischfarbig. Die Flügel bedecken die Hälfte des Schwanzes. Länge 7 Zoll, Breite 12 Zoll.

AUFENTHALT. Der Kernbeißer ist ein bekannter Strichvogel, bleibt aber im Winter bei uns, wenn er Nahrung genug findet. Er wohnt in gebirgigen Laubwäldern, die aus Buchen und Ahorn bestehen, auch in den Gärten der Walddörfer. Im südlichen Deutschland ist er häufiger als im nördlichen und ausserdem auch noch in mehrem andern Ländern von Europa anzutreflen.

EIGENSCHAFTEN. Seine Lokstimme, die er im Friihiahr auf den höchsten Bäumen sitzend, hören läßt, besteht in einem durchdringenden iz, zifs! Im Fluge aber ruft er zik, zik! Der Gesang des Männchens ist unangenehm. Im Sitzen bewegt er den ganzen Körper hin und her. Er hat einen geschwinden Flug, obgleich sein dicker Kopf und Schnabel nebst dem kurzen Schwänze nicht dazu geeignet sind. Indessen hilft er sich durch das äusserst schnelle Rudern mit seinen Flügeln. Im Freien ist er, wenn ihn nicht der Hunger kirre macht, scheu, und läßt niemand leicht nahe an sich kommen. Sind ihrer mehrere auf einem Kirschbaum mit dem Aufknacken der Kirschkerne beschäftigt, so verhalten sie sich äusserst ruhig, und man würde ihr Dasein nicht ahnden, wenn man nicht durch die herabfallenden Kirschentheile davon überzeugt würde. Im Zimmer duldet er keine andern Vögel neben sich; er zerknickt ihnen die Füße, rauft ihnen die Federn aus und empfiehlt sich also auch in der Hinsicht zu keinem Stubenvogel.

NAHRUNG. Kirschkerne – denn das Fleisch der Kirschen verschmäht er, — sind seine Lieblingsspeise. Weißbuchensame, Haselnüsse, Wallnüsse, Pflaumen, Schlehen bricht er mit Leichtigkeit auf und nimmt den Kern heraus. Ausserdem frißt er auch Massholder-Ahorn- Tannen-Fichten- Rüster- und Leindottersamen, Vogelbeerkerne, Bucheckern, Kohl- Rüb- Hanf- Rettig- und Salatsamen. Seine Nahrung ist also mannigfaltig, und doch fehlt es dem Fresser zuweilen an dieser!

FORTPFLANZUNG. Gewöhnlich findet man sein Nest, das aus kleinen Reisern und zarten Wurzeln gebaut ist, auf hohen Buchen, Obstbäumen und Gebüschen, worein das Weibchen drei bis fünf stumpfe, aschgraue ins grünliche spielende und mit braunen Flecken versehene Eier legt, die beide Geschlechter wechselsweise in vierzehn Tagen ausbrüten. Die Jungen sehen vor der ersten Mauser den Alten ziemlich unähnlich. Auch fehlt ihnen der schwarze Flek am Kinne.

NUTZEN. Ihr Fleisch hat einen vortreflichen Geschmak. SCHADEN stiften sie in Gärten durch ihre Nahrung. Ihre FEINDE sind mehrere kleine Raubvögel.

JAGD UND FANG. Man schießt sie am sichersten aus Hütten, die man in der Nähe der Kirschenbäume macht. Sie gehen auch auf Leimnruthen, Vogelherde und in Schneußen.

1) Loxia Coccofhraustes alba.
2.) Loxia Coccothraustes fulva.

ANMERKUNG. Wir fanden den Augenstern des Kernbeissers roth; nach Bechstein und der deutschen Ornithologie ist er grau. Retzius sagt in der Fauna sueyica, daß dem Weibchen die schwarze Kehle fehle. Es ist uns wahrscheinlich, daß er einen jungen Vogel vor sich gehabt habe, dem bekanntlich der schwarze Flek an dem Kinne fehh.

Siehe auch:
Der Uhu
Der Dorndreher
Die Elster
Der Kernbeisser
Der Gimpel
Die Kohlmeise
Der Turmfalke
Der Grünspecht
Die Dohle
Der Stockfalke
Pirol